Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Mit dem Fahrrad auf die Liebesinsel - zwei Tage Radtour am Edersee

Mit dem Fahrrad auf der Liebesinsel
Mit dem Fahrrad auf der Liebesinsel
Gießen | Der extrem trockene Sommer ließ den Wasserstand am Edersee seit Mai pro Woche um ca. einen Meter sinken; so dass nach und nach die Ruinen der untergegangenen Dörfer aus dem Wasser auftauchten. Letzte Woche war es dann soweit, dass auch das beim Bau der Staumauer zu Strömungstests an der Werbemündung beim damaligen Dorf Berich errichtete Staumauermodell aus den Fluten auftauchte.

Für Mittwoch und Donnerstag war bestes Altweibersommerwetter voraus gesagt, deshalb fuhr ich mit einem Freund mit dem Zug bis Wega, eine Bahnstation vor Bad Wildungen. Von dort ging es den Ederradweg entlang zunächst bis zum Affoldener See, ein dem Edersee vorgelagerter Stausee und wie der eigentliche Edersee mit einem Kraftwerk zur Stromgewinnung. Weiter ging es entlang der stillgelegten Bahnstrecke Bad Wildungen - Korbach bis nach 15 km die Staumauer des Edersees erreicht war.

Der Edersee ist durch Rad- und Wanderwege gut erschlossen, einmal ringsherum sind es ca. 65km, die man, wenn man die einfachste Variante wählt, fast ohne große Steigungen fahren kann, nur auf der Halbinsel Scheid muss man über eine lange und ordentliche Steigung nach Basdorf, ehe es dann wieder entsprechend flott hinab nach Asel und zur zur Zeit frei liegenden Aseler Brücke geht.

Mehr über...
Staumauer (1)Radtour (77)Insel (15)Edersee (37)
Wir fuhren also von der Staumauer entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn den See entlang, über uns meist Schloss Waldeck sichtbar; unter uns, 25m tiefer als bei Vollstau, zog der "Edersee-Star", eines der beiden Fahrgastschiffe vor den Hopfenbergen vorbei, die je nach Wasserstand gar nicht, als Insel oder wie momentan als Halbinsel sichtbar sind. Immer mal wieder wurde eine kleine Pause eingelegt, um den Ausblick zu genießen oder, wie am ehemaligen Friedhof und den Grundmaueresten des Dorfes Berich, ein Foto zu machen. Den ersten größeren Halt machten wir, als wir die Stelle erreicht hatten, wo die ehemalige Bericher Hütte mit dem Staumauermodell sich befindet. Wir schlossen die Räder oben an der Straße an und stiegen zu dem Modell hinab, das zum letzten Mal 2011 vollständig frei lag. Obwohl über hundert Jahre alt, scheint es noch besser in Schuss, als der ein oder andere Tourist, der es besuchte. Ein paar Abnutzungsspuren würde ich mal daran anstoßenden Booten zuschreiben, wenn es nur knapp unter Wasser liegt.

Dann ging es weiter um die Werbe-Bucht herum, die größte Bucht am Edersee, auf die Halbinsel Scheid.
Start der Tour in Wega.
Start der Tour in Wega.
Auf dieser ging es, wie schon erwähnt, anstrengende 2km den Bergrücken Kahle Hardt hinauf, ehe es nach weiteren 3km von Basdorf abwärts nach Asel und durch die nun wasserlose Aseler Bucht zur Attraktion Aseler Brücke ging, über die wir nach Asel-Süd wechselten und 2km weiter unser Quartier, eine Holzhütte im Ferienzentrum Albert Schweitzer bezogen.

Inzwischen waren wir vier Stunden unterwegs gewesen und es wurde Zeit für Kaffee und Kuchen. Dafür fuhren wir noch einmal ca. acht Kilometer bis ans Westende des Sees nach Herzhausen. Gestärkt ging es dann auf der anderen Seeseite erst über die Uferpromenade, dann über den Urwaldsteig bis über 100 Meter hoch über den See, wieder zurück nach Asel und zum zweiten Mal über die Aseler Brücke zu unserem Quartier.

Dass inzwischen Nebensaison war, merkten wir daran, dass die meisten Kioske und Restaurants am Ufer geschlossen hatten. Das kleine Restaurant am Campingplatz in Asel-Süd war zwar geöffnet, aber als wir dort zu Abend essen wollten, hätten wir uns mit Flüssigem begnügen müssen. Auf gut Glück fuhren wir also immer am Ufersaum und mehreren kleinen Buchten entlang die neun Kilometer nach Bringhausen. Wir hatten Glück und konnten in der "Endstation" direkt gegenüber der Liebesinsel ein warmes Abendessen genießen und schafften es dann sogar noch vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu unserem Hüttchen.

Am Affoldener See - Schwäne wie Mietboote aufgereiht, insgesamt waren es wohl mehr als hundert.
Am Affoldener See - Schwäne wie Mietboote aufgereiht, insgesamt waren es wohl mehr als hundert.
Nach einer Nacht im Schlafsack, die Hütte war ungeheizt, wollten wir in Bringhausen auch Frühstücken; leider waren wir zwei Stunden zu früh, erst 12:00 Uhr wurde geöffnet. So fuhren wir mit leerem Magen über den Seegrund zur Liebesinsel. Kurz davor war der Boden noch so schlammig, dass wir bis zu den Knöcheln einsinkend, die Räder ein paar Meter schieben mussten.

Die Liebesinsel ist die einzige auch bei Vollstau aus dem Wasser ragende Insel im See. Jetzt, nachdem bis zur Halbinsel Scheid der See praktisch leer ist, ist sie wieder der kleine Burgberg, der sie vor dem Talsperrenbau war und auf dem es vor langer Zeit mal die Burg Bring gab. Reste der Burg sind auch heute noch darauf. Warum die Insel Liebesinsel heißt, kann man vermuten, eine Quelle warum und seit wann das der Fall ist, konnte ich nicht finden. Von der Liebesinsel sieht man zur Halbinsel Scheid hinüber, am Seegrund sind Reste der Grundmauern vom Ort Alt-Bringhausen zu sehen, sowie Reste der Ederbrücke von Bringhausen nach Scheid, die gerade einmal zehn Jahre vor der Schaffung des Stausees gebaut worden war.

Wir fuhren weiter auf der
Radweg neben stillgelegter Bahnstrecke
Radweg neben stillgelegter Bahnstrecke
Kellerwaldseite bis zum Campingplatz Rehbach, wo wir endlich, nachdem wir noch bis 11:00 warten mussten, an einem Kiosk mit leckeren Fischbrötchen und Kaffee frühstücken konnten. Dann ging es weiter Richtung Staumauer, dabei konnte man noch einmal einen Blick über den See auf das Staumauermodell werfen, hatte Schloss Waldeck ständig vor Augen, ein Ziel für den Nachmittag, und passierte den Klettergarten und die Hopfenberge.

Gegen 12:30 war die Staumauer erreicht und damit der See komplett umrundet. Jetzt wurde es anstrengend. 300 Meter über der Eder und dem Ort Hemfurth befindet sich das dritte Kraftwerk am Edersee. Ein Pumpspeicherkraftwerk im Naturpark Kellerwald. An dessen Speichersee befindet sich eine Aussichtsplattform, von der man einen großartigen Ausblick ins Edertal, nach Norden Richtung Habichtswald und nach Osten und Westen bis zur Rhön und ins Sauerland hat. Mit dem Auto kommt man nur bis zu einem Parkplatz hinter dem Naturparkeingang, dann geht es nur mit Fahrrad oder zu Fuß weiter. Man kann aber auch ab Hemfurth mit einer Seilbahn hoch fahren. Wir verdienten uns natürlich per Fahrrad unsere Aussicht.

Nach einer rauschenden Abfahrt ging es
Sperrmauer mit Kraftwerk
Sperrmauer mit Kraftwerk
noch einmal auf die nördliche Seeseite, um die 14%ige Steigung zum Schloss Waldeck mit seiner Aussicht auf den Edersee hoch zu fahren (auch das lässt sich einfacher per Seilbahn machen). In einer Bäckerei/Café wurde Kaffeepause gemacht und dann ging es zum dritten Mal über die Aseler Brücke in unser Quartier. Zum Glück hatten wir uns Brötchen aus Waldeck mitgenommen, denn noch einmal nach Bringhausen wollten wir nicht fahren. In den zwei Tagen waren es insgesamt 135 gefahrene Kilometer geworden.

Am nächsten Morgen ging es dann den Radweg nach Frankenberg zum Frühstück und von dort, immer die Angst im Nacken, es könnte regnen, den R6 durch Kellerwald und Burgwald über Rosenthal und Kirchhain wieder nach Gießen. Nach 114 Kilometern waren wir am frühen Nachmittag, zum Glück trocken, wieder zuhause, nachdem wir vorher noch in Lollar uns ein Eis gegönnt hatten.

Mit dem Fahrrad auf der Liebesinsel
Start der Tour in Wega.
Am Affoldener See - Schwäne wie Mietboote aufgereiht, insgesamt waren es wohl mehr als hundert.
Radweg neben stillgelegter Bahnstrecke
1
Sperrmauer mit Kraftwerk
Die "Edersee Star" passiert die Hopfenberge
Geologische Schichtung am Ufersaum
Mit Steinplatten abgedeckte Gräber des ehemaligen Bericher Friedhofs
Infotafel mit dem Zeugnis, auch vor uns gab es Radtouristen
Arbeiten an den Ruinen von Alt-Berich
Staumauermodell und Reste der Bericher Eisenhütte
4
Staumauermodell
2
Die ergrünte Werbe-Bucht, wie früher vom Bach durchflossen.
Anfahrt zur Aseler Brücke am Grund der Aseler Bucht
2
Aseler Brücke
Uferpromenade in Herzhausen
Auf dem Urwaldsteig
Blick vom Urwaldsteig zum wieder Fluss gewordenen See hinunter
Unser Quartier in der Nähe von Asel-Süd
Die Nacht war kalt
1
Mini-Sky-Walk zwischen Asel-Süd und Bringhausen
Die wieder Burgberg gewordene Liebesinsel, am Seegrund wurde die Gelegenheit zum Kabelverlegen genutzt
Sieht trocken aus, war aber schlammig.
Eine knorrige Traubeneiche schiebt ihre Wurzel 6m über den Fels
3
Rest der alten Burg Bring
Blick von der Insel auf Scheid und die alte Ederbrücke und Grundmauern von Alt-Bringhausen
2
An der Höhe der Vegetation kann man ermessen, wie lange das Wasser schon verschwunden ist.
Rettungsringe werden zur Zeit hier wohl nicht gebraucht
Bootshebekran am Campingplatz Rehbach gegenüber der Halbinsel Scheid. Hier ist eine Fuß- und Fahrradwegbrücke geplant.
Blick vom Südufer zur Bericher Hütte
Das Staumauermodell von der Seeseite gesehen
Kann man vielleicht auch als Segel benutzen
Kletterwald
Die Auffahrt lag noch vor uns


Kommentare zum Beitrag

Andrea Mey
10.885
Andrea Mey aus Lollar schrieb am 03.10.2018 um 18:28 Uhr
Sehr schön fotografiert und dokumentiert.
Ich war kürzlich mit einer Freundin dort, wir fuhren allerdings mit dem Auto.
Teilweise habe ich ähnliche Fotos wie Du gemacht, aber Deine Reportage ist der Beweis dafür, daß man mit dem Fahrrad doch viel mehr sehen und erleben kann.
Toll gemacht!
Andrea Mey
10.885
Andrea Mey aus Lollar schrieb am 03.10.2018 um 22:19 Uhr
In der "Endstation" sind wir übrigens auch eingekehrt ;-)
Wolfgang Heuser
8.290
Wolfgang Heuser aus Gießen schrieb am 03.10.2018 um 22:45 Uhr
Eine tolle Tour war das wohl, sportlich das so zu machen, ein guter Beitrag über diese Edersee Region!
Bernd Zeun
11.565
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 04.10.2018 um 00:56 Uhr
Andrea, ich weiß nicht, ob es am sportlichen Teil vorher lag, aber in der "Endstation" habe ich die besten Pommes seit langem gegessen, dazu Currywurst und ein Bier und der Blick auf die Inseln - hervorragend!

Wolfgang, ich würde sagen, 95% aller Radfahrer, die uns begegneten, fuhren ein Pedelec oder E-Bike, die Tour wäre damit für jeden zu machen. Das schönere Ufer fand ich übrigens das Südufer, weil dort nur auf einem relativ kleinen Stück Kfz-Verkehr möglich ist. Auch wenn auf der Nordseite Radfahrer und Fußgänger gut vom Auto- und Motorradverkehreinander getrennt sind, stört der Lärm insbesondere der Motorräder doch ziemlich.
Jutta Skroch
13.667
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 04.10.2018 um 09:31 Uhr
Ein troller Bericht und eine beeindruckende Tour, wir sind auch auf das Auto angewiesen und so sind die Möglichkeiten für Autofahrer etwas begrenzt, das soll aber auch so bleiben. Wir waren am 13.09. am Edersee, im Wesentlichen an der Aseler Brücke.
Werner Gruber
2.617
Werner Gruber aus Heuchelheim schrieb am 04.10.2018 um 20:39 Uhr
Das ist ein ganz toller Reisebericht mit vielen schönen Fotos!!
Bernd Zeun
11.565
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 05.10.2018 um 23:58 Uhr
Danke, inzwischen ist der Wasserstand schon um einen weiteren Meter gefallen und das Wetter bleibt erst mal auch überwiegend trocken, da wird das "Atlantis" wohl noch lange Zeit zu sehen sein.
Irmtraut Gottschald
7.858
Irmtraut Gottschald aus Heuchelheim schrieb am 07.10.2018 um 18:37 Uhr
Ganz toller Bericht mit wunderschönen Fotos, Bernd. Mit dem Fahrrad sieht man halt einfach mehr wie mit dem Auto. Wir fahren hier auch viel mit dem Rad nachdem wir nun E-Bikes haben. Der Edersee war ja der große Anziehungspunkt dieses Jahr durch seinen sehr tiefen Wasserstand. Vielleicht sollte ich auch nochmal hinfahren.
Bernd Zeun
11.565
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 08.10.2018 um 20:23 Uhr
Solltest du ruhig machen, Irmtraut, das Wetter ist weiterhin schön und das Laub inzwischen wahrscheinlich noch bunter.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Bernd Zeun

von:  Bernd Zeun

offline
Interessensgebiet: Gießen
Bernd Zeun
11.565
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Dass mir am Ende bloß alles wieder schön eingepackt und mitgenommen wird!
Der Aufpasser
Pferaffe
Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere ...

Veröffentlicht in der Gruppe

Ausflugstipps

Ausflugstipps
Mitglieder: 49
Aktuellste Beiträge der Gruppe:
Der eingezäunte Staudamm von dieser Hochwasser Staustufe in Damm
Lebendige Grünpflege eines Staudammes bei Damm
Eine erfreuliche Entwicklung hat die Grünpflege an der Hochwasser...
Rundgang über die Oberburg Staufenberg
Eigentlich wollten wir den wunderschönen Sonnenuntergang der letzten...
Weitere Gruppen des Beitrags:

Weitere Beiträge aus der Region

SWG-Aufsichtsratsvorsitzende Astrid Eibelshäuser (rechts), Katja Buß, stellvertretende Leiterin des Hochbauamts, Matthias Funk, technischer Vorstand der SWG (links), und Ulli Boos, Marketingleiter der SWG.
Acht neue Ladepunkte für E-Autos
Die Universitätsstadt Gießen hat vier neue Ladesäulen mit jeweils...
Ruhiger und gemütlicher WALDI
Waldi ist wegen Überforderung seiner ehemaligen Besitzerin mit seinen...
Kornnatter RUDI
Rudi wurde an einer Straße gefunden und von der Feuerwehr zu uns...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.