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Gießener Gengerste in Mecklenburg-Vorpommern unerwünscht!

BesetzerInnen-Turm auf dem Feld bei Groß Lüsewitz
BesetzerInnen-Turm auf dem Feld bei Groß Lüsewitz
Gießen | Verschobenes Experiment der Justus-Liebig-Universität trifft im Osten auf breiteren Widerstand als in Gießen

Das hatte sich die Uni Gießen so schön vorgestellt: Ihr von 2006 bis 2008 in Gießen zweimal zerstörtes und einmal besetztes Versuchsfeld mit transgener Gerste sollte 20km östlich von Rostock in aller Ruhe neu eingesät werden. Versuchsleiter Prof. Kogel und sein Team beauftragten die dort für viele Einrichtungen als Dienstleister zur Gentechnik aktive Firma biovativ, den Gerstenversuch durchzuführen. Doch statt mehr Ruhe traf der Gerstenversuch nahe der Ostseeküste auf breiteren Widerstand als in der Ursprungsstadt. In Gießen hatte offenbar die Dominanz der Universität und ihr Einfluss auf Parteien, Stadtverwaltung und Verbände dafür gesorgt, dass viele ihre Kritik nicht zu äußer wagten. Anders jetzt in Mecklenburg-Vorpommern: 1400 Menschen reichten Einwendungen ein. Direkt am Zaun des Versuchsfeldes wurde ein Gerstenacker angelegt – um gegen den riskanten Versuch aus Gießen klagen zu können. Der Umweltverband BUND, in Gießen völlig stumm geblieben, kämpfte gegen das Feld, auch der NABU äußerte sich kritisch. Vor allem aber zeigte die Gemeindevertretung von Thulendorf, auf deren Gebiet die Versuchsparzellen liegen, eindeutig Flagge: Mit 8:1 Stimmen sprachen sie sich gegen den Versuch aus.
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Die GentechnikerInnen von Uni Gießen, der ebenfalls beteiligten Uni Rostock und dem Firmengeflecht um biovativ und das nahegelegenen Groß Lüsewitz beheimatete AgroBioTechnikum beachteten das nicht. Stattdessen sicherten das Gelände mit Zäunen, Hunden und Wachschutz und setzten die reguläre Polizei zur Durchsetzung der ungeliebten Technik ein. Die räumte am 3. April eine Besetzung des Feldes und half danach bei der Sicherung der Flächen. Seit Mitte April sind nun Weizen und Kartoffeln ausgebracht. Mais, Gerste und Petunie sollen folgen. Millionen von Steuermitteln werden dann an diesem Standort vergraben sein – gegen den Willen fast aller in der Region. Besonders spektakulär brachte dass am 6. Mai die Stralsunder Brauerei zum Ausdruck: Sie gab aus Protest gegen die Genehmigung des Gießener Gersteversuchs ihren gerade vorher von Landwirtschaftsministerin Aigner erhaltenen Preis für das beste Bier zurück. Auch damit beschämte die Brauerei aus der Küstenstadt die Brauereien in und um Gießen. Die hatten nämlich von 2006 bis 2008 ängstlich gekniffen und sich nie zu der gerade für sie bedrohlichen Aussaat geäußert.
GentechnikkritikerInnen aus dem Raum Gießen zeigten sich nun zufrieden mit der Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern. „Wir waren mehrfach dort, um unser Wissen über die skandalösen Hintergründe und bösen Pannen beim Gersteversuch weiterzugeben. Es freut uns, dass sich der Protest ziemlich entschlossen zeigt. Offenbar reichen die Seilschaften von Uni und Stadt Gießen, mit denen wir hier immer kämpfen mussten, nicht bis an die Ostsee!“

·Informationsseite zum Versuchsstandort nahe Rostock: www.aggrobiotechnikum.de.vu mit Links zu den Aktionen, zum Protest der Stralsunder Brauerei usw.
·Presseinfo der Stralsunder Brauerei: www.stralsunder.de/presse/index.html

BesetzerInnen-Turm auf dem Feld bei Groß Lüsewitz
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Gerstengarten neben dem Versuchsfeld
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Leicht verändertes Schild am Versuchsfeld
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Staatsmacht während der Räumung des Feldes
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Markus Berberich von der Stralsunder Brauerei gibt seinen Preis zurück
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