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Irreführende Begrifflichkeiten in den bürgerlichen Medien – Teil 2

Gießen | Es gibt Begriffe, Phrasen oder Floskeln, mit denen versucht wird, die wahre Bedeutung zu verschleiern, zu verharmlosen oder gezielt Einstellungen darüber zu manipulieren. Heute:

Nicht „Arbeitgeber“ und „Arbeitnehmer“, sondern „Unternehmer“ und „Lohnabhängige“


Laut Wirtschaftslexikon ist der „Arbeitgeber“ derjenige, der einen Arbeitnehmer beschäftigt. Hauptpflichten des Arbeitgebers sind insbesondere: Vergütungspflicht, Fürsorgepflicht, Pflicht zur Gleichbehandlung sowie Verpflichtung zur Abführung von Lohnsteuer und Sozialversicherungsabgaben. „Arbeitnehmer“ ist, wer aufgrund eines privatrechtlichen Vertrages (Arbeitsvertrag) unselbstständige, fremdbestimmte Dienstleistungen zu erbringen hat.

Doch: Der „Arbeitgeber“ gibt keine Arbeit, sondern er ist der Unternehmer, der versucht durch die Ausbeutung des Arbeiters als Produktionsmittel Profite zu erzielen. Vielmehr nimmt er die Arbeit des Arbeiters, um Gewinne zu erzielen.

Der „Arbeitnehmer“ dagegen nimmt keine Arbeit, sondern ist der „Arbeiter“ oder der „Lohnabhängige“, der einzig und alleine seine Arbeitskraft zur Verfügung stellt, die den Mehrwert hervorbringt, der wiederum die Verzinsung des Kapitals des Besitzers der Produktionsmittel garantiert. Also vielmehr gibt der Arbeiter seine Arbeit.

Dazu passend noch ein Zitat von Floh de Cologne:

"Der Arbeiter heißt Arbeiter, weil er was arbeitet.
Der Unternehmer heißt Unternehmer, weil er was unternimmt.
Würden die Arbeiter etwas unternehmen, müssten die Unternehmer arbeiten."

 
 

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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
28.135
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 11.05.2017 um 10:23 Uhr
Was soll das? Der Unternehmer bräuchte doch keinen einstellen. Er könnte eine Leiharbeiter Firma damit beauftragen ihm Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen. Was ich immer wieder vermisse, keiner redet vom Risiko das der Unternehmer trägt um Menschen Arbeit zu beschaffen.
Florian Schmidt
4.705
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 11.05.2017 um 14:05 Uhr
Sie haben aber ein reichlich unsoziales Gedankengut Herr Herold.
H. Peter Herold
28.135
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 11.05.2017 um 15:32 Uhr
Entspricht es denn nicht der Wahrheit? Dann bräuchte es den Beitrag nicht.
Frag mich nur wo bleiben die Kommentare .
Mur zur Info. Ich wsr nahezu 40 Jahre Mitglied bon IGM und HBV in Nachfolge VERDI
Kurt Wirth
2.219
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 11.05.2017 um 19:03 Uhr
Herr Herold, auch der Leiharbeiter gibt seine Arbeit und der Unternehmer nimmt sie. Auch wenn da eine Zwischenstufe eingeschaltet ist, die zusätzlich Gewinn zu Lasten des Leiharbeiters abschöpft.

Das "Unternehmerrisiko": Sind Ihnen, Herr Herold, Fälle bekannt, in denen Konkursfälle dazu führten, daß Unternehmer danach von Hartz IV leben mußten? Ackermann, der die gravierendsten Bolzen der Deutschen Bank zu verantworten hat, wird kein Haar gekrümmt. Schlecker steht zwar im Moment vor Gericht, weil er über 20 Millionen rechtzeitig vor dem bereits absehbaren Konkurs beiseite geschafft hatte. Wenn überhaupt, erhält er eine symbolische Strafe auf Bewährung und lebt weiter in Saus und Braus. Middelhoff von Quelle/Karstadt/Arcandor sitzt oder saß zwar im Gefängnis (wegen nachgewiesener Veruntreuung und nicht wegen eines Konkurses als solchem). Bei einer Taschenpfändung im Gerichtssaal hatte er natürlich nur paarundfünfzig Euro. Sein Domizil in Saint Tropez und Millionen aus früheren Abfindungen (z.B. Bertelsmann) bleiben unangetastet. Nun sind ja Ackermann und Middelhoff im engeren Sinne nicht die "Unternehmer" ihrer Problemfirmen (im Gegensatz zu Schlecker), sondern nur deren Spitzenangestellte, deren Handlungsbevollmächtigte. Die Unternehmer - sprich die Aktionäre - bleiben ohnehin ungeschoren. Sie erleiden allenfalls Kursverluste für Teile ihres Aktien-Portefeuilles.
H. Peter Herold
28.135
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 11.05.2017 um 19:24 Uhr
Es geht nicht nur um das große Unternehmertum.
Denken Sie an Familiengeführte Mittelständische Betriebe. Die von denen gesagt wird sie halten die Karre am Laufen. Handwerksbetriebe nicht vergessen. Nicht nur an Schlecker denken.
Kurt Wirth
2.219
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 11.05.2017 um 19:49 Uhr
Auch ein mittelständischer Unternehmer ist bei der Betriebsschließung nicht schlechter dran, als sein auf der Straße sitzender Arbeiter/Angestellter. Auch für ihn gelten Selbstbehalt, Pfändungsfreigrenzen und ähnliches. Und wie seine Arbeiter/Angestellten ist es ihm unbenommen, eine unselbständige Beschäftigung aufzunehmen.

Zudem steht die Frage der Haftung mit seinem Privatvermögen auch bei Mittelständlern kaum, weil auch sie ihren Betrieb in Rechtsformen organisieren, wo die Haftung beschränkt ist (GmbH, KG, GmbH&CoKG und vieles andere). Bei Handwerkern im 1-Mann-Betrieb mag das zutreffen, was Sie ansprechen. Und bei Computer-Hantierern, die meinen, daß sie in die Fußstapfen von Bill Gates, Mark Zuckerberg treten können und mit ihrer Idee bald den großen Reibach machen, ebenso. Aber es zwingt sie ja keiner dazu.
H. Peter Herold
28.135
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 11.05.2017 um 20:23 Uhr
Ja und .... die Krux ist doch die völlig unbefriedigende Organisation der abhängig Beschäftigten und die mangelnde Solidarisierung on der BRD im Vergleich zu anderen Ländern der EU.
Kurt Wirth
2.219
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 11.05.2017 um 21:07 Uhr
Da stimme ich Ihnen natürlich voll zu. Vor allem hinsichtlich Solidarisierung. Was den gewerkschaftlichen Organisationsgrad betrifft, so staunt da mancher,
wenn er die konkreten Zahlen sieht:

Finnland 74%
Schweden 70%
Dänemark 67%
...
Belgien 50%
Luxemburg 41%
Italien 35%
Kroatien 35%
Österreich 28%
Großbritannien 26%
Griechenland 25%
...
Deutschland 18%
Frankreich 8%

Frankreich ist das Schlußlicht in Europa. Die Fernsehberichte von Zeit zu Zeit vermitteln da ein ganz anderes Bild. Noch dazu verteilen sich die 8% auf mehrere verschiedene Richtungsgewerkschaften, wie auch in Italien und vielen anderen Ländern. Die "Einheitsgewerkschaft" ist eine speziell deutsche Errungenschaft, entstanden aus den Lehren der nationalsozialistischen Katastrophe.
Siehe hierzu:
http://www.worker-participation.eu/Nationale-Arbeitsbeziehungen/Quer-durch-Europa/Gewerkschaften
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