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Denn: Wir sind viele. Und: Wir müssen wieder Eins werden!

Gießen | Bundesweit haben sich rund 360.000 Menschen an den knapp 500 Veranstaltungen und Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum 1. Mai beteiligt, die in diesem Jahr unter dem Motto »Wir sind viele. Wir sind eins« standen. Diese Teilnehmerzahl nannte der DGB gegen Mittag.

In Gießen nahmen etwa 500 Menschen von unterschiedlichen Parteien, Gewerkschaften und Gruppierungen an der Demo teil. Der Jugendblock war laut und motivierend. Stimmung war toll.
Als es regnete war der Anteil deutlich kleiner, schade, es standen einige interessante Stände mit vielen unterschiedlichen Angebote zur Verfügung.


Die folgende Rede zum 1. Mai von Tobi, Ortsjugendausschuss der IG-Metall Mittelhessen, wurde- passenderweise - vor der Agentur für Arbeit am heutigen internationalen Tag der Arbeiterbewegung gehalten.



"Ich bin Tobi, ich mache eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei BOSCH Thermotechnik in Lollar und bin aktiver IG-Metaller. Heute rede ich für den Ortsjugendausschuss der IGM Mittelhessen.
Das diesjährige Motto zum 1. Mai ist: Wir sind viele. Wir sind eins!

Aber wer ist dieses WIR?

Wir sind die Schülerinnen und Schüler die unter Sparmaßnahmen und Leistungsdruck leiden. Wir, das sind wir Auszubildende, die nicht mal mit dem Mindestlohn bezahlt werden und kein Recht auf eine unbefristete Übernahme haben.

Wir, das sind Arbeiterinnen und Arbeiter, die bis zum 70. Lebensjahr schwer schuften sollen, um dann eine Rente zu bekommen, die kaum zu leben reicht.

Wir, das sind Angestellte, die sich täglich für unsere Mitmenschen in den Kindergärten, Krankenhäusern, Supermärkten usw. einsetzen und das unter größtem Stress, weil überall Personalkosten gespart werden.

Wir, das sind wir, die Geflüchteten. Wir sind geflohen vor deutschen Panzern und weil Großkonzerne wie Shell und Nestle unsere Heimat zerstört haben.

Wir sind die Ausgebeuteten und Unterdrückten dieser Welt.

Wir müssen zusammen halten und dürfen uns nicht spalten lassen. Nicht in Arbeiter und Angestellte. Nicht in Leiharbeiter und Festangestellte. Nicht in Lehrerinnen und Schüler. Nicht Arbeitslose und Arbeitende. Auch nicht in Jung und Alt und erst recht nicht in Deutsche und Ausländer.

Leider erleben wir gerade einen Rechtsruck in der Welt. Hier in Deutschland ist es u.a. die AFD, die uns versucht zu spalten. Sie will die einen Abgehängten dieser Gesellschaft gegen die anderen ausspielen. Das dürfen wir nicht zulassen.

Deswegen haben wir in unserem Ortsjugendausschuss eine AG gegründet, die sich mit der AFD auseinandersetzt.

Die AFD schafft es, die Ohnmacht und Wut, die die Politik der CDU/CSU, SPD, Grünen und FDP der letzten Jahrzehnte zurückgelassen hat aufzugreifen. Sie stachelt weiter an, spaltet uns und bietet Pseudolösungen.
Und versteht mich nicht falsch. Diese Wut ist berechtigt. Diese Wut auf das System, in dem 36 deutsche Milliardäre so viel besitzen wie die Hälfte der hier lebenden Bevölkerung.

Und diese zutiefst ungerechte Reichtumsverteilung spitzt sich weltweit immer weiter zu. Natürlich sind die Menschen also wütend.

Diese Gesellschaft führt Kriege. Kriege mit Waffengewalt, aber auch Kriege gegen uns mit Leiharbeit, Arbeitslosigkeit, Hartz 4 und Diskussionen um eine Rente mit 70. Natürlich bekommt man da Wut.

Aber versucht die AFD diesen ungleich verteilten Reichtum gerechter aufzuteilen? Will sie bei den Reichen nehmen, um es den Armen zu geben? Nein, Superreiche sollen noch weniger Steuern zahlen und wir Arbeiter und Arbeiterinnen noch länger arbeiten.

Die AfD ist z.B.
gegen eine Vermögens- und Erbschaftssteuer, aber dafür das Renteneintrittsalter noch weiter nach oben zu treiben. Und das vor allem für die, die ganz unten stehen. Nicht mehr das Lebensalter sondern die Lebensarbeitszeit soll über das Renteneintrittsalter entscheiden. Also gerade die, die auf Grund von fehlenden Arbeitsangeboten, Krankheiten, Kindern oder der Pflege ihrer Familienangehörigen weniger arbeiten konnten, sollen noch länger ohne Rente leben und vermutlich noch mit 70 zum Arbeitsamt rennen.

Sie wollen als Alternative zu den bürgerlichen Parteien wahrgenommen werden und alle Unzufriedenen und Abgehängten der Gesellschaft auffangen. Das klappt leider ziemlich gut.

Auch hier in Gießen konnte die AFD mit 8 von 59 Sitzen ins Stadtparlament einziehen. Doch sehen wir uns ihre Kerninhalte genauer an, stellen wir schnell fest, dass sie keine wahre Alternative darstellen. Sie wollen dieses ausbeuterische System erhalten und sogar noch verschärfen, notfalls mit Gewalt: durch das Militär nach Außen (z.B. Schießbefehl an Grenzen) und die Polizei und Geheimdienste nach Innen. z.B. wollen sie die staatliche Überwachung ausbauen und Strafmündigkeit auf 12 Jahre senken.

Leider ist das alles nun aber gar nichts all zu Neues. Die CSU betreibt solche Politik schon seit Jahren in Bayern und auch „Gottkanzler Schulz“ wird uns nicht aus dem Elend erlösen. Bei den verbrecherischen Hartz-Reformen war er mit dabei und er sagt selbst. Zitat:
»Wenn Frau Merkel als geschäftsführende Vorsitzende einer stark sozialdemokratisch geprägten Bundesregierung sozialdemokratische Politik macht, ist das doch schön«.

Also seiner Meinung nach wird hier gerade eine stark sozialdemokratische Politik gemacht. Und es soll so weiter gehen wie bisher, nur mit ihm als Kapitän.


Aber wenn Wählen allein nicht hilft, wie soll es denn dann besser werden? Wie kommen wir endlich weg von mehr und mehr Unsicherheit darüber, wie es nach der Schule weitergeht, ob ich einen Ausbildungs- oder Studienplatz bekomme? Ob ich damit dann einen Job finde und wie lange ich den wohl behalte? Ob ich dem Leistungsdruck standhalte ohne dabei völlig abzustumpfen? Und wo dazwischen eigentlich die Zeit für mein Leben und meine Interessen bleibt?

Genau diese Fragen sollten es sein, auf die wir bei den Demonstrationen zum 1. Mai eine Antwort geben. Aus unserer Sicht ist eine Forderung geeignet diese Probleme aufzugreifen und eine gemeinsame Stoßrichtung zu finden.

Und zwar: die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung, ob nun über eine Erhöhung der Urlaubstage oder eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit bei vollem Lohn und Personalausgleich z.B. in Form der 30 Stundenwoche.

Deswegen setzen wir uns als IG-MetallJugend Mittelhessen auch aktiv für eine schrittweise Arbeitszeitverkürzung ein und das für alle Beschäftigten, egal ob sie bei der IGM, bei ver.di, der GEW oder sonst wo organisiert sind. In den Krankenhäusern und Pflegeheimen muss diese Arbeitszeitverkürzung mit einer Personalbemessung einhergehen.

Kurzum, wir wollen ein gutes Leben für alle! Und nicht Arbeitslosigkeit, Leiharbeit und Rente mit 70 für die Einen und Milliarden an Gewinnen für die Anderen.

Der Kampf um derartige Veränderungen, die im Sinne einer großen Mehrheit der Menschen sind, wird allerdings nicht sozialpartnerschaftlich gewonnen werden. Erfolge in diesen Bereichen lassen sich nur erkämpfen, wenn Menschen sich für ihre Interessen zusammenschließen und organisieren.



Und das völlig unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Alter, ihrem Geschlecht oder ihrer Organisationszugehörigkeit. Nur durch Mobilisierung in den Betrieben, zusammen mit gesellschaftlicher Unterstützung und Thematisierung, können hier Erfolge errungen werden.
Deswegen nutzen wir den 1. Mai, um ein klares Zeichen für Arbeitszeitverkürzung und Personalbemessung zu setzen, aber auch, um den Grundstein für längerfristige Kämpfe für diese Ziele in den Betrieben und auf der Straße zu legen!

Denn: Wir sind viele. Und: Wir müssen wieder Eins werden!"


Die Rede ist auch auf Youtube zu sehen!

http://www.youtube.com/watch?v=F04Vbj0aRWo

 
 
 
 
 

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.555
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 02.05.2017 um 10:52 Uhr
Kurz zu Herrn Bucher:

1. (....) "Fangen wir mal mit dem Motto an, „Wir sind viele. Wir sind eins“. Wenn es mit dem Kopfrechnen nicht klappt, hier die Auflösung: Arbeitnehmer ca. 40.000.000
Teilnehmer an den Kundgebungen ca. 360.000 ca. 0.9 Prozent
Richtig muss es also heißen „Wir sind ein Prozent“
Bei ca. 6 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern kommt man immerhin auf phänomenale 6 Prozent der eigenen Mitglieder. " (.....)

Mag jetzt diese Zahlen nicht nachrecherchieren. Einfach einmal gesetzt sie stimmen - zumindest in der Größenordnung. Umso wichtiger ist doch der zweite Teil des Titels "..... wir müssen wieder eins werden!". Denn für mich heisst das zwischen den Zeilen doch: Die Gewerkschaften müssen konsequent den Geruch (ob das immer so zutrifft kann ich nicht beurteilen, denn ich bin ja "nur" zahlendes Mitglied) loswerden irgendeiner (und schon garnicht irgendeiner bestimmten) Partei nahe zu stehen. Ich bin davon überzeugt, dann klappt das auch wieder besser mit der Mobilisierung.

dazu "passt" die nächste Textzeile

2. (....) "Habe gerade gelesen, dass die DGB-Veranstaltungen als reine SPD-Wahlhilfe geplant waren. Was ist da in Gießen schief gelaufen?" (....)

Ist mir nicht bekannt. Herr Bucher vielleicht können sie ihre Quelle nennen. Falls das beweisbar ist werde ich den Apparatchiks einen gepfefferten Brief schreiben. So nicht - von den Arbeitergroschen "dicke leben" und dann so nebenbei noch Kohle von irgendwelchen Parteien abgreifen?! Wie heisst es treffend: Wes Brot ich ess - des Lied ich singe. Und das ist die überparteiliche Gewerkschaft und keinerlei Partei.

Bei der Frage "wie ist es in Gießen gelaufen?" muss ich etwas schmunzeln.

Wie wohl in vielen DGB-Bezirken ist der "Hauptmacher" (nicht der ehrenamtlich Vorsitzende sondern der Geschäftsführer) zahlendes und bekennendes Mitglied der Partei, welche angeblich für die Arbeiter ist. Sie wissen schon wenn ich meine .... ;-) !

Beim Aufbauen der Volksfestbänke vor der Bühne um 9 Uhr war dieser Herr (übrigens so nebenbei bemerkt Direktkandidat dieser besagten Partei für die Bundestagswahl - das wird wohl nicht klappen, aber er soll über die Landesliste abgesichert sein - also den dürften die örtlichen Gewerkschaftler im Herbst los sein, weil er sich nach Berlin hochgedient hat - ich hoffe dann kommt ein Parteiloser nach Giessen) noch anwesend. Dann musste er wohl nach Alsfeld (ab 10 Uhr dort Hauptredner), sodass der ehrenamtliche DGB - Vorsitzende die notwendige Arbeit koordinierte und auch die Moderation übernahm. Meines Wissens ist Klaus Zecher nirgends Parteimitglied und in seinen Reden (er spricht öfters auf öffentlichen Veranstaltungen im Namen des DGB-Bezirks Mittelhessen) bemüht er sich auch nicht den Eindruck entstehen zu lassen, dass die Gewerkschaften einer bestimmten Partei nahe steht. (Aber dass die Gewerkschaften gegen Parteien mit rassistischen, faschistischen, ausländerfeindlichen .....Tendenzen tatkräftig auf die Straße gehen.)

Warum die Redeliste dieses Jahr nur eine Gewerkschaftlerin umfasst dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass in den letzten Jahren nach der Demonstratzion beim Maifest die Anwesenden sich mehr für die Informationsstände, aber auch für Würstchen, Kuchen, warmes Essen, Kaffee und andere Getränke interessiert haben als für die (oft sehr langen Beiträge) mehrere Redner. Ich sehe darin ein positiven Nebeneffekt, dass kein Redner von der besagten Partei auftreten konnte. (Übrigens in der Menge habe ich dieses Jahr die örtliche Prominenz dieser Partei auch nicht gesehen - nur die zweite Wahl.)

Übrigens das steht nicht zu dem recht langen Redebeitrag (offensichtlich hat sich die Autorin um das Manuskript bemüht) des jungen Gewerkschaftlers. Diese Rede wurde auf der Zwischenkundgebung beim Arbeitsamt (Ecke Nordanlage) gehalten.

3. (.....) " Ein besonders kindisches Plakat muss noch erwähnt werden.
„stell dir vor… DIE UNTERNEHMEN WÜRDEN DEN ARBEITERN* GEHÖREN“ " (....)

Herr Bucher ich halte so ein Transparent durchaus nicht für kindisch. Wir leben in einer recht komplizierten Welt. Viele Meinung stehen doch gleichberechtigt nebeneinander (und das ist auch gut so ...). In privaten, halböffentlichen oder öffentlichen Meinungsaustausch hat jeder Bürger die Chance nach Anhörung der verschiedenartigsten (oft diametral entgegengesetzten) Meinungen sich sein Urteil zu bilden. Mit anderen Worten vorgefertigte - oft auch dogmatisch zugespitzte - Meinungen werden nicht mehr automatisch akzeptiert. (Beispiel: Früher predigten der Pfarrer am Sonntag von der Kanzel, die Partei sollen seine Schäfchen wählen und nach der Messe wurde es in den Wahllokalen eng. Gut dass diese Zeiten - hoffentlich für immer - vorbei sind.) Wer heutzutage (bei der ständigen Reizüberflutung der diversen Medien) alleine Aufmerksamkeit für seine Gedankengänge wecken will muss in der Lage sein entweder komplizierte Sachverhalt "kurz und knackig" zu präsentieren ** oder mit einem ausgefallenen Gedankenkonstrukt zu kommen.

Herr Bucher: Auch wenn ihnen der Gedanke völlig abwegig erscheint - spielen sie doch einmal in ihrem Kopf durch, ob dann die Welt nicht besser aussehen würde.

* Diese Phänomen (dass der Apparat mehr zu sagen hat, als die Mitglieder - hier durch den von den Mitgliedern gewählten Vorstand) ist in den letzten Jahrzehnten ein allgemeines Problem geworden. Bei fast allen Großorganisationen ist das zu beobachten. Inhaltlich heisst das auch, dass der Apparat "viel vorsichtiger ist" als die Mehrheit der Mitglieder, weil sie um ihre (oft gut bezahlten) Jobs fürchten.)

** zu meinen eigenen Leidwesen gelingt mir das selten - Was steht über diesem Kommentar "Kurz zu ..."
Thoralf Trundilson
233
Thoralf Trundilson aus Gießen schrieb am 02.05.2017 um 13:29 Uhr
„stell dir vor…
DIE UNTERNEHMEN WÜRDEN
DEN ARBEITERN* GEHÖREN“

Der große Fehler, den viele Linke seit vielen Jahren machen, ist, dass eben fast nur auf Demos gelatscht wird und solche Transparente hochgehalten werden... anstatt Kooperativen und solidarisches Wirtschaften in der Praxis voranzutreiben.

Was ist der Sinn hinter dem Transparent? Als Passant lese ich es und denke, ach wie cool, ich gehe nun zur SDAJ? Weil diese undemokratische Strukturen in kapitalistischen Unternehmen anprangert? Was hat die SDAJ erreicht in den letzten 20 Jahren?

Wie viel interessanter wäre es, da würde stehen: "Schau dir unseren solidarischen Betrieb da und da an. Schau dir an wie es bei uns geht und wie es anderswo auch gehen könnte. Du kannst jederzeit bei uns mitarbeiten - und dadurch wird sich deine soziale und wirtschaftliche Lage verbessern."

Wäre in dieser Richtung in den letzten 10 Jahren was passiert, hätte dem Rechtspopulismus Einhalt geboten werden können. Aber was war die Agenda der Linkspartei nach 2005, den Hartz-Gesetzen: Wählt uns in die Parlamente, dann wird das schon. Als Resultat erstarben die Massenproteste auf den Straßen, die Bewegung von unten.

Und diese Partei macht nichts anderes, denen geht es, wie allen anderen, um Mandate und Gelder.

Die Abgehängten der Gesellschaft erreiche ich nicht uniform vermummt, im Wanderkessel, umzingelt von uniform vermummten Staatsbediensteten, wie jetzt z.B. am 1. Mai. Beim G20-Gipfel in Hamburg wird es ähnlich aussehen. Das wird nichts an der Lage des unteren Drittels der Gesellschaft ändern, gar nichts, und die werden dann zum Teil weiterhin AfD wählen.

Wie die Abgehängten evtl. zu erreichen wären: durch eine breit aufgestellte solidarische Praxis. Durch funktionierende alternative Wirtschaftsweisen, Kooperativen, postkapitalistische Wirtschaftsstrukturen von unten. Das hat mit dem Gefasel vom "Kommunismus" oder vom "Sozialismus", wie es z.B. die Linkspartei (und btw. offiziell auch die SPD) hochhält, natürlich ohne zu erklären, wie der Sozialismus aussehen oder funktionieren soll, nichts zu tun. Und dem Passanten fällt bei "Sozialismus" DDR, Stasi und Honecker ein.

Ich will mir nicht vorstellen, wie schön es in einem Kollektiv-Betrieb wäre, oder wie schön es im Kommunismus wäre. Ich will zu funktionierenden, solidarischen, demokratischen Unternehmen gehen können, mir das anschauen und mir dann denken: wow, es geht auch anders, nicht nur immer auf Kosten von Menschen, Mitbestimmung und Umwelt.

So lange da in der Praxis im Jahre 2017 nicht viel steht, können Kommunist_innen etc. immer wieder leicht als Träumer und Spinner hingestellt werden - obwohl eine allgemeine Kapitalismuskritik u.u. von großen Teilen der Bevölkerung geteilt wird.

Insofern sind diese Umsonstdemos in GI u.u. schon einen ganzen Schritt weiter, bzw. auch die Genossenschaft des Cafe Amelie, da wurde wenigstens mal was in der Praxis ausprobiert.
Thoralf Trundilson
233
Thoralf Trundilson aus Gießen schrieb am 02.05.2017 um 13:46 Uhr
und zu den Gewerkschaften: die haben sich im Zuge der Hartz-4-Reformen zunehmend selbst entmachtet. Wenn Hartz-4 droht, lassen sich höhere Löhne nur schwer durchsetzen. Also stagnierten in Deutschland in der Folge die Löhne, und die Arbeitnehmer_innen in Spanien, Frankreich und Griechenland wurden in Grund un Boden konkurriert. Internationale Solidarität war für die DGB-Gewerkschaften hier ein Fremdwort.

"Infolge der Hartz-IV-Reformen kam es zu Protesten von Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden und der PDS; in der Mehrheit trugen die Gewerkschaften jedoch die Reformen mit.

Auch die Wohlfahrtsverbände schwenkten nach Inkrafttreten der Reformen teilweise um und treten als Träger von Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung („Ein-Euro-Jobs“) auf."

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hartz-Konzept#Hartz_IV
Martin Wagner
2.555
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 02.05.2017 um 14:08 Uhr
Herr Bucher ... ich bin erstaunt. So etwas durch und durch Konservatives lesen sie? Das ist doch Stimmungsmache gegen die Gewerkschaften von rechts.

Aber - das sollte mann / frau dem Autor zu gute halten. Die Fakten stimmen.

Der Gewerkschaftsapparat fordert Dinge, welche die Leute im Apparat niemals auf sich angewand haben wollen. Das ist pure Doppelmoral.

Dicke Gelder kassieren und dann für Hartz-IVler einstehen das funktioniert nicht. Vor allen Dingen, wenn die betreffenden Gesetze ja von der "befreundeten" Partei durchgedrückt wurden. Bitte dabei nie vergessen, dass das 2004 niemals von der "C"DU gegen die Gewerkschaften hätte gelingen können.
Stefan Walther
4.508
Stefan Walther aus Linden schrieb am 02.05.2017 um 15:34 Uhr
Na, da sind jetzt ja einige verschiedene linke Strömungen, die sich hier zu Wort melden :-)
Auf wen oder was eingehen? Was ist evt. wirklich mal was Neues? Die liberal-konservative Antwort von Herrn Bucher, nix für mich schon wieder... Der wieder etwas einseitige Beitrag ( kein Vorwurf, nur ne Feststellung ) mit wieder mal einer einzigen "ausgesuchten" Rede, nee, da habe ich auch keinen Bock drauf...

Interessant erscheint mir - wer das anders einschätzt, kein Problem - einzig die Reaktion des "Graswurzel-Linken" = was soll das ganze Gerede und Demo-Gelatsche, wir schaffen uns unsere kleinen Inseln im Kapitalismus und steigen halt einfach aus aus dem System!? Und das wird dann wieder als die tolle Alternative hingestellt mit der ausgerechnet die Arbeiter und Gewerkschaftsmitglieder, vielleicht sogar die breite Bevölkerung?, für ein anderes, ein gerechteres, Gesellschaftssystem zu gewinnen sei? Also diese Aussteiger-Träumereien kenne ich noch in ihrer "Endphase" der Hippiezeit. Ich wüsste nicht, dass die Arbeiterschaft jemals etwas damit anfangen konnte, geschweige denn, dass sie etwas dazu beigetragen hätten die ökonomischen und gesellschaftlichen Verhältnisse zu ändern...
Zu den konkreten (Wunsch-"Vorstellungen von Herrn Trundilson:
- es geht darum u.a. mit konkreten Tagesforderungen wie u.a. nach Verkürzung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich, die Lage der gesamten abhängig Beschäftigten zu verbessern
- dazu muss man in die Betriebe ( keine Handvoll Neue gründen, die zwar wie auch immer solidarisch sein können, aber auch den kapitalistischen Zwängen unterliegen müssen, ansonsten haben sie entweder keine Chance... oder die Beschäftigten werden halt alternativ und solidarisch ausgebeutet... ) und dort die Klein- und Überzeugungsarbeit leisten, ein hartes Brot Herr Trundilson, nicht Jedermanns-Sache, dann doch lieber aussteigen?
- wie kommen Sie eigentlich zu dieser Unterstellung, dass die Linken ( mal ganz allgemein, bevor wir uns zu sehr ins Detail begeben ) nur auf Latschdemos zu finden sind und keine Verbindung zu den Beschäftigten haben? Oder fehlt Ihnen dieser Bezug, so dass Sie dies gar nicht beurteilen können?
- und wieder dieser Pessimismus, wieder das "Urteil", wieder die angebliche Passivität der Kolleginnen und Kollegen. Ich will Ihnen mal zugute halten, dass Sie wahrscheinlich wenig Berührungspunkte vor allem zur Arbeiterschaft haben, ansonsten wäre dies ziemlich frech und arrogant. Oder kennen Sie z.B. die Anzahl der Streiks ( sowohl gewerkschaftlicher als auch selbständige Kämpfe ) in den letzten Jahren? Die Erfahrungen, die gerade die Industriearbeiterschaft in der Auseinandersetzung mit den Unternehmern gemacht hat, ihre Siege und ihre Niederlagen?
- und wenn Linke für bürgerliche Parlamente kandidieren und dann natürlich auch auffordern sie zu wählen, dann bedeutet das für "richtige" Linke nicht, dass die Menschen damit ihr Mandat an irgendwelche Stellvertreter abgeben sollen, die dann für sie kämfpen werden... Linke beteiligen sich an Wahlen ( zumindest sollte es so sein ) vor allem um den Wahlkampf auszunutzen und um die Menschen zu motivieren selbst Politik zu machen... aber nicht für eine kleine elitäre - oft kleinbürgerlich geprägte - Aussteigergruppe, sondern für sich selbst und die Ausgebeuteten
- noch eine Randbemerkung = wer bei der Aufstellung von Tagesforderungen, beim Kampf um Reformen, "vergisst" das grundsätzliche Problem und die grundsätzliche Lösung aufzuzeigen, der landet sehr schnell im Sumpf des Reformismus ( oder auch bei den illusionären Träumereien von Aussteigern :-))
Stefan Walther
4.508
Stefan Walther aus Linden schrieb am 02.05.2017 um 16:22 Uhr
Schön Herr Bucher, Sie lassen nicht locker, und Sie wissen genau wie Sie es anpacken müssen = ich werde immer antworten wenn ich etwas gefragt werde!

Was heißt "die radikale Lösung"? = es gibt nunmal keine andere Lösung, ich denke nicht, dass ich das jetzt ( wieder ) weiter ausführen muss?
Moment, es geht nicht um "Verstaatlichung", was sollte eine Verstaatlichung im Kapitalismus bringen ( der Staat selbst ist der größte Kapitalist im kapitalistischen System )? Es geht um "Vergesellschaftung", und Voraussetzung hierfür ist die Überwindung des Kapitalismus... mal ein witziges(?) Beispiel was ich unlängst vernommen habe = da fordert tatsächlich jemand als ersten Schritt die "Vergesellschaftung der Rüstungsindustrie" ( im Kapitalismus??? )
- gut, Sie können jetzt evt. sagen "Wortklauberei", auch wenn ich es nicht so sehe. Bleiben wir bei dem was Sie weiter schreiben, also beim sozialistischen Staat ( das Werk gehört dann der Arbeiterklasse, denn sie hat die Macht und ist im Besitz der Pruduktionsmittel, nicht ein "ganzes Volk", das ist Unsinn, denn einen "Volksstaat" gibt es nicht... )
- die Arbeiterklasse wird weder daran denken ihre Betriebe an ausländische Bieter zu verkaufen, noch nach kapitalistischer Weise produzieren ( das müssten Sie doch wissen, es gab doch genügend sozialistische Staaten, deren Motto "auf die eigene Kraft vertrauen" gut funktionierte "
- im sozialistischen Staat wird das produziert was der Bedürfnisbefriedigung dient, nicht das was sich an Profitinteressen orientiert. Wahrscheinlich schwer vorstellbar wenn ich mir durchlese was Sie geschrieben haben...
- und was bekommt der Arbeiter? = er bekommt seinen Anteil entsprechend seiner Leistung, also seine ganze Arbeitszeit bezahlt ( unter Abzug eines Teils der u.a. für gesellschaftliche Aufgaben wie z.B. Alten- und Krankenversorgung aufgebracht werden muss ) und nicht nur wie heute einen geringen Bruchteil, und den großen Rest steckt sich der Unternehmer in die Tasche...
Martin Wagner
2.555
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 02.05.2017 um 16:48 Uhr
Herr Bucher sie fragten mich " (....) Beauftragen Sie denn einen Handwerker, der nur halbtags arbeitet und dafür den doppelten Stundensatz abrechnet? (....) "

Da ich selber Handwerker bin kann ich viele Arbeiten selber machen oder ich finde einen Mitstreiter im örtlichen Tauschring, welcher die benötigten handwerkliche Fähigkeiten hat. Ist auch gut so, denn ich verfüge monatlich über recht wenig Geld. Muss ich aber einmal ausnahmsweise einen Handwerker beauftragen so frage ich im voraus ab, welchen Stundenlohn er neben den Materialkosten nimmt. Von Arbeiten nach irgendwelchen Kennziffern (nach Stk., nach qm, nach lfd. m oder so) halte ich nicht viel, denn dann wird öfters Pfusch abgeliefert.

Die allgemeinen Gesellenstundenlöhne sind mir bekannt. Auch wenn der Chef und der Staat noch kräftig pro Stunde draufschlägt ist abschätzbar was beim Gesellen "hängen bleibt".

Es ging und geht bei mir also nicht um doppelten Stundenlohn und schon garnicht, ob der Geselle die Arbeit an einem Tag, an zwei halben oder an vier viertel Tagen macht. Bin ich mit der Arbeit zufrieden bekommt der Arbeiter (aber nicht sein Chef) von mir ein Trinkgeld.

Aber streng genommen haben sie, Herr Bucher, ja nicht nach der Praxis bei mir gefragt, sondern wie würde ich mich bei bestimmten Situationen verhalten. Schwierige Frage (eigener Anspruch und dann die Realtiät ist ja nicht immer 100 prozentig deckungsgleich) - versuche einmal eine Antwort.

Ich habe schon einige Angebote von Handwerkern gelesen, aber noch nicht den Zusatz "Wir erbringen, falls von ihnen gewünscht, die gleichen Leitungen im Tarif "Solidaritätspaket"! D.h. wir garantieren, dass der Arbeiter bei Nutzung dieses Tarifs den doppelten Stundenlohn erhält. Dadurch erhöht sich für sie die Rechnungssumme von ..... auf ........ ."

Interessanter Gedanke, vielleicht sollten fortschrittliche Handwerker so einen Passus in ihre Angebote einarbeiten.
Thoralf Trundilson
233
Thoralf Trundilson aus Gießen schrieb am 02.05.2017 um 17:20 Uhr
@ Herr Walther

"- es geht darum u.a. mit konkreten Tagesforderungen wie u.a. nach Verkürzung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich, die Lage der gesamten abhängig Beschäftigten zu verbessern"

Wow, da ist ja so unglaublich viel passiert in den letzten jahren. de facto wurden die Löhne in D nicht erhöht, obwohl die Sozis die ganze Zeit an der Macht waren. In anderen europäischen Ländern wurden sie "angemessen" erhöht - dann waren die Produkte natürl. nicht mehr konkurrenzfähig zu den deutschen. Ganz im Sinne der Gewerkschaften, so konnten wenigstens hier die Jobs gehalten werden. Was mit Kolleg_innen in Frankreich oder Spanien passiert - egal...

Es ist die Frage natürlich, ob sich überhaupt was zum besseren wenden wird. Zur Zeit sieht es ja reichlich düster aus - Trump, Strache, Le Pen, Orban, Putin, Erdogan etc. pp.

Zudem fliegt uns die Umwelt zunehmend um die Ohren. Es kann sein, dass in 20-25 Jahren z.B. in Spanien und Griechenland niemand mehr vernünftig leben und arbeiten kann, weil es dort schlicht zu heiß wird.

Wenn man sich anschaut, wie lange politische Prozesse dauern, z.B. bei der Gleichberechtigung (Frauen sind in D noch lange nicht gleichberechtigt), dann denke ich, ist es eher realistisch, dass die notwendigen Umweltschutzmaßnahmen nicht rechtzeitig angegangen werden. Der heutigen Generation 50+ kann das halt ziemlich egal sein und die stellen ja auch die Mehrheit an den Urnen.

zu Streiks: passieren viel zu wenig in D. und politische - schon gar nicht. Nur - in Griechenland gab es in einem der vergangen Jahre, 2015 oder so, sage und schreibe 20 Generalstreiks - in einem Jahr. Auch dadurch konnten die Troika-Maßnahmen und die Verelendung von Bevölkerungsteilen nicht abgewendet werden...

Der Kapitalismus ist das Problem. Und er wird sich im schlechten Falle nicht von selbst erledigen, bis der Planet an seine Grenzen kommt - wahrscheinlich erst danach. Das Problem der Linken ist, Alternativen zum Kapitalismus aufzuzeigen, die nicht an Mao, Stalin, und wenn auch nur vom Namen her, erinnern. Praktische Alternativen, zum Anfassen. Damit meine ich keine Aussteigerinseln. Aber wenn alle Alternativen nur in der Vorstellung existieren, und selbst kleine Verbesserungen nicht stattfinden (im Gegenteil, mit Hartz4 wurde der Sozialstaat massiv abgebaut) dann rennen diejenigen, die ständig von der Kürzung der Grundsicherung bedroht sind, eben zur AfD oder zum FN. Und die Mittelschicht rennt zum Teil mit, weil sie auch massiv vom Abstieg bedroht ist, und über sich das Damokles-Schwert von Peter Hartz baumeln sieht.

Die Frage ist, ob die europäische Linke den Aufstieg des Rechtspopulismus verhindern hätte können, wenn sie vor ca. 15 Jahren, nicht mit ein paar Inseln, sondern überall, auch in den Betrieben, Transformationsprojekte hin zu postkapitalistischen Wirtschaftsweisen angefangen hätte - dann hätten wir jetzt zahlreiche von denen, in vielen Ländern, und schon 15 Jahre Erfahrung.

Das ist aber nicht passiert, und jetzt ist es evtl. schon zu spät.
Martina Lennartz
5.982
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 02.05.2017 um 18:00 Uhr
Diesen Kommentar möchte der Auszubildende eigentlich gerne selbst hinterlassen, ist aber von der GZ noch nicht freigeschaltet. Deshalb hat er mich angeschrieben und gebeten diese Zeilen für ihn zu veröffentlichen, was ich gerne tue. Sobald er auch hier kommentieren kann, wird er es auch gerne selbst tun.

@ Wilfried Bucher: Es ist erfreulich, dass Sie im Mathematikunterricht so gut aufgepasst haben und uns das hier auch demonstrierst. Leider gehen Sie inhaltlich so gar nicht auf die Rede ein und scheinen sie auch nicht verstanden zu haben.



Im ersten Abschnitt sollte ziemlich klar werden, dass es in dem WIR nicht ausschließlich um die anwesenden Demonstrierenden ging, sondern um alle Ausgebeuteten und Unterdrückten dieser Gesellschaft. Also um ca. 7,5 Milliarden.



Natürlich ist es bedauerlich, dass nur so wenige Menschen auf der Straße waren, obwohl es zwingend notwendig wäre sich für seine Arbeits- und Lebensbedingungen aktiv einzusetzen, die erkämpften Rechte zu verteidigen und für neue zu streiten. Rechnerisch ist das ja problemlos möglich, wenn man sich die Entwicklung der Reichtumsverteilung ansieht. Weltweit sind es sogar nur 8 reiche Männer, denen so viel gehört wie der ärmsten Hälfte der Weltbevölkerung.



In einem Punkt haben Sie Recht: Es wird noch schlimmer werden. Der Reichtum und auch die Armut werden steigen, es wird mehr Kriege geben und unsere Gesellschaft wird nach rechts rücken. Aus diesem Grund ist es wichtig schon jetzt nicht nur zu jammern, sondern sich zu organisieren und zu kämpfen. Und nicht den Kopf in den Sand zu stecken und im Netz rum zu pöbeln.



Und ein letzter Kommentar: Würden die Unternehmen den Arbeitern und Arbeiterinnen gehören, hätten wir Reichtum für alle, da sie dann auch über die Verteilung entscheiden könnten und nicht Milliarden von Menschen für den übermäßigen Wohlstand einiger weniger schuften müssten.



"...und der Arme sagte bleich: ‚Wär ich nicht arm wärst du nicht reich.'“ (Bertolt Brecht)



mfG ein närrischer Azubi
Kurt Wirth
2.242
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 02.05.2017 um 18:30 Uhr
@Herr Bucher, Ihr Kommentar 02.05. um 15.36 h: Spitzensteuersatz in Frankreich von 75% bringt nur 4 Euro pro Einwohner.

Das ist so wie es da steht in meinen Augen demagogisch. Es waren immerhin auch 470 Millionen Euro in 2 Jahren. Doch die seltsame Konstruktion dieser 75%-igen Spitzensteuer war, daß sie nur von Unternehmen für Angestellte mit einem Einkommen von mehr als 1 Million Einkommen zu zahlen war (das waren z.B. die Spitzen-Fußballclubs, die auch darüber jammerten). Selbständige und Freiberufler und Unternehmer selbst waren davon nicht betroffen. Also ein Witz, eine Farce. Gerard Depardieu flüchtete vor dieser Steuer nach Rußland, er hätte sie aber gar nicht zahlen brauchen. Per Saldo waren es auch nicht 75%, sondern nur 50%, weil die Arbeitgeber 25% Sozialabgaben von der Steuer abziehen konnten. Siehe:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/frankreich-gibt-die-reichensteuer-auf-13348842.html
Martina Lennartz
5.982
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 02.05.2017 um 22:15 Uhr
Von Tobi, der leider immer noch nicht freigeschaltet ist:

@ Wilfried Bucher:

Zu 1.: Jetzt musste ich tatsächlich ein wenig lachen. Weil sie in ihren Ausführungen dann noch ein weiteres Mal bewiesen haben, dass Sie meine Rede nicht verstanden haben.
Der Vorwurf, dass Sie nicht auf die Inhalte eingegangen sind und ich denke, dass Sie die Rede dennoch nicht verstanden haben, krankt im Übrigen nicht an Logik. Da Sie ja bewiesen haben, dass Sie schon den Einstieg der Rede nicht verstanden haben und auf den Rest sind sie gar nicht erst eingegangen, aber das haben Sie ja dankenswerter Weise nachgeholt.

Zu 2 und 3.: Ich redete von allen Ausgebeuteten und Unterdrückten dieser Welt. Das sind ca. 7,5 Milliarden (nicht Millionen). Und in Deutschland bewegt sich tatsächlich wenig, in anderen Ländern sieht es besser aus.
Dennoch kenne ich auch hier Wenige, die den Kapitalismus gut heißen und die sich nicht über unser Zwei-Klassen-Gesundheitssystem, die marodierenden Schulen oder das Hartz-System aufregen. Auch der Wille zum Streik ist wieder gestiegen. Die Unzufriedenheit ist da, aber Viele lassen sich gegeneinander ausspielen oder/ und haben keine Alternative vor Augen. Da ist die SDAJ mit ihrem Transparent schon ganz gut gewesen,
weil das zum Nach- und Weiterdenken anregt...

Die geschönten Statistiken der angeblichen Vollbeschäftigung müssen Sie mir mal zeigen, dann widerlege ich sie gern. Fakt ist, dass es schon seit Jahrzehnten nicht mehr viele Menschen in Deutschland in prekären Arbeitsverhältnissen und so wenig Zukunftssicherheit wie heute gab. Das Märchen von den Millionen faulen Arbeitslosen, die einfach nicht arbeiten wollen, glauben aber auch wirklich nur noch ein paar Menschen,
die wenig Berührungspunkte mit der Gesellschaft haben. Ich kenne genug Menschen, die schon seit Jahren aufstocken müssen, drei verschiedene Abschlüsse haben, ständig für neue Jobs umziehen mussten und dann doch wieder arbeitslos wurden.

Zu 4.: Ja, weil es möglich ist und die meisten Azubis auf Unterstützung von ihren Eltern angewiesen sind und ich der Meinung bin, dass jeder Mensch – spätestens mit der Volljährigkeit – die Möglichkeit haben sollte sich selbst versorgen zu können.

Zu 5.: Ja, Ihre Sorge sind die der Konzerne, meine die der Bevölkerung.
Da ist wohl der entscheidende Unterschied zwischen uns beiden. Im übrigen bilden gerade die meisten kleinen Betriebe eh nur für den Eigenbedarf aus. ;)

Zu 6. und 9: Puuuh... Das ist ja nun wirklich Schmarn. Die
Produktivkraft in Deutschland steigt und steigt, es wurde noch nie so viel in so kurzer Zeit produziert und sie wollen, dass die Leute trotzdem noch länger arbeiten müssen.
Wir machen ein Rechenbeispiel, mögen Sie ja so gern: Ein BMW wurde 2016 in ca. 30 Stunden produziert. 2006 waren es noch ca. 60 Stunden.

Brauchen wir also heute doppelt so viele Autos wie noch vor 10 Jahren?
Oder sind die Löhne um das doppelte gestiegen? Beides ist nicht der Fall. Nur der Profit ist gestiegen. Möglich wäre es aber – bei gleichem Bedarf – die Menschen nur noch halb so viel arbeiten zu lassen, oder aber früher in Rente gehen zu lassen, oder oder oder...
Es geht nicht um eine einfache Umverteilung. Es geht darum etwas Grundlegendes zu ändern. Wir brauchen eine Wirtschaft im Dienste der Menschheit und nicht im Dienste des Profits. Dann wäre mit dem technischen Fortschritt so einiges möglich. Kuba zeigt übrigens ziemlich gut, wies funktionieren kann. ;) Ein wirtschaftlich schwaches Land, eine ehemalige Kolonie mit einer fetten US-Wirtschaftsblockade, schafft es,
seiner kompletten Bevölkerung gratis ein Bildungs- und Gesundheitssystem anzubieten, wovon viele Industriestaaten träumen.

Zu 7.: Ich glaube nicht, dass die Bevölkerung in Deutschland besonders dumm geboren wird. Klar, werden wir abgestumpft, BILD und Co verblöden die Leute auch regelrecht und kulturelle Angebote werden auch immer rarer, im Bildungssystem gespart... Aber das ist in jedem kapitalistischem System so...

zu 8.: Siemens, Kraus-Maffei-Wegmann, die Deutsche Bank, Daimler... Mir geht es nicht um den Sitz der großen Konzerne, aber das sind alles Unternehmen aus Deutschland, die Heimatländer zerstören, wie Shell und Nestlé eben auch... Also auch deutsche Konzerne haben Flucht mit zu verantworten.
Ganz Afrika hat nicht so viele Einwohner wie China, wie vielen
chinesischen Flüchtlingen sind Sie bisher begegnet? Also allein mit dem Bevölkerungswachstum ist Flucht nicht zu erklären.

Zu 10.: Die AfD will einen noch unsozialeren Kapitalismus, nicht mehr und nicht weniger. Wer wirklich eine Gesellschaft erkämpfen will, in der der Mensch und nicht das Geld im Mittelpunkt steht, sollte weder CDU, noch SPD, FDP oder Grüne wählen und erst Recht nicht die AfD. Im übrigen
glaube ich auch nicht daran, dass DIE LINKE eine wirkliche Veränderung bringt. Generell wird man durch Wahlen und eine neue Verwaltung des Kapitalismus nichts groß ändern können. Sondern nur durch gemeinsam organisierte Kämpfe und letztendlich durch einen Bruch mit dieser kriegerischen und ausbeuterischen Gesellschaft.
Stefan Walther
4.508
Stefan Walther aus Linden schrieb am 02.05.2017 um 23:26 Uhr
Herr Trundilson = ganz knappe Antwort: durch und durch illusionär Ihre Ausführungen und Forderungen und ganz weit weg von den arbeitenden Menschen IN(!) den Betrieben!
Eine Anmerkung zur drohenden globalen Umweltkatastrophe = ja, auch hier ist das Problem die kapitalistische Produktionsweise, und auch hier nützen erst Recht keine "Inseln", denn es muss lauten "Rettet die Umwelt vor der Profitgier!" und wer ist der Verursacher der Umweltzerstörung und wie kann man die Umwelt ( noch ) retten? Indem man "überall", völlig losgelöst von der Berücksichtigung der Machtfrage und der Machtverhältnisse so genannte alternative Projekte gründet und aufbaut? Träumen Sie weiter Herr Trundilson, es wird Sie auch kaum jemand stören, denn das allein herrschende Finanzkapital juckt das nicht im Geringsten....
Stefan Walther
4.508
Stefan Walther aus Linden schrieb am 02.05.2017 um 23:41 Uhr
Herr Bucher ist das jetzt alles was Sie noch hinterfragen, noch zu kritisieren haben ( ich beziehe mich auf unseren Austausch hier )?
Klasse, dann werden wir ja gemeinsam für den Sozialismus streiten!
Warum? = weil "der Schlüssel fast aller Differenzen" wenig beweist, zur Steigerung der Produktivität pro Arbeiter hat Ihnen der Auszubildende Tobi schon geantwortet, von den zahlreichen Werkschließungen, dem Niedrigstlohnsektor, der Leiharbeit, den Teilzeitkräften usw. ganz zu schweigen...
Wenn Sie von den enormen Abgaben und Steuern reden ( und da haben Sie völlig Recht! ) und dann muss man natürlich auch hinterfragen "was macht denn der Staat mit diesen Steuern"?
Rettet er Banken oder Arbeitsplätze? Subventioniert er etwa keine Monopole? Natürlich tut er das, denn er ist der Staat des Kapitals, und wir leben nunmal im Staatsmonopolistischen Kapitalismus. Sie können weiter davon träumen, dass man das Rad der Geschichte zurückdrehen könnte, hin zum Kapitalismus der freien Konkurrenz... das Rad der Geschichte lässt sich aber nicht zurückdrehen, höchstens eine zeitlang aufhalten... der Kapitalismus hangelt sich nur noch von einer Krise zur nächsten, droht die Welt durch Kriege und Umweltzerstörung endgültig in den Abgrund zu führen, wenn, ja wenn er nicht überwunden wird!
Stefan Walther
4.508
Stefan Walther aus Linden schrieb am 02.05.2017 um 23:41 Uhr
- keine Ahnung warum der Kommentar jetzt 2x erschienen ist
Martin Wagner
2.555
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 03.05.2017 um 08:10 Uhr
Die Kommentarkolonne nimmt ja rasant Fahrt auf, da wäre "Stoff für ganze Bücher". Ich will und muss mich beschränken.

Herr Bucher schrieb gestern um 20.40 h: " (.....) 7,5 Millionen (nicht Milliarden) Hartz-IV-Bezieher werden eigentlich von wem ausgebeutet? Nach meinem Verständnis werden diese Menschen ohne Gegenleistung alimentiert. Davon gibt es eine große Zahl, die einfach nicht arbeiten möchte und es sich schon in der zweiten Generation im System gemütlich macht. Wir haben defacto in den Städten Vollbeschäftigung und da sollten eigentlich nur „nicht arbeitsfähige“ (kranke, alleinerziehende, kein Beruf etc.) unterstützt werden. (....)"

Herr Bucher bei solchen Kommentare "schwillt mir der Kamm".

(Martin, aber jetzt einmal ganz ruhig .......!)

Ich finde sie werfen in ihrer Argumentation etwas durcheinander. Natürlich wurde die (Arbeitslosen) Unterstützungskasse zum Zweck "(....)
Kranke, Alleinerziehende, kein Beruf .... (...)" gegründet. (Einmal davon abgesehen,dass saals damit politisch gewollt war den damaligen sozialistischen Parteien "das Wasser abzugraben".) In welcher Form wurde das gemacht? Als Zwangsversicherung (heute gibt es riesengroße Löcher in dem "Zwang") - ohne Staatbeamte.Einzahlen müssen alle gewerbetreibende Betriebe, je zur Hälfte (gilt heute auch nicht mehr Arbeiter zahlen mehr als die Hälfte) zu zahlen von den Arbeitern und Kapitalisten.

(spare mir die Schilderung des geschichtlichen Werdeganges - Schnitt)

2004 wurde von der "S"PD dieses Prinzip nicht völlig (1 bis 2 Jahre gelten zwar "abgespeckt" aber im Prinzip die alten Regeln), aber schwerwiegend zerstört. Die Versicherung auf Gegenseitigkeit (ich habe Arbeit, also zahle ich in die Unterstützungskasse - ich habe keine Arbeit, also erhalte ich Unterstützung ....) wird nach kurzer Zeitspanne der Arbeitslosigkeit in Fürsorgeleistung überführt. Ich stimme ihnen zu Herr Bucher, ab dem Zeitpunkt der Fürsorgeleistungsbezug ist es ehrlicher nicht mehr von Versicherungsleistungen zu sprechen, sondern von Alimenten (und nicht wie das wahrscheinlich bewusst verschleiernd vom Arbeitsamt genannt wird: Geldleistungen für unsere Kunden).

Ich habe den Eintrug, dass sie (was auf dem ersten Blick nicht ganz weit her geholt ist ....) davon ausgehen, dass die Allgemeinheit für die Auszahlung von Fürsorgegeldern an die Empfänger Bedingungen stellen darf. So etwa nach dem Motto: Wir ernähren dich, also musst du auch (wenn du dazu in der Lage bist) arbeiten gehen. Darwin lässt grüßen - nicht meine Meinung, aber - ich bin ja regelmäßig bei der wöchentlichen Montagsdemonstration - eine weit verbreitete Ansicht. Darüber lässt sich trefflich streiten, aber ich unmöglich finde ist, dass durch die Gesetzgebungspraxis der Spezialdemokraten nicht nur nach der alten Regelung den länger Arbeitslosen massiv Unterstützung entzogen wird, sondern auch die Diskussion auf ein völlig falsches Gleis geschoben wurde.

Kürzer: Wer über Fürsorgeleistungen diskutiert verdeckt den Skandal des 2004er Systemwechsels.
Stefan Walther
4.508
Stefan Walther aus Linden schrieb am 03.05.2017 um 08:49 Uhr
Ich gehe mal davon aus, dass Sie Herr "Wagner" schreiben wollten Herr Bucher?
Ich könnte Ihnen auch antworten, ich denke aber, ich bin hier nicht angesprochen worden!?
Stefan Walther
4.508
Stefan Walther aus Linden schrieb am 03.05.2017 um 10:05 Uhr
Kein Problem, bei der Fülle der Kommentare und der Geschwindigkeit, die hier vorgegeben wird, habe ich auch große Probleme die Übersicht zu behalten...

einige Anmerkungen:
- Gerechtigkeit ist eine subjektive Größe? Hm, das klingt nach Phrase für mich = Gerechtigkeit für wen ist sicher richtig als Frage? Für die überwältigende Mehrheit oder für eine kleine Minderheit, "Gerechtigkeit" passt da evt. nicht als Begriff, eher "bestmögliche Bedürfnisbefriedigung"
- warum soll diese Haltung ins Unglück führen? Verstehe ich nicht
- es geht doch nicht um einen "Rausch" dem man ( sicherlich nicht nur junge Menschen ) als Linker unterliegt, es geht um die Analyse der gesellschaftlichen Zusammenhänge, der Ökonomie usw. und dann darum wie dementsprechend ein praktisches Handeln aussehen kann / muss
- wäre auch ne lange Diskussion: welches Gesellschaftssystem hat(te) wie viele Menschen auf dem Gewissen, aus welchen Gründen usw. usf. - der Klassenkampf, egal ob im Kapitalismus oder im Sozialismus ( auch wenn dies sogar manche Linke leugnen ) ist kein "Kaffeekränzchen" :-)
- erwarten Sie bitte nicht, dass ich Kuba oder die Entwicklung in der DDR hier verteidigen werde, das müssen andere tun!
- die Zahlen? Nun, belegen sie nicht meine Behauptung, z.B. der militärisch-industrielle Komplex = ein riesen Geschäft, staatlich gelenkt und gefördert, so gut wie ohne Risiko für die Rüstungskonzerne... und wenn es um so genannte "Systemrelevante" Banken ging und geht, da werden mal locker über nacht hunderte Milliarden zur Verfügung gestellt...

Bin gespannt ob Martin Wagner auf Ihren letzten Kommentar eingehen wird, ob er dieses - hervorragende - Buch von Bebel gelesen hat ( war "früher" mal so was wie Pflichtlektüre für alle Marxisten ) weiss ich auch nicht, und ob er die Verfassung der Sowjetunion kennt...? Ich werde etwas abwarten, und wenn ich dann noch den Überblick in 1 - 2 Tagen habe ggf, selbst antworten, falls nichts von ihm kommt, denn es sind wichtige Punkte, die hier von Ihnen angesprochen werden!
Stefan Walther
4.508
Stefan Walther aus Linden schrieb am 03.05.2017 um 11:02 Uhr
Ich halte zwar nichts von Wikipedia ( wurde auch schon mehrfach hier in der GZ debattiert ) aber auch dies stützt doch meine Aussage = "Gerechtigkeit für wen ist sicher richtig als Frage..."

Nicht böse gemeint, habe jetzt keine Zeit ( werde mich auch gleich abmelden ) und auch keine Lust den Link zu lesen = nur so viel, es wurden wenn ich es richtig im Kopf habe, so um die 200 Milliarden für die "Bankenrettung" im Handumdrehen "bereitgestellt"... ja, das war einmalig in der bisherigen Geschichte des kapitalistischen Krisenmanagements, aber das hat den Zusammenbruch wie Sie selbst schreiben nur "erst einmal" verhindert, die meisten Industriestaaten haben bis heute noch nicht einmal das "Vorkrisenniveau" erreicht... trotz dieses einmaligen Krisenmanagements... und die nächste Überproduktionskrise wird noch katastrophalere Folgen haben...

Sie brauchen mich nicht mit Samthandschuhen anfassen Herr Bucher, trotzdem danke für die Klarstellung, ich fasse erstmal alles als sachliche Kritik und Meinungsäußerung auf, da muss schon ein persönlicher Angriff, eine Beleidigung, eine Unterstellung usw. kommen ( aber auch das gab es hier schon ), ansonsten bin ich da ziemlich schmerzfrei...

Ja, die "reinen" Kritiker, die selbst nie etwas tun ausser andere und jedes und alles kritisieren, die habe ich wahrscheinlich genauso "lieb" wie Sie. Wie heißt es so schön "wer viel macht - macht natürlich auch Fehler, wer nichts macht.... oder wer nichts schreibt..."
Auch das wurde schon mehrfach angesprochen = berechtigte Kritik ist die eine, eine wichtige Seite - Kritik ohne Lösungen anzubieten, ohne eine Perspektive aufzuzeigen... ziemlich sinnfrei. Wobei mich hier "Sünden" wenig interessieren.
Martin Wagner
2.555
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 04.05.2017 um 12:15 Uhr
Herr Bucher stellt in seinem Kommentar am 3.5. - offensichtlich als Erwiderung auf einem Kommentar von mir kurz davor - folgendes Zitat ein:

(Anfang)

(....) August Bebel:Gemeinwirtschaft und Arbeitspflicht:
Sobald die Gesellschaft im Besitze aller Arbeitsmittel sich befindet,
wird die Arbeitspflicht aller Arbeitsfähigen ohne Unterschied des Geschlechts Grundlage der sozialistischen Gesellschaft. Die Gesellschaft kann ohne Arbeit nicht existieren. Sie hat also das Recht, zu fordern,
dass jeder, der seine Bedürfnisse befriedigen will, auch nach Maßgabe
seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten an der Herstellung der
Gegenstände zur Befriedigung der Bedürfnisse aller nötig ist.
(A. Bebel: Die Frau und der Sozialismus) (S. 110)

Verfassung der UdSSR, Artikel 12, Abs. 1. ”Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen”

(Ende)

Danke Herr Bucher, diese beide Zitate waren mir bisher nicht bekannt.

(Bebel - war das nicht ein Gründungsvater der "S"PD? Ja, Stefan, ich bin was "linke Klassiker-Bücher" betrifft lesefaul. Kann das ja auch, denn ich bin - wie oft habe ich das schon geschrieben!? - undogmatische Linker und die interressiert das ganz wenig. Aber - bevor da jemand in die Versuchung kommt ein Spaltkeil reinzuhauen, ich respektieren manche Aussagen von Marx und auch irgendwelche marxistische Gruppen (egal welche - gibt ja in der BRD mehr als ein Dutzend) - wenn jemand mit einer Einzelaussage Recht hat, dann gebe ich ihm auch Recht; auch wenn er sonst nur Schrott erzählt).

Ich kritisiere weniger wie Stefan an den Anhängern des Modells "bedingungsloses Grundeinkommen", dass solche Ansätze bei den Arbeitern null Chancen auf Erfolg haben werden. Und der ist dringend nötig, denn nur diese Schicht (Stefan redet als eher dogmatisch unterwegs Seiender lieber von Klasse - egal ...) verfügt über die materiellen Voraussetzungen (natürlich das auch nur wenn vorher das entsprechende Bewusstsein geschaffen worden ist) die Macht der herrschenden Kräfte zu beseitigen. Warum? Ganz einfach - der entscheidende Machtkampf steht nicht auf der Tagesordnung.

Ich kritisiere, dass in der zu erkämpfenden Welt (offensichtlich erwartet Bebel zu seiner Zeit in absehbarer Zeit den Sieg des Sozialismus) - also in einer mittelnahen oder ferneren Zukunft - nach meiner Ansicht jeder Mensch zu dieser Welt einen produktiven Beitrag leisten muss (solange er nicht nachweisen kann, dass das aus gesundheitlichen Gründen nicht kann). Warum? Weil jeder Mensch die durch Jahrhunderte geschaffene Infrastruktur einer Gesellschaft / eines Staates nutzen muss um überhaupt leben zu können. Also muss er auch einen Beitrag zur ständigen Vervollkommenung dieser Struktur beitragen.

Okay, das ist jetzt (so wie bei Bebel) langatmig. Mit Einschränkung lässt sich das aber zu dem Schlagwort: "Es gibt kein Recht auf Faulheit" zusammen fassen.

Das heisst aber nicht, dass dieser Sachverhalt in dem Paragraphen der Ud"s"SR "gipfeln muss". (Ich habe einmal gehört, den betreffenden Paragraphen hätte es auch in der Verfassung der DDR gegeben.)

Einerseits:
Wer es schafft sich Essen schenken zu lassen könnte danach weiter sich der Arbeit entziehen.

Anderseits:
Die Pflicht sich 40 (oder mehr) Stunden von Kapitalisten ausbeuten zu lassen ist so nicht zu begründen. Ich denke - das ist doch heutzutage zu errechnen - es sollte ein Mindestarbeitspflicht geben, damit jeder Mensch für die alle Menschen in einem Staat zur Verfügung stehenden Infrastruktur seinen Beitrag geleistet hat. Ich kenne dazu keine Berechungen, aber ich gehe dann von einer 5 bis 10-Stunden-Woche aus.

Bevor jetzt ein schlauer Bürgerreporter fragt: Und, Herr Wagner, kommen sie in ihrer jetzigen Lebensphase diesem Ansatz nach? (grins, grins, .....) - Diese Regelung müßte natürlich flexibel erfüllt werden können. Etwa über ein Lebensarbeitszeitmodell, so dass bei einem durchschnittlichen Arbeitsbiographie (Anfang mit 20 J. bei 40 Std. i. d. Woche) mit 30 oder 35 Jahren diese gesellschaftliche Pflicht erlischt.

Ich denke ich habe die indirekte Frage von Herrn Bucher beantwortet. Aber ich habe auch leichte Zweifel, ob die Entwicklung der kommentarkolonne noch nah genug am Artikel dran ist.
Stefan Walther
4.508
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.05.2017 um 15:15 Uhr
Liegt`s an der Fülle der Kommentare? Liegt es daran, dass sich - kann ich nachvollziehen - einige jetzt verabschiedet haben bzw. gar nicht in die Debatte eingreifen? Liegt es an den Wiederholungen oder sinkt das Niveau?

Vielleicht wäre jetzt - nur ein Vorschlag - zuletzt hatten Sie ihn gemacht Herr Bucher, wieder der Zeitpunkt zu sagen? = hier ist es genug, evt. an anderer Stelle, evt. unter einem anderen / einem eigenen Beitrag?

Aber ne Antwort gibt es von mir noch, auch wenn mir das jetzt doch etwas zu oberflächlich wird:
- ich hatte schonmal darauf hingewiesen, dass Verstaatlichung und Vergesellschaftung 2 völlig verschiedene Dinge sind - und dass der Staat selbst der größte Kapitalist im kapitalistischen Staat ist
- ohne die DDR zu verteidigen = die wöchentlich notwendige Arbeitszeit ( Erfordernis zur Befriedigung der Bedürfnisse in der Gesellschaft ), hängt vor allem auch von der Produktivität ab, und da wäre die heutige Produktivität mit der damaligen zu vergleichen in etwa wie der berühmte Vergleich von den "Äpfeln mit Birnen"
- ja sicher "wer nicht arbeitet - oder noch besser ausgedrückt "nicht arbeiten will" - der soll auch nicht essen"! Ich denke, da braucht es keiner langen Diskussionen über dieses sozialistische Grundprinzip... für die, die im Kapitalismus ihre Arbeitskraft verkaufen müssen um zu (über-)leben, für die wäre alles andere nicht zu verstehen... und die, die es ( bisher ) nicht gewohnt sind zu arbeiten, die werden es schon lernen, denn wie gesagt "wer ...."
- dann kommen wir auch zu dem Punkt Herr Bucher "...dann werde ich in Bautzen enden". Wie kommen Sie denn darauf? Ich gehe fest davon aus, dass Sie freudig Ihrer Arbeit nachgehen werden, wesentlich entspannter wahrscheinlich, mit Sicherheit nicht mehr so lange wie bisher... und werden wie alle anderen arbeitenden Menschen gerne Ihren Teil zum Wohl der Gesellschaft beitragen... und damit auch für Sie selbst.

Martin, nichts für ungut, ich werde dich auch keineswegs auffordern dies oder das zu lesen ( das hast du mir ja mehrfach klar zu verstehen gegeben ), aber du wirfst hier einiges durcheinander... ja, ich halte es für etwas zu simpel sich dann immer darauf zurück zu ziehen "ich bin ja ein Undogmatischer, ich muss das nicht lesen / nicht wissen", das ist aber allein deine Sache! Was jedoch nicht allein deine Sache ist, das ist dann ein "Urteil" zu fällen über Dinge die du nicht kennst, oder?
Michael Beltz
7.521
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 04.05.2017 um 18:05 Uhr
Herr Bucher, was bedeutet: wir sind viele, wir müssen wieder eins werden? es bedeutet: wir müssen uns zusammenschließen organisieren, gegen das allmächtige Kapital. Denn Kapitalismus bedeutet Verbrechen: Krieg, verelendung, Hartz IV, Wohnungsnot, Obdachlosigkeit usw.
Trotz der Schwäche der DGBGewerkschaften bleibt nichts anderes übrig, als die Gewerkschaften zu stärken und dagegen aufzutreten, z.B. am 1. Mai SPD-Kundgebungen zu organisiren mit Nahles und anderen Kapitalvertretern.

Wen vertreten Sie Herr Bucher? Ihre aggressive Grundhaltung gegen den Wunsch der Teilhabe am Reichtum dieses Landes entspringt nicht nur einer konservativen Einstellung.
Martin Wagner
2.555
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 05.05.2017 um 09:18 Uhr
Stefan schrieb:

(.....) "- ohne die DDR zu verteidigen = die wöchentlich notwendige Arbeitszeit ( Erfordernis zur Befriedigung der Bedürfnisse in der Gesellschaft ), hängt vor allem auch von der Produktivität ab, und da wäre die heutige Produktivität mit der damaligen zu vergleichen in etwa wie der berühmte Vergleich von den "Äpfeln mit Birnen"
- ja sicher "wer nicht arbeitet - oder noch besser ausgedrückt "nicht arbeiten will" - der soll auch nicht essen"! Ich denke, da braucht es keiner langen Diskussionen über dieses sozialistische Grundprinzip... für die, die im Kapitalismus ihre Arbeitskraft verkaufen müssen um zu (über-)leben, für die wäre alles andere nicht zu verstehen... und die, die es ( bisher ) nicht gewohnt sind zu arbeiten, die werden es schon lernen, denn wie gesagt "wer .... (....) "

Ich bin mir nicht sicher, ob du da nicht "Äpfel mit Birnen" verwechselt.

Noch einmal ganz deutlich: meine Vorstellung von einer zukünftig in einem nichtkapitalistischen Welt in der Verfassung verankernte Mindestarbeitspflicht hat überhaupt Nichts mit der DDR und/oder deren Praxis zu tun.

1. Erstens ich persönlich bezweifele, dass dann eine irgendwelche Kopie einer ehemaligen oder aktuellen Realität (sei es DDR, China, Sowjetunion, Albanien, Jugasolawien, Kuba, Nordkorea ... und was weiss ich wo in der Vergangenheit bzw. Gegenwart behauptet wurde bzw. wird "sie wären im Besitz der Weisheit") davon entstehen wird. Kann aber nur Zweifel sein (also keine Gewissheit), denn die Form der nichtkapitalistischen Welt wird nicht heute von irgendwelchen dogmatisch (schon) festgelegten Menschen vorbestimmt, sondern - und da bin ich mir sehr sicher - ausschliesslich von den Kräften, die dann die Kapitalisten auf den Müllhaufen der Geschichte werfen.

2. Mir ging und geht es nicht um die durchschnittliche bzw. durch Regelungen vorgegebenen Wochenarbeitszeit in diversen (kapitalistische oder nichtkapitalisten) Ländern. Mir ging es um die Pflicht jedes einzelnen arbeitsfähigen Menschen mindestens so viel Stunden zu arbeiten, dass er die für ihne greifbare Infrastruktur anteilig finanziell mitträgt. Da ich davon ausgehe, dass in Zukunft über viele Jahre kapitalistische und nichtkapitalistische Länder nebeneinander her existieren gilt das generell.

a) Pflicht heisst, dass der Gesellschaft / dem Staat das Recht eingeräumt wird von Bürgern, welche nicht freiwillig bereit sind dieser Verpflichtung nachzukommen dies mit geeigneten Zwangsmittel durchzusetzen.

b) Wie ein Bürger sein Leben über diese Pflicht hinaus gestaltet bzw. sichert (so lange er nicht kriminell wird) ist ihm überlassen. D.h.- hier nur einmal die Extreme gesehen, es gibt natürlich unendlich viele Graustufen dazwischen - im Kapitalismus kann er sich von einem Ausbeuter knechten lassen oder auch langsam verhungern, weil er niemand findet der im das Lebensnotwendige schenkt. Wie das dann in einem nichtkapitalistischen Staat geregelt sein sollte steht in den Sternen (Begründung: siehe oben).
Stefan Walther
4.508
Stefan Walther aus Linden schrieb am 05.05.2017 um 12:21 Uhr
Nur kurz Martin, wie gesagt es macht wenig Sinn sich über Sachen auseinander zu setzen wenn man von völlig verschiedenen Grundlagen ausgeht... oder wenn sich ein Undogmatischer ziemlich dogmatisch weigert sich mit bestimmten Dingen zu beschäftigen, allein schon den Begriff "Dogmatiker" auf Marxisten anzuwenden ist "die Quadratur des Kreises". Was ich dann davon halte wenn dazu auch noch Urteile abgegeben werden, das habe ich schon geschrieben...

So ganz nebenbei: meine Vorstellung von einem sozialistischen Staat hat auch überhaupt nichts mit der DDR und deren Entwicklung zu tun ( aber auch das dürfte dir bekannt sein ).
Genauso falsch ist es jedoch zu sagen "wie das in einem zukünftigen nichtkapitalistischen ( besser "sozialistischen" ) Staat geregelt sein sollte, das steht in den Sternen..."

Etwas ironisch: "in den Sternen" steht das nur für einen, der sich mit dem wissenschaftlichen Sozialismus nie beschäftigt hat... dann wüßte sogar der Undogmatische, dass kein einziger Marxist - wenn er denn wirklich einer ist - irgendetwas "kopieren" möchte, ja, das wäre dann "dogmatisch" aber nicht "marxistisch"...
Michael Beltz
7.521
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 07.05.2017 um 11:54 Uhr
Na, Stefan, wer ist wirklich ein Marxist? Nicht nur Du!! Als Kommunist und Mitglied der DKP gehöre ich nicht zu den Dogmatikern, die irgendwerwas kopieren wollen. Wir können jedoch lernen von Marx, Oktoberrevolution, Lenin, Stalin und den sozialitischen Ländern ihren Erfolgen und Fehlern. Ein Fehler war, dass der Kampf um Frieden nicht als Klassenkampf gesehen wurde. Dennoch waren in der Zeit ihrer Existenz Kriegseinsätze durch die Imperialisten weit geringer als danach: Jugoslawien, Afghanistan, Lybien, Irak, Syrien, Kurden (Kurdistan)
Michael Beltz
7.521
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 07.05.2017 um 12:00 Uhr
Herr Bucher, Sie haben richtig bemerkt, was hinter Gebauer, Back, damals schon Nadin Bieden, Elisabth Pelz und anderen Feiglingen steckt. Das Umfeld der Grünen und Gestörten ist zu erforschen.
Im übrigen bleiben wir bei unsren Meinungsunterschieden.
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