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Großes Interesse an Fachveranstaltung „Sozialer und bezahlbarer Wohnraum im Landkreis Gießen“ am Riversplatz

Gießen | „Der Bedarf an bezahlbaren Wohnraum besteht nicht nur in der Stadt Gießen, sondern auch im Umfeld der Stadt und darüber hinaus. Das zeigt bereits eine erste Betrachtung des beauftragten Instituts GEWOS“, bewertete Landrätin Anita Schneider zum Abschluss die Fachveranstaltung „Sozialer und bezahlbarer Wohnraum in Landkreis Gießen“. Die Veranstaltung und das Interesse daran habe jedoch auch deutlich gemacht, dass es eine breite Diskussion zu diesem Thema brauche, die Einbindung vieler Akteure, um ein Netzwerk zu diesem Thema „Wohnen in der Zukunft“ entstehen zu lassen. „Insofern ist das heute nur ein Auftakt für nachfolgende Veranstaltungen“, sagte Landrätin Schneider.

Dr. Christian Hey vom Referat Wohnungswesen des Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz machte als einer der Referenten deutlich, dass zwar die historische Niedrigzinsphase den Wohnungsbau belebe, aber gerade in den angespannten Ballungsräumen – so auch in Gießen – in der Regel hochpreisiger Wohnraum geschaffen wird. Die Förderung des sozialen Wohnungsbaus sei daher auch bei den aktuellen Bedingungen notwendig und wichtig.

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Landkreis Gießen (1729)Gesellschaft „Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderung im Land (1)Anita Schneider (517)
Die Ankündigung von Christian Hey, dass die Richtlinien zur Wohnraumförderung überarbeitet werden, stieß auf positive Resonanz. „Die Diskussion, die Sie anstoßen wollen, ist sehr wichtig“, unterstrich der Wiesbadener Gast.

Auch Reinhard Thies von der Wohnbau Gießen GmbH bestätigte, dass die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in der Stadt Gießen und den Ortschaften in unmittelbarer Nähe zunimmt. Die 7100 Wohnungen im Bestand seien „ein eindeutiges Pfund“ der Gießener Wohnbau. 1900 und damit rund ein Viertel der Wohnungen befinden sich in der Sozialbindung.

Allerdings gehen jährlich einige 100 aus der Bindung heraus. Mit fatalen Folgen, „denn in 20 Jahren wird das gegen Null gehen“. Reinhard Thies’ Empfehlung: Wohnungen ohne befristete Sozialbindung errichten.

Im Laufe der Diskussion, angeregt auch durch die Vorstellung von Zwischenergebnissen zum Wohnraumversorgungskonzept wurde deutlich, dass sowohl eine älter werdende Gesellschaft, als auch die Zunahme von Single-Haushalten dazu führen, dass kleinere, barrierearme, aber auch preisgünstige Wohnungen im Landkreis Gießen fehlen.

Nachweislich gibt es einen hohen Bestand an Wohnungsgebäuden im Baualter von 1949 bis 1978 (43 Prozent des Wohnungsbestands) und nur einen kleinen Bestand an Wohnungsgebäuden ab 2009 (3 Prozent des Wohnungsbestandes). Zudem ist der Anteil an großen Wohnungen überdurchschnittlich hoch. Hieraus ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an das Thema „Bereitstellung von bezahlbaren Wohnraum“.

„Die Themen sind Sanierung, insbesondere energetischer Sanierung, Umbau zu kleineren und barrierearmen Wohnungen und Nutzung vorhandener Substanz sowie Neubau. Wir haben also nicht nur ein Thema von Quantität im Bereich des Neubaus von bezahlbarem Wohnraum, sondern auch ein qualitatives Thema, orientiert an der Frage ,Wie können wir Strukturförderung im ländlichen Raum anstoßen?‘.“

Gerade die Siedlungen der 70er-Jahre werden in der Zukunft hinsichtlich der Bezahlbarkeit von Energie“ ein von Bund und Land angestoßenes Umbau- und Sanierungsprogramm brauchen“, ist sich Landrätin Schneider sicher.

Wie sehr das Thema von allgemeiner Bedeutung ist, zeigte das große Interesse der 150 Gäste. Darunter befanden sich unter anderem zahlreiche Bürgermeister und Kommunalpolitiker, Vertreter von Kreditinstituten, Energieversorgern, karitativen Einrichtungen, Wohnungsbaugesellschaften oder auch des Mietervereins.

Die Kreispolitik beschäftigt sich seit über einem Jahr mit dem Thema. Den Anstoß dazu hat Landrätin Anita Schneider selbst gegeben, die hier einen dringenden Handlungsbedarf ausgemacht hat. Als Reaktion ist kürzlich vom Kreistag die Gründung der Gesellschaft „Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderung im Landkreis Gießen“ beschlossen worden. Diese soll Aktivitäten zusammenführen und vernetzen.

Ziel ist es, vergleichbare Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu schaffen. Als Startkapital sind 1,2 Millionen Euro vorgesehen. Der Landkreis soll daran mit 51 Prozent beteiligt sein und die Kommunen mit 49 Prozent.

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