Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Interessanter Archivfund zur Vorgeschichte der Alten Post und Samen-Hahn

von Martin Wagneram 26.09.20171147 mal gelesen5 Kommentare
Elephantenklo Nr. 96 Titelseite plus Rückseite
Elephantenklo Nr. 96 Titelseite plus Rückseite
Gießen | Im Zusammenhang mit den Bestrebungen Gießener Mitbürger zum Erhalt der Alten Post in Giessen - dazu gibt es schon einige Artikel hier in der Onlineausgabe der GZ - rückte sehr schnell die Person des Eigentümers ins Blickfeld der interessierten Öffentlichkeit. Ganz dunkel konnte ich mich entsinnen, dass bei dem Abriss des klassizistischen denkmalgeschützten Hauses Samen-Hahn (Bahnhofsstr. / Ecke Reichensand) in den Nuller-Jahren es eine gleichgelagerte Geschichte Ende der 70er bzw. Anang der 80er-Jahre gegeben hatte. Hinter dem klassizistischen Haus stand nämlich - von der Straße nicht gut einsehbar - ein nach Denkmalschutzgründen viel interessanteres ein damals 150 Jahre altes Biedermeierhaus. Ich musste mich wegen der stark nachlassenden Gedächtnis auf den staubigen Dachboden machen und in der Kiste mit den alten Nummern der damaligen Alternativzeitung von Giessen (dem Elephantenklo). (Ich denke die Zeitung ist nirgends archiviert worden - das war in den 70er bzw. 80er Jahren nicht üblich / danach exisitierte die Zeitung nicht mehr.) Ja ich sammelte damals als Mitmacher ab und an ein paar Exemplare und - welch ein guter Zufall ich habe die betreffende Nummer gefunden.

Mehr über...
Reichensand (4)Magistrat (39)Herr S (1)Elephantenklo (1)Bürgerinitiative (87)Bagger (13)
In der Nummer 96 vom 6. Juli 1981 (und teilweise in der Nr. 97 vom 20.Juli 1981) wurde das Thema ausführlich behandelt.

In der Nummer 96 war die Geschichte Hauptthema (Titel, zweimal eine Doppelseite mit vielen Fotos) und in der Nr. 97 wurden die Geschehnisse um das Biedermeierhaus in einen weiteren Zusammenhang gestellt.

(Ich muss leider etwas beschreiben, da die Druckqualität schlecht war und eine fotomechanische Wiedergabe wahrschenlich nicht gelingen dürfte. Das ist besonders wegen den Fotos schade.)

Kurz zu der Nr. 96

Auf der Titelseite mit einem Foto von dem halbzerstörten Haus unterlegt steht der Aufmacher:

Abriss im Reichensand: "Die historischen Gebäude Giessens sollen Schmuckstücke der Innenstadt werden." Wahlwerbung der Giessener CDU 1981

Dazu passend hat der Artikel ab Seite 5 den Titel:

Wir kriegen Giessen schon klein: Bomben - Bagger - Görnert

(Görnert war der zu diesem Zeitpunkt erst ein paar Wochen neuer gewählter Oberbügermeister.)

Nach einem kurzen Abriss der damals aktuellen Abrissarbeiten (da wurden ein halbes Dutzend aufgezählt) kommen die näheren Angaben zu Herrn S..

Ich zitiere in Auszügen:

"(....) Am 1.Juli 1981
Elephantenklo Nr.96 erste Doppelseite zu Reichensand
Elephantenklo Nr.96 erste Doppelseite zu Reichensand
erst ging das Gelände der Firma Samen-Hahn in den Besitz des Herren S .... (im Original olle Namnesnennung) über. Am gleichen Tag noch wird die Abrissgenehmigung erteilt. (....) S .... (im Original volle Namnesnennung) als Geschäftsführer der Bauträgergesllschaft S...... GmbH & Co.KG läßt nämlich für 18 Mio. ((wohlgemerkt DM)) weiteren Beton mit scherlich phantastischen Renditeversprechen in die Innenstadt Giessen. Entstehen soll .... Vom Zeitpunkt der Abrissgenehmigung bis zum Augenblick der Tatsache eines riesigen Trümmerberges vergingen wiederum nur zwei Tage. Landes- und Gießener Denkmalschützer raufen sich dieser Zerstörung wegen die Haare und lassen verlauten, dass sie gegen den Abriss gewesen wären, ihn aber nicht hätten verhindern können. (....)"

((Übrigens auf eines der Foto ist Herr S. zu sehen. Die verflossenen 35 Jahre werden da sichtbar.))

Ich könnte noch weitere interessante Zitate hier wiedergeben. Aber ich beschränke mich. Falls noch Frage sind kann ich mit weiteren Passagen in der Kommentarkolonne diesen Artikel ergänzen.

Des weiteren möchte ich im Moment (später vielleicht) die von mir gesehenen Übereinstimmungen mit heute nicht heraus arbeiten.

Elephantenklo Nr. 96 Titelseite plus Rückseite
Elephantenklo Nr. 96... 
Elephantenklo Nr.96 erste Doppelseite zu Reichensand
Elephantenklo Nr.96... 
Elephantenklo Nr. 96 zweite Doppelseite zu Reichensand
Elephantenklo Nr. 96... 
Elephantenklo Nr. 97 Titelseite
Elephantenklo Nr. 97... 

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Die vier Schollen
Kinder auf "Schollen"
Was hat die Landesgartenschau (LAGA) 2014 für Gießen gebracht? wurde...
Info- und Unterschriftenstand vor dem REWE-Markt in Biebertal-Rodheim
GROßE Zustimmung für Unterschriftensammlung in Biebertal zur 'Abschaffung der Straßenbeiträge in Hessen und Mittelbereitstellung durch das Land'
Klares Votum: "Die Straßenbeiträge müssen weg!" Innerhalb weniger...
Bürgerentscheid Outlet-Center Pohlheim – Vertrauen sieht anders aus - viele Fragen, keine Antworten
Kann man solchen Leuten das Vertrauen schenken, die monatelang, nein,...

Kommentare zum Beitrag

Nicole Freeman
9.164
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 26.09.2017 um 06:21 Uhr
ja da wird anscheinend an alten versprechen festgehalten. der versuch neuen beton gegen altes gemäuer zu tauschen. eine schande das der damit durchkommt.
H. Peter Herold
26.836
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 28.09.2017 um 15:59 Uhr
Martin gut recherchiert. Mir wurde mal von jemanden gesagt der damalige Bürgermeister hätte den Abriss verfügt aus Angst, dass eine Hausbesetzung erfolgen würde wie in der Südanlage - Ecke Bleichstraße.
Es war ja alles dort etwas komisch. Abriss des Jugendstilbades und dafür Parkhaus für Karstadt. Es ist hier in Gießen für mein Gefühl manches merkwürdig.
Martin Wagner
2.416
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 28.09.2017 um 17:43 Uhr
Lieber Peter H.

Obwohl ich damals (da war ich noch richtig jung - so um die 25) als Sympathisant dabei war kann ich mich nicht mehr so richtig erinnern. Ich hoffe nicht früh am Alsheimer erkrankt zu sein. Deswegen ziehe ich sicherheitshalber als Gedächtnisstütze ein Erinnerungsheft der damaligen Alternativzeitung "Elephantenklo" aus dem Jahre 2007 zu Rate. Dort wird in einem längeren Artikel von Klaus Frahm (lebt noch im Giessener Raum, ist freier Mitarbeiter einer Lokalzeitung und nebenbei Krimiautor, also notfalls noch direkt zu befragen) über die Giessener Hausbesetzerszene in den Jahren 1977 bis 1987 berichtet.

Korrekt ist, dass das Jahr 1981 quasi die Hochzeit der Hausbesetzungen in Giessen war. Aber es ging damals nicht nur um die Südanlage 20 (ab März), sondern auch um den sehr heftig umstrittenen Abriss eines Wohnhauses zu Gunsten eines mittelständigen Dienstleisters im Flutgraben (keine Besetzung) Ende März und die Besetzung eines Hauses in der Frankfurter Str. (ab Anfang April).

Ja ich entsinne mich, dass von offizieller Seite mit der Begründung "gefährtet von Hausbesetzern" die Abrisserlaubnis erteilt wurde. Ich bezweifele, dass dies aber auf Grund von belastbaren Informationen der politischen Polizei (die war damals immer präsent und auch gut informiert) erfolgte. Denn nach den zum Teil recht heftigen Auseinandersetzungen im Frühling und Frühsommer war sichtbar "die Luft raus". So z.B. wurde die Besetzung in der Frankfurter Straße von Leuten mit einem anderen politischen Hintergrund (quasi als Unterstützeraktion) für die "führenden" Hausbesetzer durchgeführt. Ich vermute es war so etwas wie ein billiger Vorwand.
H. Peter Herold
26.836
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 28.09.2017 um 17:49 Uhr
Ja in Gießen ist und war anscheinend manches etwas anders als anderswo
H. Peter Herold
26.836
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 08.11.2017 um 12:22 Uhr
Nur weil ich heute darüber stolpere. Die Sache mit dem Parkhaus für Karstadt und dem Abriss des alten Jugendstilbades
war auch so eine Sache. Leider war ich damals noch nicht in Gießen und weiß daher nicht allzu viel darüber. Meine Frau hat in dem Bad noch das Schwimmen gelernt.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Martin Wagner

von:  Martin Wagner

offline
Interessensgebiet: Gießen
Martin Wagner
2.416
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Symbolfoto - Angela Parszyk - pixelio
Lohnender Theaterbesuch am 17.Dez.2017
Am 15.11.2017 hatte der Bürgerreporter Bernt Nehmer in einem Artikel...
.... es wabbert der Nebel durch unser Land
"Wohltätigkeit ist das Ersäufen des Rechtes in der Jauchegrube der Gnade!" *
In Giessen erschien von einer bestimmten Lebensmittelkette (Name tut...

Weitere Beiträge aus der Region

Der männliche Hausrotschwanz mit Futter im Schnabel
Der Hausrotschwanz ist in unseren Gärten aktiv
Ein Wildvogel der in den Gärten eine gute Population erreicht,...
besetztes Haus Ostanlage/Ecke Moltkestraße
Hausbesetzung in Gießen: Signal gegen Wohnungsnot
Am 13. Juli wurde das Haus in der Ostanlage 29/31 im Anschluss an...
Kalter Krieg 2.0
Die Bundesrepublik Deutschland braucht dringend eine wache...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.