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Alte Post: Ein griff ins Klo für den/die Eigentümer?

von Peter Baieram 10.08.20171078 mal gelesen31 Kommentare
10 August
10 August
Gießen | Nach dem letzten Gutachten was die Stadt von der Alten Post hat erstellen lassen steht nun fest das Handlungsbedarf besteht.
Da von den Stufengiebel sich Sandsteine lösen könnten, in der Größenordnung von bis zu 20 kg, besteht akute Gefahr für Fußgänger. In diesen Fall wäre der Fußgängertunnel, wurde am 26 Januar 2017 aufgestellt, kein Schutz mehr.
Die Stadt hat den/die Eigentümer aufgefordert Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen.
Es wurde verlangt das ein Drahtnetz an der Fassade der Alten Post montiert wird.
Die Frist war bis zur Wochenmitte gesetzt.
Es wurde gleich Einspruch von den Shobeiris eingelegt.
Heute Mittwoch dann das Wunder, Arbeiter sind dabei das Gerüst weiter aufzubauen.
An diesen Gerüst kann dann ein Metallnetz befestigt werden.
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Warum ein Griff ins Klo?
Gekauft wurde die Post 1998 für 1 Million DM.
Ein Kaufangebot über 1,8 Millionen € war dem/der Eigentümer zu wenig. Das wäre auch nur knapp das 3,5 fache vom Kaufpreis gewesen.
Das geht überhaupt nicht.
Gefordert wurden nur bescheidene 3,5 Millionen, immerhin nur das 7 fache vom Kaufpreis.
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Ich würde sagen hier hat sich einer selbst ins Knie ge ...... schossen!
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Nach dem Gutachten sind hier etwa 4,9 Millionen € in die Hand zu nehmen.
Fast das komplette Dach muss erneuert werden, genau so die Dachluken und die Dachrinnen.
Der komplette Austausch der Fenster gegen denkmalgerechte Holzfenster.
Sicherung der Stufengiebel, Austausch von Sandsteinen im Sockelbereich und so weiter.
Von den 4,9 Millionen entfallen schon 1,9 Millionen für die Dachsanierung.
Weiter x Millionen sind danach noch für eine neue Nutzung erforderlich soll hier einmal Pacht oder Mieten erwirtschaftet werden.
Vielleicht hätte die Eigentümer lieber die 1,8 Millionen € nehmen sollen.
Wer soll hier die Post für 1,8 oder 3,5 Mill. kaufen wollen?

10 August
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Kommentare zum Beitrag

Christine Stapf
6.216
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 10.08.2017 um 15:53 Uhr
Nach all der langen Zeit sehe ich schon die Abrissbirne wie bei dem Gebäude Samen Hahn.
Martin Wagner
2.328
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 11.08.2017 um 13:22 Uhr
Die Famile Shobeiri spekuliert offensichtlich auf einen Riesengewinn bei dem Verkauf der Immobilie.

Jegliche jetzt durch sie zu tätigenden Arbeiten schmälern den Gewinn.

Ich gehe davon aus, dass sie über so gute Rechtsanwälte verfüge es verhindern, dass die von der Stadt verfügten Massnahmen umgesetzt werden müssen. Sollten das nicht möglich sein wird es ihnen über eine Aktivierung ihres Netzwerkes schon gelingen.

Dass die Stadt gerade jetzt (der Zustand der Immobilie ist seit Jahren bekannt) aktiv wird ist meiner Meinung nach den Tatsache geschuldet, dass ein neuer Dezernent sich profilieren will und dass Wahlen anstehen.
Nicole Freeman
8.638
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 11.08.2017 um 20:47 Uhr
na wenn die wahlen das gebäude retten ist das gut. diese spekulanten sollten ihr lehrgeld zahlen müssen!
Nicole Freeman
8.638
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 11.08.2017 um 20:47 Uhr
denkmal sollte jetzt wirklich verpflichten und auch der geforderte ersatz zum samen hahn sollte erzwungen werden!
Peter Baier
9.677
Peter Baier aus Gießen schrieb am 13.08.2017 um 18:15 Uhr
Frau Stapf, wenn man uns hier nicht wieder ein Theater vorgespielt hat würde ich sagen das passiert nicht. Beim Samenhahn hatte es den Anschein nach einer Theater- Aufführung.
Vielleicht sollte die Stadt den Besitzern klar machen das es hier ohne Alte Post keine Neubebauung statt findet wird.
Peter Herold
26.329
Peter Herold aus Gießen schrieb am 15.08.2017 um 20:34 Uhr
Abreißen und Grünanlage machen. Dem Perser würde ich die Suppe versalzen.
Nicole Freeman
8.638
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 17.08.2017 um 13:15 Uhr
reparierenlassen und die rechnung stellen. die möglichkeit hat die stadt wenn ich mich richtig erinnere. sollte der besitzer der aufforderung zur instandsetzung- instandhaltung des denkmalgeschützten gebäudes nicht nachkommen. man sollte einmal zeigen was denkmalschutz und eigentum bedeutet. eigentum verpflichtet muss wieder bedeutung bekommen, in einer stadt die kaum noch alte gebäude hat.
Peter Herold
26.329
Peter Herold aus Gießen schrieb am 17.08.2017 um 13:20 Uhr
Es wird ausgehen wie bei Samenhahn.
Plötzlich ist ein Gutachten da. Einsturz gefährdet. Nicht mehr zu sanieren. Überzeigt nicht der Betrag der Instandsetzung den ehemaligen Kaufpreis? Kann dem Eigentümer das zugemutet werden?
Martin Wagner
2.328
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 18.08.2017 um 10:08 Uhr
Kurz zu zwei Kommentaren von Peter H.:

Das mit dem Gutachten befürchte ich auch. Mal sehen, ob die momentan in Giessen herrschende Chlique im Rathaus aus Samenhahn gelernt hat und massiv gegen ein eventuell vorgelegtes Gutachten vor geht und auf eine Sicherung des denkmalgeschützten Bauwerkes pocht. Rein rechtlich ist das möglich. Sie muss eben "nur" gegen die gut vernetzten Eigentümerfamilie (wie das im Volksmund richtig heisst) "einen Arsch in der Hose haben", denn das ist meiner Einschätzung nach auch abzusehen, die Familie wird über diverse Kanäle Druck für ihr Ansinnen aufbauen können.

Ich gehe davon aus, dass - falls sich diese Damen und Herren dazu entschliessen - sie bei ihrem Kampf gegen diese spezielle Form des Kapitalismus volle Unterstützung aus der Bevölkerung erhalten.

Sollte die politische Entscheidung aber für den einzelnen Kapitalisten (und gegen die überwiegenden Teil der Bevölkerung) ausfallen, so bin ich - nach dem letzten Bürgerbegehren - eher skeptisch, dass die Giessener ihrer Stadtregierung dazu zwingen kann.

In dem vorletzten Kommentar spricht Peter H.: "Dem Perser würde ich die Suppe versalzen."

Ich gehe davon aus, das damit gesagt werden soll, dass jede Spekulation eben nicht zwangsläufig zum Erfolg führen muss (sonst wäre es ja auch keine Spekulation), sondern dass es auch schiefgehen kann. Hier schwingt mir auch scheinbar mit, dass die Bürger aus den Fehlern (bei Samenhahn) lernen sollten und der Eigentümerfamilie (und eventuell der mit ihnen an einem Strang ziehenden momentanen Stadtregierung) entschlossen entgegen treten soll. Das sehe ich genau so.

Was mir weniger an diesem Satz gefällt ist die pauschale Kennzeichnung der Eigentümerfamilie als "Perser".

1. Der damalige Spekulant (H.Shobeiri) ist zwar vor cirka 5 Jahrzehnten vom Iran in die BRD übergesiedelt. Ob er (neben der iranischen oder alleine) die deutsche Staatsbürgeschaft hat ist mir nicht bekannt.

2. Besagter Herr ist betagt und es ist davon auszugehen, dass er nicht mehr alleine sondern seine Familie die Geschäfte führt. Auch diese Personen sind in Giessen keine Unbekannten.

3. Diese besondere Art der Kapitalisten ist in der Bevölkerung (meiner Meinung nach zurecht) regelrecht verhasst. Wird also eine bestimmte Bevölkerungsgruppe (hier "Perser") damit in Verbindung gebracht, so besteht die Gefahr, dass dieser Hass auf diese Gruppe "umgeleitet" wird.

Das finde ich nicht angebracht. Ich entsinne mich noch sehr gut der öffentlichen Diskussion über die Spekulantenszene in den 70er-Jahren in Frankfurt (dort gabe es als Gegenreaktion in den Hochzeiten der Hausbesetzerbewegung zweistellig hohe Zahlen von besetzten Häusern und massive Kämpfe gegen die als willige Handlanger tätigen "Trachtenverein weiss-blau aus Wiesbaden-Erbenheim" bei Räumungen der Häuser), welche auch auf einen bestimmten Teil dieser Kapitalisten abstellte. Diese negative Zuordnung erfolgte zu einer Religionsgemeinschaft und deren angeblich dort zu findende allgemeine Sucht nach Bereicherung.

Es gibt eben nicht den "geborenen" Spekulant oder den Kapitalist schlechthin. Gerade, wenn mann / frau diese Kreise bekämpft, sollte es keine vereinfachende Zuordnung (egal, nach welchen Kriterien) geben, sondern es sollte heraus gearbeitet werden, dass die "Annahme des Berufs" eben zwangsläufig mit den und den Gegebenheiten verbunden ist.

Letztendlich obliegt es den politischen Kräften sich in dem politschen Kampf durchzusetzen und dann durch eine entsprechende Gesetzgebung unerwünschte Berufsfelder auszutrocknen. Das ist keine Utopie denn im GG steht ausdrücklich ein Satz (sinngemäß): Eigentum verpflichtet!
Peter Herold
26.329
Peter Herold aus Gießen schrieb am 18.08.2017 um 10:16 Uhr
Bei dem ... wollte ich keine Gruppe diffamieren. Hätte es eventuell in "" ..." setzen sollen. Dachte aber dss DEM ... wird richtig geles 00 en. Es galt nur dem einen, sonst keinem und ich unterstelle, er hat das Heft noch in der Hand.
Das GG kann hier nicht ziehen. Wenn kein Kläger, dann passiert nichts und der Denkmalschutz wo bleibt er nur? Wo bei Samenhahn? Damals unterlaufen mit Einsturz Gefährdung.
2.135
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 18.08.2017 um 11:08 Uhr
Den Einwand von Herrn Wagner in Bezug auf die pauschale Zuordnung
eines Fehlverhaltens zu einer bestimmten Bevölkerungsgruppe halte ich für absolut richtig und notwendig.
Übrigens ist der alte Herr Shobeiri, soviel ich weiß, mit einer Deutschen verheiratet, und man sollte auch nicht vergessen, dass seine Tochter, Frau Würtele, viele Jahre für die CDU im Bauausschuss saß.
Peter Herold
26.329
Peter Herold aus Gießen schrieb am 18.08.2017 um 11:22 Uhr
Was hat die Verheiratung mit einer Deutschen hier zu sagen und dass die Tochter für die CDU im Stadtrat saß ist allgemein bekannt. Schlussfolgerungen bleiben jedem selber überlassen;-)

Zum Pauschal habe ich schon ausgeführt. Ich dachte das dem ist eindeutig und damit der einen Person zugeordnet.
2.135
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 18.08.2017 um 12:07 Uhr
Die Tatsache, dass Frau Würtele durch ihre Position immer bestens informiert war und so die Familie Shobeiri immer Gelegenheit hatte, auf eventuelle Probleme "präventiv" zu reagieren, hat sicher viel dazu beigetragen, dass dieses Problem zum Dauerbrenner wurde.
Aber diese Schlussfolgerung haben Sie sicher schon selber gezogen.
Peter Herold
26.329
Peter Herold aus Gießen schrieb am 18.08.2017 um 12:35 Uhr
Eventuell noch weitergehende.
2.135
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 18.08.2017 um 13:05 Uhr
Ja, ich auch. Und auch wenn jetzt andere Leute in der Stadtverwaltung und in den Ausschüssen sind, und auch wenn inzwischen vielleicht ein echter Wille vorhanden ist, der unhaltbaren Situation endlich ein Ende zu setzen, befürchte ich, dass das nicht gelingen wird. Die Taktik, die so lange funktioniert hat, wird erfolgreich weiter eingesetzt werden: Zeitgewinn durch Scheinangebote, zuletzt beim Samen Hahn erfolgreich durchexerziert.
Man zeigt sich kooperativ, macht Vorschläge, von denen man weiß, dass die Stadt sie so nicht akzeptieren kann, oder stellt entsprechende Bedingungen zu Vorschlägen der Stadt. Dann wird eine Zeit lang heftig diskutiert, bis das Problem von einem anderen überlagert wird, oder die Rahmenbedingungen sich ändern, wie zum Beispiel durch einen plötzlich notwendigen Abriss.
Wer redet jetzt noch darüber, was eigentlich mit dem Grundstück geschehen soll, auf dem das Samen-Hahn-Gebäude stand?
Peter Baier
9.677
Peter Baier aus Gießen schrieb am 19.08.2017 um 23:38 Uhr
Frau Bartel, erfreulich ist das jetzt die Post anfängt Geld zu kosten.
Der Aufbau von dem Gerüst muss bezahlt werden und nach etwa 4 Wochen fällt dann eine Miete an, bis es wieder Abgebaut wird.
Bei der Alten Post hat er nichts vorzuschlagen, die Stadt sollte aber nicht den Fehler machen den hinteren Teil vom Grundstück bebauen zu lassen.
Notfalls muss die Stadt anfangen mit der Sanierung der Fassade und es den Besitzern in Rechnung stellen. Sollten die Rechnungen dann nicht bezahlt werden könnte einer kommen mit einen Vogel
(KuckKuck).
2.135
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 20.08.2017 um 09:52 Uhr
So könnte es gehen. Die alte Post muss für die Besitzer unrentabel werden.
Martin Wagner
2.328
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 24.08.2017 um 14:01 Uhr
Rettet die Alte Post – neue Gruppe trifft sich öffentlich am Freitag, den 25. August 2017


Vielleicht hat der eine oder andere Bürgerreporter schon über die Lokalzeitungen mitbekommen, dass sich seit einigen Wochen eine Gruppe wohl überwiegend junger Leute in Gießen darum bemüht die „Alte Post“ als Gebäude zu retten. Diese Gruppe kommuniziert über die Quasselplattform „facebook“. (Wer Zugang hat – einfach „Rettet die Alte Post“ in die Suchmaske eingeben.) Deswegen habe ich auch sehr spät mitbekommen, dass sich da etwas tut.

Der neuen Giessener Werbezeitung „EXTRA-TIPP“ von gestern ist zu entnehmen, dass sich diese Gruppe morgen trifft.

Freitag, den 25. August ab 19 Uhr

aber nicht (wie irrtümlich in der Zeitung steht) in der Gaststätte „Lahngenuss“, sondern ein paar Meter weiter im Veranstaltungsraum des Lahnfensters (Aufstiegshilfe für Fische am Wehr) - Bootshausstraße 8.

Ich gehe davon aus, dass viele Leser über den jahrzehntelangen Dauerstreit zwischen der Stadt und der Eigentümerfamilie S. (spätestens seit „Alt-Giessen“ und Samenhahn) hinreichend informiert sind. Sicher gehen die Einschätzungen, ob dieses Mal der Spekulant den Kürzeren zieht weit auseinander, aber ich wollte nicht versäumen diesen Termin weiter zu verbreiten.

Vielleicht sehen wir uns ja am Freitag.

(Ich sehe in etwa - z.z. mit weisem Bart - noch so aus, wie ich auf dem Profilfoto "in die Landschaft schaue".)
Nicole Freeman
8.638
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 25.08.2017 um 07:16 Uhr
der eigentümer macht wieder ein gegengutachten- wie beim samen hahn. neue frist bis september
es existiert auch ein offener brief der an den hessischen Ministerpräsidenten und die OB
https://stadtbild-deutschland.org/website/offener-brief-zur-rettung-der-alten-post-in-giessen/

danke für den hinweis. ich hab leider spätschicht und kann nicht da sein
Nicole Freeman
8.638
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 25.08.2017 um 08:37 Uhr
so ich kann nicht da sein, habe die info aber mal an den hessischen rundfunk maintower weitergeleitet. mal sehen ob ich damit was bewirken kann.
2.135
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 25.08.2017 um 09:03 Uhr
Die Eigentümer werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen und wieder auf Zeit spielen, in der Erwartung, dass der natürliche Verfall das Problem in ihrem Sinne beenden wird. Danach werden wir das gleiche Theater noch mit einem dritten Gebäude erleben.
Möglichst viel Öffentlichkeit zu schaffen ist sicher gut.
Wollen wir hoffen, dass der jetzige Baudezernent in dem zu erwartenden Rechtsstreit erfolgreicher sein wird als seine Vorgänger.
Christine Stapf
6.216
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 25.08.2017 um 13:37 Uhr
Geld regiert die Welt.
Wie in meinem ersten Kommentar schon gesagt, sehe ich da negatives auf das Gebäude zukommen.
Martin Wagner
2.328
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 25.08.2017 um 14:14 Uhr
Ich erlaube mir Frau Barthel ihrer Einschätzung der politischen Lage im Bezug auf die Eigentümerfamilie in zweierlei Hinsicht zu widersprechen.

1.
Grundsätzlich gilt - rechtliche Fragestellungen sind immer auch politische Fragestellungen. Wäre bei den Stadtoberen in der Vergangenheit der feste politische Wille da gewesen, so wäre die Eigentümerfamilie bis heute nicht (in ihren Augen) erfolgreich gewesen.
Wie gesagt nur absolute Insider können realistisch einschätzen, ob der momentane Vorstoss seitens der Stadtbehörden nur Augenwischerei (in der heißen Phase des Wahlkampfes macht sich so etwas ganz gut ...) ist oder ob mehr dahinter steckt.
Samenhahn ist rund 40 Jahre her. Die Zeiten ändern sich. Der herrschende Block hat schon registriert, dass ein immer kleinerer Teil der Bevölkerung ihnen traut. (Aktuell: Die Stadtregierung kann nur noch von einer Dreierkoalition gebildet werden, da die Masse der Giessener Bevölkerung entweder nicht mehr zur Kommunalwahl geht bzw. kleinere Fraktionen wählt.) Diese politische Kräfte versuchen dem erkannten Trend entgegen zu wirken indem sie neben dem Palramentsbetrieb Möglichkeiten des Engagement für die Bürger schaffen (Stichwörter: Agenda-Prozess, Satzung für Bürgerbeteiligung, mehr Beiräte, vereinfachter Zugang zu Beschwerdewesen etc.).
Ich fürchte nur, dass bei der gut vernetzten Eigentümerfamilie der "Alten Post" diese Mitwirkungsrechte nicht greifen werden und eben das seit einigen Jahren vom Hessischen Landtag eingeführte Zwangsmittel der Bürger (wohl gemerkt kein Mittel der Mitwirkung, sondern Ersatz für den fälligen Beschluss des Parlamentes) "Bürgerbegehren / Bürgerentscheid" ins Auge gefasst werden muss, wenn eine realistische Chance geschaffen werden soll, dass die "Alte Post" erhalten wird.

2.
Bekanntlich ist Herr Neidel neu ("neue Besen kehren gut") und deswegen war es zu erwarten, dass er mit einem heiss diskutierten Thema versucht für sich zu punkten. Aber - Frau Barthel - vergessen sie nicht, vorher war er Richter am Landgericht Giessen. Zwar dürften - wenn es wie bei Samenhahn so weiter geht - vorwiegend Verwaltungsgerichte sich mit der "Alten Post" beschäftigen, aber ich gehe davon aus, dass dieser Mann aus seiner jahrzehntelangen Berufspraxis heraus genau für sich abcheckt, habe ich eine Chance oder gehe ich baden. Ich halte ihn für so integer, dass er seinen guten Namen nicht für eine billige Intrige (.... probieren wir es halt damit wir in der Bevölkerung punkten können, wir wissen aber, wir haben keine Chance .....) aufs Spiel setzen will.
Martin Wagner
2.328
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 26.08.2017 um 12:28 Uhr
Kurzbericht zur der Versammlung am 25.08.2017

In dem Veranstaltungsraum des Lahnfensters (Fischaufstiegstreppe) am Wehr bei der Rodheimer Brücke versammelten sich ab 19 Uhr gut zwei Dutzend Interessierte. Nach einer Vorstellungsrunde wurde klar, dass neben einigen Vertretern der Presse (bzw. Studenten des betreffenden Fachbereiches an der Universität) überwiegend Mitbürger der im Internet (facebook) auftretenden Diskussionsgruppe „Rettet die Alte Post“, “Wissensdurstige“ und einige stadtbekannte „Grauhaarige“ (aus ehemaligen bzw. noch aktuellen Initiativen im Bereich Stadtentwicklung) gekommen waren.

Die darauf folgende Informationsrunde war sehr gut vorbereitet und verschaffte so den „Ich-wollte-mich-einfach-informieren-Mitbürger ein gutes Bild der aktuellen Situation. Das im Raum versammelten Wissen wurde dazu ergänzend zusammengefasst. Dabei wurde der Bogen nicht zu kurz gespannt. Denn die „Alte Post“ ist kein isoliertes Phänomen, sondern steht in einer jahrzehntelangen Reihe von „Alt-Giessen“, Samen-Hahn, Südanlage …. usw.

Bei den Tagesordnungspunkten „Wie soll es weiter gehen?“ und „Ideen der Gruppe“ (liegen ja eng zusammen und wurden bei den meisten Diskussionsbeiträgen auch zusammen abgearbeitet) kam die sehr breite Zusammensetzung dieser Versammlung zum Ausdruck. Ideen zur etwaigen zukünftigen Nutzung des zu erhaltenden Gebäudes wurden vorgetragen und kurz erörtert. Favorisiert wurden dabei öffentliche Nutzungen (etwa als Museum) im Gegensatz zur Nutzung als Wohnraum. Zwar fehlen in Giessen (zumindest im niederpreisigen Bereich) massenhaft Wohnungen, aber der Zuschnitt des Gebäudes ist dafür weniger geeignet.

Da aber die Aussichten zum Erhalt des Gebäudes – zumindest so lange es der jetzigen Eigentümerfamilie gehört – schwer einzuschätzen sind bewegte sich die Diskussion sehr schnell davon weg und hin zum Thema: Wie kann ein Eigentümerwechsel eingeleitet werden? und Wer kommt dann als neuer Eigentümer in Frage? Dazu bedarf es meiner Meinung nach einer möglichst realistischen Analyse der aktuellen rechtlichen / politischen Lage. Zwar wurde das Handeln der Eigentümerfamilie zwischen „Ich kann solche Menschen nicht verstehen!“ bis „Herr S. zählt zu den meistgehassten Personen in Gießen!“ bewertet, aber – und das ist in dieser frühen Phase der Bildung der Gruppe auch nicht anders zu erwarten – die Darstellung eines „Königs“-Weges nach dem Motto: So uns so ist der Wechsel vorzustellbar! konnte und wurde auch nicht vorgetragen. Sicherlich gute Ansätze dazu gab es, sie verblieben (noch) im vagen. Den Eigentümerwechsel in naher Zukunft durch intensive Eigeninformation, Information der örtlichen Entscheidungsträger und nicht zuletzt durch Information breitester Kreise der Bevölkerung zu versuchen voranzutreiben war Konsens im Raum. Zwar wurden die Chancen als sehr gering eingeschätzt, aber es soll auch der Versuch unternommen werden mit der Eigentümerfamilie in Kontakt und sogar in Kommunikation zu treten.

Neben der Sammlung der vielen guten Ideen zur Entwicklung von geeigneten Aktionsschritten verständigte sich die Versammlung darauf, dass neben den regelmäßigen Treffen zeitlich dazwischen sich eine 7ner-Gruppe zwecks interner Koordination und Außenvertretung treffen soll. Aus dem Kreis der Anwesenden wurden die „7“ gewählt und auch ein Sprecher (H. Wismar – Administrator der facebook-Gruppe). Darüber hinaus wurden Absprachen bezüglich der Außendarstellung wie Pressekontakt bzw. zeitnaher Aufbau einer eigenen Homepage im Internet (da nicht alle Interessierten sich bei facebook anmelden wollen) und technische Einzelheiten zur Kommunikation mit Behörden bzw. dem Stadtparlament geklärt. Weitere Strukturen für die Organisation wurden für den Moment als nicht erforderlich erachtet. Bei Bedarf sollen diese aber zeitnahe durch die Versammlungen eingeführt werden. Mit einem Pressefoto der 7ner-Gruppe (in der Lokalpresse sicher zu finden) endete der Abend.

Kurzeinschätzung:
Sicherlich ist in unserer heutigen auf Events abgestellten Zeit die Organisation einer Interessengemeinschaft (und sei sie auch nur auf ein Thema beschränkt) viel schwerer geworden als in den letzten Jahrzehnten. Dies gilt vor allen Dingen dann, wenn – wie hier der Fall - der Erfolg sich nicht nach eindrücklichen Appellen an die Verantwortlichen / die mit der Sache betrauten Behörden einstellen wird. Gerade wenn es um viel Geld geht (hier so um – Alles zusammen gezählt - mindestens 10 Millionen Euros) ist mit massivsten Gegenwehr zu rechnen. Konkret, dass doch in absehbarer Zeit (in der Versammlung war kein mit der Sache befasster Bausachverständiger anwesend – die Laien - Schätzungen gingen aber zwischen 5 bis 10 Jahren) der Denkmalschutz für die „Alte Post“ keinerlei Rolle mehr spielt und die Eigentümerfamilie rechtlich durchsetzen könnten, dass das Gebäude weggebaggert werden kann.

D.h. eventuell können – wenn es gut läuft – von Seiten der Behörden angeordnete Sicherungsmaßnahmen an der Bausubstanz zwar nicht den Verfall stoppen aber bremsen. Also hier eröffnet sich ein Zeitfenster vielleicht von 1 bis 2 Jahren für das Gegensteuern. Als Pessimist frage ich mich aber, ob eine 1 – Punkt - Interessensgemeinschaft über längere Zeit sich stabilisieren kann oder ob der sich sicher einstellende Frust nicht die „Reihen schnell lichten lässt“. Das wäre fatal, denn ein Mindestmass an „Manpower“ / Engagierten muss schon vorhanden sein. Es reicht eben nicht, dass Hunderte Mitbürger sich einer Internet-Diskussionsrunde anschließen oder dass Tausende Mitbürger per Unterschrift an Verantwortliche appellieren. Politische Arbeit ist (und wird es auch in Zukunft bleiben) nervende Kleinarbeit, geleistet von den dazu bereiten. Erfolgsgarantien gibt es definitiv nicht. Ich werde mich mit Ideen und auch sonst tatkräftig einbringen.

Ich wünsche der Gruppe viel Ausdauer und natürlich ein gutes, sprich erfolgreiches, Ende.

(etwas plakativ aber zutreffend) Rette die „Alte Post“ bevor es zu spät ist!
Martin Wagner
2.328
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 29.08.2017 um 11:44 Uhr
Offensichtlich kommt Bewegung in die festgefahrene Geschichte.

http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/die-eigentuemerfamilie-shobeiri-aeussert-sich-exklusiv-im-giessener-anzeiger-zur-alten-post_18140160.htm

Peter hast du nicht etwas Zeit und kannst einen neuen aktuellen Artikel schreiben?
Christine Stapf
6.216
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 29.08.2017 um 14:48 Uhr
Ich wollte auch den Link schon hier zeigen.

Jetzt wissen wir es genau. Die Familie müßte in die USA flüchten.

Warum vergammelt das Gelände ehemaliger Samen Hahn wenn die Familie doch eigentlich so investierfreudig ist ?
Peter Baier
9.677
Peter Baier aus Gießen schrieb am 29.08.2017 um 19:51 Uhr
Die Gruppe "Rettet die Alte Post" hatte am am 25 August auch unsere OB eingeladen, schade leider hatte sie wie damals bei der Abstimmung über die Ostanlage einen wichtigen anderen Termin.
Genauso wurden mit Ausnahme der AFD sämtliche Parteien angeschrieben, außer Martina Lennards welche die Partei "Die Linke"vertritt war keine andere Partei vertreten oder zeigte irgendein Interesse.
Da ich mich dieser Gruppe angeschlossen habe sage ich das wir auch ein Gespräch mit den Eigentümern suchen werden wenn Interesse vorhanden ist.
Nach dem lesen des Artikels in dem Anzeiger glaube ich es bedarf hier möglicherweise einer größeren öffentlichen Runde, eventuell im Rathaussaal.

Das der Besitzer sich weigert ein Metallnest vor die Fassade zu spannen ist nicht ganz verständlich.
Es stellt sich die Frage gibt es für das Gebäude, was immerhin direkt am Gehweg steht eine Gebäude- Haftpflicht- Versicherung.
Wenn Ja wird sich mit Sicherheit die Versicherung freuen wenn sie im Schadensfall, wegen dem ersten Gutachten nicht bezahlen bräuchte (grobe Fahrlässigkeit).
Sollte es keine Versicherung geben wer kommt dann für den Schaden auf wenn ein Schaden eintritt?
Mich hat jemand auf der Straße angesprochen und mir was gesagt was gut und ohne großen aufwand durchzuführen wäre.
Wenn die Zeit soweit ist dann mehr.
Es gibt viel zu tun fangt schon mal an!
Martin Wagner
2.328
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 29.08.2017 um 21:57 Uhr
Peter B. - upps du bringst da etwas durcheinander. Martina Lennerz - das stand doch in einigen Zeitungen gehört der Fraktion "Giessener Linken"im Giessener Stadtparlament an. Das ist ein Zusamenschluss von drei unabhängig voneinander selbstständigen Gruppen bzw. Parteien: Partei "Die Linke", Partei "DKP" und Wählerinitiative "Linkes Bündnis". Frau Lennarz gehört nicht der Partei "Die Linke" an, sondern der "DKP".
Martin Wagner
2.328
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 29.08.2017 um 22:06 Uhr
Aber das Desinteresse unserer (wir haben die gewählt und die sind nicht ganz billig ....) Volksvertreter ist beschämend. Die sollen den von uns ihnen erteilten Auftrag zur Gestaltung der Stadt ernst nehmen und sich an der Erarbeitung von Lösungsvorschlägen in der (zugegeben etwas komplizierten) Sachfrage konstruktiv beteiligen.

In Zeiten leerer Stadtkassen brauchen wir Alles nur kein "Stimmvieh" (... mal schauen wie der Fraktionschef abstimmt und sich dessen Votum anschliessen ....), sondern Mitbürger, welche mitdenken, mitreden und - über Fraktionsgrenzen hinweg - in Sachfragen der Stadtregierung gezielt Handlungsanweisungen geben, sodass diese garnicht auf die Idee kommt an dem Parlament "vorbei zu regieren". (Oder anders ausgedrückt, wenn die Fraktionen nicht mehr aktiv werden, dürfen sie sich nicht wundern, wenn das "Heft des Handelns" quasi automatisch in den hauptamtlichen Magistrat abwandert.)
Peter Baier
9.677
Peter Baier aus Gießen schrieb am 30.08.2017 um 19:42 Uhr
Freunde der Alten Post am 1 September um 17:30 kommt ein Fernsehaufnahmeteam vom HR.
Jeder dem die Alte Post etwas bedeutet kann an diesen Tag helfen ein Zeichen zu setzen.
Martina Lennartz
5.101
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 30.08.2017 um 20:17 Uhr
Hallo Martin, danke, dass du Peter über die Giessener Linken aufklärst. Dabei hast du meinen Namen 2 x verschieden falsch geschrieben.
Ich heiße Martina Lennartz. ;)
Ich fand auch schade, dass sich sonst keiner der Parteien zu interessieren schien. Vielleicht hat man nicht alle erreicht, denn ich weiß, dass es einzelne im Parlament sehr wohl interessiert. Diese werde ich auch ansprechen und dann berichten.
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Peter Baier
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