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Nachbarschaftshilfe via Smartphone organisieren: Die ‚Digitalen Dörfer‘ zeigen ein Landleben der Zukunft, das schon jetzt erfolgreich praktiziert wird. Demnächst auch bei uns?

(v.l.) Bürgermeister Bernd Brato, Landrätin Anita Schneider, Projektverantwortliche Sarah Brühl, Dr. Julien Neubert, Henrike Tullius, Dr. Manfred Felske-Zech, Matthias Koch (Fraunhofer-Institut Kaiserslautern) und Dezernent Istayfo Turgay. Bild: LK GI
(v.l.) Bürgermeister Bernd Brato, Landrätin Anita Schneider, Projektverantwortliche Sarah Brühl, Dr. Julien Neubert, Henrike Tullius, Dr. Manfred Felske-Zech, Matthias Koch (Fraunhofer-Institut Kaiserslautern) und Dezernent Istayfo Turgay. Bild: LK GI
Gießen | Kann eine Social-Media-App die Lebensqualität auf dem Land steigern? Schafft eine Online-Plattform tatsächlich, das Dorfleben sozialer und attraktiver zu machen? Ja, das ist möglich, wie bei einem Besuch im „Digitalen Dorf“ Betzdorf in Rheinland-Pfalz deutlich wurde. Landrätin Anita Schneider ließ sich vor Ort ein Projekt erläutern, welches sich der Herausforderung stellt, die Digitalisierung im ländlichen Raum engagiert zu nutzen.

Mit dem seit 2015 vom Land Rheinland-Pfalz geförderten Projekt „Digitale Dörfer“ soll Nachbarschaftshilfe neu gedacht werden. Eine Idee, die Landrätin Anita Schneider auch für den heimischen Landkreis gefällt. „Da wir aus der voranschreitenden Digitalisierung Nutzen schlagen möchten, sind innovative Entwürfe auch für den Landkreis Gießen interessant. Das Modell der ‚Digitalen Dörfer‘ bietet genau die Plattform, um die Stärken einer ländlich geprägten Region gezielt zu unterstützen. So können dort, wo die Nachbarschaftshilfe zurückgeht, neue Impulse gesetzt werden“, ist sie sich sicher.

In der Verbandsgemeinde Betzdorf, die insgesamt rund 15.000 Einwohner hat, wurden erste Ideen bereits umgesetzt und für gut befunden. Dort haben die Bürgerinnen und Bürger eine Smart App getestet, die Mitbringdienste von heimischen Gütern organisiert. Die Erfahrung zeigt nicht nur sehr großes Interesse und Beteiligung seitens der Bevölkerung, sondern auch seitens der Erzeuger und Gewerbetreibenden. So erfuhren durch die smarte Dorf-App beispielsweise auch regional erzeugte Produkte eine Aufwertung, wie der Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Bernd Brato, den Gästen berichtete. Er machte deutlich: „Digitalisierung ist weitaus mehr als nur der Breitbandausbau. Wenn die Breitbandverfügbarkeit da ist, muss sich die Politik überlegen, wie sie die vorhandene Infrastruktur nutzt, um den ländlichen Raum zu stärken.“

Weil die Digitalisierung alle Lebensbereiche betrifft und von neuen Ideen viele Bereiche profitieren können, wenn man die Weichen entsprechend stellt, zählte die Delegation aus dem Landkreis Gießen viele Köpfe aus unterschiedlichen politischen Verantwortungsbereichen. Neben Landrätin Schneider (zuständig für Digitalisierung und Breitbandausbau) waren Istayfo Turgay (Dezernent für Demografie, Integration und Teilhabe) dabei, ebenso Dr. Julien Neubert (Demografiebeauftragter) und Dr. Manfred Felske-Zech (Leiter der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung, Tourismus, Kreisentwicklung) mit seinen Mitarbeitern Henrike Tullius und Björn Kühnl. Vor Ort wurden die Vertreter empfangen von Bürgermeister Bernd Brato, der Projektverantwortlichen Sarah Brühl und Matthias Koch vom Fraunhofer-Institut Kaiserslautern. Sie berichteten über Erfahrungen aus der Versuchsphase und auch über die nächsten Schritte.

Nach der Testphase der Vernetzungs-App in Betzdorf liegt der inhaltliche Schwerpunkt in nächsten Projektstufe auf dem Thema ‚Mobilität und Kommunikation in den Dörfern‘, wofür die App entsprechend vom Fraunhofer-Institut erweitert wurde. Matthias Koch erläuterte, dass die inhaltliche Ausgestaltung der App unter Beteiligung der Bürger in den Dörfern entwickelt wurde, um so den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer gerecht werden zu können. Weitere Funktionen werden folgen, so dass die Dorf-Apps irgendwann die Bewohnerinnen und Bewohner in vielfältiger Weise miteinander vernetzten und viele Lebensbereiche abdecken.

Schon jetzt können sich die Bürger mittels der neuen App gegenseitig helfen, kommunizieren und einkaufen. Über die Apps kann man unter anderem Dienstleistungen anbieten, nachfragen oder auch tauschen. Außerdem können die Einwohner der ‚Digitalen Dörfer‘ bei ihren regionalen Händlern online einkaufen. Die Lieferung übernimmt dabei kein professioneller Lieferservice, sondern engagierte Freiwillige aus den Gemeinden. Der regionale Bezug ist daher bei allen Angeboten uneingeschränkt gegeben, der Zusammenhalt vor Ort wird gestärkt.

Anita Schneider zeigte sich sehr offen für das Projekt und möchte nun die Übertragbarkeit der ‚Digtalen Dörfer‘ auf den Landkreis Gießen prüfen sowie mögliche Fördermittel ausloten. „Wenn wir die Möglichkeiten der digitalen Welt nutzen können, um die Dörfer im Gießener Land modern aufzustellen, sollten wir das auch tun, weil wir so das Miteinander in der Region ausbauen können. Social-Media-Anwendungen wie die hier vorgestellten sind dabei ein gutes Mittel. Allerdings müssten alle Konzepte zunächst an die jeweiligen Bedürfnisse vor Ort angepasst werden“, sagte sie abschließend.

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