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LKW-Abbiegeassistenten - Lob für Stadtreinigungsfahrzeuge der Stadt Gießen

Durch bodentiefe Fenster und eine tiefe Sitzposition sind Fußgänger und Radfahrer für den Fahrer gut zu erkennen. Zukünftig sollen auch elektronische Abbiegeassistenten für noch mehr Sicherheit sorgen.
Durch bodentiefe Fenster und eine tiefe Sitzposition sind Fußgänger und Radfahrer für den Fahrer gut zu erkennen. Zukünftig sollen auch elektronische Abbiegeassistenten für noch mehr Sicherheit sorgen.
Gießen | Derzeit gibt es eine Diskussion um die Verpflichtung zur Ausstattung von LKW mit elektronischen Abbiegeassistenten. Sie können schwere Unfälle mit Radfahrern beim Abbiegen verhindern, indem sie den Fahrer vor Verkehrsteilnehmern im „Toten Winkel“ rechts neben dem LKW warnen. In Gießen kam es zuletzt 2015 zu einem tödlichen Abbiegeunfall mit einem LKW in der Frankfurter Straße.

Die aktuelle Diskussion hat der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) zum Anlass für eine Anfrage an die Stadt genommen, wie es denn mit der Ausstattung der städtischen Müllfahrzeugen mit Abbiegeassistenten aussieht. In Frankfurt sind diese bereits Standard. Da Gießen die hessische Stadt mit dem höchsten Radverkehrsanteil ist und andererseits Müll- und Straßenreinigungsfahrzeuge permanent in der Stadt unterwegs sind, stellen die Assistenten bei diesen Fahrzeugen eine besonders effektive Unfallprävention dar.

Die Antwort der Stadtverwaltung ist aus Sicht des ADFC Gießen durchaus erfreulich, lässt sie doch erkennen, dass man das Problem ernst nimmt und entsprechend handelt. Wie die Stadt mitteilt, war keines ihrer Fahrzeuge in den zurückliegenden
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Jahren in einen Abbiegeunfall verwickelt. Dieser glückliche Umstand sei zwar möglicherweise auch der Vorsicht vieler Radfahrer zu verdanken, aber man habe sich auch schon in der Vergangenheit aktiv dem Thema gestellt. So würden die Fahrer regelmäßig zu Sicherheitsfragen geschult. Daneben werden für die Müllabfuhr seit Jahren nur Niederflurfahrzeuge beschafft, denn diese Bauweise stellt anerkanntermaßen das beste Mittel dar, um eine direkte Sicht auf alle Verkehrsteilnehmer/innen sicherzustellen. Darüber hinaus verfügen die Sammelfahrzeuge über bodentiefe Fenster auf der Beifahrerseite, deren Tür zudem nach innen aufklappt. In Verbindung mit der niedrigen Sitzposition werden so das direkte Sichtfeld der Fahrer erweitert und tote Winkel stark verringert.

Da sich die Zuverlässigkeit der elektronischen Assistenzsysteme in jüngerer Zeit verbessert hat und sie inzwischen zumindest als Zubehör von einigen Herstellern angeboten werden, beabsichtigen die Stadt, neue Fahrzeuge im Stadtreinigungs- und Fuhramt stets mit Abbiegeassistenzsystem zu kaufen.

Jan Fleischhauer, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Gießen, findet daher lobende Worte: „Damit leistet die Stadt Gießen aus unserer Sicht einen aktiven Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit von Radfahrerinnen und Radfahrern in der Stadt.“

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Kommentare zum Beitrag

Jutta Skroch
13.207
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 13.07.2018 um 13:17 Uhr
Auch auf die Gefahr, das man mich "steinigt". Für mich sollte in erster Linie der Radfahrer aufpassen und sich nicht neben einen LKW oder auch PKW stellen und darauf vertrauen, dass er gesehen wird. Selbstverständlich begrüße ich ein Assistenzsystem für LKW als Unterstützung, darauf verlassen würde ich mich als Radfahrer aber nicht. Woher weiß ich, ob der LKW so ein Assistenzsystem hat und wenn, dass er auch drauf schaut.
Viele PKW Fahrer bemerken die Radfahrer nicht, wenn sie abbiegen, auch hier sehe ich eher den Radfahrer in der Pflicht. Der Eine oder Andere kommt von hinten angeprescht, und wundert sich dann, wenn er über die Motorhaube fliegt.
Ich finde, Aufmerksamkeit von beiden Seiten, wäre die beste Unfallverhütung. Ich bin Autofahrer und bin bis vor einigen Jahren auch noch viel und gern mit dem Rad gefahren, ich kenne also beide Seiten.
ADFC Gießen
458
ADFC Gießen aus Gießen schrieb am 13.07.2018 um 13:52 Uhr
Hallo Frau Skroch, "steinigen" sollte Sie keiner für Ihre Ansicht. Wer in erster Linie aufpassen muss, ergibt sich aus der StVO: "Wer abbiegen will, muss entgegenkommende Fahrzeuge durchfahren lassen, [...] Fahrräder auch dann, wenn sie auf oder neben der Fahrbahn in der gleichen Richtung fahren. [...] Auf zu Fuß Gehende ist besondere Rücksicht zu nehmen; wenn nötig, ist zu warten."
Gerade weil viele Fußgänger und Radfahrer immer wieder auf ihren Vorrang gegenüber Abbiegern verzichten, wird diese StVO-Regel so oft missachtet. Da setzt sich das "Recht des Stärkeren" durch: Nicht ohne Grund werden drei von vier Unfällen zwischen LKW und Rad durch LKW verursacht und zwei von drei Unfällen zwischen PKW und Rad durch die PKWs. Es ist staatliche Aufgabe, die Schwächeren zu schützen und diejenigen einzuschränken, von denen die Gefahr ausgeht. (Das bedeutet für uns selbstverständlich auch, die Fußgänger vor Radfahrern zu schützen, denn in der Mehrzahl werden Unfälle zwischen Fußgängern und Radfahrern durch Radfahrer verursacht.)

Sie können gerne auch mal zu Fuß stadtauswärts entlang der Frankfurter Straße die Alicenstraße queren und schauen, wie viele Autofahrer Ihnen Vorrang gewähren, obwohl Sie nicht herangeprescht kommen und bestens zu sehen sind. Es dürfte die Minderheit der Autofahrer sein, die Sie vor dem Abbiegen passieren lässt. Das liegt auch daran, dass die Polizei Abbiegefehler kaum kontrolliert, obwohl es ein schwerer Verstoß ist, bei dem ein hohes Bußgeld von 70€ bis 85€ fällig wird. Ein Punkt in Flensburg kommt noch dazu.

In vielen Fällen stellt sich übrigens gar kein Radfahrer neben den LKW oder neben den PKW, sondern es kommt z.B. vor, dass Radfahrer an einer Ampel auf dem Radweg warten und sich dann ein LKW neben die Radfahrer stellt. Genau deshalb fordern wir und auch das Stadtparlament vorgezogene Haltelinien für den Radverkehr an allen Ampeln, damit diese Situationen ohne Unfall ausgehen.
Es geht auch nicht darum, dass sich LKW-Fahrer oder Radfahrer blind auf elektronische Systeme verlassen, sondern dass die Systeme ggf. eine Notbremsung veranlassen, wenn der LKW-Fahrer unaufmerksam ist.

Von daher ist Ihre Empfehlung, dass auch die Radfahrer aufpassen sollten - gerade wenn sie von hinten kommen, natürlich auch richtig. Wenn Sie aber z.B. mit dem Rad von der Innenstadt in die Weststadt über die Rodheimer Straße fahren, dann können Sie einfach nicht an jeder Einmündung und Hofeinfahrt anhalten und sich umschauen, ob ein Auto aus der durchgehenden Schlange (ggf. auch ohne zu Blinken) nach rechts abbiegt. Dafür sind zu viele Autos unterwegs, die alle plötzlich abbiegen könnten.
Leider sind es übrigens vielfach auch nicht junge, wilde Radfahrer, die tödlich verunglücken, weil sie "herangeprescht" kommen, sondern auch Senioren, die bei Abbiegeunfällen mit LKW tödlich verunglücken.
Peter Baier
10.227
Peter Baier aus Gießen schrieb am 14.07.2018 um 00:26 Uhr
Wem nützen solche System wenn sie nicht eingebaut werden?
Bei einem Kaufpreis eines LKW ab 100 000€ oder bei einen Müllwagen etwa 200 000€ stellt sich die Frage warum sind sie nicht schon eingebaut?
Warum wird eigentlich nur auf LKW-Fahrer herum gehackt?
Was ist eigentlich an einen Bus anders als einen LKW, sie dürften das selbe Problem mit dem Toten- Winkel haben. Das würde bedeuten auch sie müssten solch ein System bekommen. Da dies nicht freiwillig geschehen wird bedarf es von oben eine Anordnung. Ein anders Problem solche Systeme kann der Fahrer ausschalten, was dann? Eine Leuchtschrift am Bus/LKW "Vorsicht Radfahrer Assistent ist ausgeschaltet".
Ein Motto für Radfahrer sollte sein sehen und gesehen werden.
Das selbe was von LKW/Bus-Fahrer erwartet sollte auch von Radler erwartet werden können, nämlich Aufmerksamkeit.
Was ich aber leider oft vermisse, so wird einhändig oder sogar freihändig gefahren und dabei wird telefoniert oder Nachrichten gelesen eventuell auch geschrieben.
Herr Fleischhauer Sie haben recht das die Polizei kaum Abbiegefehler kontrolliert, eine Bußgeld von 75-80€ wäre sogar gerecht, aber die Polizei kontrolliert aber auch nicht Radfahrer, einhändiges fahren 10€, Telefonieren während der Fahr, befahren der Fußgängerzone, oder fahren auf Gehwegen(hier ist der Fußgänger der Schwächste) ...usw.
Mehr Kontrolle kein Problem aber nicht einseitig.
Irgendwo sollte die Kirche im Dorf bleiben.
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