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Umweltaktivist*innen planen Straßenfest auf der Südanlage und fordern: Straßenbahnen, Fahrradstraßen, autofreie Innenstadt!

Der Plan mit Fahrradstraßen, Straßenbahnen, Fußgänger*innenzonen und mehr
Der Plan mit Fahrradstraßen, Straßenbahnen, Fußgänger*innenzonen und mehr
Gießen | Sie wollen eine autofreie Innenstadt, eine Zwei-Richtungs-Fahrradstraße ohne Autos auf den inneren Spuren des Anlagenrings und etliche ebenfalls nur für Fahrräder vorgesehene Routen durch Innenstadt und Stadtteile. Die Fußgänger*innenzone soll ausgeweitet und – die wohl spektakulärste Forderung – zwei Straßenbahnlinien sollen gebaut durch die Innenstadt gebaut werden. Für Samstag, den 20.10. rufen die in verschiedenen Umweltgruppen, Fahrradinitiativen und rund um Aktionsraum Gießen und Projektwerkstatt Saasen organisierten Umweltaktivist*innen zu bunten Demonstrationen und einem Straßenfest für die Verkehrswende in Gießen auf. Sie wollen dort nicht nur ihre Forderungen lautstark erheben, sondern für ein paar Stunden in einem Teil der Innenstadt Wirklichkeit werden zu lassen. Denn als Demonstrationsfläche haben sie sich Teile der Südanlage und die Neuen Bäue ausgesucht. Auf zwei Spuren vor dem Stadttheater soll mit einem Straßenfest gezeigt werden, was alles möglich wird, wenn Autos fehlen. Geplant sind Infostände, Essen und Trinken, Musik und Artistik, Fahrradschrauben, Skaten, ein Umsonstmarkt, Apfelpressen und vieles mehr. Die Gießener Gemeingut-Lastenräder und -Bollerwagen können ausprobiert werden.
Das Fest ist offen für spontane Ideen. „Kommt auf die Straße und tut, was ihr wollt – kein Auto stört Euch an diesem Tag“, lautet die Einladung der Initiator*innen an alle Menschen und Gruppen, eigene Ideen zu verwirklichen, um an Stelle von Lärm, Gestank, Abgasen und Gefahr auf der Südanlage ein buntes Leben zu entfachen. „Gemütliche Möbel, Leseecken, Nutzbares zum Verschenken oder Obst zum Saftpressen – alles passt“, heißt es im Aufruf.
Der Aktionstag beginnt um 12 Uhr mit einer Fahrraddemonstration vom Straßenfest am Stadttheater um Süd- und Westanlage und zurück über den Marktplatz zum Stadttheater geben. Dabei soll für die Vorschläge von Fahrradstraßen, einer Verlängerung der Fußgänger*innenzone vom Selterstor bis zum Bahnhof und für einen besseren Nahverkehr geworben werden. Um 16 Uhr soll eine zweite Demonstra-tion über die gleiche Route den Tag abschließen. Zwischen den beiden Touren um den Anlagenring wird auf Teilen der Südanlage, Goethestraße und Neuen Bäue sowie verbindenden Strecken ein Zwei-Richtungs-Fahrradweg eingerichtet. Gießener*innen und Gäste können damit rund um das Stadtthea-ter und bis zum Marktplatz in beide Richtungen
Probe fahren und damit das herstellen, was auch ge-fordert wird: breite und autofreie Fahrradstraßen durch Gießen. „Diese Simulation einer autofreien In-nenstadt ist der Höhepunkt des Aktionstages, denn damit machen wir klar, was wir fordern!“
Rund um Fahrradfahren und Straßenfest (12 bis 17 Uhr) geht es um handfeste politische Forderungen. Mit einem eigenen Infostand informieren mehrere Verkehrsinitiativen unter anderem über die Reakti-vierung der Lumda- und der Horlofftalbahn. Geworben wird für eine Stärkung der Vogelsbergbahn und zwei Straßenbahnlinien, die als RegioTram auf eigenen Gleisen durch die Gießener Innenstadt und dann auf vorhandenen Bahnlinien ins Umland fahren (siehe www.giessen-autofrei.tk). „Wenn der so gestärk-te Schienenverkehr dann zum Nulltarif angeboten wird, werden viele umsteigen. Zusammen mit den Menschen, die ein attraktives Fahrradstraßennetz nutzen würden, befreien sie die Stadt dann endlich aus dem Würgegriff des Autoverkehrs“, werben die Umweltaktivist*innen für ihr Anliegen. Daher soll es auf den Fahrraddemos und während des Straßenfests neben Spaß, Spiel, Musik, Begegnung und Ent-spannung auch einige Redebeiträge zur Verkehrswende in Gießen und zu sozial-ökologischen Fragen auch überregional geben. Solidarisch wollen sich die Aktivist*innen zu den beiden Waldbesetzungen gegen Braunkohleabbau (Hambacherforst) und gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens (Treburer Wald) zeigen.

Für Nachfragen oder weitergehendes Interesse:
• Download unserer Pläne und Erläuterungen unter www.giessen-autofrei.tk.
• Direkter Kontakt über das Antiquariat Guthschrift (Bahnhofstr. 26) oder die Projektwerkstatt in Saasen (06401-903283, saasen@projektwerkstatt.de)
• Die Ideen für eine Verkehrswende in Gießen werden auch am Mittwoch, den 7.11., ab 19 Uhr in einem Vortrag im Antiquariat Guthschrift öffentlich präsentiert.


Zusammenfassung unserer Forderungen

Wir fordern sofort:
• Weitere Citybikes in der Stadt verteilen, zumindest für kurze Strecken ohne Gebühr (darunter einige Lastenräder)
• Verbesserungen bei Fußgänger*innenampeln: Max. eine Ampelphase pro Überquerung, Einführung einer Gelbphase (vermeidet Einschüchterung durch direktes Springen auf Rot)
• Keine Strafen für Schwarzfahren (Verkehrsbetriebe entscheiden, ob sie Anzeige stellen!)
• Gekennzeichnete Mitfahr-Wartebereiche/-bänke an den Hauptstraßen aus Gießen raus

Bis 2020 wünschen wir uns:
• Einrichtung von Fahrradstraßen, auf denen Radfahrer*innen stets Vorrang ha-ben und Autos nur mit 20km/h unterwegs sein und Radler*innen nicht über-holen dürfen. Die Strecken führen von allen Seiten in die Innenstadt und auf die inneren Spuren des Anlagenrings, die zur autofreien Fahrradstraße werden. Beispiele sind Fröbelstraße, Asterweg, Goethestraße, Schützenstraße plus hal-be Breite der Rodheimer Straße. Alle Streckenvorschläge sind im Verkehrskon-zept eingetragen (siehe www.giessen-autofrei.tk).
• Nulltarif in Bussen und Bahnen und weitere Haltepunkte entlang der Bahnli-nien von und nach Gießen (zB. Rödgen, Buseck/Industriegebiet, Lindenstruth)

Der Gesamtumbau soll bis 2025 gelingen:
• Autofreie Innenstadt, d.h. mindestens der Bereich innerhalb des Anlagenrings
• Reaktivierung der Lumdatalbahn (von Gießen bis mindestens Londorf) sowie zusätzliche Haltestellen auf Main-Weser- und Vogelsbergbahn.
• Planung von RegioTramLinien. Dabei werden innerstädtische Gleise in der Straße mit normalen Bahngleisen nach außerhalb verknüpft. Die erste Linie läuft abwechselnd aus Marburg und dem Lumdatal kommend an einem neuen Haltepunkt „Gießen-Nord“ in die Nordstadt, die zweite verlässt nach Rödgen die Vogelsbergbahn über das (Ex-)Gleissystem im ehemaligen US-Depot und dann als Neubau auf der Eichgärtenallee. Beide führen dann weiter durch die Innenstadt, einmal auf die Bahnlinien am Bahnübergang Schiffenberger Tal, die andere verläuft über Rodheimer Straße und durch Heuchelheim zur Trasse der ehemaligen Bahnlinie Wetzlar-Lahnau-Heuchelheim. Eine dritte Linie nutzt die Vogelsbergbahn und führt dann bis ins Europaviertel. Straßenbahnen sind kompatibel mit Fußverkehr und können deshalb Menschen bis direkt in die Innenstadt bringen. Für die alternativ vorgeschlagenen Seilbahnen trifft das noch mehr zu.

Der Plan mit Fahrradstraßen, Straßenbahnen, Fußgänger*innenzonen und mehr
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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.539
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 12.10.2018 um 17:08 Uhr
Im Artikel steht:

(....) "Kommt auf die Straße und tut, was ihr wollt – kein Auto stört Euch an diesem Tag“ (......)

Das erinnert mich an die autofreien Sonntagen in den 70ern. Ja das waren tolle Zeiten, wo die Umweltstinker noch von den Straßen verband werden konnten.

Ich denke diese Initiativen kommen zur rechten Zeit, denn so wie es aussieht wird auch die Stadt Giessen in den nächsten Jahren per Gerichtsbeschluss zur Errichung von Umweltzonen gezwungen werden.

Ich höre schon jetzt die saudummen Ausreden der lokalen Politiker, wie das können wir vor Ort nicht ändern und solchen Unsinn.

Wie die ganz praktischen Vorschläge der Initiativen zeigen "geht immer was". Mann / frau muss es nur wollen und den Kapitalisten der Autoindustrie "klare Kante zeigen" und nicht als deren willfährige Handlanger auftreten.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Jörg Bergstedt

von:  Jörg Bergstedt

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Interessensgebiet: Gießen
Jörg Bergstedt
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