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Nulltarif an Gießener Samstagen wäre nur ein kleiner Anfang - Umweltschützer*innen fordern Nulltarif und radikale Verkehrswende für Gießen!

Der Plan "Verkehrs-Utopie Gießen" mit Fahrradstraßen, Fußmeile und 4 Tram-Linien
Der Plan "Verkehrs-Utopie Gießen" mit Fahrradstraßen, Fußmeile und 4 Tram-Linien
Gießen | „Ein fahrkartenfreier Tag pro Woche als Test ist gut“, kommentiert der Öko-Aktivist Jörg Bergstedt die Zustimmung des zuständigen Ausschusses zum Antrag auf fahrscheinlose Samstage in Gießen. Allerdings könne das nur ein Anfang sein. Schließlich würden die Kosten für Fahrkartenautomaten, Werbung, Kontrollen und Strafverfolgung von Schwarzfahrer*innen umso unsinniger, je mehr Menschen ohnehin ticketlos unterwegs wären. Zudem würden Dauerkarten für Studierende, Landes- und Stadtbedienstete sowie das verbilligte Schüler*innenticket genau wieder denen nicht helfen, denen das Geld für die Fahrkarten fehlt und die deshalb aus dem gesellschaftlichen Leben oft ausgeschlossen sind.

Keine Angst vor hohen Fahrgastzahlen!
Unverständlich finden die Umweltschützer*innen aus dem Umfeld der Projektwerkstatt, die seit Jahren für den Nulltarif und eine Entkriminalisierung des Schwarzfahrens eintreten, die Ängste einiger Politiker*innen vor zu hohen Fahrgastzahlen. „Gießens Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte war orientiert auf massenhaften Autoverkehr. Der öffentliche Nahverkehr kriecht traditionell durch etliche Engpässe und braucht daher endlich große Lösungen statt dem weiteren Gemurkse“, formulieren sie ihre Kritik. Für die kommenden Jahre tragen sie klare Forderungen vor:
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Verkehr (166)Ticket (4)SWG (541)schwarzfahren (10)Nulltarif (7)Gießen (2307)Bus (49)Bahn (109)
• Massive Reduzierung des Autoverkehrs mit dem Ziel einer autofreien Innenstadt durch Verdrängen von Parkmöglichkeiten und optimale Park&Ride-Systeme aus Stadtteilen und Umgebung. Durch die sternförmigen Bahnverbindungen aus allen Richtungen sei das in Gießen optimal umsetzbar.
• Nicht kleckern, sondern klotzen bei der Reaktivierung der Lumdatalbahn. Die neue Strecke solle als Regio-Tram geplant werden und die Bahn ebenso wie weitere Züge aus Richtung Marburg in der Nordstadt auf ein neu zu bauendes Innenstadtgleis zum Beispiel durch Asterweg und Innenstadt verlegt werden.
• Gleiches gelte für den Ausbau des ehemaligen US-Depots. Die dortigen alten Bahnlinien können reaktiviert und dann eine Regio-Tram von Grünberg über die neuen Flächen durch die Innenstadt geführt werden.
• Weitere Möglichkeiten für Regio-Trams böten die Strecken nach Butzbach durch Haltepunkte in Gießenes Süden und die ehemalige Bahnlinie von Wetzlar über Lahnau, die durch Heuchelheim ebenfalls als Regio-Tram in die Gießener Innenstadt geführt werden könnte.

„Das wären Investitionen, die in der Lage wären, den Autoverkehr auch von der Masse her zu ersetzen. Genau das wird gebraucht“, heißt es von den Aktivist*innen. In einem Plan „Verkehrs-Utopie Gießen“ haben sie ihre Vorschläge eingezeichnet. Er wird als Flugblatt verteilt und ist unter www.giessen-autofrei.tk einzusehen. Darin enthalten sind auch Vorschläge, wie Fahrradfahren und Zu-Fuß-gehen gefördert werden können:
• Sperrung ausgewählter Straßen für Autos und Umwidmung zu reinen Fahrradstraßen. Die vorgeschlagenen Strecken führen von allen Seiten in die Innenstadt, unter anderem über die Fröbelstraße, den Asterweg, die Schützenstraße und dann auf der halben Breite der Rodheimer Straße.
• Frei nutzbare Citybikes in der Stadt ohne Gebühr für kurze Strecken (darunter einige Lastenräder).
• Verbesserungen bei Fußgänger*innenampeln: Max. eine Ampelphase pro Überquerung, Einführung einer Gelbphase (vermeidet Einschüchterung durch direktes Springen auf Rot).
• Eine Flaniermeile nur für Fußgänger*innen entlang einer durchgehend renaturierten Wieseck vom Wieseckpark bis zu Mündung unter Umgestaltung aller begleitenden Straßen fahrzeugfreien Zonen.

„Wenn es gelingt, viele Menschen auf Busse und Bahnen zu bringen, ist das keine Bedrohung, sondern ein Erfolg“, meint Jörg Bergstedt und fordert, dass dafür rechtzeitig in umwelt- und sozial gerechte Verkehrsmittel investiert werden müsse. Die Gießener Politik möge sich ein Beispiel an anderen Städten nehmen, die mutiger voranschreiten, z.B. die in etwa gleichgroße Stadt Dunkerque (deutsch: Dünkirchen), die aktuell auf einen umfassenden Nulltarif umrüstet und dafür die Verkehrsinfrastruktur erheblich umbaut. Städte und Regionen mit Nulltarif würden stets eine Belebung erfahren: Mehr Menschen und weniger Autos auf den Straßen!

Mehr Infos auf www.giessen-autofrei.tk.

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Kommentare zum Beitrag

2.238
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 07.11.2017 um 10:45 Uhr
Sehr sinnvolle Vorschläge.
39
Nina Martens aus Allendorf (Lumda) schrieb am 10.11.2017 um 00:49 Uhr
Ich begrüße diese Vorschläge!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Jörg Bergstedt

von:  Jörg Bergstedt

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Interessensgebiet: Gießen
Jörg Bergstedt
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