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Kriegsgräberfriedhöfe

Kriegsgräberfriedhof Dagneux bei Lyon
Kriegsgräberfriedhof Dagneux bei Lyon
Gießen | Anläßlich einer Urlaubsreise besuchte ich erstmalig das Grab meines Onkels (der ebenfalls Kurt Wirth hieß), geb. 1916 und "gefallen" 1943 am Mont Cenis im Grenzgebiet Frankreich/Italien, auf dem deutschen Kriegsgräberfriedhof Dagneux bei Lyon. Block 41, Reihe 12, Grab 468. Das läßt einen schon wegen der puren Masse erschauern. Auf jedem Grabstein stehen 3 Namen. Viele Grabsteine sind verwittert und unlesbar, aber man sieht, daß man an der Erneuerung arbeitet.

Mein Onkel wurde seinerzeit in der Barackenunterkunft bei Fourneaux zusammen mit 15 weiteren Gebirgsjägern durch einen Bombenvolltreffer getötet. Wie sein Leutnant in einem schwülstigen Brief an meine Großeltern mitteilte ("dem Führer und der Heimat diente" "mit dem Tode besiegelt" "Treue zum Fahneneid" "Nachricht vom Heldentode" "dass Sie den hohen Sinn seines Opfers bejahen werden" "er hat es für seine Lieben in der Heimat gebracht, und Sie müssen ihm dankbar sein und seiner würdig, in großem Schmerz zwar aber auch in grossem Stolz" "Für die weitere Pflege der Gräber werde ich selbst Sorge tragen") nahmen Kameraden und der Regiments-Kommandeur "Unter den Klängen des "Guten Kameraden" und den Salven des Ehrenzuges Abschied von den Toten.

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Ob man sich da in den Gefechten zu all dem die Zeit genommen hatte, sei dahin gestellt. Bei genauem Hinsehen stellt man fest, daß in dem offensichtlich mehrfach vorgefertigten Schreibmaschinenbrief an einigen Stellen der Name meines Onkels nur eingesetzt wurde.

Wie dem auch sei, in den 60-er Jahren wurde mein Onkel von dem Friedhof Fourneaux bei Modane umgebettet auf den zu errichtenden Kriegsgräberfriedhof in Dagneux. Dort liegen fast 20.000 deutsche militärische Kriegsopfer, zumeist junge Menschen zwischen 20 und 40. Aber, sie waren ja nicht als Touristen unterwegs, nicht von der dortigen Bevölkerung eingeladen worden, hatten sich ihren visumfreien Aufenthalt dort erzwungen. Viele von ihnen sicherlich nicht freiwillig, aber der Widerstand gegen diese Art von "Europareisen" hielt sich in Grenzen.

Eine seltene Ausnahme diesbezüglich ist der auf dem Kriegsgräberfriedhof Bourdon bei Amiens in Nordfrankreich bestattete Willy Wirthgen. Block 26, Reihe 15, Grab 537. Er wurde 1962 von dem Friedhof Marquette bei Lille auf den Kriegsgräberfriedhof umgebettet. Auf seinem Grabstein steht als letzter Dienstgrad "Soldat", eine völlig ungebräuchliche
Kriegsgräberfriedhof Dagneux bei LIlle
Kriegsgräberfriedhof Dagneux bei LIlle
Bezeichung. Man war im niedrigsten Falle Schütze, Kanonier, Flieger, Jäger, Panzerjäger, Sanitätssoldat. Aber die bloße Bezeichnung "Soldat" gab es eigentlich nicht. Das deutet auf Degradierung hin. Der Sache wurde weiter nachgegangen: Willy Wirthgens Todesort war laut Unterlagen dieses Friedhofes "Foost Bondeies". Dieser Ort ist bis dato weder im Internet, noch auf Kartenwerken irgendwo aufzufinden. Auf anderen Wegen fand man heraus, daß Willy Wirthgen im April 1944 im Fort de Bondues bei Lille nach einem Todesurteil des Feldgerichts der 16. Flak-Division wegen Wehrkraftzersetzung erschossen wurde.

So führen Feinheiten auf den Grabsteinen von Kriegsgräberfriedhöfen zu interessanten Erkenntnissen. Auch auf dem Kriegsgräberfriedhof in Kloster Arnsburg bei Lich führen ja die zahlreichen Grabplatten mit demselben Todesdatum und der Inschrift "Eine unbekannte Tote" erst zum Nachdenken und Nachforschen: dahinter verbergen sich 87 Gestapo- und SS-Opfer aus dem KZ-Außenlager Hirzenhain.

Ein weiterer Onkel namens Anton Naiß wurde 1942 als Flugzeugführer in einem Nachtjagdgeschwader in seiner Junkers JU 88 über der nordafrikanischen Halbinsel Cyrenaika von den Briten abgeschossen. Er befand sich auf seinem ersten "Feindflug". Seine Gebeine ruhen auf dem Kriegsgräberfriedhof Tobruk in Libyen. Dort steht auf einer Gedenkplatte für die 6026 dort Bestatteten (ausschließlich Deutschen): "Das deutsche Volk seinen in Libyen gefallenen Soldaten und ihrem Feldmarschall Rommel" Na also. Es hat alles seine Ordnung. Eine Fortsetzung dessen kann man in dem Ausspruch Peter Strucks erkennen: "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt". Seit längerem kann man diesen Kriegsgräberfriedhof umständebedingt nicht mehr besuchen.

Kriegsgräberfriedhof Dagneux bei Lyon
Kriegsgräberfriedhof... 
Kriegsgräberfriedhof Dagneux bei LIlle
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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
28.742
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 11.09.2017 um 09:31 Uhr
Sie haben nichts daraus gelernt. Wie früher werden heute wieder, immer noch Deutsche zu den Waffen gerufen und sterben dann irgendwo auf der Welt für ....
....... ja für wen denn heute?
Christian Momberger
11.260
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 15.07.2018 um 19:29 Uhr
Wohl war Peter. Und gerade auch wenn man die aktuelle Diskussion über höhere Militärausgaben sieht.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Kurt Wirth

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Kurt Wirth
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