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Der Honigmann von Entebbe

Gießen | Brian Tayebwa ist Eigentümer und Chef der Firma „Vine Bees Ltd. Vine Natural Bee Honey“ in Entebbe/Kampala, Uganda. Brian ist Honigexperte. Er veranstaltet Seminare in ugandischen Dörfern, um den Leuten dort beizubringen, wie man auf effektive Weise Bienen hält und Honig produziert. Den Honig kauft er ihnen ab, bereitet ihn auf und verkauft ihn vor allem in Kampala und Umgebung an Hotels, Supermärkte und natürlich an seine sonstige Kundschaft. Seine Firma hat er mit einem Startkapital von 150 US Dollar in Gang gebracht. Ohne Kredite, ohne Zuschüsse von Familie oder Freunden – allein mit 150 Dollar. (Ich wiederhole das um klarzustellen, dass da nicht noch Nullen vor dem Komma fehlen.)
Irgendwann im Jahr 2008 haben wir Brian kennengelernt, als er als Wächter und Hausmeister im Vine Guesthouse in Entebbe arbeitete. Damals war er noch Schüler in der letzten Gymnasialklasse. Im Jahr danach begann mit einem Betriebswirtschafts-Studium in Kampala. Die Studiengebühren hat er sich damals quasi vom Munde abgespart. Um sie von Semester zu Semester wieder beibringen zu können, hat er zusätzlich noch in Privathaushalten gejobbt, Rasen gemäht, geputzt. Nur für ein Semester haben wir ihm das Geld für die Gebühren geschenkt, damit er sein Studium nicht unnütz unterbrechen musste, den Rest hat er selbst hart erarbeitet.
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Das Vine Guesthouse war unser „Stammquartier“, wann immer wir in Uganda geschäftlich zu tun hatten oder ein, zwei Nächte bis zum nächsten Anschlussflug in den Südsudan oder nach Deutschland überbrücken mussten.
Eines Tages hatten wir wieder ein Taxi bestellt, das uns nach Kampala bringen sollte, damit wir dort unsere Geschäftstermine abarbeiten konnten. Brian fragte uns, ob er mitfahren dürfte, denn er hatte ebenfalls in Kampala zu tun. Während der Fahrt fragten wir ihn, was er denn vorhätte, sobald sein Studium abgeschlossen sei.
Seine Antwort: Er wolle sich bei einer Nichtregierungs-Organisation (NGO) bewerben, denn die suchten wohl immer nach verlässlichen Buchhaltern. Und ausländische Hilfsorganisationen gäbe es ja viele.
Darob wurde ich etwas ungehalten und sagte sinngemäß: „Wie lange wollt Ihr Euch eigentlich noch als Bettler aufführen und vom Geld der Ausländer leben? Wieso startest Du nicht ein Business, womit man in Uganda Wertschöpfung betreibt und sich von ausländischen Geldern unabhängig macht? Und wieso lasst Ihr Ugander zu, dass so viele ausländische Firmen bei Euch Geld verdienen, das nicht unbedingt wieder im eigenen Land re-investiert wird?“
Ich war mir meiner Unfreundlichkeit durchaus bewusst. Als Brian in Kampala ausstieg, war er ziemlich einsilbig geworden, und es war nicht so ganz klar, ob ich ihn nicht beleidigt hätte.
Im darauffolgenden Jahr hatten wir uns wieder einmal im schon erwähnten Gästehaus einquartiert. Eines Tages sahen wir Brian in der Küche mit Kanistern, Flaschen und Gläsern hantieren. Er füllte Honig aus großen Behältern in kleinere Einheiten um. Die Etiketten hatte er auf irgend einem alten Farbdrucker selbst hergestellt. Dann zog er los, von Haus zu Haus, um in Entebbe und Kampala seinen Honig zu verkaufen. Das war richtig hartes Brot, aber er baute sich damit einen Kundenstamm auf. Sein Honig war exzellent. Er entwickelte andere Honig-Produkte, z.B. einen mit Zitronengras-Aroma. Hotels und Restaurants begannen, bei ihm zu kaufen. Schließlich musste er ein „richtiges“ Gewerbe anmelden, um seine kleinen und großen Behälter mit Barcodes versehen zu können. Er mietete einen kleinen Laden in Entebbe, ein Freund baute ihm die Regale.
Und zwischendurch hat er auch noch geheiratet, seine Frau arbeitet inzwischen mit im Honig-Business, und sie haben einen lustigen kleinen Jungen …
Brians Traum ist, eines Tages Honig nach Europa exportieren zu können. Wenn er so weitermacht, wird er das auch schaffen. Angefangen hat es mit einem vom Munde abgesparten Kapital von 150 Dollar.
Das etwas barsche Gespräch im Taxi hat er übrigens nicht vergessen. Statt beleidigt zu reagieren, hat er es als Ansporn genommen, sich selbständig zu machen – und hat es bis heute nicht bereut.

Wer sich noch etwas mehr mit Brian und seinem Honiggeschäft beschäftigen möchte, hier sind einige Internet-Adressen:

https://www.facebook.com/brian.tayebwa

https://www.facebook.com/Vine-Bees-Ltd-Vine-Natural-Bee-Honey-273390506019463/?timeline_context_item_type=intro_card_work&timeline_context_item_source=100001608145434&fref=tag

https://www.facebook.com/273390506019463/videos/1643146879043812/

PS.: Die Fotos stammen mit freundlicher Genehmigung von Brians Facebook-Seiten.

 
 
 
 
 

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