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Hausbesetzung in Gießen: Signal gegen Wohnungsnot

besetztes Haus Ostanlage/Ecke Moltkestraße
besetztes Haus Ostanlage/Ecke Moltkestraße
Gießen | Am 13. Juli wurde das Haus in der Ostanlage 29/31 im Anschluss an eine Demo gegen die Wohnungsnot in Gießen von sechs jungen Menschen besetzt. Sie wollten damit gegen den jahrelangen Leerstand protestieren, aber auch mit dem Hausbesitzer über einen Mietvertrag verhandeln.

Dieses Gebäude ist nur eines von etwa 40, die in Gießen zweckentfremdet – oft zu Spekulationszwecken – nicht als Wohnraum genutzt werden. Es ist das Verdienst dieser Demo und dieser „Hausbesetzer“, auf diesen Skandal aufmerksam gemacht zu haben. Dass die Polizei sofort im Großeinsatz in voller Montur mit Hunden und Schilden nach wenigen Stunden das Haus räumte, war von den heutigen Gießener Ordnungshütern nicht anders zu erwarten.

Bei früheren Hausbesetzungen – die letzten waren 1991 in der Marburger Straße sowie das Gebäude Samenhahn (Shobeiri) Bahnhofstraße – war das nicht so. Offenbar hat der Magistrat keine Hemmungen, auch hier zu zeigen, auf welcher Seite er steht und gab einen Vorgeschmack auf kommende soziale Auseinandersetzungen.

Etwa 3.000 Wohnungen fehlen in Gießen. Diese Zahlen sind bekannt und werden stillschweigend hingenommen. Die Stadt tut nichts. Sie verwaltet den Mangel und treibt damit im Interesse der „Investoren“ die Mieten hoch.
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Sie (bzw. die Wohnbau) baut (fast)keine Sozialwohnungen:
Vor 30 Jahren gab es in Gießen 70.000 Einwohner und knapp 10.000 Sozialwohnungen. Heute hat Gießen 85.000 Einwohner und nur noch 7.000 „Sozialwohnungen“ im Besitz der Wohnbau, die diesen Namen aber nicht verdienen, weil davon nur weniger als 2.000 preisgebunden sind.
Das Wohnungsbauprogramm ist völlig unzureichend. Die Möglichkeit, die Bauherren zu einer Sozialquote von mindestens 30% zu verpflichten, wird nicht wahrgenommen.
Es gibt kein Verbot der Wohnraumzweckentfremdung, den Spekulanten wird freie Hand gelassen. Auch dieses Objekt wäre längst von der THM übernommen, wenn der Eigentümer von seinen Preisforderungen etwas abgerückt wäre - Profitmacherei eben.

Es ist den Herrschenden seit Schröders Agenda 2010 gelungen, ihre menschenverachtende Politik ohne nennenswerten Widerstand durchzusetzen mit den bekannten Folgen:
Wohnungsnot, Alters- und Kinderarmut, Pflegenotstand, Klimakatastrophe… und deutsche Kriege. Es gilt aufzuwachen - bevor es zu spät ist!
Erika Beltz (Vorabdruck aus Gießener Echo August 2018)

besetztes Haus Ostanlage/Ecke Moltkestraße
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Kommentare zum Beitrag

Christian Momberger
11.116
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 21.07.2018 um 12:27 Uhr
Ein guter und richtiger Beitrag mit interessanten (historischen) Fotos. Den Forderungen kann ich mich nur anschließen.
Peter Baier
10.229
Peter Baier aus Gießen schrieb am 21.07.2018 um 16:51 Uhr
Stadt beim Lügen erwischt?
Vor einen Jahr hatte sich die Stadt um ein Förderprogramm, mehr Stadtgrün, eigenmächtig ohne Rücksprache beworben.
Das hatte nach der Sommerpause im Rathaus eine riesige Debatte ausgelöst, und wurde dann nachträglich genehmigt. Mit der Bewerbung war es nötig eine paar Vorschläge mit einzureichen.
Ein Vorschlag war die Begrünung des Blecher- Gelände, also ein Gelände was der Stadt überhaupt nicht gehört.
Zurück zum Thema einen so hohen Leerstand in einer Stadt wo so viele Wohnungen fehlen ist schon bemerkenswert.
Das die Stadt nicht auch die Möglichkeit einer Sozial-Quote in Neubaugebieten nutzt, wie Bergkaserne (etwa 600 Wohnungen), Aulweg (RHK-Gelände) etwa 220 Wohnungen, Schlachthof zwischen 250 bis 300 Wohnungen, Lahnwiese über 200 Wohnungen, ist nicht ganz verständlich. Hier lässt man sich lieber einen Kindergarten bauen, und schon ist der Investor zufrieden.
Die Gefahr das die Wohnungen an wert verlieren wenn auf dem selben Baugebiet sich auch Sozialwohnungen befinden will man den Investoren nicht zumuten.
Michael Beltz
7.233
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 22.07.2018 um 15:40 Uhr
Hallo Christian, zu Deiner Frage. Das besetzte Haus war in dieser Zeit gegenüber dem Parteibüro. Es wurde mal von jungen Nazis gestürmt, die über die Bahnhofstreppe abgehauen sind in das dortige Hotel.
Zur zweiten Frage kann ich nicht genau antworten.
Christian Momberger
11.116
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 22.07.2018 um 15:54 Uhr
Danke Dir für die Infos.
30
Cornelia Mim aus Gießen schrieb am 24.07.2018 um 14:36 Uhr
aus früherer Zeit: in der Alicenstraße 18 gab es auch noch ein Haus .... das in der Südanlage 20 hatte sich auf längere Zeit damals gehalten
Michael Beltz
7.233
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 24.07.2018 um 17:47 Uhr
Nachtrag zu Samen-Hahn: Um Pfingsten 91war das Haus besetzt. Jusos hatten mit Shobeiri einige Dispute.

Zu Conny: In der Südanlage 20 gab es Mietverträge. Dort lebte zeitweise die spätere Bürgermeisterin, die noch eine echte Grüne war, wie es sie heute leider nicht mehr gibt.
Christian Momberger
11.116
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 24.07.2018 um 19:39 Uhr
Ja, das waren damals noch Zeiten.
Michael Beltz
7.233
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 25.07.2018 um 00:37 Uhr
Entschuldigung! Karin Hagemann hat in der Alicenstraße gewohnt.
H. Peter Herold
27.226
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 28.07.2018 um 22:10 Uhr
Platz für Wonungen die auch für kleine Geldbeutel erschwinglich wären gäbe es genug. Nur sie zu bauen ist nicht rentabel genug.
Peter Baier
10.229
Peter Baier aus Gießen schrieb am 28.07.2018 um 22:54 Uhr
Peter, wenn in nur 3 Baugebieten, Bergkaserne (etwa 600wohnungen), RHK Gelände Aulweg (etwa 220 Wh) und am Schlachthof (etwa 250),rund 1000 Wohnungen gebaut wurden, die meisten Gebäude sind schon bewohnt oder stehen kurz davor aber die Stadt nicht dafür gesorgt hat des ein bestimmter Prozentsatz (Sozialquote)Sozial-Wohnungen sind ist das schon sehr arm. Lieber lässt sich die Stadt dort einen Kindergarten bauen (Schlachthof und Aulweg). Andere Baugebiete Leihgesterner Weg einschließlich dem Poppe-Gelände schon fertiggestellt, Baugebiet an den Lahnwiesen 100 Wohnungen sind schon bewohnt weitere 100-120 Wohnungen Folgen noch. Altes C&A- Gebäude etwa 66 Wohnungen Rohbau scheint fertig zu sein und alles ohne Sozialquote!
Vielleicht hat unsere OB recht das eine Hausbesetzung nicht richtig ist aber nichts tun kann es auch nicht sein und damit scheint sie sich auszukennen.
Für die Stadt ist es Interessanter das 50000 Personen in nur drei Tagen, beim Lahnuferfest die Grünflächen nieder trampeln das es aussieht als hätte auf einer kleinen Weide zu viele Rindviecher gestanden.
H. Peter Herold
27.226
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 28.07.2018 um 22:59 Uhr
Der Wähler hat es immer wieder un der Hand eine Änderung zu erreichen.
Aber allen? geht es anscheinend gut.
Michael Beltz
7.233
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 31.07.2018 um 19:00 Uhr
Was hat der Wähler in der Hand?
Michael Beltz
7.233
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 04.08.2018 um 16:45 Uhr
Der Wähler oder die Wöhlerin können SPD, CDU, GRÜNE..... wählen. An der Wohnungsnot wird sich dadurch nichts ändern.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Michael Beltz

von:  Michael Beltz

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Interessensgebiet: Gießen
Michael Beltz
7.233
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