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Delegation aus dem Landkreis Gießen übergibt Umweltministerin Hinz Positionspapier zum Schutz von Feldwegen

Übergabe des Positionspapiers im Hessischen Landtag. Bild: Landkreis Gießen
Übergabe des Positionspapiers im Hessischen Landtag. Bild: Landkreis Gießen
Gießen | Welche Bedeutung haben Feldwege für die biologische Vielfalt und wie können Wege und Wegränder genutzt, gepflegt und geschützt werden? Um diese Fragen geht es in einem Positionspapier, das Dr. Christiane Schmahl, Umweltdezernentin des Landkreises Gießen, zusammen mit Mitgliedern der Biodiversitäts-AG und der Unteren Naturschutzbehörde an die hessische Umweltministerin Priska Hinz übergeben hat. „Die Initiative des Arbeitskreises soll nicht nur im Landkreis Gießen etwas verändern, wir wollen mit diesem Pilotprojekt auch hessenweit etwas bewegen“, sagt Christiane Schmahl. Dazu wünscht sich die Biodiversitäts-AG die Unterstützung der Ministerin.

Die Insektenvielfalt und die Pflanzen- und Tierwelt der offenen Landschaft haben in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Die biologische Vielfalt (Biodiversität) ist jedoch das Fundament einer intakten Natur, die den Menschen zum Beispiel mit frischem Trinkwasser und sauberer Luft versorgt. Das Land Hessen hat 2013 in seiner Biodiversitätsstrategie die Maßnahmen zum Erhalt der natürlichen Vielfalt gebündelt.

Eine Ursache für den Rückgang der biologischen Vielfalt
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liegt in der modernen Landwirtschaft. Nach Meinung von Fachleuten wirken sich neben den geänderten Methoden der Bewirtschaftung vor allem der Verlust von Strukturelementen in der Feldflur negativ auf die Artenvielfalt aus. Feldwege, Graswege und die Ränder der befestigten Wege bieten Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere und sind wichtig für den Erhalt der biologischen Vielfalt.

Daher hat der Landkreis Gießen zur Umsetzung der Hessischen Biodiversitätsstrategie den Arbeitskreis Feldwege der Biodiversitäts-AG initiiert. In dieser Gruppe arbeiten seit Januar 2016 Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen: Landwirtschaft, Jagdgenossenschaften, Naturschutz, Jagd sowie Kommunal- und Kreisverwaltungen. Sie haben das „Positionspapier zur Nutzung und Pflege der Wege und Wegränder“ entwickelt, das zusammen mit dem Entwurf einer Mustersatzung und einer Pflegekonzeption für Feldwege nun an die hessische Umweltministerin Priska Hinz übergeben wurde.

Umweltministerin Priska Hinz freute sich über das Engagement des Landkreises Gießen: „Biodiversität ist unsere Lebensgrundlage. Wir erleben derzeit einen nachweisbaren Rückgang von Insekten und Bestäubern. Auch Bodenbrütern oder Tieren wie dem Feldhasen wird Lebensraum entzogen. Mit unserem Agrarförderprogramm, mit Renaturierungsprojekten, mit unserer Biodiversitätsstrategie und der Bienenkampagne setzen wir uns für den Erhalt von Lebensräumen und Artenvielfalt ein“, betonte Hinz. „Aber auch kommunalen Feldwegen und Ackerrandstreifen kommt hier eine wichtige Rolle zu. Die Anregungen aus dem Landkreis Gießen nehme ich daher gerne mit, denn nur gemeinsam schaffen wir hier eine positive Veränderung. Die Kommunen sind für uns ein ganz wichtiger Partner.“ Sie bedankte sich ausdrücklich bei den Mitgliedern der Biodiversitäts-AG für ihre Ideen und ihr Engagement.

In ihrem Positionspapier erläutert die Biodiversitäts-AG, wie die Feldwege und somit die biologische Vielfalt in den Kommunen geschützt werden können. „Die Kommunen sollen als Eigentümer der Feldwege durch das Positionspapier an ihre Verantwortung erinnert werden“, erklärt Umweltdezernentin Schmahl. Sie werden aufgefordert, die Feldwege zu pflegen, um eine Mitbearbeitung oder das vollständige Wegpflügen von Feldwegen durch die Landwirtschaft zu verhindern. „Wir empfehlen die Verabschiedung kommunaler Feldwegesatzungen, in denen die Rechte und Pflichten der Wegenutzer festgelegt sind. Zusätzlich müssen Pflegepläne erarbeitet werden für die fachlich abgestimmte Bearbeitung der Wege und Wegränder“, erklärt Dr. Heino Steinmetz, Sprecher der Biodiversitäts-AG.

Die Landwirte werden im Positionspapier aufgefordert, die Wege nicht mit Dünge- und Pflanzenschutzmitteln zu behandeln, nicht ungenehmigt zu pflügen und sie nur zum Erreichen ihrer Grundstücke zu nutzen. Im Gegenzug bittet der Arbeitskreis andere Nutzer der Wege, wie Wanderer, Hundehalter, Reiter und Radfahrer, Rücksicht auf die Landwirtschaft zu nehmen. Jagdgenossenschaften und Jäger tragen ebenfalls die Verantwortung für den Lebensraum auf dem Feld. Auch an sie wird appelliert, die Wege und Wegränder zu erhalten.

Mit der Übergabe des Papiers verbunden sind konkrete Wünsche an die Ministerin. „Wir hoffen, dass das Ministerium unsere Ausarbeitungen aufgreift und einen Leitfaden mit Handlungsempfehlungen herausgibt“, sagt Heino Steinmetz. „Zudem wünschen wir uns einen Forschungsauftrag an die Universitäten, damit dort ein Leitfaden zur Feldhygiene erarbeitet wird.“

Ein weiteres Ziel der Delegation aus dem Landkreis Gießen ist eine intensivere Kommunikation über den Schutz von Feldwegen. Das Umweltministerium solle die Thematik über den Hessischen Städte und Gemeindebund an die Kommunen herantragen. „Dabei ist uns wichtig, dass Fortbildungsangebote geschaffen werden“, ergänzt Steinmetz. Die Naturschutz-Akademie Hessen beispielsweise sollte verstärkt Lehrgänge für die Beschäftigten der kommunalen Bauhöfe anbieten, der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen mehr Weiterbildungen für Landwirte und Behördenvertreter. „Durch solche Angebote erhalten alle, die mit Feldwegen zu tun haben, ausführliche Informationen zur richtigen Nutzung und Pflege und damit zum Erhalt des Lebensraums“, sagt der AG-Sprecher.

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