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Naturnahe Forstbewirtschaftung mit Rückepferd „Henry“

Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich, Ernst-Ludwig Kriep (Leiter des städtischen Forstbetriebs), Landwirt Thomas Sänger und Kaltblut „Henry“
Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich, Ernst-Ludwig Kriep (Leiter des städtischen Forstbetriebs), Landwirt Thomas Sänger und Kaltblut „Henry“
Gießen | Auch bei der diesjährigen Holzernte bringt die Stadt Gießen wieder Rückepferde zum Einsatz. Bei einem Ortstermin im Schiffenberger Wald konnten sich Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich und der Leiter des städtischen Forstbetriebs Ernst-Ludwig Kriep von den Vorzügen des Pferdeeinsatzes überzeugen. Die Arbeit erfolgt klimaneutral, der Boden wird geschont und nachwachsende Bäume werden weniger beschädigt als beim Maschineneinsatz.

Während in der einen Waldabteilung die Holzernte noch in vollem Gang ist und dicke Buchen und Eschen krachend zu Boden fallen, hört man in der Nachbarfläche fast keinen Laut. Hier arbeiten Pferderücker Thomas Sänger und „Henry“ als Team für den städtischen Forstbetrieb. „Henry“ ist ein Rheinisch-Deutsches Kaltblut, ein kräftiges, breit gebautes Arbeitspferd. Es zieht die fünf Meter langen Baumteile an die Rückewege. Thomas Sänger dirigiert das muskelbepackte Tier ruhig und sicher zwischen den Bäumen hindurch. Beide wirken dabei sehr gelassen und haben in den letzten neun Jahren gemeinsam schon eine Menge Holz „auf dem Buckel“.
Landwirt Thomas Sänger arbeitet auf seinem Hof mit insgesamt 5 Pferden als Zugtieren und ist von deren Vorzügen absolut überzeugt.

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„Im Stadtwald soll das Nutzholz möglichst schonend gewonnen werden“ so Stadträtin Weigel-Greilich im Gespräch vor Ort. „Ziel ist es, einen möglichst artenreichen, mehrstufigen Mischbestand zu erhalten. Dies stellt gerade in Zeiten von Klimaveränderung und Extremwetterereignissen eine große Herausforderung für die städtische Waldbewirtschaftung dar.“

Wie Ernst-Ludwig Kriep, der Leiter des städtischen Forstbetriebes versichert, habe das Ganze nichts mit Nostalgie zu tun. Es zahle sich auch wirtschaftlich aus. Zwar müsse die Stadt sechs Euro mehr pro Festmeter Holz für den Einsatz bezahlen. Weil aber weniger Fläche für Rückegassen gebraucht wird, könne etwa zehn Prozent mehr Wald nachwachsen. Zudem fielen die Kosten für die Behebung von Bestands- und Bodenschäden aus.

„Natürlich gibt es auch Grenzen für den Pferdeeinsatz“, so Kriep. Sobald die Stämme deutlich über einem Kubikmeter mäßen, reiche eine Pferdestärke nicht aus. Dann werde die Arbeit in einem festgelegten Arbeitsverfahren durch Forstmaschinen ergänzt.

„Wir nutzen sämtliche geeignete Möglichkeiten, um Ökologie und Ökonomie zu vereinbaren“, so Ernst-Ludwig Kriep. Biotopbäume mit Nisthöhlen würden nicht gefällt, um die Artenvielfalt zu steigern. Totholz verbleibe im Wald, um die Fruchtbarkeit des Bodens zu sichern. Darüber hinaus seien 11 Prozent des Stadtwaldes komplett der Natur überlassen.

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