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Helmut Kohl forever

von Kurt Wirtham 16.06.20171753 mal gelesen14 Kommentare
Gießen | Nun enden die Sondersendungen und Artikel auf der Seite eins anläßlich des Todes von Helmut Kohl nicht mehr. Kanzler der Einheit.

Ganz anders habe ich das erlebt. 1987 kam Kohl nicht mehr umhin, der vor allem von der SPD getragenen Politik des Ausgleichs mit dem Warschauer Pakt und der Anerkennung der bis dahin ignorierten, angeblich nicht existenten DDR, Rechnung zu tragen und lud 1987 den DDR Staatschef und Generalsekretär der regierenden SED zum Staatsbesuch ein.

In Wuppertal nahm ich selbst an einer von der DKP organisierten Willkommenskundgebung vor dem Engelshaus teil. Das Engelshaus ist eine städtische Einrichtung der Stadt Wuppertal (nicht zu verwechseln mit dem "Marx-Engels-Zentrum" der DKP-nahen Marx-Engels-Stiftung)und benachbart des zerstörten Geburtshauses von Friedrich Engels. 1987 (bis heute) befindet sich vor dem Haus das Engels-Denkmal von dem österreichischen Bildhauer und Kommunisten Hrdlicka (von der Stadt Wuppertal finanziert, auch mit Streitigkeiten, da der erste Block Marmor beim Transport beschädigt wurde) und seit 2014 auch ein von der Botschaft der VR China gestiftetes Engelsdenkmal.
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Honecker landete mit einem Hubschrauber ein Stück entfernt. Es wurde eigens für diesen Zweck ein Gleisübergang über die Straßenbahntrasse hergestellt um Honecker vor Ort zu bringen. Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen gelang es (anders gesagt, man ließ ihn durch) Udo Lindenberg, Honecker vor dem Engelshaus eine "nicht ganz billige Gitarre" mit der Aufschrift "Gitarren statt Knarren" zu überreichen. Geschadet hat es Udo nicht, konnte er doch danach in der DDR Konzerte veranstalten. Insgesamt war der Honeckerbesuch eine Konzession an die Politik der vorgehenden SPD-Regierung seit 1970 bzw. der von Willy Brandt und Egon Bahr.

Kohl und nicht nur er wurde von den Entwicklungen 1989 ganz offenkundig überrascht und bemühte sich natürlich, schnell die Kurve zu kriegen. Die danach folgenden Aufdeckungen der illegalen Spendenpraxis der CDU (darin verwickelt u.a. Max Strauß, der Sohn von F.J.Strauß, die Hessen CDU mit Prinz zu Sayn-Wittgenstein und Manfred Kanther, Walther Leisler-Kiep, Wolfgang Schäuble, Franz Josef Jung). Dabei wurden Lügen von "jüdischen Vermächtnissen" ins Feld geführt und die tatsächlichen Spender auf Gedeih und Verderb verheimlicht. Und das bis heute. Kohl mußte nie die Namen der Spender, denen er sein "Ehrenwort" gegeben hat, nennen. Mit relativ geringen Geldstrafen und geringen Haftstrafen auf Bewährung (Leisler-Kiep) war alles erledigt.

Ich habe kaum einen größeren Widerspruch zwischen den salbadernden Trauerworten über Kohl und dessen tatsächlichem Wirken vernommen. Vor allem Cem Özdemir. Wenn die LINKE-Vorsitzende ihn mit dem Zitat ehrt:"Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich nicht zuletzt daran, wie sie mit den schwächsten MItgliedern umgeht" verstehe ich das ja noch als versteckte Ironie und halbwegs in Ordnung.

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Kommentare zum Beitrag

Florian Schmidt
4.468
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 16.06.2017 um 22:43 Uhr
Wird er auch in einem Glassarg beigesetzt? Laut der Titanic will man ja als Zeichen der Trauer durch die Landwirtschaft morgen die Schweine auf Halbmast setzen.
Michael Beltz
7.157
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 17.06.2017 um 08:42 Uhr
Von der gleichen Sorte könnte Biermann singen: im Tode sind doch alle gleich.
Martina Lennartz
5.420
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 17.06.2017 um 15:37 Uhr
Rainer Arnheiter
70
Rainer Arnheiter aus Gießen schrieb am 18.06.2017 um 06:32 Uhr
Es heißt zwar: "De mor­tu­is ni­hil ni­si be­ne" - und dabei sollte man es jetzt belassen.

Aber: Mein Freund ist dieser Mann nie gewesen.
Kurt Wirth
1.493
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 18.06.2017 um 10:17 Uhr
H. Peter Herold
26.906
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 25.06.2017 um 14:20 Uhr
Wer immer es war, der die Einheit erreicht hat .... war es wirklich Kohl? War da nicht auch Genscher maßgeblich beteiligt?
Ist anscheinend immer die CDU die durch solche und ähnlich Maßnahmen z. B. 2015 Öffnung der Grenzen durch Frau Merkel für die Flüchtlinge aus OST uns SÜD die BRD in massive u.a. geldliche Probleme bringt. Der Soli ist bis heute nicht abgeschafft.
Kurt Wirth
1.493
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 25.06.2017 um 14:40 Uhr
Ich glaube, in erster Linie war die Einheit ein Geschenk der KPdSU und SED. Die können sich aber die Federn nicht mehr anstecken.
H. Peter Herold
26.906
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 25.06.2017 um 14:44 Uhr
Waren die nicht eher froh den Pleite gegangenen Laden loszuwerden?
Stefan Walther
4.329
Stefan Walther aus Linden schrieb am 25.06.2017 um 22:39 Uhr
Auch wenn dies nicht in Euer "Denk-Schema" passt = die Einheit war weder der Verdienst eines Helmut Kohl`s noch ein Geschenk von KPdSU und SED, die Einheit war einzig und allein das Ergebnis einer breiten Volksbewegung!
H. Peter Herold
26.906
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 25.06.2017 um 22:46 Uhr
Kohl ergriff die Gelegenheit um sich quasi insterblich zu machen. Die DDR war pleite und das Volk lief davon. Großzügig wie unsere Politiker sind und waren. Oder andersrum egal. Sie wurden aufgenommen und reichlich beschenkt.
Michael Beltz
7.157
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 26.06.2017 um 13:18 Uhr
"Eine breite Volksbewegung" manipulierter Menschen gegen eine nicht im Volk verankerte SED. Der Anschluss Österreichs war ebenso Ausdruck einer breiten Volksbewegung.
Andere "Volksbewegungen" möchte ich hier nicht aufzählen, da es auch begrüßenswerte gab.
Die DDR war nicht pleite wie z.B. eher Ungarn. Die DDR war einmal unter den zehn wirtschaftlich stärksten Nationen (laut Spiegel). Dann aber hat die Führung die Zeichen der Zeit nicht erkannt, Kybernetik unterschätzt und Hinweise von Wissenschaftlern nicht anerkannt.
(Keine neue Diskussion, nicht vom Thema abweichen)
H. Peter Herold
26.906
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 26.06.2017 um 13:21 Uhr
Kohl hat damals nur die Chance erkannt und zugegriffen. Bezahlen mussten wir Bürger und die anderen ihre Überzeugung aufgeben oder sich in der Partei die Linken verkriechen. Letzteres eher spaßhaft gemeint
Stefan Walther
4.329
Stefan Walther aus Linden schrieb am 26.06.2017 um 21:45 Uhr
Also alles "manipulierte" Menschen Michael? Nun, da kommen wir nicht zusammen, ich finde eine solche Meinung völlig wirklichkeitsfern und auch geprägt von Wunschdenken...
Ja, die Frage müsste sich eigentlich die damalige SED gestellt haben "wieso sind wir nach Jahrzehnten immer noch nicht im Volk verankert?", und die heutigen "DDR-Nostalgiger" müssten sich diese Frage aus meiner Sicht genauso stellen.

@ Peter: so spaßhaft ist das gar nicht was du geschrieben hast, man glaubt kaum wie viele bei der Linkspartei ( oder auch bei den GRÜNEN ) gelandet sind...
H. Peter Herold
26.906
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 27.06.2017 um 09:00 Uhr
Bald ist große Wahlparty. Was wähle ich diesmal. Sicher nicht AfD wie letztes mal. Damals waren sie chancenlos. CDU habe ich nie gewählt. SPD, FDP und die Grünen kann ich nicht. Eine davon wird mit der CDU die Regierung bilden. Bleibt also nur LINKS gegen meine Überzeugung wie letztmals die AfD.
Kohl wird es verstehen.
Hallo Lieber Leser
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