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WUNDERWERKE im Botanischen Garten Marburg

Objekt P-01, Ansicht von vorn, im Hintergrund das Waschbärgehege
Objekt P-01, Ansicht von vorn, im Hintergrund das Waschbärgehege
Gießen | Die alte Heilpflanze Arnika (Arnica montana) wird in Deutschland immer seltener und ihre Verbreitungsgebiete weniger. Um daran etwas zu ändern, Schutz- und Gegenmaßnahmen zu ergreifen und die Bevölkerung aufzuklären wurde das Projekt ArnikaHessen in Zusammenarbeit des Botanischen Gartens Marburg, der Philipps-Universität Marburg und der Hochschule Geisenheim ins Leben gerufen. Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit war 2017 ein Wettbewerb "WUNDERWERKE - Kunst trifft biologische Vielfalt" ausgeschrieben worden, um sich künstlerisch mit dem Thema biologische Vielfalt auseinander zu setzen. Vier Arbeiten wurden dann im September letzten Jahres prämiert und anschließend im Neuen Botanischen Garten auf den Lahnbergen entlang eines Kunstpfades ausgestellt.

Aufmerksam wurde ich auf die Aktion bei einem Besuch zu Pfingsten. Bei den ersten beiden Preisen handelt es sich um zwei Skulpturen, die unübersehbar nicht weit vom Eingang installiert sind. Ein Gebilde aus Holz und Metall, das ein überdimensionales, keimendes Samenkorn darstellt mit dem Titel "Schützenswert" von Susanne Assum, und ein über einen Meter großes, in einem Baum hängendes Kunststoffgebilde, von einer Seite etwas futuristisch, von der anderen wie eine verlassene Insektenpuppe wirkend. Deshalb vielleicht der Titel "P-01" von Ulrike Hagenkort. Da weiter keine Informationen vorhanden schienen, recherchierte ich im Internet und erfuhr so überhaupt von dem Projekt ArnikaHessen und dem Kunstwettbewerb.

Es sollte demnach auch einen dritten Preis für ein Werk von Alexa Sabarth mit dem Titel "biodiversity" geben und aus dreißig einzelnen Keramiken bestehen, die inzwischen längs des Kunstpfades verteilt sein sollten. Damit stand ein weiterer Besuch an. Zusammen mit einem ebenfalls kunstinteressierten Freund wurde der Kunstpfad und die Keramikobjekte gesucht, aber weder ein Kunstpfad, noch zunächst ein Keramikobjekt gefunden. Erst nach gut einer Stunde fiel mir, weil wohl gerade ein durchs Blätterdach fallender Sonnenstrahl es golden aufleuchten ließ, ein seltsames Objekt im Bachlauf des südlichen Gartenteils auf. Beim näheren Betrachten stellte es sich als eine etwa 30cm große Insektenlarve heraus, das erste der 30 Objekte; damit war das Auge geschärft und es fanden sich bald darauf zwei weitere.

Objekt P-01 und Claudia Hepting vom Projekt Arnika<k>Hessen</k>
Objekt P-01 und Claudia Hepting vom Projekt ArnikaHessen
Was war mit den restlichen 27? Auch an der Kasse konnte man uns nicht weiterhelfen. Ich nahm deshalb Kontakt zu Frau Sabarth auf und erfuhr so u. a., dass sie Diplom Biologin ist, was die fabelhafte Ausführung und Erkennbarkeit ihrer Tierskulpturen erklärt, aber bei deren Verbleib konnte sie mir auch nicht helfen, verwies mich aber an Claudia Hepting, die für die Öffentlichkeitsarbeit von ArnikaHessen zuständig ist. Nach der Kontaktaufnahme erfuhr ich von Frau Hepting, dass der Kunstpfad existiert, es dazu auch an der Kasse einen Flyer und ein Faltblatt zu ArnikaHessen gibt - da war anscheinend bei meinem zweiten Besuch nur jemand an der Kasse nicht informiert, kann passieren - und Frau Hepting lud mich zu einem gemeinsamen Rundgang ein.

Ich erfuhr so, dass von den 30 Objekten der Frau Sabarth 25 längs des Kunstpfads verteilt sind, der Rest wird in Reserve gehalten, falls mal eines durch Witterungseinflüsse Schaden nehmen sollte. Es ist allerdings auch eine Kunst, alle Objekte zu finden. Trotz Wegeskizze vom Infoblatt fällt es manchmal schwer, an den vielen Abzweigungen und Kreuzungen der Wege, den richtigen zu wählen. Zumindest an diesen Stellen wäre eine entsprechende Markierung hilfreich.
Skulptur "Schützenswert" von Susanne Assum
Skulptur "Schützenswert" von Susanne Assum
Da die einzelnen Kunstobjekte meiner Einschätzung nach maximal 40cm groß sind und, aus verständlichen Gründen dem Zugriff von Besuchern entzogen, entweder in Bäumen oder einem Gewässer angebracht sind, wäre auch da an den entsprechenden Stellen eine Markierung nützlich. Entdecken müsste man die "Tiere" dann immer noch, denn selbst mit Frau Heptings Hilfe, deren Zeit war allerdings begrenzt, wurden nicht alle gefunden. Ich habe es bisher auf 12 gebracht, ein paar davon stelle ich hier als Fotos ein, künftige Besucher des Botanischen Gartens sollten deshalb die Augen offen halten, es gibt noch genug zu entdecken.

Durch Frau Hepting kam ich auch in Bereiche, die der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich sind, und sah so, wo und wie junge Arnikapflanzen angezogen werden, wegen der langen Wurzeln in doppelten Pflanztöpfen. Bei Kreuzungsversuchen, um genetisch unterschiedliche Varianten zu kreuzen, lässt man diese in Drahtkäfigen von angezüchteten Hummeln bestäuben. Im wieder öffentlichen Bereich hinter den Gewächshäusern steht auch ein Holzpavillon, in dem man sich über die Arnika und das Projekt informieren kann.

Ein Botanischer Garten ist immer auch ein bisschen ein Zoologischer Garten, bietet er doch zahlreichen Tierarten
Wer entdeckt den Salamander?
Wer entdeckt den Salamander?
einen geschützten Lebensraum. Darüber hinaus werden in Marburg ein paar Tierarten gehalten. Vor Jahren gab es mal ein Gehege mit Murmeltieren, die viele Besucher erfreuten, das existiert leider nicht mehr. Dafür gibt es jetzt ein Waschbärengehege. Als eher nachtaktive Tiere bekommt man die aber selten zu sehen, bei meinen insgesamt drei Besuchen seit Pfingsten hatte ich jedenfalls nicht das Glück. Innerhalb der Schauhäuser, im Tropenhaus leben Pfeilgiftfrösche und zahlreiche Schmetterlingsarten im Schmetterlingshaus.

In den Schauhäusern befindet sich mit einer Wollemia nobilis auch eine ausgesprochene Rarität. Ein Araukariengewächs, ein sogenanntes lebendes Fossil, das für seit 65 Millionen Jahren als ausgestorben galt und von dem 1994 in einer abgelegenen Region Australiens 800 Exemplare entdeckt wurden. Als ich 2011 wegen der selten blühenden Titanenwurz dort war, war die Wollemia nur etwas über mannshoch. Inzwischen reicht sie mehrere Meter bis kurz unter das Dach des Gewächshauses. Da der Baum in freier Natur aber bis 40m hoch wachsen kann, bin ich gespannt, was man in Zukunft mit ihm machen wird.

Nicht ganz einfach, er sitzt ja auch an einem für ihn ungewöhnlichen Standort.
Nicht ganz einfach, er sitzt ja auch an einem für ihn ungewöhnlichen Standort.
Weiter interessant sind die Hügelgräber und das freigelegte Urnengrab im Südteil des Gartens und wer sich lange genug aufgehalten hat, wird auch dankbar für eine Stärkung bei Kaffee und Kuchen oder einer Bratwurst in der Cafeteria sein, die allerdings erst ab 14:00 Uhr geöffnet ist.

Es empfiehlt sich, vor einem Besuch einmal in die Webseite des Gartens zu schauen, da regelmäßig auch Veranstaltungen stattfinden http://www.uni-marburg.de/botgart/besucher

Ich gebe auch die Webseite von Frau Sabarth an, da man bei ihr derartige Keramikobjekte z.B. auch für den eigenen Garten bestellen kann http://www.alexasabarth.de/

Noch eine Bemerkung zu den Bildern: Sie sind bei allen drei Besuchen entstanden, teilweise also auch schon vor dem Einsetzen der Hitzeperiode. Es blühen inzwischen andere Arten als anfangs und teilweise sieht man auch die Auswirkungen der hohen Temperaturen auf die Vegetation. Ein so großes Gelände lässt sich sicher nicht vollständig bewässern.

Objekt P-01, Ansicht von vorn, im Hintergrund das Waschbärgehege
Objekt P-01 und Claudia Hepting vom Projekt Arnika<k>Hessen</k>
Skulptur "Schützenswert" von Susanne Assum
Wer entdeckt den Salamander?
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Nicht ganz einfach, er sitzt ja auch an einem für ihn ungewöhnlichen Standort.
Gingko - ein Kunstwerk der Natur
Kunst-Kleiber
Margeritenwiese
Trauer-Rosenkäfer auf Hundsrose
Als Kunst nicht ganz so schwer zu finden wie in der Natur - Kunst-Nachtschwalbe
Die Farnschlucht
Ein Sonnenfleck ließ ein goldfarbenes Objekt im Wasser aufleuchten.
Kunstobjekt unter Wasser - Köcherfliegenlarve
Blick in den Rhododendronwald
Freigelegtes Urnengrab im südlichen Bereich des Gartens
Zweifellos ein Tausendfüssler
Nur wer aufmerksam ist, entdeckt das Kunstobjekt auf dem Baumstamm
Eine Libellenlarve
Blindschleiche
Ein lebender Teichmolch
Auch die Kaulquappen waren echt.
Infopavillon zum Projekt ArnikaHessen
Infotafeln im Inneren
Anzuchttöpfe für die Arnika. Wegen der Tiefwurzelung in zwei ineinander gestapelten Töpfen.
Drahtkäfig für Kreuzungsversuche
Arnika in freier Natur (Foto: C. Hepting)
Am Eingang zu den Gewächshäusern wacht ein Feldhamster
Wenn sie so weiter wächst, passt die Wollemia bald nicht mehr ins Gewächshaus
Ein Bananenfalter im Schmetterlingshaus labt sich am Obergärigen, vielleicht hat er deshalb schon so ramponierte Flügel.
Sieht nach einem guten Jahrgang aus ...
Stattlicher Bambus
Ein Stockentenweibchen hat sich in den Schatten zurück gezogen
Der Wassermangel macht der Gunnera sichtbar zu schaffen
Wenn es mit dem Klimawandel so weiter geht, können bald echte Giraffen diese hier ersetzen
Flyer mit dem Verlauf des Kunstpfads und Faltblatt zum Projekt ArnikaHessen gibt's an der Kasse
Suchzettel / -spiel mit den Objekten und ihren Fundorten


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Kommentare zum Beitrag

Bernd Zeun
10.934
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 21.08.2018 um 20:59 Uhr
Auf die leichte Kritik, dass die Objekte schwierig zu finden sind, wurde von der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit von ArnikaHessen schnell reagiert und es gibt jetzt auch einen Suchzettel mit allen Objekten und ihren Lageorten, der auch als Suchspiel benutzt werden kann. Besonders interessant für Familien mit Kindern.
Wolfgang Heuser
7.489
Wolfgang Heuser aus Gießen schrieb am 23.08.2018 um 10:14 Uhr
Sehr gut, ein umfangreicher toller Beitrag über diesen Neuen Botanischen Garten in Marburg, leider hatte ich ihm in diesem Jahr noch nicht viel Zeit gewidmet!
Heike Bitzer
622
Heike Bitzer aus Gießen schrieb am 24.08.2018 um 22:07 Uhr
Superschön. Da will ich demnächst auf jeden Fall auch nochmal hin.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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