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Autorenlesung an Francke-Schule – Volksaufstand 1953 als Romanhintergrund

Müller mit dem Buch, welches er vorstellt
Müller mit dem Buch, welches er vorstellt
Gießen | Sein im vergangenen Jahr erschienenes Buch „Der Tag X“ stellte Titus Müller vor knapp hundert Neunt- und Zehntklässlern der August-Hermann-Francke-Schule vor. Darin geht es um die Hauptperson Nelly, die sich vor der Schulversammlung wegen ihrer Mitgliedschaft in einer kirchlichen Jugendgruppe verantworten muss und schließlich kurz vor dem Abitur der Schule verwiesen wird. Sie ist aber nur eine der geschilderten Personen, welche im Jahr 1953 auf den Druck der DDR-Regierung mit Straßenprotesten reagieren. So fügt der Autor noch weitere Personen hinzu, die mit dem politischen Geschehen rund um den Volksaufstand verbunden sind. Das um Elemente einer Spionage- und einer Liebesgeschichte angereicherte Werk stieß bei den Jugendlichen auf großes Interesse, wie die anschließende Fragerunde zeigte. Müller fügte der Lesung Informationen aus seiner eigenen Kindheit in der früheren DDR bei und hatte sich im Rahmen der Recherche zum Buch mit Zeitzeugen getroffen. Die Gießener Jugendlichen vernahmen, dass zu Beginn der fünfziger Jahre Mangelernährung und Folgekrankheiten keine Seltenheit waren und dass durch die schwierige Wohnsituation jeder vierte Jugendliche kein eigenes Bett besaß. Die historisch verbürgte Anzahl von 3000 Schülern, welche in den drei Monaten vor dem Aufstand wegen ihrer Treue zur „Jungen Gemeinde“ von der Schule flogen, verdeutlichte die kritische Distanz von Teilen der Bevölkerung zur Regierung. Mit seiner an der Lebenswelt Heranwachsender anknüpfenden Darstellung machte der Schriftsteller den jugendlichen Zuhörern verständlich, wie es in einem Staat der Kontrolle und militärischen Macht zu den Straßenkundgebungen des 17. Juni 1953 kommen konnte. Er selbst hatte anschließend im Geschichtsunterricht gelernt, dass die Demonstranten durchweg verkleidete Westbürger gewesen seien und bilanzierte vor den Schülern nun seine persönliche Einschätzung so: „Dieser Aufstand war der Anfang vom Ende der DDR.“
Zudem gab Müller, der auch andere historische Romane geschrieben hat, eine Gesamtauflage von einer halben Million Büchern vorweisen kann und Mitglied des PEN-Clubs ist, bereitwillig Auskunft über den Berufsalltag eines Schriftstellers. Für die Schüler war erstaunlich, dass bei ihm zwischen erstem Textentwurf und Druck eines Buches zehn Überarbeitungen lägen und dass der Arbeitstag eines Autors recht einsam sei und vor allem Disziplin erfordere.
Zusätzlich zur Lesung bot Müller auch einen Workshop an, in dem zehn Zehntklässler eigene Schreiberfahrungen besprechen, viele Fragen stellen und vom studierten Literaturwissenschaftler und Historiker Tipps empfangen konnten.

Müller mit dem Buch, welches er vorstellt
Müller mit dem Buch,... 
Aula mit zuhörenden Schülern
Aula mit zuhörenden... 
Titus Müller im Gespräch mit Schülerinnen
Titus Müller im Gespräch... 
Zehntklässler beim Schreibworkshop mit Müller (ganz rechts)
Zehntklässler beim... 
Nachwuchsautoren stellen Fragen ...
Nachwuchsautoren stellen... 

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