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SPD knickt ein - Nazi-Paragraph 219a bleibt !

Gießen | Wollte die neue SPD-Fraktionschefin Nahles der Union unlängst noch "in die Fresse hauen“, so kriecht man ebensolcher nun lieber in den After!

Die Beführworter dieses Nazi-Paragraphen behaupten, dass es in diesem um ein „Werbeverbot“ für Abtreibungen ginge, um das ungeborene Leben zu schützen.

In Wahrheit handelt es sich jedoch bei dem sogenannten "Werbeverbot" um ein Informations- und Beratungsverbot, welches zur Kriminalisierung von Ärztinnen und Ärzten mißbraucht wird, welche Frauen über die Möglichkeiten, Probleme und Gefahren von Abtreibungen informieren wollen.
Dies musste unlängst die Leihgesterner Ärztin Kristina Hänel erfahren, welche vom Amtsgericht Gießen wegen angeblicher Werbung für Schwangerschaftsabbrüche zu 6000 € Strafe verurteilt wurde. Gegen das Urteil wurde Berufung eingelegt. Frau Hänel hat erfolgreich eine Petition zur Abschaffung des § 219a gestartet.

Beim §219a handelt es sich um einen Strafrechtsparagraphen aus dem Jahr 1933. Die Nazis sind sicher unverdächtig, diesen aus humanitären Gründen kreiert zu haben. Vielmehr wurde er geschaffen, um jüdische Ärzte zu diskreditieren und zu kriminalisieren, welche Frauen in Not zu beraten suchten. Es wurde ein Klima geschaffen, in welchem letztendlich 1943 die Strafrechtsnorm nach eugenischen und bevölkerungspolitischen Gesichtspunkten umstrukturiert wurde.

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Informationsrecht ist ein Menschenrecht, welches der § 219a verhindert. Er ist zudem verfassungswidrig, da er nicht zwischen rechtmäßigen und rechtswidrigen Schwangerschaftsabbrüchen differenziert und somit eine "Vorfeldkriminalisierung" vornimmt.

Den opportunistischen Wendehälsen und Umfallern der SPD, welche den Antrag auf Beseitung des § 219a zurückgezogen haben, sei folgendes Zitat des Ehrenbürgers von Gießen, welcher 1985 als Ehrenvorsitzender der Ärzte gegen den Atomkrieg mit dem Freidensnobelpreis ausgezeichnet wurde, Horst Eberhard Richter, ins Parteibuch geschrieben:

„Es gibt eine kreisförmige Wechselbeziehung zwischen Machen und Erkennen. Wenn man nicht macht, was man als notwendig, wenn auch mit persönlichen Unannehmlichkeiten behaftet, erkannt hat, dann kann man irgendwann auch nicht mehr erkennen, was zu machen ist. Wer Anpassungszwängen taktisch nachgibt, wohl wissend, dass er ihnen mit vertretbarem Risiko widerstehen könnte und auch sollte, wird nach und nach die Unzumutbarkeit von Anpassungsforderungen gar nicht mehr wahrnehmen, d.h., die eigene Gefügigkeit auch nicht mehr als Fluchtreaktion durchschauen. Alles erscheint normal: die Verhältnisse, denen er sich ergibt, und der Verzicht auf Gegenwehr, den er eben gar nicht mehr erlebt.“
(Horst-Eberhard Richter: Psychoanalyse und Politik, Vorwort)

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Kommentare zum Beitrag

Christine Stapf
6.831
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 14.03.2018 um 18:44 Uhr
Herr Schäfer zu Ihrem ersten Satz möchte ich folgendes sagen. Die Zeiten in denen Politiker Rückgrad hatten, sind leider lange vorbei. Wendehälse und Machtgeile sind immer mehr auf der politischen Bühne zu erleben.

Das Informationsverbot, was § 219a unweigerlich beinhaltet, schadet den Frauen, welche darauf angewiesen sind.

Vielleicht hilft es ihnen ja, dass sich um eine Textänderung der Nationalhymne Gedanken gemacht wird. - Ironie Ende -
Florian Schmidt
4.537
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 14.03.2018 um 19:40 Uhr
Der gleiche Rotz wie bei der Ehe für Alle. Es wäre eine Mehrheit zu schaffen aber diese feige SPD Bande klemmt den Schwanz ein. Ich werde mir das gut merken.
Christoph Schäfer
705
Christoph Schäfer aus Gießen schrieb am 15.03.2018 um 12:01 Uhr
Kristina Hänel hat im Übrigen unlängst den Clara Zetkin Preis erhalten:
https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Clara-Zetkin-Preis-fuer-AErztin-Kristina-Haenel;art71,398445#anker

@Frau Stapf: Egal, ob Vater- oder Heimatland, "denk ich als Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht." (Heinrich Heine)
Martina Lennartz
5.507
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 15.03.2018 um 18:07 Uhr
Vielen Dank für das Einstellen des Artikels. Dieser Inhalt war auch Thema am Internationalen Frauentag in Gießen. Kristina Hänel gehört unsere ganze Solidarität.
Das Zitat von H.E. Richter passt auch auf die politische aktuelle Situation in Deutschland. Die Kriegsgefahr wollen viele nicht erkennen und spüren nicht, dass es mehr als zielführend wäre endlich was zu machen und aktiv zu werden, Widerstand zu leisten.
Der Ostermarsch ist eine gute Gelegenheit, so wie die stattfindende Unterschriftenaktion "Abrüsten statt aufrüsten".
Online hier: http://abruesten.jetzt/
oder manuell am Samtag vor Ostern im Seltersweg.
Ostermontag früh um 9.00 Uhr treffen wir uns am Gießener Bahnhof und fahren zusammen zum Ostermarsch nach Frankfurt!
Wir dürfen den Optimismus nicht aufgeben! Allerdings wird sich von alleine ganz sicher nichts ändern-

da heißt es hoch den A.....
zum Ostermarsch
Christian Momberger
11.098
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 16.03.2018 um 04:27 Uhr
Sehr gut, sehr richtig, sowohl was Herr Schäfer schreibt, als auch der Kommentar von Martina.
Michael Beltz
7.216
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 20.03.2018 um 19:33 Uhr
Die Abtreibungsgegener wollen ungeborenes Leben schützen - das geborene Leben darf dann im Krieg andere Menschen ermorden oder sich im Dienste des Vaterlandes ermorden lassen.
Christian Momberger
11.098
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 21.03.2018 um 17:17 Uhr
Wohl war Michael. Muss man nicht verstehen.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Christoph Schäfer

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