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Widerstand gegen die Mafia wurde im KuKuK durch Informationen und mafiabefreite Produkte unterstützt

Bei Martin Klupsch von “Libera” (l.) bedanken sich KuKuK-Vorsitzender Dieterich Emde (Mitte) und DIG-Vorsitzende Rita Schneider-Cartocci (r.).
Bei Martin Klupsch von “Libera” (l.) bedanken sich KuKuK-Vorsitzender Dieterich Emde (Mitte) und DIG-Vorsitzende Rita Schneider-Cartocci (r.).
Gießen | Die Mafia ist auch in Deutschland ein Begriff, jedoch oft eher eine romantisierende Hollywood-Darstellung, die der dramatischen Realität in Süditalien nicht entspricht. Im Rahmen einer Mittelhessen-Tour mit Etappen in der Goetheschule Wetzlar, in der Gesamtschule Gleiberger Land und in Marburg bei der Vereinigung Il Ponte e.V. konnten die Deutsch-Italienische Gesellschaft Mittelhessen e.V. und der Kunst- und Kulturkreis Wettenberg e.V. den Vertreter vom Fair-Handelszentrum Rheinland Martin Klupsch für ihre Veranstaltungsreihe „Italienische Kontraste“ einladen. Am Mittwoch, 14. November 2018, hielt er einen Vortrag mit anschließender Degustation von „mafiabefreiten“ Produkten in der Kunst- und Kulturhalle des KuKuK in Wettenberg.
Klupsch führte das Publikum in die Realität der Mafia insbesondere auf Sizilien mit einer Präsentation mit einschlägigen Bildern ein. Zuerst zeigte er, wie die Mafia durch Kitsch-Artikel, oft mit „Padrino“-Motiven, in den Souvenirläden oft zu sehen ist. Andererseits wird an die Mafia-Opfer, wie die bekannten Richter Falcone und Borsellino, denen zu Ehren der Flughafen von Palermo umbenannt
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wurde, oder den Priester Giuseppe Puglisi, im Dom begraben, der sogar von der katholischen Kirche selig gesprochen wurde, Placido Rizzotto in Corleone und Peppino Impastato, dessen Geschichte auch im Film „100 Schritte“ erzählt ist, in verschiedener Weise erinnert. In Corleone, der als Geburtsort gefährlicher Boss von Cosa Nostra bekannt ist, befindet sich das Antimafia-Museum C.I.D.M.A. (Centro Internazionale di Documentazione sulla Mafia e del Movimento Antimafia) seit 2000, wo viele Dokumente vom Maxiprozess von Palermo, Fotos und Zeugnisse über den Mafiakrieg der Neunziger Jahre aufbewahrt sind.
Aber es gibt auch Vereine, Organisationen und Kooperativen, die sich gegen die Macht der Mafia engagieren, zum Beispiel „Addio Pizzo“ und „Libera“, die der Referent ins Detail vorstellte.
In Palermo vier Geschäfte von fünf zahlen Schutzgeld („Pizzo“). Bei den Geschäften, die mit einem „Addio Pizzo“-Aufkleber gekennzeichnet sind, geht es um Läden, die sich gegen das Schutzgeld wehren. „Addio Pizzo“ entstand unter Studenten, die eine Kneipe eröffnen wollten, die Kosten des Schutzgeldes aber nicht mitberechnet hatten. Dieses Lokal gibt es nicht, stattdessen organisierten sie sich in einem Verein Anfang der 2000er Jahre. Der Sitz ist
Die Gäste probieren und kaufen leckere mafiabefreite Produkte.
Die Gäste probieren und kaufen leckere mafiabefreite Produkte.
in einem konfiszierten Gebäude und Aktivitäten wie Tagestouren, Begegnungen mit Überlebenden von Mafia-Anschlägen oder Besuche von Kooperativen werden organisiert. Telefonische Abhörungen von Mafiosi haben bestätigt, dass Addio Pizzo wirkt und die gekennzeichneten Geschäfte nicht mehr bedroht werden. Ziel und Wunsch ist, dass alle Läden sich weigern, Schutzgeld zu zahlen.
„Libera“ wurde 1995 gegründet. Seit 1982 mit dem Pio La Torre Gesetz darf der Staat Mafia-Mitgliedern Güter konfiszieren. Erst 1996, dank einer Unterschriftensammlung durch „Libera“, wurde das Gesetz 109/1996 verabschiedet, gemäß dessen diese konfiszierten Güter an Non-Profit-Organisationen zur Nutzung übergeben werden können. „Libera Terra“ wurde von Don Luigi Ciotti 2001 als Zweig von „Libera“ gegründet, um Jugendlichen legale Perspektiven außerhalb der Mafia anzubieten, genauso wie die Sozialkooperative „Placido Rizzotto“. Seitdem wurden weitere Kooperativen gegründet, die jetzt als beliebter Arbeitgeber gelten, die mit legalen Verträgen und unter guten Bedingungen über 200 Menschen beschäftigen. Sie bewirtschaften zusammen eine Fläche von circa 1500 Hektar. Der Dachverband heißt „Libera Terra Mediterraneo“. Die Marke „Libera Terra“ muss bestimmte Kriterien erfüllen, wie die Legalität, das Engagement in der Gemeinde und die Herstellung von Bio-Qualitätsprodukten: Weine, Bier, Öl, Konfitüre, Liköre, Grissini, Nudelsorten – alle mit Bio-Zutaten aus „mafiabefreiten“ Ländern und nach antiken Traditionen. Diese Produkte „sind mehr als nur Lebensmittel. Sie sind ein Zeichen des Widerstands gegen die Macht der Mafia“, so der Gründer von „Libera“ Don Ciotti.
Die Gäste konnten im Anschluss an den Vortrag im Rahmen einer Degustation einige Qualitätsweine, Limoncello, Grissini, verschiedene Marmeladen und Aufstriche probieren und erwerben. Diese Produkte sind in Weltläden sowie online unter www.legalundlecker.de erhältlich.

Bei Martin Klupsch von “Libera” (l.) bedanken sich KuKuK-Vorsitzender Dieterich Emde (Mitte) und DIG-Vorsitzende Rita Schneider-Cartocci (r.).
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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.521
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 11.12.2018 um 15:00 Uhr
Der Trägerverein des Giessener Weltladens hat auch vor ein paar Wochen ein kleinere Veranstaltung zum Thema gemacht.

Im Giessener Laden (Schulstr. 4 - in der Nähe des Marktplatzes) kann "mafiafreier Wein" gekauft werden.
Martin Wagner
2.521
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 11.12.2018 um 15:04 Uhr
... weitere Informationen zum Wein-Angebot im Giessener Laden

(Auszug von der hp des Weltladens)


"Weine aus Fairem Handel – süd und nord

Am Donnerstag, 22.11.2018 um 19 Uhr erwartet Genießerinnen und Weinliebhaber ein entspannter wie spannender Abend: Verschiedene Weine aus dem Weltladen-Sortiment sollen verkostet werden, dazu haben wir den Weinkenner Marc Colavincenzo eingeladen. Er wird uns geschmacklich an die Weine heranführen und Interessantes zu den edlen Tropfen zu erzählen haben.
Aber auch der Wissensdurst soll gestillt werden, mit spannenden Hintergrundinformationen zum fairen Weinanbau in Südafrika genauso wie zur Frage, wieso Wein von mafia-befreitem Land in Italien „Fairer Handel im Norden“ ist.

Dazu gibt es Köstlichkeiten aus fairen Zutaten.

Karten an der Ladenkassen: 14 € / erm. 10 €

Inkl. Imbiss, Weine und ein Glas edlem Sekt zum Einstieg."
DIG Mittelhessen e.V.
856
DIG Mittelhessen e.V. aus Gießen schrieb am 12.12.2018 um 11:41 Uhr
Danke für die Information!
Weltladen Gießen
41
Weltladen Gießen aus Gießen schrieb am 21.12.2018 um 09:35 Uhr
Der Weltladen Gießen war an diesem informativen Abend in Wissmar mit einem Verkaufs- und Infostand anwesend. Nach dem Vortrag haben wir unser mafia-freies Sortiment deutlich ausgeweitet. Ein Beitrag dazu, der Mafia in Süditalien die Stirn zu bieten - und lecker ist es noch dazu:
Schulstraße 4, Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa 10-15 Uhr
Stefan Walther
4.439
Stefan Walther aus Linden schrieb am 21.12.2018 um 11:23 Uhr
Es ist ja lobenswert die - kriminellen,kapitalistischen - Machenschaften der Mafia auf zu decken und dem etwas entgegen setzen zu wollen...

Nur, so lange das Internationale Finanzkapital, die internationalen Monopole die Hauptverantwortung tragen für Umweltzerstörung ( Verseuchung von Boden, Luft und Meeren ), Ausbeutung ( Hungerlöhne, Kinderarbeit... ) und neokolonialistische Ausbeutung vieler Länder ( u.a. mit Überschwemmung von Billigprodukten und Ruinierung hunderttausender Kleinbauern, Verschuldung ganzer Staaten vor allem in Afrika... ) - so lange wird sich rein gar nichts ändern.

Einen "fairen" Handel kann es im weltweit herrschenden System des Imperialismus nicht geben, dafür wäre die Überwindung des Imperialismus Voraussetzung.

Man könnte ja jetzt, so wie es viele tun, sagen: "man muss halt im Kleinen anfangen, auch jeder bei sich selbst usw. usf." = das löst aber erstens das Problem nicht und zweitens nimmt es die Hauptverursacher "aus der Schusslinie"...
Martin Wagner
2.521
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 23.12.2018 um 16:05 Uhr
Stefan, der Trägerverein des Giessener Weltladens arbeitet seit seiner Gründung immer zweigleisig. In dem Laden wird (so wie du es benannt hast) (...) ".... im Kleinen angefangen .... " (...) und gleichzeitig wird in der Bildungsarbeit gegen die kapitalistischen Welt bzw. deren Auswüchse (diese Schwerpunktsetzung hat sich nach meinem Geschmack leider in den letzten Jahrzehnten geändert) politisch gearbeitet. Ich denke Beides gehört eng zusammen.

Zugegeben die jetzige neumodische Sprache von "Partnerschaft" (anstatt der Feststellung es gibt immer noch eine kapitalistische Welt und die von dieser Welt ausgebeuteten Ländern) bzw. die Illusion eines "Fairen Handels" (hier nicht als Zielvorstellung gemeint, sondern als Feststellung der tatsächlichen Kräfteverhältnisses) ist nicht nur ärgerlich, sondern trägt zur Verbreitung von Illusionen (kräftig gesät von den Parteien des herrschenden Blockes) bei.

Früher waren die Mehrheitsverhältnisse im Verein anders. Mehr an "wir hängen uns eindeutiger aus dem Fenster" ist leider bei dem jetzigen Aktivenstamm nicht drin.

Trotzdem der mafiafreie Wein ist gut und aus der Kooperative werden auch Marmeladen und Nudeln im Laden angeboten.
Stefan Walther
4.439
Stefan Walther aus Linden schrieb am 23.12.2018 um 18:38 Uhr
Danke für die kritische Antwort Martin!

Und klar gönne ich dem Weltladen seine Einnahmen.
Nicht böse sein = und wer`s sich leisten kann wird sicher auch den mafiafreien Wein probieren :-)

Erholsame Feiertage und ein erfolgreiches und kämpferisches Neues Jahr!
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