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Schnee, Glühwein und ein Weltkulturerbe

Alles zugeschneit: Trotzdem schafften es die Besucher am Sonntag rechtzeitig zur Orgelvesper nach St. Thomas Morus
Alles zugeschneit: Trotzdem schafften es die Besucher am Sonntag rechtzeitig zur Orgelvesper nach St. Thomas Morus
Gießen | Trotz Schneechaos: Dr. Anita Kolbus meistert Orgelvesper am zweiten Advent in St. Thomas Morus

Eine traumverzauberte Winterlandschaft bedeckte den Kirchplatz. Dazu pfiff ein eisiger Südwind. Der Förderverein St. Thomas Morus hatte zur 35. Orgelvesper eingeladen. In seiner kurzen Begrüßung gratulierte der amtierende Vorsitzende den glücklichen Besuchern, die sich durch die Schneemassen gekämpft hatten. Glühwein und Plätzchen warteten am Ende der Veranstaltung zur Belohnung und gegen die Kälte.
Das Programm wurde von Kirchenmusikerin Dr. Anita Kolbus an der Orgel gestaltet. Die promovierte Musikwissenschaftlerin nutzte ihr breites Hintergrundwissen, um zwischen den Stücken Informationen zu Werk und Komponist zu einzustreuen. Kolbus spielt als Organistin in verschiedenen Kirchen im Gießener Stadtgebiet, sowohl evangelisch als auch katholisch. Entsprechend ökumenisch war ihr Programm geprägt durch die Auswahl der Stücke und Komponisten.

Das verheißungsvolle Warten auf den Weltenretter

Dieses gliederte sich in zwei Abschnitte. Der erste Teil war sehr adventlich gehalten u.a. mit einer Vertonung der gregorianischen Antiphon „Rorate caeli desuper“ von Jeanne Demessieux (1921-1968). Die harmonisch fremd klingenden Modulationen ließen den „cantus firmus“ immer gut hörbar durchdringen.
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Der zweite Teil erlaubte einen Vorgriff auf das weihnachtliche Geschehen. Das tänzerische „Noël sur une vierge pucelle“ atmete den Geist des französischen Hofzermoniell von Versailles. Das ist wenig überraschend, denn der Schöpfer des Werks, Nicolas Antoine Lebègue war Hofkompositeur unter Ludwig XIV und stilprägend für seine Epoche. Im selben tänzerischen Rhythmus sang die kleine aber beherzte Vesper-Gemeinde darauf das evangelische Kirchenlied „Licht, das in die Welt gekommen“. Kolbus begleitete dezent und etwas verhalten. Zuweilen wünschte man sich hier mehr Klangfarbenreichtum, das vorweihnachtlichen Leuchten, die Ankündigung das verheißungsvolle Warten auf den Weltenretter spürbar zu erleben.

Hört die Engel auf den Feldern!

Es folgten zwei Pastoralen von Sigfrid Karg-Elert und Mel(anie) Bonis. Pastoralen sind Hirtenstücke und entsprechen daher der weihnachtlichen Tradition von Hirten als den Empfängern der frohen Botschaft durch die Engel auf den Feldern. Die Pastorale Karg-Elerts machte einen schweren Eindruck: schwülstig aufgeladen im Stil der Spätromantik konterkariert das Werk die eigentlich einfache Musik der Hirten vom Lande. Das Werk von Mel Bonis klang frischer und belebender.
Mit der Fughette über „Gottes Sohn ist kommen“ (BWV 703) aus den „Kirnberger Chorälen“ endete die einstündige Vesper.

Ein Musikalisches Feuerwerk

Die nächste Orgelvesper findet am 31. Dezember 2017 um 16 Uhr in der St.-Thomas-Morus-Kirche statt. An der Orgel spielt Jakob Ch. Handrack Meditatives und Überraschendes – ein Musikalisches Feuerwerk zum Jahresschluss.

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