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Vizzarri präsentierte Aspekte der Migration und der politischen Partizipation der Italiener in Deutschland im Rahmen der „Italienischen Kontraste“ im KuKuK

Francesco Vizzarri referiert über die italienische Migration nach Deutschland.
Francesco Vizzarri referiert über die italienische Migration nach Deutschland.
Gießen | Das Hauptthema der von KuKuK Wettenberg e.V. und DIG Mittelhessen e.V. organisierten Veranstaltungsreihe „Italienische Kontraste“ war die Migration, vor allem der Flüchtlinge nach Italien in der Wanderausstellung „Jenseits von Lampedusa“. Aber auch die Italiener sind nach Deutschland als Arbeitsmigranten gekommen. Über besondere Aspekte dieses Phänomens berichtete der Doktorand am Historischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen Francesco Vizzarri am Sonntag, 11. November 2018, in der Kunst- und Kulturhalle des KuKuK in Wettenberg in einem Vortrag mit dem Titel „Migration und politische Partizipation“. In seinem Promotionsvorhaben beschäftigt er sich insbesondere mit den Mitgliedsvereinen für die italienischen Migranten in Deutschland, Belgien und Frankreich.
Zuerst gab er einen Überblick über die Bedingungen der italienischen Migration nach Deutschland von den Fünfziger Jahren bis heute. Mit der Vereinbarung über Anwerbung und Vermittlung italienischer Arbeitskräfte 1955 wurde die Einwanderung organisiert, indem die jungen Männer von einer Kommission mit Ärzten in Mailand und Verona ausgewählt wurden.
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Bis zu den Siebziger Jahren dauert diese erste Phase des Rotationsprinzips, da die Arbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen kamen, am Ende nach Italien zurückkehrten und neue Arbeitskräfte nach Deutschland geschickt wurden. Es folgten zwischen den Siebziger und den Neunziger Jahren die zweite Phase der Konsolidierung und seit den Neunzigern die dritte Phase der Integrationspolitik.
Vizzarri betonte dann, dass unter den sozialen Aspekten die Einwanderung nicht wirklich funktioniert hatte, da die Migranten sich ghettoisierten und keine Karrieremöglichkeit im Beruf hatten. Die Migrationspolitik auf europäischer Ebene hat sich nie in den Jahrzehnten großartig geändert und die bilateralen Abkommen sind in den Siebzigern so geblieben, wie sie waren.
Schwerpunkt der Präsentation waren die Migrantenorganisationen, nämlich die FILEF (Federazione Italiana Lavoratori Emigrati e Famiglie), die 1967 u.a. von Carlo Levi gegründet wurde. Ziel dieser Vereinigung war die Anerkennung der Emigration als nationales und europäisches Phänomen, indem sie eine Lösung für die ökonomischer und sozialer Probleme im Herkunftsland, wo die Männer die (süd)italienischen Dörfer verließen, und in den Ankunftsländern fand. Die FILEF unterstützte die italienischen
KuKuK-Vorsitzender Dieterich Emde und DIG-Vorsitzende Rita Schneider-Cartocci bedanken sich bei Vizzarri für seinen Vortrag mit einem Präsent.
KuKuK-Vorsitzender Dieterich Emde und DIG-Vorsitzende Rita Schneider-Cartocci bedanken sich bei Vizzarri für seinen Vortrag mit einem Präsent.
Migranten mit zahlreichen Aktivitäten wie Zusammenkünften, Kongressen, Tagungen, von 1968 bis in den 2000er Jahre erschien die eigene Zeitschrift „Emigrazione“, wo Briefe der Auswanderer, Ausschnitte aus Tageszeitungen, Interviews, Kommentare – teilweise auf Deutsch - veröffentlicht wurden.
Die FILEF hatte eine föderale Struktur, wo die Vereine, die schon existierten, ihre Autonomie behielten, und arbeitete auf nationaler Ebene in Italien und auf lokaler Ebene in den Ankunftsländern. Als Beispiele von Mitgliedsvereinen präsentierte Vizzarri den „Circolo Culturale Ricreativo Rinascita“ in München und den „Circolo Di Vittorio“ in Frankfurt am Main.
Vom ersten gibt es viele Dokumente und Fotos, dessen Aktivität nachweisen. In München diskutierten die Mitglieder des Circolo Culturale Ricreativo Rinascita über ihre Arbeitsrechte angesichts der aktuellen Situation. In den Siebziger Jahren veröffentlichte der Verein die Zeitschrift „Tempi Nuovi“ und hatte Kontakte mit den Kommunisten in Turin. Die Geschichte der Vereine ist mit der Geschichte des Kommunismus in Italien eng verbunden, aber in den Achtziger und Neunziger Jahren wollten sie verständigungsorientiert arbeiten, um die Probleme zu lösen, d.h. sie distanzierten sich von den orthodoxen Positionen der KPI; zum Beispiel, sie waren auch gegenüber den Katholiken offen.
Vom Circolo di Vittorio wurden viele Dokumente in den Neunzigern nach dem Tod Berlinguers zerstört und die Forscher sind noch auf der Suche nach Zeugnissen.
Heute leben über 640.000 Italiener in Deutschland und sind gut integriert. Sie finden Unterstützung bei den COMITES, die in Verbindung mit den Konsulaten sind, beim Patronato und in vielen Vereinen, die auch regionalen Charakter haben.
Mit einer PowerPoint-Präsentation mit Stichwörtern, Grafiken und historischen Fotos sowie konkreten Zeugnissen wie Exemplaren der Zeitschrift „Emigrazione“ und Quellenangaben konnten sich die Zuhörer ein komplettes Bild der Situation der italienischen Arbeitsmigranten in Deutschland machen.
Das Publikum konnte noch über die aktuelle Präsenz der Italiener in Deutschland und über das Thema der Integration diskutieren.
Die 1. Vorsitzende der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Mittelhessen e.V., Rita Schneider-Cartocci, und der Vorsitzende des Kunst- und Kulturkreises Wettenberg e.V., Dieterich Emde, bedankten sich bei Francesco Vizzarri mit einem kleinen Präsent für den interessanten Vortrag.

Francesco Vizzarri referiert über die italienische Migration nach Deutschland.
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