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Santiago de Compostela - Der Weg ist das Ziel - Echte Pilger

Milde Gabe eines Pilgerfreundes.
Milde Gabe eines Pilgerfreundes.
Gießen | 08. September 2006 – (Ondres-Plage - Lac du Mouriscot).
Dieser Tag ließ uns zeigen, was echte Pilger sind und wie gastfreundlich man behandelt wird. Vorher mussten wir jedoch die erste harte Probe bestehen. Ein Gewitter, das stundenlang vor uns eine Weile entfernt den Himmel erleuchtete, kam auf uns zu und zerriss die Nachtruhe am Strand von Ondres-Plage, welches uns zwang in völliger Dunkelheit, schlaftrunken und halb nackt das Zelt weg von der Düne an einen Waldrand zu tragen nachdem wir um ein Haar das Außenzelt verloren. Der Abend war warm und idyllisch, nur nach Sonnenuntergang setzte sich bereits sehr schnell der Tau an. Weit im Landesinneren beobachteten wir schon die ganze Zeit das Unwetter. Die Blitze erhellten den Nachthimmel, die in alle Richtungen zu schießen schienen. Dieses Wetterleuchten ließ uns jedoch zum Entschluss kommen, zur reinen Sicherheit das Zelt auf der Düne aufzustellen, die sicherlich 400-500 Meter ins Landesinnere reichte, bis ein kleines Wäldchen den Strandbereich abschloss. Tatsächlich begannen die Wolken sich irgendwann zu nähern, soll heißen, wir kletterten erst ins Zelt und dann zum Schlafen in die Schlafsäcke. Minuten, bevor ich richtig im Tiefschlaf gewesen wäre, merkte ich, wie eine Böe am Zelt reißt. Die Blitze wurden heller. Klaus meinte, der Wind dürfe nicht stärker werden, sonst hält das Zelt nicht, welches -zur Erinnerung- ja auf Sand stand. Ich hielt es für unangebracht aber notwendig auf diese Bemerkung mit den Worten: „Wir sollten lieber bedenken, dass wir mit unserer Metallstange der höchste Punkt auf der Düne sind“ zu antworten. Klaus: „Sollte mich das beunruhigen?“. „Ich wollte es nur gesagt haben.“ Dann riss eine Böe drei Häringe von links aus dem Sand und das Überzelt drohte, im Dunkel der Nacht zu verschwinden. In einem Hechtsprung raus aus dem Zelt hielt Klaus die Plane fest. Weitere Böen ließen fast das Zelt umknicken. Das Ende vom Lied war: Töpfe, Besteck und mein Teller gingen verloren sowie einige Häringe. Geregnet hat es jedoch nicht. Trotz allem liefen wir am Vormittag um ca. 10:00 Uhr los in Richtung Bayonne. An diesem Tag entwickelten wir Höchstleistungen. Bei einer kleinen Rast gab uns ein Herr ohne Bitte und/oder Aufforderung je ein Bier und unterhielt sich ein wenig mit uns nachdem er herausfand, dass wir Pilger sind. Zahlreich bedankten wir uns. Unser erstes echtes Erlebnis
Chaos nach Chaosnacht auf der Düne.
Chaos nach Chaosnacht auf der Düne.
von Gastfreundschaft. Wir haben gestrahlt wie Honigkuchenpferde. Auch wenn man von anderen Leuten genau solche Geschichten erzählt bekommt, rechnet man selbst doch irgendwie nicht damit, dass es einem wohl selbst mal passieren könnte. Ich weiß gar nicht mehr, wie wir uns mit dem Mann, der in dem Haus auf der anderen Straßenseite wohnte, unterhalten haben. Ich glaube, ich habe tatsächlich noch ein paar Worte französisch aus meinem sehr kleinen Restreservoir gekramt.
In der Kathedrale von Bayonne holten wir uns den ersten Stempel auf dieser Reise und verließen nach einer kleinen Besichtigung der Innenstadt erhobenen Hauptes die Stadt in Richtung St. Jean de Luz. Unser Nachtlager haben wir am Lac de Mouriscot aufgeschlagen. Hierzu eine kleine Zusammenfassung unserer Schlafplätze. Wir hatten immer Glück was dies betrifft. Wir lagen an Stränden, an Steilfelsen, an Waldrändern, Wiesen, Lichtungen und wie hier direkt am See „Lac de Mouriscot“. An diesem Abend war es schon extrem spät und wir haben erst nach Einbruch der Dunkelheit, quasi auf der letzten Rille (Licht- und Energietechnisch) dieses Plätzchen gefunden. Man stelle sich eine 2 Meter breite Straße vor. Links ein 8 Meter hoher Bahndamm, rechts ganz kleine Einfamilienhäuser mit Kleinstgärten. Kilometerlang. Irgendwann muss das doch mal aufhören, dachten wir, denn was wir brauchten, war ein Schlafplatz. Da entdeckte ich ein verlassenes, zugewachsenes Grundstück, was leicht unterhalb der Straße lag, ohne Haus, nur mit einem Wellblechkonstrukt, vielleicht am ehesten mit einem überdachten Bahnhofsfahrradstellplatz zu vergleichen. Total verrostet. Aber es war ein Dach. Wir mussten also noch nicht einmal das Zelt aufbauen und wir waren obendrein noch vom Tau geschützt. Oft waren es glückliche Zufälle, die uns diese tollen Plätze vermachten. Hier sogar mit Blick auf den See. Das heißt für diesen Tag: Fast zwölf Stunden Marsch bei einem Weg von (Luftlinie!) 27km.
http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/12209/santiago-de-compostela-der-weg-ist-das-ziel-sleepers-and-pathfinders/

Milde Gabe eines Pilgerfreundes.
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Chaos nach Chaosnacht auf der Düne.
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Erstmal die Sachen vom Tau trocknen.
Glückliche Wanderer nach dem Bier.
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Pause kurz vor Biarritz.
Kathedrale von Bayonne.
Altstadt Bayonne.
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Kathedrale Bayonne.
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Wegemarkierung am Ende des Tages.
Unter unserem Wellblechpalast.

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Kommentare zum Beitrag

Dr. Mathias Knoll
7.405
Dr. Mathias Knoll aus Gießen schrieb am 09.05.2009 um 15:37 Uhr
Der erste Pilger

Gott verfluchte Kain:
"Unstet und flüchtig sollst Du sein!"
"Ja, Herr," sagte der Sadist
"Ich bin der erste Tourist..."


-danke für Ihre lesenswerten Reiseberichte
Marion Wallenfels
1.954
Marion Wallenfels aus Gießen schrieb am 09.05.2009 um 17:45 Uhr
Ist doch interessant wie viele "ZUFÄLLE" diesen Weg begleiten !
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Mathias Engelhart

von:  Mathias Engelhart

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Interessensgebiet: Gießen
Mathias Engelhart
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