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Europäischer Widerstandskampf gegen den Nazismus

Gießen | Diese Ausstellung wurde am 15.5.2018 von Dr. Ulrich Schneider (Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten) eröffnet.

Er erläuterte die Problematik von historischen Erfahrungen realistisch berichten zu können, wenn Zeitzeugen immer weniger werden. Sie sind durch ihre persönlichen Schilderungen besonders authentisch und lebendig.

Man müsse nun nach neuen Alternativen suchen, vor allem um Jugendliche zu gewinnen, damit diese Verständnis und Zugang zu den geschichtlichen Zusammenhängen entwickeln können.

Hierbei ist es wichtig die Verknüpfungen entsprechend zu visualisieren. Bilder, auch wenn sie mehr als tausend Worte sagen, müssen auch zu weiteren Nachfragen motivieren können.

So versuche jetzt diese Ausstellung genau diesen Spagat zu unternehmen, damit viele Schulklassen und andere Gruppen sich diese Bilder mit Erklärungen ansehen und daraus lernen.

Schneider dankte den Ideengebern, Initiatoren und Unterstützern der Ausstellung. Ursprünglich entstand die Idee schon 2008 in der Gedenkstätte Buchenwald, wo 1000 Jugendliche über Ziele und Inhalte einer Ausstellung gemeinsam beratschlagten.

Letzten Endes haben ehrenamtliche Antifaschisten die Stelltafeln mit sehr viel Eigenarbeit und Engagement zusammengestellt. Die gesamte Wanderausstellung besteht aus 50 Stellwänden- in Gießen sind es aus räumlichen Gründen nur knapp 40 zu sehen.

Antifaschismus bedeutet Internationalismus, Widerstand hat Zukunftsvisionen- damals wie heute.
Diese Ausstellung über den antifaschistischen Widerstand in Europa umfasst Tafeln für alle europäischen Länder der damaligen Zeit, die im Kampf gegen den Nazismus eingebunden waren. Wir finden Jugoslawien statt Serbien und Slowakei, wir finden Sowjetunion statt Russland und Ukraine. Die Tafeln sollen und müssen den echten historischen Kontext verdeutlichen.

Die Ausstellung lebt durch eindrucksvolle Bilder und reproduzierte Dokumente, die die knappen erläuternden Texte unterstreichen. Die Illustrationen wurden meist von den nationalen Verbänden der Widerstandskämpfer und Antifaschisten zur Verfügung gestellt. Dabei wurden besonders solche Bilder gewählt, die Breite und Tiefe des Widerstands darstellen, nationale Besonderheiten des Kampfes und allgemeine Tendenzen zum Ausdruck bringen. Zu finden sind Fotos vom Slowakischen Nationalaufstand,
vom Kopenhagener Generalstreik, von den jugoslawischen Partisanenarmeen und das Flugblatt der KPD von 1938 „Wider die Judenpogrome“. Dies sind einige der wenigen Beispiele des öffentlichen Protests gegen die von NSDAP, SA und Gestapo organisierten Widerstands.

Die Ausstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie zeigt aber, dass der Widerstandskampf in allen europäischen Ländern in unterschiedlicher Form und unter Berücksichtigung der nationalen Spezifika stattfand.

Nicht ausgestellt werden Revisionisten oder Denunzianten. Die Ausstellung ist parteiisch! Parteiisch für Menschen, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um gegen den Faschismus zu kämpfen. Wir erinnern an Ria Deeg, eine beeindruckende Gießener Widerstandkämpferin, die auch als Zeitzeugin an vielen Veranstaltungen und Schulen aufgeklärt hat.

Diese Ausstellung will dem Widerstand Gesichter geben.
Diese Ausstellung soll helfen eine Haltung zu entwickeln.
Diese Ausstellung soll zum Handeln motivieren und aufrufen.
Diese Ausstellung soll Mut machen.
Mut machen, dafür zu kämpfen, dass alle Menschen solidarisch miteinander und füreinander leben können.


„1933 wäre verhindert worden, wenn alle Gegner der Nazis ihren Streit untereinander zurückgestellt und gemeinsam gehandelt hätten. Dass dieses gemeinsame Handeln nicht zustande kam, dafür gab es für die Hitlergegner in der Generation meiner Eltern nur eine einzige Entschuldigung: Sie hatten keine Erfahrung, was Faschismus bedeutet, wenn er einmal an der Macht ist. Aber heute haben wir alle diese Erfahrung, heute muss jeder wissen, was Faschismus bedeutet. Für alle zukünftigen Generationen gibt es keine Entschuldigung mehr, wenn sie den Faschismus nicht verhindern!“ Peter Gingold

Die Ausstellung ist vom 15. – bis 31.05. 2018 im Foyer des DGB Haus Gießen, Walltorstraße 7 zu sehen.

 
 
 
 
 
 
 

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Kommentare zum Beitrag

Stefan Walther
4.363
Stefan Walther aus Linden schrieb am 16.05.2018 um 08:51 Uhr
Klasse Martina wie schnell und umfassend du hier den Bericht geschrieben hast!
Eine beeindruckende Ausstellung, ein Referent der wusste von was er sprach... ich hoffe, dass sich viele vor allem auch junge Menschen sich diese Ausstellung noch ansehen werden.
Sehr gut waren auch die einleitenden Worte vom DGB Sekretär Ulf Immelt, der klar aufzeigte dass Kapitalismus und Faschismus zusammen gehören, dass das kapitalistische Gesellschaftssystem Grundlage für die Errichtung der faschistischen Herrschaftsform war - und auch heute noch ist / sein kann... Etwas schade fand ich dann, dass der Referent in seinen Schlussworten - für die FRI - lediglich bürgerlich demokratische Forderungen formulierte wie "Freiheit, Gleichheit, solidarische Gesellschaft". Aber eine "solidarische Gesellschaft" kann es im kapitalistischen System nicht geben, und "Freiheit und Gleichheit" sind nur Worthülsen so lange es eine Klassengesellschaft gibt, die Freiheit des Einen bedeutet immer die Unfreiheit des Anderen, entscheidend ist "wer herrscht, eine kleine Minderheit über die überwältigende Mehrheit - oder umgekehrt".
Martin Wagner
2.458
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 16.05.2018 um 10:39 Uhr
Der Vortrag zur Ausstellungseröffnung war gut konzipiert. Mann / frau merkte ihm an, dass er gezielt auf Pädagogen und Historikern fokusiert war. Wenn auch die Zuhörerschaft (übrigens viel zu wenige ...) nur zum Teil dieser Klientel zuzurechnen war ist das in Ordnung. Denn - und Dr. Schneider erwähnte es ausdrücklich - die antifaschistische Gedenkarbeit muss nach dem (jetzt fast vollständigen) Wegfall der Zeitzeugengeneration neue Wege gehen.

Das mit dem Zwang zur Visionalisierung * (ganz viele Bilder und dafür wenig Text) bei der heutigen Jugend leuchtet mir zwar nicht ein, aber die Fachleute müssen es ja besser wissen.

Wieder einmal wurde mir vor Augen geführt, mit welchen raffinierten Methoden der herrschende Block arbeitet. Dr. Schneider hat gut heraus gearbeitet, dass der in unsererer durch und durch bürgerlichen Welt auch verwendete Begriff "Widerstand" (das macht sich auch in BRD-Schulbüchern schlecht das überhaupt nicht zu erwähnen) dadurch entwertet worden ist, dass nach allgemeiner Definition lediglich damit die Männer und Frauen gemeint sind, welche eine bestimmte Schwelle des Engagements überschritten hatten.

Der Mitbürger der z.B. aus einem zutiefst religiösen Menschenbild heraus, rassisch verfolgten Mitbürgern oder Zwangsarbeiter "ein Butterbrot zugesteckt hatte" fällt dabei nicht unter diese Kategorie.

Widerstand ist aber die Summe aller gegen die faschistschen Regime und deren Handlanger gerichteten Aktivitäten.

Warum ist das wichtig zu erwähnen? Einfach darum, weil erstens so deutlich wird, dass es jedem Mitbürger möglich gewesen ist (er musste es nur wollen) sich gegen das System zu engagieren und zweitens, dass nach dieser Definition die Anzahl der Menschen "im Widerstand" viel höher anzusetzen ist, wie das die bürgerlichen Historiker allgemeinhin tun.

Dies wiederum räumt mit der BRD-Staatsgründungslegende (Widerstand war nicht möglich) gründlich auf und gibt den Blick frei, für die heuchlerische Grundhaltung der Mehrheit der diesen frühen BRD-Staat tragenden Bürger (mindestens bis in die 50er-Jahre hinein). (Bekanntlich gab es ab den 60ern da einen Umdenkungsprozess.)

In diesem Sinne finde ich den Kommentar von Stefan W. untertützenswert. Wir sollten viel weniger nach dem Wertekanon der bürgerlichen Gesellschaft und Staat schauen. Ein bürgerlicher Staat - egal wie er auch ausstaffiert ist - ist für uns Arbeiter kein Ziel, wir sind manns und frau genug unseren eigenen Staat zu entwickeln. Und wenn uns das gelingen sollte so stehen wir automatisch in der Tradion des antifaschistischen Kampfes, denn - und das sollten wir immer wieder sagen - Faschismus ist und bleibt die härteste Form der Machtausübung der Kapitalisten.

* Wenn das so weiter geht bekommen wir eine Gesellschaft mit Leuten, die sich weigern überhaupt noch Texte zu lesen die über 100 Zeichen raus gehen. Meiner Meinung nach eine Katastrophe; wie will ich da z.B. irgend jemand klar machen, dass der Kapitalismus weg muss?
Hallo Lieber Leser
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von:  Martina Lennartz

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Martina Lennartz
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