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Der längste Tag - und trau dem Navi nicht!

5:32 Uhr, in Grünberg geht die Sonne auf
5:32 Uhr, in Grünberg geht die Sonne auf
Gießen | Am 21.6., dem Tag der Sommersonnwende, ist es 18 Stunden hell, und das bietet die Gelegenheit zu einer richtig langen Radtour. Meist spielte in den vergangenen Jahren das Wetter nicht mit, dieses Jahr aber sollte den ganzen Tag die Sonne scheinen. Der Milseburgradweg steht schon lange auf meinem Programm. Er ist wie der Vulkanradweg eine ehemalige Bahnstrecke, durch die Rhön von Fulda nach Hilders und bietet als Schmankerl eine fast 1200m lange Tunneldurchfahrt. Ein Freund, dem ich davon erzählt hatte, wollte mich begleiten. Der buchstäbliche Höhepunkt sollte dann die Auffahrt auf die Wasserkuppe sein.

Morgens 4:15 Uhr ging es los. Bis Bad Salzschlirf entsprach der Streckenverlauf über Grünberg, Mücke, Ulrichstein und Lauterbach der Tour, die ich schon vor vier Jahren zu einem BR-Ausflug gemacht hatte. Nur am Hopfmannsfelder Galgen machten wir, dass wir weiter kamen. Der Spott darüber hat die Hopfmannsfelder ihn wieder in Betrieb nehmen lassen und zu langsame Radfahrer laufen Gefahr, ihrer Rache anheim zu fallen (wer die Geschichte nicht kennt, kann sie googeln oder hier nachlesen).

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Wasserkuppe (10)Radtour (72)Milseburgradweg (1)Bahnradweg (1)
Wir kamen trotz Gegenwind unbeschadet nach Lauterbach. Mit dem Lauterbacher Strolch hatte ich Mitleid, es war ja gerade erst 9:00 Uhr, und er hatte die Nacht wieder ohne Socke herum stehen müssen, weshalb er von mir eine wärmende Fußmassage erhielt und ich nasse Füße. Von Lauterbach sollte es direkt nach Fulda gehen, aber da mussten wir einen Wegweiser übersehen haben und wir waren in Bad Salzschlirf, auch wenn es so etwas länger war, die schönere Strecke war es mit Sicherheit.

In Fulda-Petersberg am Parkplatz Götzenhof beginnt der Milseburgradweg. Gleich am Anfang hat man einen wunderbaren Blick auf Milseburg und Wasserkuppe, ehe es in sanfter Steigung und über etliche Brücken 16km durch schöne Landschaft bis zum Tunneleingang geht. Da es inzwischen recht warm geworden war, wurden die 10° C im Tunnel als sehr angenehm und seine Streckenlänge von nicht ganz 1200m als zu kurz empfunden. Zum Glück liegt 100m nach dem Tunnelende ein Café, wo wir erst mal bei Kaffee und Käsekuchen rasteten. Das zum Haus gehörende Wachsmuseum und die Galerie haben wir allerdings ausgelassen.

Zwei Kilometer weiter, in Rupsroth, verließen wir den Radweg,
Hirschkuh bei Wettsaasen
Hirschkuh bei Wettsaasen
um zur Wasserkuppe hoch abzukürzen. Das Navi wurde befragt, als mein Freund aber in einen ausgewaschenen, steil aufwärts führenden Schotterweg in den Wald einbog, schwante mir Schlimmes. Es wurde aber noch schlimmer, bald war an Fahren nicht zu denken und es hieß schieben. Das Navi zeigte nur noch Unfug an, durch das Blätterdach über uns drangen die Signale nicht mehr durch. Irgendwann erreichten wir doch wieder einen befestigten Wanderweg, begegneten plötzlich großen Skulpturen der Poppenhäuser Kunstmeile, hatten großartige Ausblicke in die Landschaft. Leider mussten wir viele der bis dahin erarbeiteten Höhenmeter auf einer Abfahrt nach Abtsroda wieder vernichten, ehe wir endlich die letzten 250 Höhenmeter wieder auf Asphalt in Angriff nehmen konnten und schließlich die Wasserkuppe erreichten.

Dort warteten schon die mit dem Auto angereiste Frau meines Freundes mit einer Freundin, um uns zu überzeugen, dass hier die Fahrt zuende ist. Da wir für die letzten 10km fast zwei Stunden gebraucht hatten, mussten sie nicht all zu viel Überzeugungsarbeit leisten und wir ertränkten unsere Rückfahrpläne per Rad in einem großen Radler und Weizenbier. Nur die Abfahrt nach Gersfeld ließen wir uns nicht nehmen. Die ca 10km bis zur Eisdiele dort dauerten dann auch ohne einen einzigen Tritt in die Pedale nur rund zehn Minuten und waren ein krönender Abschluss. Nach einer ausgiebigen Eiszeit ging es passiv nachhause. Es war zwar mit 145km nicht die längste Radtour geworden, aber nächstes Jahr gibt es ja wieder einen längsten Tag.

5:32 Uhr, in Grünberg geht die Sonne auf
Hirschkuh bei Wettsaasen
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Landflucht im Vogelsberg: da ging wohl schon länger niemand mehr ein und aus
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Erste Pause nach 55km
Wer zu langsam ist, den bestrafen die Hopfmannsfelder
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Wie im Mittelalter, der letzte Anblick eine gaffende Menge
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In Lauterbach gab's für den Strolch endlich mal eine Fußmassage und für mich nasse Füße
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Vor Großenlüder, der erste Blick auf die Milseburg (dort wo der einzelne Ast in den Himmel ragt)
Das Fuldaer Kloster auf dem Frauenberg
Am Parkplatz Petersberg-Götzenhof Einstieg in den Milseburgradweg, noch ca. 35km bis zur Wasserkuppe
Internat Schloss Bieberstein
Einfahrt in den nicht ganz 1200m langen Bahntunnel
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Angenehme Temperatur von etwa 10°C
Gleich hinter dem Tunnel ein Café mit Wachsmuseum und Galerie
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Hinter Rupsroth Befragung des Navi
Und das kommt dabei raus
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Wanderwege in der Rhön können es Radlern ganz schön schwer machen
Die Aussicht ist allerdings großartig
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Ein Sechsundzwanzigstel der Kunstmeile
Irgendwann hat man es geschafft - und ist geschafft
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Nur noch Flüssigkeit ist interessant
Wenigstens kann man da oben auch als Radfahrer buchstäblich ÜberFlieger sein
In Gersfeld Umstieg in den Rettungswagen
Mit Rücksicht auf die Rhön ging's jetzt heim ;-)

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Kommentare zum Beitrag

Ingrid Wittich
19.866
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 25.06.2017 um 12:07 Uhr
Bewundernswert!
Bernd Zeun
10.320
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 25.06.2017 um 15:09 Uhr
Die Tour, obwohl nicht übermäßig lang, habe ich echt gemerkt. Der Freund ist ziemlich sportlich unterwegs, während ich inzwischen eher einen touristischen Fahrstil mit vielen Fotopausen pflege. Die kamen ziemlich zu kurz diesmal.
Kurt Wirth
1.386
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 25.06.2017 um 18:41 Uhr
Schöne Erinnerung. Da ich langjährigen familiären Bezug zu Gersfeld und Fulda habe, habe ich den Milseburgradweg auch schon ein paarmal befahren. Vor allem in umgekehrter Richtung war es immer ein Genuß: mit meinem biederen Standardfahrrad mußte ich nahezu die ganze Strecke weder bremsen noch treten und hatte immer eine angenehme Geschwindigkeit. Einmal mußte ich den Tunnel umfahren: Er ist von November bis April gesperrt wegen dort überwinternder Fledermäuse.

Dieselbe Strecke bin ich auch noch mit einem der seinerzeitigen roten Schienenbusse der Bahn gefahren. Direkt hinter dem Fahrer sitzend war das ebenfalls ein Genuß. Wie diese Strecke war auch die Strecke Fulda-Gersfeld schon stillgelegt worden. Nach Protesten einer Bürgerinitiative wurde der Betrieb dort aber wieder aufgenommen und die Frequenz zum Stundentakt erhöht: siehe da, die Bahn verzeichnete plötzlich Mordszulauf und fährt heute noch.

Anmerkung zu dem 18-stündigen Tag: Kommt für den Radfahrer mit Dämmerung hin. Die reine Zeit zwischen Sonnenauf- und Untergang nach
http://www.sternenpark-rhoen.de ist 16.23 Stunden (und in Hamburg übrigens 17.03 Stunden und in München 16.03 Stunden. Immerhin eine Stunde Differenz).
Irmtraut Gottschald
6.084
Irmtraut Gottschald aus Heuchelheim schrieb am 25.06.2017 um 20:46 Uhr
Unglaublich. Meine längste Fahrradtour war 100 km und das ist zwanig Jahre her. Wenn überhaupt würde ich das mit E-Bike fahren, wenn ich eines hätte. Aber die Tour hört sich schon einmalig schön an.
Peter Herold
26.191
Peter Herold aus Gießen schrieb am 26.06.2017 um 13:18 Uhr
Meine etwas über 200km. Ein Radrennen "Rund Schwaben". Da war ich noch junge Mitzwanzig und richtig fit gewesen.
Lieber Bernd. Sei froh, dass du nicht einen Tag später gefahren bist. Wer weiß wohin dich der Sturm geblasen hätte.
Bernd Zeun
10.320
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 27.06.2017 um 00:47 Uhr
@Herr Wirth: Ich habe in den 80ern vier Jahre in Fulda gewohnt und war mit dem Auto und dem Rad in der Rhön unterwegs, und da ich damals noch Marathon lief, als Training einmal sogar von FD zur Wasserkuppe und zurück gelaufen. Leider nie mit der Bahn gefahren. Seit damals war ich erst das zweite Mal wieder dort. Jetzt reizt mich mal die thüringische Rhön, in die kam man damals ja noch nicht.
@Irmtraut: Mit 100km musst du dich aber auch nicht verstecken, das war schon was. Und über ein Pedelec fing ich bei der letzten Tour auch mal an nachzudenken ;-)
@Peter: Einen Tag später wäre ich nicht losgefahren. Den Wetterbericht sollte man sich vorher schon anschauen.
Peter Herold
26.191
Peter Herold aus Gießen schrieb am 27.06.2017 um 08:53 Uhr
Ja. Daher habe ich in den 10 Jahren die ich mit dem Motorrad gefahren bin nur einmal dss Regenzeug gebraucht.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Bernd Zeun

von:  Bernd Zeun

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Bernd Zeun
10.320
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