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Beiträge zur Verkehrspolitik in Gießen: Gleise raus, Straßen rein – Realpolitik im ehemaligen US-Depot

Gleisanlagen auf dem Gelände des ehemaligen US-Depots (Blick Richtung Rödgen)
Gleisanlagen auf dem Gelände des ehemaligen US-Depots (Blick Richtung Rödgen)
Gießen | Das US-Depot im Osten Gießens verfügte über ein dichtes Gleisnetz mit ursprünglich drei Anbindungspunkten an die Vogelsbergbahn im Bereich Rödgen. Noch im Expose der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben von 2012, eingestellt auf der Internetseite der Stadt Gießen (https://giessen.de/media/custom/684_9294_1.PDF?1352799418), in dem die Flächen für Investoren beworben wurden, findet sich der Hinweis: „Es besteht eine gute Verkehrsanbindung an den Gießener öffentlichen Nahverkehr. Die Bahnstrecke der Vogelsbergbahn (Gießen-Alsfeld-Fulda) führt direkt am US-Depot vorbei und erschließt die Fläche im Süden mit einem Gleis. Durch eine Vereinbarung mit der DB Netz AG ist der Anschluss zunächst bis einschließlich 2013 gesichert. Darüber hinaus wurde der langfristige Erhalt mit der Bahn grundsätzlich abgestimmt.“ Doch davon ist nicht mehr viel vorhanden. In brutaler Manier wurden schon durch die ersten Industriebauten alle Gleisverbindungen an mindestens einer Stelle durchtrennt. Fast scheint es, als sei das auch das Ziel der ersten Baumaßnahmen gewesen, wäre doch genügend Platz gewesen, mindestens eine der Bahnlinien durchgehend
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zu erhalten – eine Option für die Zukunft, selbst wenn jetzt noch kein konkretes Interesse an eine Nutzung bestanden hätte. So aber dokumentiert das Vorgehen die autoorientierte, schienenfeindliche Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik einer Stadt, die sich zwar über Outletcenter und andere autofördernde Investitionen in Nachbargemeinden aufregt, aber auf dem eigenen Gebiet nicht anders handelt. Ein neues Industrie- und Wohngebiet erheblichen Umfanges zu planen und bestehende Schienenanschlüsse zu vernichten, ist die Fortsetzung der seit Jahrzehnten auf Autos ausgerichteten Verkehrspolitik.
Noch ist ein Großteil der Gleise im ehemaligen US-Depot erhalten, auch wenn sie stellenweise zerschnitten wurden. Ein sofortiger Stopp dieser Vernichtung ist notwendig, um die Chance zu erhalten, ein Baugebiet zu schaffen, welches nicht nur Kapitalinteressen dient, sondern vorrangig eine umwelt- und menschenfreundliche Infrastruktur schafft. Mit seinem dichten Bahnnetz und Nähe zur Vogelsbergbahn hätte das US-Depot ein Modell für autofreies Wohnen sein können. Schienenangebundene Hallen der ehemaligen US-Armee könnten sogar als Wartungszentrum bei einem Wiederaufbau eines Straßenbahnsystems in Gießen dienen. Aus der Projektwerkstatt in Saasen wurde ein solcher Vorschlag für eine autofreie Stadt entwickelt, der das US-Depot als Start eines solchen umweltfreundlichen und gegenüber den permanent überlasteten Buslinien deutlich leistungsfähigeren Systems aus drei Tram-Strecken vorsieht (siehe www.autofrei-giessen.tk). Mit ihrer jetzigen Praxis, bestehende Gleissysteme zu vernichten, trägt die Stadt jede Hoffnung zu Grabe, die seit vielen Jahrzehnten auf Autos orientierte Politik könne sich ändern. Das zeigt auch das schon gebaute Straßennetz im Ex-US-Depot. Für neue Asphaltflächen war sofort genug Geld da, während Fahrradstraßen, Straßenbahnlinien und Nulltarif in Gießen fehlen. Das aber wären die drei wichtigsten Säulen einer echten Verkehrswende, die über Begleitfolklore des Autowahns hinausgeht.

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Bis dicht an die Rudolf-Diesel-Straße: Gleise auf dem Ex-US-Depot - von hier könnte eine Tram Richtung Innenstadt führen
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von:  Jörg Bergstedt

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