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Über 5.000 Bürger sprechen sich gegen Tierversuche aus

Um die Menge an Unterschriften zu verdeutlichen, wurden diese auf Tapetenrollen mit einer Länge von 83m befestigt
Um die Menge an Unterschriften zu verdeutlichen, wurden diese auf Tapetenrollen mit einer Länge von 83m befestigt
Gießen | 05.05.2017 Gießen - Über 5.000 Unterschriften wurden am Mittwoch von der Tierrechtsgruppe Gießen an Prof. Dr. Winker, Vizeprasidenten für wissenschaftliche Infrastruktur der Justus-Liebig-Universität Gießen, übergeben. Die Tierrechtsgruppe spricht sich damit nicht nur für eine ethische, sondern auch für eine zeitgemäße Forschung aus. An der Justus-Liebig-Universitat werden jährlich mehrere tausend Tiere für Versuchszwecke verwendet. In den letzten Jahren fanden sich Hunde, Katzen, Ratten und Mäuse unter den „verwendeten“ Tieren.

Laut einer aktuellen Studie des Forsa Instituts, sprechen sich zwei Drittel der deutschen Bevölkerung für eine Abkehr vom Tierversuch aus. Nichtsdestotrotz ist die Meinung weit verbreitet: Tierversuche seien zwar schlimm, aber eben manchmal notwendig, vor allem in der Medizin. Hier widerspricht die Tierrechtsgruppe Gießen und stützt sich auf repräsentative Studien und wissenschaftliche Erkenntnisse.

„Die Ergebnisse der Tierversuche sind auf den Menschen nicht übertragbar“, erklärt Claus Kronaus, Geschäftsführer der Ärzte gegen Tierversuche e.V., der als Experte bei der Übergabe ebenfalls vor Ort war. „Insgesamt,“ so erklärt Kronaus „gibt es bei Tierversuchen eine Humanrelevanz von unter einem Prozent. Das heißt, 99 Prozent der Tierversuche haben keinerlei Nutzen fur den Menschen.“ Auch in der Medikamentenforschung sehen die Zahlen laut Kronaus nicht besser aus. „95 Prozent der Medikamente fallen an Versuchen am Menschen, der sogenannten klinischen Phase, durch, die vorab an Tierversuchen als wirksam und ungefahrlich eingestuft wurden. Und selbst von den verbleibenden fünf Prozent der Medikamente, die zugelassen werden, wird später bis zur Hälfte wieder vom Markt genommen oder mit Warnhinweisen gravierender Nebenwirkungen versehen.“ Dass zugelassene Medikamente trotz Tierversuchen nicht sicher sind, verdeutlicht Kronaus mit einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover. „Es wird davon ausgegangen, dass in Deutschland jahrlich 58.000 Menschen aufgrund von unerwünschten Arzneimittelwirkungen sterben – und dies nur bezogen auf internistische Abteilungen von Krankenhäusern.“

Die Tierrechtsgruppe betont zudem, dass es längst bessere, tierversuchsfreie Methoden, wie beispielsweise Multiorganchips, bildgebende Verfahren oder hochinteraktive Computersimulationen gäbe. Diese liefern in wesentlich kurzerer Zeit
Sascha Sirges der Tierrechtsgruppe übergibt Prof. Dr. Winker der Universtät Gießen (v.r.n.l.) die über 5.000 gesammelten Unterschriften gegen Tierversuche
Sascha Sirges der Tierrechtsgruppe übergibt Prof. Dr. Winker der Universtät Gießen (v.r.n.l.) die über 5.000 gesammelten Unterschriften gegen Tierversuche
für den Menschen relevante Ergebnisse und seien zudem mit geringeren Kosten verbunden. „Ünverstandlicherweise gibt es trotz dieser Möglichkeiten ein riesiges Ungleichgewicht in der finanziellen Förderung der Forschungsmethoden“, hebt die Tierrechtsgruppe hervor. „Über 99 Prozent der Fördergelder auf Bundes- und Länderebene fließen in Deutschland in die Tierversuchsforschung, während tierversuchsfreie Methoden mit weniger als einem Prozent subventioniert werden.
Und wir reden hier von einem erheblichen Anteil von Steuergeldern; das ist in unseren Augen ein handfester Skandal!“

Wiederholt haben die Aktivist/-innen die Verantwortlichen der Universität zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. „Wir suchen einen Dialog, um mit der Universität auf Augenhöhe in einen sachlichen und fairen Austausch von Argumenten zu treten,“ erklärt die Tierrechtsgruppe Gießen. „Es gibt eine breite interessierte Öffentlichkeit, zu der nicht zuletzt die tausenden Unterzeichnenden der Petition gehören, denen die Universität eine faire Chance geben sollte, sich selbst ein Bild vom Standpunkt der Universität und von den vielversprechenden, tierversuchsfreien Methoden zu machen.“

Es bleibt abzuwarten, wie die Universität auf die Einladung zu einer Podiumsdiskussion reagiert.

Um die Menge an Unterschriften zu verdeutlichen, wurden diese auf Tapetenrollen mit einer Länge von 83m befestigt
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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.415
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 06.05.2017 um 09:01 Uhr
Danke für die Einstellung des sehr informativen Artikels.

Er spricht die diversen Aspekte der Problematik an. Wenn ich in meinem Kommentar einen der vielen Aspekte anspreche so möchte ich nicht dazu verleiten, dass die weiteren Kommentare sich um diese Sichtweise drehen.
Ich schätze das als eine reale Gefahr ein ...... aber Eine / Einer muss ja den Anfang machen.

Im Artikel steht: "(......) „Über 99 Prozent der Fördergelder auf Bundes- und Länderebene fließen in Deutschland in die Tierversuchsforschung, während tierversuchsfreie Methoden mit weniger als einem Prozent subventioniert werden. Und wir reden hier von einem erheblichen Anteil von Steuergeldern; das ist in unseren Augen ein handfester Skandal!“ (....)

Das ist ja richtig harmlos formuliert. Ist doch klar, dass in unserem Staat die herrschenden Kräften die Kapitalisten (hier chemische Industrie Abteilung Pharma) mit Geldern der kleinen Leute (denn die zahlen die meisten Steuern und nicht die Reichen) "füttern".
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von:  Christian Lachmann

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