Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

11.10.17: Streik am Uniklinikum - Solidarität

von Michael Beltzam 11.10.20171560 mal gelesen9 Kommentare
Gießen | Mehrere hundert Pflegekräfte des Uni-Klinikums Gießen/Marburg demonstrierten heute kampfbereit für die Einstellung von mehr Pflegekräften, nicht nur, weil sie mit der permanenten Überlastung an ihre Grenzen stoßen, sondern auch im Interesse der Patienten. 800 Pflegekräfte fehlen derzeit am UKGM. Die verbindliche Einführung eines Personalmindesstandards ist unumgänglich.

Von der Klinikstraße zog die Demo lautstark über die Frankfurter Straße durch die Innenstadt bis zum Kirchenplatz, wo um 11 Uhr die Abschlusskundgebung stattfand.

Auch die DKP bekundete ihre Solidarität mit einem Redebeitrag von Michael Beltz, in dem er u.a. ausführte: "Vor den Wahlen wird gelogen - nach den Wahlen wird betrogen. Wir brauchen keine Obergrenze, für das Pflegepersonal brauchen wir eine Untergrenze. Die Asozialen sind nicht die, die hier auf dem Kirchenplatz mal ein Bier trinken, sondern die, die ihre Profite durch Waffengeschäfte und aus privatisierten Krankenhäusern herausholen. Getötet werden Menschen durch Waffen, durch Hunger und durch mangelnde Gesundheitsvorsorge."

Das Solidaritätsschreiben des DKP-Kreisvorstands war bald verteilt - die Anzahl von 400 war für die vielen Anwesenden zu gering:

Mehr über...
Der Autor hat diesem Beitrag leider keine Tags (Stichwörter) zugeordnet!
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
auch an Eurem zweiten Warnstreik grüßen Euch die Mitglieder der DKP Gießen und versichern ihre Solidarität in Eurem Kampf um Verbesserung Eurer Arbeitsbedingungen.
Wie dramatisch der Pflegenotstand ist, hat gerade die Deutsche Stiftung für Patientenschutz (DSP) deutlich gemacht indem sie veröffentlichte, dass die Belastung des Pflegepersonals heute um 34% höher liegt als vor 25 Jahren. Es müssen dringend mehr Stellen eingerichtet werden, die verbindliche Einführung eines Personalmindeststandards ist unumgänglich. Dies liegt nicht nur in Eurem Interesse, sondern auch im Interesse der Patienten – und wir alle können irgendwann auf eine gute Pflege angewiesen sein.
Die Geschäftsleitung der UKGM mauert, ihr geht es einzig um den Profit. In keiner anderen Uniklinik in der BRD wird ein so großer Teil der Einnahmen, die eigentlich für die Krankenversorgung bestimmt sind, für Gewinn, Zinsen und Tilgung abgezweigt wie hier. 800 fehlende Stellen sind das Ergebnis. Die Geschäftsleitung muss zu Verhandlungen gezwungen werden, an deren Ende eine deutliche Verbesserung der Personalsituation stehen muss.
In diesem Sinne betrachten wir Euren Kampf als unseren Kampf. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um auch öffentlich für Eure berechtigten Forderungen an den Rhön-Konzern einzutreten.
Das UKGM muss wieder vom Land Hessen zurückgekauft werden.
Wir unterstützen Euren Streik und wünschen Euch viel Erfolg.
Mit solidarischen Grüßen
DKP - Kreisvorstand Gießen

 
 
 
 

Kommentare zum Beitrag

Marcus Link
407
Marcus Link aus Gießen schrieb am 12.10.2017 um 08:13 Uhr
Es war eine gelungene Veranstaltung!

Der Pflegenotstand belastet alle. Die Pflegekräfte macht es krank und die Patienten leiden darunter.

Daher mein Motto: Gesunde Menschen statt gesunder Bilanzen

Das Problem der Pflegekräfte, aber auch anderer UKGM Mitarbeiter_innen, ist damit noch nicht gelöst. Doch es war ein guter Anfang. Sicher werden noch weitere Aktionen folgen müssen, um etwas zu erreichen. Ich hoffe, alle Betroffenen haben das nötige Durchhaltevermögen.

Es wurde die Forderung genannt, eine feste Quote ein zu führen, wie das Mengenverhältnis Pflegekräfte zu Patienten festschreibt. Das ist eine gute und wichtige Lösung, auch wenn dies für jeden Bereich einzeln festgelegt werden muss. Es stellt sich die Frage, warum dies von der Bundes-, bzw. Landespolitik nicht eingeführt wird. Meine ernüchternde Antwort: Die Gesundheitskonzerne wollen es nicht und haben die Regierenden im Sack. Ich sehe kein anderes logisches Argument.

Herr Belz hat eine gute Rede gehalten. Auch wenn er ein paar mal drohte in die Weltpolitik ab zu schmieren, hat er gerade noch die Kurve bekommen. ;-) Aber es gab auch einige andere Redner von Gewerkschaften, Betriebsräten, der Partei "Die Linke", die sehr klar auf die Probleme und Lösungen hingewiesen haben.

Wer noch nicht in einer Gewerkschaft ist, hat die heutige Zeit nicht verstanden. Für Arbeitnehmer_innen werden die Arbeitsbedingungen immer schlechter. Es gibt aus meiner Sicht 3 Ansätze den Hebel wieder herum zu reißen, am besten alle gemeinsam nutzen:
1. Gewerkschaftsmitglied sein oder werden.
2. Unterstützt eure Betriebsräte, auch ein Feedback von euch ist wichtig und nicht nur dann wenn ihr euch über etwas ärgert. Ein Lob motiviert weiter zu kämpfen.
3. Zu viele Menschen wählen Parteien, die sich faktisch nicht sozial regieren. Schaut in die letzten 15+ Jahre zurück, sie haben es nur verschlechtert. Erzählen tun sie viel, ihr handeln zeigt jedoch ihre wahre Gesinnung.
Wolfgang Seibt
53
Wolfgang Seibt aus Wettenberg schrieb am 12.10.2017 um 11:37 Uhr
Mehr muss man eigentlich dazu nicht mehr sagen.
Es war völlig klar erkennbar, welche Auswirkungen diese Politik haben wird. Eine Politik, bei der nach den Regeln der Betriebswirtschaft verfahren werden muss.
Denn es zählt nur der betriebliche Erfolg, der Erfolg der Investoren. Diesem Ziel muss sich alles und jeder Arbeitnehmer unterwerfen.
Hoffentlich lassen sich die Streikenden nicht von den kommenden Vorwürfen, sie würden nicht an die Patienten denken, beeindrucken. UKGM und ähnlichen Unternehmen scheinen die Patienten ebenso egal zu sein. Sonst würden sie solche unhaltbaren Zustände nicht zulassen.
Herr Link liegt am Schluss seines Kommentars richtig.
Wahlversprechen zählen nichts. Es gilt, was die Parteien geleistet haben. Da erkennt man die Nutznießer der derzeitigen neoliberalen Politik.
Michael Beltz
6.884
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 13.10.2017 um 18:21 Uhr
Marcus, die Schlussfolgerung ist richtig: tretet in die Gewerkschaft ein, auch wenn einge Bereiche ein wenig lahm sind. Wer nur schimft, soll eintreten und es besser machen.
Jakob Handrack
568
Jakob Handrack aus Gießen schrieb am 14.10.2017 um 18:58 Uhr
Eine eigene Pflege-Gewerkschaft müßte her.
Florian Schmidt
4.190
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 14.10.2017 um 23:53 Uhr
Es müsste vorallem dem größten Arbeitgeber auf diesem Sektor verboten werden sich ein eigenes Arbeitsrecht zu gönnen.
Marcus Link
407
Marcus Link aus Gießen schrieb am 15.10.2017 um 07:28 Uhr
Zitat: Eine eigene Pflege-Gewerkschaft müßte her.
Eine weitere Zersplitterung von Gewerkschaften halte ich für den falschen Weg. Jeder kämpft dann für sich... Dadurch entmachten sich die Gewerkschaften selbst. Zugegeben die verdi ist zu steif, bedienst ihre einzelnen Bereiche zu inkonsequent. Ich bin selbst in einem Bereich tätig, der gerne auf Plakaten gedruckt wird, für den aber noch nie gestreikt wurde.

ABER: Eine Gewerkschaft lebt davon, dass sich die Leute auch aktiv beteiligen! Mitglied werden ist wichtig, elementar, aber mit machen und aktiv gestalten, das macht die Stärke einer Gewerkschaft aus. Gewerkschaft ist nun einmal nicht nur eine Versicherung für die man Beitrag bezahlt.
Michael Beltz
6.884
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 16.10.2017 um 16:20 Uhr
Es gab schon viele Ideen, eine neue Gewerkschaft aufzubauen - wegen Unzufriedenheit mit der eigenen. Da wurde eine Geundheitzsgewerkschaft gefordert, kurze Zeit haben einige Leute gleich einenen Werltgewerkschaftsbund gegründet usw. Für mich heißt die Antwort stets: Tritt in die DGB-Geerkschaft ein, auch wenn sie noch so lahm ist. Da stimme ich mit Marcus Linkt berein.
Ich bin über 50 Jahre Mitglied der Gewerkschaft, schimpfe gelegentlich und bleibe Mitglied.
Michael Beltz
6.884
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 17.10.2017 um 12:38 Uhr
Mich hat eine Kritik erreicht: Wir sollten nicht Kauf der Alten Post fordern sondern Enteignung.
Marcus Link
407
Marcus Link aus Gießen schrieb am 17.10.2017 um 17:01 Uhr
Hä? *Grins*
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Michael Beltz

von:  Michael Beltz

offline
Interessensgebiet: Gießen
Michael Beltz
6.884
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Perverses in Deutschland - Wer die Armen schröpft, erhält eine Prämie
Alle Jobcener-Chefs schließen mit der Bundesagentur für Arbeit eine...
Herrn Grothes aggressive Horde hinter der Absperrung
Die wilden Horden des Herrn Grothe
Am Mittag, als in den Hessenhallen Eritreer und Deutsche ausgelassen...

Weitere Beiträge aus der Region

Für das erste Europapokal-Heimspiel in Marburg nach 5077 Tagen wünscht sich der BC-Trainer viele Zuschauer. Foto: Melanie Weiershäuser
CEWL: Heimauftakt gegen Tabellenführer Rumäniens
Europapokal CEWL: BC Pharmaserv Marburg – CSM Satu Mare (Mittwoch, 20...
Joe Filisko & Eric Noden: «Blues mit Wurzeln» am Freitag 03.11.2017, 20:00 Uhr in der Vitos-Kapelle Gießen
In Giessen geboren, Joe Filisko ist als Pionier des "Harmonica...
Da gibt es wohl was zu futtern für mich, er peilt die Lage.
Das wird als Futterplatz gut angenommen!
So ein neues Futtersilo wurde erst kurz vor dem Urlaub ausgetestet,...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.