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Irreführende Begrifflichkeiten in den bürgerlichen Medien – Teil 1

Gießen | Es gibt Begriffe, Phrasen oder Floskeln, mit denen versucht wird, die wahre Bedeutung zu verschleiern, zu verharmlosen oder gezielt Einstellungen darüber zu manipulieren. Heute:
1. Mai – nicht „Tag der Arbeit“, sondern „Tag der internationalen Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften“


Die besondere Bedeutung des 1. Mai geht auf Arbeitskämpfe zurück, die schon im Mai 1886 in den Vereinigten Staaten begannen. Damals hatten hunderttausende Arbeiter ihre Arbeit niedergelegt, um für die Einführung des Acht-Stunden-Tages zu kämpfen. Dabei kam es zu erbitterten Auseinandersetzungen mit Toten und Verletzten. Daraus entstand der 1. Mai als Kampf- und Feiertag der Arbeiter auch in Deutschland mit Veranstaltungen, aber auch zu Arbeitsniederlegungen und Streiks. Die Unternehmer reagierten darauf häufig mit Aussperrungen, Massenentlassungen und Repressionen gegen Gewerkschaftsmitglieder. In den Folgejahren kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und demonstrierenden Arbeitern, wiederholt mit etlichen Toten und Verletzten.

Den 1. Mai 1933 vereinnahmten die Faschisten schließlich als „Tag der nationalen Arbeit“ zu Propagandazwecken, um so die kritische Arbeiterschaft von ihrer Ideologie zu überzeugen. Denn schon einen Tag später wurden Gewerkschaftshäuser überfallen, die freie Gewerkschaftsbewegung in Deutschland zerschlagen und der Tag seines internationalen Charakters beraubt. Daraus ist schon in der Nazizeit die Kurzform „Tag der Arbeit“ entstanden.

Wer heute immer noch sagt, der 1. Mai sei der „Tag der Arbeit“, spricht die Sprache der Faschisten mit ihren Umdeutungsversuchen und verwässert seine Bedeutung im Kampf der Lohnabhängigen gegen die herrschende Klasse.

Der 1. Mai ist der „Tag der internationalen Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften“ oder „Kampftag der Arbeiterklasse“. Sowohl im Gedenken an die vergangenen Arbeiterkämpfe, aber besonders ist es einer der Tage, um zusammen auf die Straße zu gehen und solidarisch mit allen Unterdrückten dieser kapitalistischen Welt für Frieden, Freiheit und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu kämpfen und gegen Rechtspopulismus, Rassismus, Faschismus, imperialistische Kriege, Ausbeutung und Sozialabbau zu demonstrieren.

 
 
 

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Kommentare zum Beitrag

Peter Herold
26.291
Peter Herold aus Gießen schrieb am 28.04.2017 um 22:07 Uhr
Ich kämpfe nicht. Ich gedenke.
Stefan Walther
4.190
Stefan Walther aus Linden schrieb am 28.04.2017 um 22:34 Uhr
"Daumen hoch" Uwe für diesen Beitrag!

Was ist der 1. Mai = "Der internationale Kampftag der Arbeiterklasse!" Und in dieser Tradition war und ist dieser Tag auch in großen Teilen der internationalen Arbeiterklasse ein Tag um für eine andere, eine bessere Gesellschaftsform - für den Sozialismus - auf die Straße zu gehen!
Peter Herold
26.291
Peter Herold aus Gießen schrieb am 29.04.2017 um 01:44 Uhr
Ich stand am Amboss und Schraubstock mit blutenden Händen. Daran denke ich öfters zurück. Bezeichne es als mein erstes Leben. Muss ich dann zwangsläufig ein Sozialist sein?
.
Stefan Walther
4.190
Stefan Walther aus Linden schrieb am 29.04.2017 um 06:37 Uhr
Die Zugehörigkeit zu einer Klasse ist erstmal das Entscheidende Peter!
"Zwangsläufig" wird aber niemand zu einem Sozialisten - auch der Arbeiter nicht - das ist ein bewusster Schritt um sich von den Fesseln der Lohnsklaverei zu befreien...
Peter Herold
26.291
Peter Herold aus Gießen schrieb am 29.04.2017 um 08:03 Uhr
Um das wörtlich zu nehmen müsste der Arbeiter die Arbeit einstellen also kündigen, oder wie ich Angestellter werden. Da bim ich dem
Wunsch meiner damaligen Frau gefolgt.
Kurt Wirth
1.396
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 29.04.2017 um 10:12 Uhr
Im Jahre 1919 wurde der 1.Mai von einem führenden Repräsentanten der baierischen (so wurde das damals geschrieben) Räterepublik als "Feiertag", als "errungener Feiertag" und "Freiheitstag" bezeichnet:
http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/92103/ein-gruss-dem-1-mai/

Zwischen "Tag der Arbeit" und "Tag der nationalen Arbeit" würde ich schon einen Unterschied machen.

Ich lasse fast alle Bezeichnungen durchgehen (außer der der Nazis) - entscheidend ist die "tatsächliche Bewegung" am 1.Mai auf Demos, Kundgebungen, Versammlungen etc. Bei bloßem gemütlichen Beisammensein und Kinderfest hätte ich Bedenken.
Nicole Kocaoglu Schmidt
723
Nicole Kocaoglu Schmidt aus Heuchelheim schrieb am 29.04.2017 um 10:15 Uhr
Wie kann man nur Menschen in Klassen einteilen. Wie engstirnig ist das denn. Wichtig ist doch das man einem Beruf bzw Arbeit nachgeht. "Fesseln der Lohnsklaverei" , was ist das denn für ein Unsinn. Ich habe vor jedem der arbeitet, egal was, Respekt für sein tun. Aber sich einmal im Jahr gröhlend auf die Strasse stellen. ..... Nein Danke
Peter Herold
26.291
Peter Herold aus Gießen schrieb am 29.04.2017 um 10:16 Uhr
Bei uns hat die Feuerwehr Offene Tür. Da ich dort im Verein Mitglied bin gehe ich hin.
Peter Herold
26.291
Peter Herold aus Gießen schrieb am 29.04.2017 um 10:19 Uhr
Ich bin gegen den alten Begriff "Arbeiterklasse" und spreche lieber ganz allgemein von in abhängiger Beschäftigung im Gegensatz zu Selbständigkeit.
Rainer Arnheiter
50
Rainer Arnheiter aus Gießen schrieb am 29.04.2017 um 10:57 Uhr
Stimme Frau Nicole Kocaoglu Schmidt und Herrn Karl-Ludwig Büttel in weiten Teilen durchaus zu. Im übrigen - denke ich - wird der "Klassenkampf" heute bei weitem subtiler ausgetragen, als uns dieses die altvorderen (und manche selbsternannten) Klassenkämpfer weismachen wollen; deren Parolen taugen nicht mehr und sind längst obsolet.
Herr Lennartz: Sind Sie so nett und nennen einmal ein paar nichtbürgerliche Medien. Vielen Dank und schönen 1. Mai :-)
Peter Herold
26.291
Peter Herold aus Gießen schrieb am 29.04.2017 um 13:31 Uhr
Herr Büttel müsste demnach Beamter sein. Von irgendwas muss er ja leben ;-))
Gesellschaftlich gibt es sehr wohl noch die Klassen.
Den Kampf aber den sehe bzw. will ich nicht. Kampf ist Krieg und wird der von den Linken nicht abgelehnt?
Peter Herold
26.291
Peter Herold aus Gießen schrieb am 29.04.2017 um 15:01 Uhr
Lieber Herr Büttel. Ich würde Sie als Arbeitnehmer bezeichnen, ein also abhängig beschäftigter. Unterscheidung nach Arbeiter und Angestellter seit 2005 nicht mehr gegeben.
Wenn also einige beharrlich von Arbeiterklasse reden, so müssen das die so genannten ewig Gestrigen sein. Klassenkämpfer der Vergangenheit, die den Feind das Kapital bekämpfen müssen. Nur wenn es gelingen sollte das Kapital zu zerstören. wo würden dann die "Arbeiter" arbeiten können. Das s in einem so genannten sozialistischen System nicht geht hat sich doch erwiesen.
Rainer Arnheiter
50
Rainer Arnheiter aus Gießen schrieb am 29.04.2017 um 15:42 Uhr
Sie haben es richtig beschrieben, Herr Herold. Zwar nicht sonderlich präzise - aber im Kern exakt zutreffend.

Nichtsdestoweniger käme es jetzt unbedingt darauf, Mißstände zu beseitigen, insbesondere was die Kluft zwischen Arm und Reich anbetrifft; die ist inzwischen - mit einem Wort gesagt - unerträglich und skandalös.

Mit den Klassenkämpfer-Parolen der ewig Gestrigen allein, ist das mit Sicherheit nicht zu schaffen.

Da sind intelligentere Strategien gefragt.
Stefan Walther
4.190
Stefan Walther aus Linden schrieb am 29.04.2017 um 16:05 Uhr
Darum geht es nicht Peter ( dein Kommentar vom 29.04. - 8.03 Uhr )

Ich antworte dir mal mit den berühmten Worten von Karl Marx:

„Statt des konservativen Mottos: ‚Ein gerechter Tagelohn für ein gerechtes Tagewerk!‘, sollte sie (die Arbeiterklasse) auf ihr Banner die revolutionäre Losung schreiben: ‚Nieder mit dem Lohnsystem!‘“1

Ach Frau Schmidt, "engstirnig" und "Unsinn"? Nun, engstirnig ist wenn man nicht erkennt dass die Gesellschaft aus Mitgliedern verschiedener Klassen besteht. Und Unsinn ist es zu ignorieren, dass es sehr wohl die Möglichkeit gibt die Lohnsklaverei abzuschaffen. Was hat das nun mit Respekt vor den arbeitenden Menschen zu tun? Wer hat mehr Respekt, die die alles so lassen wollen wie es ist, oder diejenigen, die die arbeitenden Menschen von dieser Sklaverei befreien wollen?

Herr Büttel, das "Gesülze" von der "längst vergangenen Zeit", du meine Güte ist das das einzige "Argument"? Etwa so als würde es heute weder Klassen noch Arbeiter, noch Ausbeuter, noch Ausgebeutete... geben? Ist doch etwas dünn auch wenn es hier immer wieder auf`s Trapez gebracht wird... tun Sie doch nicht "alberner" als Sie sind, ja stimmt, das wirkt dann ziemlich albern...
Peter Herold
26.291
Peter Herold aus Gießen schrieb am 29.04.2017 um 17:02 Uhr
Ein Arbeitsverhältnis mit Sklaverei zu bezeichnen ist wohl etwas überzogen. Aber so ist es halt. Im 1900 Jahrhundert konnte das wohl zutreffen, heute wohl bei uns eher die allerletzte Ausnahme sein und dieses dank der Arbeitnehmer Organisationen. Im so genannten Sprachgebrauch wird es wohl immer Arbeiter und Angestellte geben (müssen)da ja sonst nicht vom Kampf der Arbeiterklasse gesprochen werden könnte. Wir haben heut aber andere Zeiten, die nach anderen Lösungen verlangen, als zu kämpfen. Wobei ich unterstelle es wird an der Zahl der Kampf bereiten mangeln
Kurt Wirth
1.396
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 29.04.2017 um 18:58 Uhr
Um das auch mal aufs Tapet zu bringen (nicht aufs Trapez):
Der von Marx und Marxisten (Marx war ja erst mal keiner) benutzte Begriff "Arbeiterklasse" hängt bei denen eng zusammen mit der ökonomischen Theorie des objektiven Arbeitswerts (im Gegensatz des subjektiven der Marktwirtschaftler) und der Mehrwertproduktion (sowohl der Arbeiter, als auch der Angestellten als auch mancher Beamter). Im Kern hat sich da nichts verändert gegenüber dem 19. Jahrhundert, in der Ausprägung natürlich schon, zumindest in Europa - in Bangladesh in der Textilproduktion kaum. Und in Afrika in den Edelmetallminen auch kaum. Und in Indien beim Abwracken der ausgedienten Schiffe auch kaum. Und in China teilweise auch kaum. Und da leben überall sehr viel mehr Menschen, als in Europa.

Diesen theoretischen Ansatz kann man heute noch genauso benutzen wie früher, in der Wissenschaft ist die Diskussion nie beendet. Die Frage ist, ob es zu verwertbaren Ergebnissen führt. Allerdings ist das Durcheinander von Emotionen und nüchterner Theorie in der Frage der "Arbeiterklasse" bei den meisten Menschen enorm. Auch bei dem Beitrag von Uwe Lennartz ist mir nicht ganz klar, auf welcher der beiden Ebenen er sich bewegt. Fakt ist, daß der Mai-Feiertag eindeutig mit der marxistischen Arbeiterbewegung zusammenhängt.

Eine Information am Rande: Bei den Rundfahrten im Hamburger Hafen wird informiert: Der 1.Mai und der 24.Dezember sind die einzigen Tage im Jahr, wo dort die Arbeit ruht. Ansonsten wird da immer rund um die Uhr gearbeitet.
Stefan Walther
4.190
Stefan Walther aus Linden schrieb am 29.04.2017 um 20:24 Uhr
@ Herr Büttel = ich habe lediglich Ihren Sprachgebrauch benutzt, da sitzt gar nix, ich wollte Ihnen nur mal aufzeigen wie kleinkariert dieser ist.... Sie waren schonmal weiter, hatten selbstkritisch Ihre manchmal eigene unsachliche Sprache an anderer Stelle im nach hinein bereut... bringen Sie sachliche Argumente ( siehe u.a. auch den letzten Kommentar von Kurt Wirth ), dann kann man auch sachlich darauf eingehen, ansonsten? = was soll das bringen ausser ein bisschen emotionale Schaumschlägerei?

@ Kurt = ja, so richtig klar ist mir das auch nicht auf welcher Ebene Uwe sich hier bewegt, die Aussagen kann ich zwar im Großen und Ganzen unterstreichen, was jedoch völlig fehlt ist der Bezug auf die wissenschaftlichen / die theoretischen Erkenntnisse... ist auch - wie so oft - schwierig wenn sich der Beitragseinsteller nicht mehr selbst zum eigenen Thema bzw. zu den Kommentaren äußert...

und ein bisschen Spass muss sein Kurt:

http://samahr.wordpress.com/2011/09/01/worauf-man-etwas-bringen-kann-trapez-tablett-oder-tapet/
Martina Lennartz
5.057
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 30.04.2017 um 00:44 Uhr
Stefan Walther
4.190
Stefan Walther aus Linden schrieb am 30.04.2017 um 10:39 Uhr
Wo ich Ihnen Recht gebe Herr Büttel = diese Rede, ich habe sie mir ( fast ) vollständig angehört, überzeugt mich auch nicht, im Gegenteil, einiges sehe ich ganz anders, vor allem der Pessimismus, der gleich zu Beginn verbreitet wird, oder auch die meines Erachtens völlig falsche Einschätzung zur Rolle des russischen Imperialismus und der angeblichen Nähe zur Friedensbewegung und einiges mehr....
Ich habe auch wirklich keine Lust mich hier in der GZ über DKP Reden auseinander zu setzen... was mir viel wichtiger ist, wenn die jeweiligen Beitragseinsteller und die jeweiligen Kommentatoren ihre eigene Meinung kundtun und diese dann auch - wenn möglich sachlich - begründen...
Peter Herold
26.291
Peter Herold aus Gießen schrieb am 30.04.2017 um 14:32 Uhr
Dann werde ich nie mehr von Meinung schreiben.
Peter Lenz
520
Peter Lenz aus Mücke schrieb am 30.04.2017 um 17:09 Uhr
Ist das nur eine Falschmeldung (Fake) oder wird das neue "Gießener Echo" wieder eingestellt und die GZ übernimmt ab sofort die Verbreitung der Mitteilungen des DKP-Nachrichtenportals???
Peter Herold
26.291
Peter Herold aus Gießen schrieb am 30.04.2017 um 17:13 Uhr
Sie immer noch da. Da gibt es sicher wieder gute Beiträge.
Peter Lenz
520
Peter Lenz aus Mücke schrieb am 30.04.2017 um 20:48 Uhr
"Dann werde ich nie mehr von Meinung schreiben"..... !?
Das hat er inzwischen schon zigfach widerlegt.
Stefan Walther
4.190
Stefan Walther aus Linden schrieb am 30.04.2017 um 20:53 Uhr
Also Herr Lenz, ich persönlich habe nichts gegen DKP Beiträge, ich habe nur etwas dagegen wenn nicht auf Kommentare und Kritiken inhaltlich geantwortet wird... und stattdessen eine Rede eines Parteivorsitzenden hier als "Ersatz" für eine kontroverse Diskussion genommen werden soll.
Meinetwegen kann jede Partei und Organisation hier schreiben, aber ich erwarte dann schon auch, dass die Kommentatoren ernst genommen werden.... und sich mit ihnen auseinandergesetzt wird.
Uwe Lennartz
153
Uwe Lennartz aus Gießen schrieb am 30.04.2017 um 23:03 Uhr
Ooh, ich wusste nicht (oder wo kann ich das nachlesen?), dass ich mein Leben neben dem Leben in der GZ nach dem Einstellen eines Artikels entsprechend organisieren, planen und einschränken muss, damit meine Reaktionszeit auf abgegebene Kommentare möglichst gering bleibt und ich nicht den Unmut der mit Ungeduld und Hochspannung Wartenden provoziere. Ich entschuldige mich aufrichtig für die von mir verursachten Unannehmlichkeiten und verspreche Besserung. (Ich verfolge seit geraumer Zeit ähnliche Diskussionen hier in der GZ und habe dabei die Erkenntnis gewonnen, dass man Ironie und/oder Sarkasmus als solche oder solchen kennzeichnet. Das möchte ich hiermit tun).

Jetzt aber zu den Kommentaren: Um Missstände in unserer Gesellschaft zu ändern, muss man sie an ihrem Ursprung bekämpfen, nicht an ihrem Erscheinungsbild. Denn (wie Hegel sagt) was bekannt ist, ist noch nicht erkannt. Also muss danach gefragt werden, was an der Organisationsform dieser Gesellschaft falsch ist und wie die Ursachen des Übels abgeschafft werden können.

Unsere Gesellschaft befriedigt ihre Lebensbedürfnisse durch Produktion. Neue Bedürfnisse bewirkt eine fortschreitende Entwicklung der Produktivkräfte mit Arbeitsteilung, die zur Herausbildung von Privateigentum an Produktionsmitteln führt und damit die Gesellschaft in Klassen gespaltet wird, die in ungleichem Maße am Gesellschaftsprodukt, am gesellschaftlichen Reichtum teilhaben. Klasse – ich meine hier Gesellschaftsklasse – ist primär ein ökonomischer Begriff.

Unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen sind alle Formen der Produktion dem Kapital unterworfen. Das Eigentum an Produktionsmitteln ist vermittelt durch das Kapital, d.h. die Investitionen von Kapital, welches sich wiederum erhalten und vermehren (verzinsen) muss. So entsteht im Kapitalismus die Zwei-Klassen-Gesellschaft, in der es nur noch Eigentümer von Produktionsmitteln (ich nenne sie die „Herrschenden“ oder die „herrschende Klasse“) und die Lohnarbeiter (die nur Eigentümer ihrer bloßen Arbeitskraft sind) gibt, die durch ihre Arbeit den Mehrwert hervorbringen, der die Verzinsung des Kapitals garantiert (Und hier ist es egal, ob Arbeiter oder Angestellter).

Das Gesetz des Kapitals ist es, sich vermehren zu müssen, ausbeuten zu müssen, um neue Investitionen tätigen zu können. Die Akkumulation des Kapitals ist der Selbstzweck des Kapitalismus. Es sind die Sonderinteressen einer kleinen Gruppe von Menschen (der herrschenden Klasse), die den Prozess der Kapitalverwertung in Gang halten. Die Arbeiterklasse dagegen hat nur das Interesse, dass alle Menschen in gleicher Weise in vollem Sinne freie Menschen sind, die ihre Interessen in Abstimmung auf und Übereinstimmung mit den Interessen aller anderen nachgehen können. Das Interesse der Arbeiterklasse ist das Menschheitsinteresse: Frieden, Freiheit von Not, Bildung, individuelle Lebensgestaltung und Bedürfnisbefriedigung, Teilhabe an der politischen Planung und Lenkung des gesellschaftlichen Lebens – für jeden und nicht nur für wenige Kapitaleigentümer.

Sobald die ökonomischen Klassen notwendig miteinander in einer gemeinsamen, jedoch widerspruchsvollen Gesellschaft verknüpft, aufeinander wirken, bekommen sie einen politischen Charakter. Ein Großteil der Handlungen der herrschenden Klasse dient dem Zweck, das Herrschaftssystem, das ihre Macht garantiert, zu erhalten und auszubauen. Konzentration politischer Macht, Bildungsprivileg, die Sicherung einer klassenformen Justiz, die Manipulation der öffentlichen Meinung durch Kontrolle der Medien. Dies führt auch dazu, dass sich derjenige, der objektiv zur Klasse der Lohnarbeiter gehört, sich doch subjektiv mit der Kapitalistenklasse solidarisch fühlt. Ein Problem, das die Überzeugung des Lohnabhängigen bezüglich seines Klassenbewusstseins sehr erschwert.

Aus der Einsicht in den Zwei-Klassen-Gegensatz der kapitalistischen Gesellschaft folgt, dass die Beseitigung der Herrschaft der Sonderinteressen zur Aufhebung des Klassencharakters der Gesellschaft führen muss, weil es dann nur noch eine Klasse (also keine Klasse) mehr geben wird.
Stefan Walther
4.190
Stefan Walther aus Linden schrieb am 01.05.2017 um 07:42 Uhr
Ehrlich Uwe, das wusstest du nicht? Die Bürgerreporter erwarten hier innerhalb von maximal 12 Stunden Antworten und Reaktionen, das kannst du zwar nirgends nachlesen, aber das ist ein ungeschriebenes Gesetz in der GZ.

Okay, Spass beiseite, da hat es wohl jetzt den falschen getroffen! Ich hoffe du nimmst meine Entschuldigung an, sorry Uwe, ich hätte warten müssen. Du bist ja relativ neu hier in der GZ also kann ich ja gar nicht wissen wie du da so drauf bist...

Ansonsten = ich denke die Kritiken von mir und anderen Bürgerreportern an mehreren anderen Stellen sind nach wie vor berechtigt. Es gibt zwischenzeitlich mehrere Beispiele ( auch hier den Kommentar von Martina finde ich persönlich sehr unbefriedigend ) wo Menschen, die Fragen haben oder Kritiken üben, einfach nicht geantwortet wird, das halte ich persönlich für ziemlich respektlos, manchmal sogar für etwas überheblich. Und dass dies keine Zeitfrage ist, das lässt sich relativ leicht belegen, es sind oft die gleichen Leute, die aber zur gleichen Zeit an anderer Stelle in der GZ Beiträge einstellen und/oder Kommentare schreiben. Ich stehe auch weiter dazu, dass ich es vor allem erstaunlich finde, dass sich auch einige der Linken hier so verhalten, ausgerechnet Linke, für die eine kontroverse Diskussion und ein Streitgespräch der "Normalfall" sein müsste!?

Meine persönlichen Erfahrungen, bin immerhin schon ein paar Jährchen hier dabei = es sind meist die Menschen, die gar nicht mal sooo politisch sind, oder die, mit denen ich kaum gleiche Meinungen habe.... die aber sehr oft und sehr konkret Fragen stellen, Antworten geben... so wie es aus meiner Sicht sein sollte. Vielleicht liege ich da ja auch falsch, aber für mich ( und einige andere Bürgerreporter ) gehört das zum normalen Umgang miteinander...

So, zum Inhalt deiner letzen Mail antworte ich später, jetzt habe auch ich keine Zeit mehr :-) - will auch erstmal abwarten was die Kritiker schreiben... werden die Menschen hier, die leugnen dass wir in einer Klassengesellschaft leben, zufrieden mit deiner Antwort sein? Ich wage es zu bezweifeln...
Kurt Wirth
1.396
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 01.05.2017 um 13:30 Uhr
Die von mir besuchte Maikundgebung hatte bereits um 10.00 Uhr begonnen; man beschränkte sich angenehmerweise auf eine Rede und Musikbeiträge. Inzwischen haben sich die, gemessen an der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder im Einzugsbereich, spärlichen Teilnehmer ins Bierzelt zurückgezogen und das geplante Kinderfest wird wohl bei inzwischen einsetzendem Regen und Kälte nicht viel werden.

Somit habe ich in der warmen Stube den PC eingeschaltet.
Zu der Frage der Rechenschaftspflicht der Beitragsverfasser habe ich gelegentlich schon mal geäußert: Ich sehe einen Unterschied zwischen einer "Zeitung" und einem "Diskussionsforum" oder einem "Blog"; zwischen einem "Reporter" und einem "Kommentator". Es liegt mir fern, z.B. Herrn Schalies von den Zeugen Jehovas unter Druck zu setzen, seine Ausführungen zu verteidigen. Ich kann auch verstehen, daß es bei Berufstätigkeit und irgendwelchen anderen gesellschaftlichen Aktivitäten schwierig sein kann, täglich die gz zu verfolgen.

Mit den grundlegenden Ausführungen in dem Kommentar von Uwe Lennartz gehe ich auch einig. Der Knackpunkt und mein Unbehagen liegt in der Frage, wie kommen die Menschen vom "Bekanntsein" zur "Erkenntnis", von ihrer objektiven Lage zum subjektiven Bewußtsein. Leider haben da auch 70 Jahre Sowjetunion und 40 Jahre DDR nicht sehr viel weiter geholfen. Auch in den Zeiten, wo die Klassenkämpfe zugespitzt waren und im Vergleich zu heute ungleich mehr Menschen ergriffen haben (ich beschränke mich da wieder einmal auf Europa - siehe den derzeitigen Generalstreik in Brasilien, worüber in unseren Medien wenig zu finden ist), wurden die meisten eher durch die Hoffnung auf ein besseres Leben bewegt, als durch marxistische Erkenntnisse. Ich denke da z.B. an die Zeit zwischen 1918 und 1933 in Deutschland oder die Zeit um 1917 herum in Rußland. In Zentren der Textilindustrie in Süddeutschland, die vor 1933 Hochburgen der KPD waren, wandten sich die Arbeiter 1932/33 schlagartig den Nazis zu. Während ihnen z.B. in Penzberg, Hausham, Miesbach die Bergarbeiter des Braunkohleabbaus die Gefolgschaft verweigerten. In jüngerer Zeit war natürlich der Zusammenbruch des realen Sozialismus ein heftiger Schlag ins Kontor der politisch bewußten Arbeiterbewegung.

Zu den Ursprüngen des 1.Mai darf ich noch verweisen auf den wikipedia-Artikel zu den Ereignissen am 1.Mai 1886 in Chicago (interessant ist für mich, daß die sechs zum Tode Verurteilten überwiegend deutsche Familiennamen hatten und Anarchisten eine wichtige Rolle bei den Streiks hatten):

http://de.wikipedia.org/wiki/Haymarket_Riot

Im Jahre 2004 wurde übrigens in Chicago ein neues Denkmal an die Ereignisse am Haymarket errichtet, das neben vielen Illustrationen und dem Denkmal an die sechs Hingerichteten auf einem Friedhof zu sehen ist auf nachstehendem Video (Text leider nicht in deutsch):

http://www.lille.pcf.fr/la-section-de-lille/initiatives-et-vie-du-pcf-lillois/article/le-1er-mai-a-lille
Stefan Walther
4.190
Stefan Walther aus Linden schrieb am 03.05.2017 um 08:43 Uhr
Hallo Uwe, bisher ist ja von den Kritikern nichts weiter gekommen, vielleicht folgt ja noch was auf das man dann eingehen kann...

Deshalb greife ich jetzt nur einen Punkt auf, der mir bisher fehlt, den evt. auch einige Menschen hier vermissen?
= der grundlegende Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, der Hauptwiderspruch zwischen den Interessen der Kapitalistenklasse ( aber auch da gilt es zu differenzieren u.a. zwischen Monopolen und anderen ) und der Arbeiterklasse, dies dürfte ausreichend dargestellt sein.
Nur, das fragen sich ggf. einige, was ist denn mit den vielen anderen Menschen, mit denen, die weder zu der einen noch zu der anderen Klasse zu zählen sind? Also diejenigen, die zu den kleinbürgerlichen Zwischenschichten zählen - sind sie unbedeutend weil sie im Gegensatz zur Arbeiterklasse keiner revolutionären Klasse angehören? So zu denken und zu handeln wäre falsch wenn nicht gar sektiererisch. Die Arbeiterklasse muss ein Bündnis schließen mit den kleinbürgerlichen Zwischenschichten, insbesondere mit der kleinbürgerlichen abhängigen Intelligenz, aber auch mit Selbständigen, Bauern usw. Diese Zwischenschichten gründen zwar ihre Existenz aufgrund der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, aber auch sie werden von den herrschenden Monopolen unterdrückt, ihrer Existenzgrundlage beraubt... und auch ihre Lebensverhältnisse nähern sich immer mehr denen der Arbeiterschaft an, in vielen Fällen sind sie sogar "schlechter" dran als Arbeiter... sie alle haben keine Zukunft im Kapitalismus, viele erkennen dies jedoch nicht und hoffen auf "Karriere, Aufstieg in die Kapitalistenklasse" usw., doch nur einem ganz geringen Bruchteil kann dies gelingen... auch die Zukunft der kleinbürgerlichen Zwischenschichten kann nur im Sozialismus liegen - dafür werden sie jedoch ihren eigenen "Klassenstandpunkt" ( der immer schwankend sein wird ) aufgeben müssen, sie werden sich entscheiden müssen... und diesen "Kampf um die Köpfe führen" ist eine entscheidende Aufgabe im Klassenkampf, denn die kleinbürgerlichen Zwischenschichten sind ( zur Zeit ) die hauptsächliche Massenbasis für die Herrschaft der Monopole...
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Uwe Lennartz

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