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Zum 155. Geburtstag der "Alten Lady"

Gießen | Anlässlich des 155-jährigen Geburtstags der „Alten Post“ veranstaltete die Bürgerinitative „Rettet die Alte Post“ am 5.11.2018 eine Geburtstagsfeier. Die BI hat mit interessierten Bürgern auch die anstehende Rettung dieses architektonischen Kleinods in Gießen gefeiert.

Zum 155. Geburtstag

Liebe Jubilarin,

zunächst möchten wir Dir sagen, dass es unangemessen von uns war, dich inden letzten Monaten „Alte Post“ zu nennen. Immerhin bist Du 1863 vom Fürstenhaus von Thurn und Taxis errichtet worden, also bist Du eine „von Thurn und Taxis“.

Später nannte man Dich sogar bis 1918 „Kaiserliches Postamt“.
„Historisches Hauptpostamt von Thurn und Taxis“ wäre wohl eine angemessene Bezeichnung.

Du wurdest gebaut, als das Postkutschenzeitalter zu Ende ging und der Personen- und Briefverkehr auf die Eisenbahn überging. 1882 wurde in Deinen Räumen im 1. Stock die Telegrafenbetriebsstelle eingerichtet.
Dazu wurden zunächst das Gebäude erweitert und umgebaut. Dieser Zustand ist auf einer Postkarte von 1913 festgehalten.

Nur wenig später wird 1888 im ersten Stock die erste Gießener Fernsprechvermittlung eingerichtet. Am 1. November 1889 nimmt die Gießener „Stadtfernsprecheinrichtung“ mit 55 Sprechstellen bei 53 Teilnehmern den Betrieb auf.

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Ab 1893 werden deine Räume mit dem „Auer'schen Gasglühlicht“ beleuchtet. Vorher müssen wohl Kerzen verwendet worden sein.

Für 1898 wird in Deiner Chronik erwähnt, dass „weibliches Personal“ sogenannte „Fernsprechgehilfinnen“ eingestellt wurden.

1900 beginnt der Fernsprechverkehr nach Wetzlar, Butzbach, Frankfurt und Marburg. In der Schalterhalle wird die erste öffentliche Telefonzelle in Gießen eingerichtet. 1906 sind auch diese Zellen mit Gaslicht versehen.

1907 wird in Deinem Keller ein Brausebad für die Bediensteten eingerichtet.

1920 zieht das mittlerweile gegründete Telegrafenamt in die Alte Klinik um.
1927 wird der Bau für den Telegraphen- und Fernsprechdienst begonnen und 1928 fertiggestellt. Am 27. Juli 1929 geht die neue Wählvermittlungsstelle in Betrieb. An diesem Tag nimmt auch die neue Rohrpostanlage ihren Betrieb auf. Zwei Sende- und Empfangsstellen verbinden den Schalterraum des Postamtes mit der Telegrafenstelle bzw. die Telegrafenstelle mit der Zustellung des Postamtes.

Der Krieg hat dich zum Glück kaum beeinträchtigt. Nur beim Telegrafenamt waren Dach und Fenster zu erneuern.

1953 und 1954: Das Fernmeldeamt, wie jetzt der zweite Bau auf dem Grundstück Bahnhofstraße 91 heißt, wird renoviert. Der Fernsaal im 2. Stockwerk des Gießener Fernmeldegebäudes wird umgestaltet. Die Wände werden mit Schalldämmplatten verkleidet.

Ja und dann kommt das Jahr 1992. Die Bundespost zieht in das neue Gebäude auf der anderen Straßenseite. Auch das zweite Gebäude steht mittlerweile leer, weil das neue Fernmeldeamt in der Liebigstraße bezogen wurde.

Die Bundespost verkauf dich 1998 an Herrn Shobeiri, ein in Gießen sehr bekannter Teppichhändler. Jahrelang kümmert sich dieses Individium bzw. seine Kinder Karim Shobeiri und Sylvia Würtele geb. Shobeiri nicht um das Gebäude. Es diente ihnen, wie wir nach dem Rundgang wissen, als Endlager für ausrangierten Hotel- und Küchenmöbeln. Auch auf Schrottverwertung verstand sich die alten Eigentümer. Heizkörper und Rohrleitungen wurden ausgebaut. Ebenso viele Türen.

Viele Gießener waren 2017 der Auffassung, dass Du ebenso wie das Gebäude Samen-Hahn unter der Abriss-Birne enden könntest. Daher gründete sich die Bürgerinitative „Rettet die Alte Post“. Auch unserem intensiven Bemühen ist es zu verdanken, dass du nun den Eigentümer gewechselt hast. Mit Herrn Laumann, da sind wir ganz sicher, wird wieder neues Leben in Deine Mauern einziehen. Er wird dich wieder fein herrichten, wie es einer Lady wie dir zusteht.

Wir sind sicher, dass wir noch viele Geburtstage mit Dir feiern werden.
Text von: Peter Eschke

 
 
 
 

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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
27.191
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 05.11.2018 um 21:54 Uhr
Warten wir es ab.
Christian Momberger
11.115
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 05.11.2018 um 22:41 Uhr
Danke für den Beitrag Martina.
In der Tat, hoffen wir mal das Beste, dass jetzt endlich alles "gut" wird mit dem neuen Besitzer.
Martina Lennartz
5.567
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 05.11.2018 um 23:03 Uhr
Lieber Christian, das wünschen wir uns alle ;)
Klaus Viehmann
1.180
Klaus Viehmann aus Hüttenberg schrieb am 06.11.2018 um 11:08 Uhr
Ich drücke auch die Daumen, dass alles gut wird! So ein historisches Gebäude muss doch erhalten bleiben.
Peter Eschke
51
Peter Eschke aus Gießen schrieb am 06.11.2018 um 16:31 Uhr
Bei zwei Terminen habe ich den Investor persönlich kennengelernt.
Insbesondere wie er sich für gute architektonische Details begeistern kann, hat bei mir den Eindruck entstehen lassen, dass er die Objektsanierung und Neunutzung hinbekommt. Zudem ist er noch Zimmermann und Dachdecker. Da habe ich Zutrauen. Bei einem Teppichhändler und seinen Kindern nicht.
Martin Wagner
2.469
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 06.11.2018 um 16:51 Uhr
Herr Eschke,
sicherlich sind in der Regel Handwerker anständigere Leute als Kaufleute.

Bei Herrn Laumann wäre ich da aber etwas vorsichtig. Ich war letzte Woche in seinem Heimatdorf und da kam zufällig das Gespräch auf ihn.

Die Dorfbewohner konnten Geschichten erzählen, da wundere ich mich nur über den guten Presseruf von Herrn Laumann.

Ich will keinesfalls Gerüchte in die Welt setzen, aber ich für meinen Teil bin so lange skeptisch bis Herr Laumann mich mit Taten überzeugt hat. Ankündigungen zählen bei mir überhaupt nicht.
Peter Eschke
51
Peter Eschke aus Gießen schrieb am 06.11.2018 um 22:31 Uhr
Wir werden sehen...
Michael Beltz
7.225
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 07.11.2018 um 19:11 Uhr
Wieso sind Handwerker anständigere Leute als Kaufleute?
Soll hier Herr Laumann verleumdet werden aufgrund von Erzählungen?

Ein gebrauchter Tag, Martin!
H. Peter Herold
27.191
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 07.11.2018 um 19:47 Uhr
Beu Erzählungen von Dorfbewohnern bin ich vorsichtig. Habe schon in einem Dorf gelebt. Da gingen die Leute lieber zu Handwerkern ins Nachbardorf, nur weil sie es denen im eigen Dirf nicht gönnten.
Lieber Martin, gibt es nicht den Spruch vom ehrbaren Kaufmann und nicht jeder Handwerker hat unbedingt einen guten Ruf.
Peter Baier
10.228
Peter Baier aus Gießen schrieb am 08.11.2018 um 13:47 Uhr
Martin, wenn man in einem Dorf wohnt und nicht weiß wie es einem geht der sollte im Dorf nachfragen! Es wird nicht viele Menschen geben die gut über den alten Besitzer sprechen.
Wer sollte jetzt so ein Objekt noch kaufen ohne damit Geld zu verdienen zu wollen?
Er wusste vor dem Kauf was ihn erwartet.
Er ist ein Mann mit Visionen und hat bei mir einen guten Eindruck, bei der Besichtigung in der „Alten Post“ und im alten Telegrafenamt, letzte Woche hinterlassen.
Dorfgeschwätz ist eine Sache für sich und geht oft am waren Leben vorbei.
Mein Ruf im Rathaus wird auch nicht der beste sein, aber was soll es.
Jutta Skroch
13.214
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 09.11.2018 um 09:54 Uhr
Nach allem, was ich bisher gehört und gesehen habe, habe ich einen sehr positiven Eindruck gewonnen, was Herrn Laumann angeht und immerhin hat er sich ja schon vorher bemüht, die Alte Post zu kaufen. Niemand nimmt soviel Geld in die Hand, um das Ganze weiter verkommen zu lassen. Ich hoffe nur, das die Stadt ihm nun nicht einen Knüppel nach dem anderen in den Weg legt.
Wieso sollen Handerker ehrbarer sein als Kaufleute, das erschließt sich mir auch nicht? Ich denke da gerade an eine Heuchelheimer Firma. ;-)
Wichtig ist doch hier, was Herr Laumann macht, um die Alte Post auf Vordermann zu bringen und damit hat er ja bereits angefangen.
Martin Wagner
2.469
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 11.11.2018 um 17:41 Uhr
Ich schliesse mich dem Kommentar von Herrn Eschke an:

(...) "Wir werden sehen... " (...)
H. Peter Herold
27.191
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 12.11.2018 um 14:22 Uhr
Mehr Optimismus. Warum soll es nicht gut gehen?
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Martina Lennartz

von:  Martina Lennartz

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Interessensgebiet: Gießen
Martina Lennartz
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