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Gorch Fock - unselige Traditionspflege der Bundeswehr

Gießen | Anläßlich des heutigen Gorch-Fock-Themenabends der ARD werde ich zu nachstehenden Ausführungen animiert:

Im Gefolge des damaligen Todes der Kadettin Jenny Böken stand die Fortexistenz des Segelschulschiffes "Gorch Fock" zur Diskussion. Inzwischen fährt dieses wieder als "Botschafter Deutschlands" unangefochten durch die Weltmeere. Doch wes Geistes Kind dieses Schiff eigentlich ist, ist wenig bekannt.

Die aktuelle "Gorch Fock" wurde 1958 in Dienst gestellt und ist ein Nachbau der 1933 bei der Hamburger Werft Blohm und Voss fertiggestellten und von der faschistischen Marine in Dienst genommenen "Gorch Fock". Die ersten Planungen dazu stammten jedoch schon aus den Zeiten der Weimarer Republik.

Diese alte "Gorch Fock" fuhr relativ wenig über die Weltmeere, sondern diente hauptsächlich als in diversen Häfen liegende Unterkunft bzw. Kaserne. 1945 wurde sie vor Rügen von der deutschen Marine vor dem Herannahen der Roten Armee selbst versenkt. 1948 von der sowjetischen Marine gehoben, wieder instandgesetzt und als "Towaritsch" (Brüderchen, Genosse) als Schulschiff eingesetzt. Als solches war es z.B. noch im Jahre
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1991 im Hamburger Hafen zu Gast. 1993 ging es an die Ukraine und mußte dann 1995 wegen Geldmangels stillgelegt werden. Über mehrere Stationen gelangte es nach Stralsund, wo es als nicht betriebsfähig renoviert wurde und heute wieder unter dem Namen "Gorch Fock" als Museumsschiff im Hafen liegt.

So weit zu alter und neuer "Gorch Fock". Wenig bekannt ist, daß 1936 ein baugleiches Schiff von der deutschen Marine als "Horst Wessel" in Betrieb genommen wurde. Dieses wurde 1946 von den USA requiriert und dient heute noch unter dem Namen "Eagle" als Schulschiff der US-Coastguard. Weiterhin wurde 1938 das ebenfalls baugleiche Schulschiff "Albert Leo Schlageter" - wie Horst Wessel ein "Nazi-Held"- in Betrieb gestellt. Dieses ging als Kriegsbeute über das siegreiche Großbritannien, das damit nichts anfangen konnte, 1948 an Portugal und schwimmt noch heute als Schulschiff "Sagres" über die Meere.

"Gorch Fock" war das Pseudonym des Schriftstellers Johann Wilhelm Kinau aus Hamburg Finkenwerder, der - mit einigen Hindernissen - seinem Wunsch entsprechend im Ersten Weltkrieg in die kaiserliche Marine gelangte und 1916 in der Skagerrakschlacht sein Leben verlor. Er schrieb überwiegend in plattdeutscher Mundart und sein bekanntestes Werk "Seefahrt tut not" paßte par Excellence in die Zeit der maritimen Großmachtsbestrebungen und Flottenrüstung Ende des 19./Angang 20.Jahrhunderts. Die Zeit, in der kleine Kinder Matrosenanzüge verpaßt bekamen. Die Nationalsozialisten konnten mit ihrem Nationalismus und Chauvinismus daran nahtlos anknüpfen.

Es bleibt ein ewig Rätsel (oder auch eben überhaupt keines), warum die Bundeswehr keinen anderen Namen für ihr erstes Schulschiff finden konnte. Da ist nur ein schwaches Gegengewicht, daß es im Eckernförder Hafengelände ein "Kranzfelder Ufer" gibt, benannt nach einem Korvettenkapitän, der bei der 20.Juli Aktion 1944 mit Graf Stauffenberg zusammenarbeitete und hingerichtet wurde. Ein Stolperstein in Kempten (Allgäu) erinnert an ihn.

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.175
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 09:43 Uhr
Der Artikeleinsteller schrieb:

(....)

"Es bleibt ein ewig Rätsel (oder auch eben überhaupt keines), warum die Bundeswehr keinen anderen Namen für ihr erstes Schulschiff finden konnte."

(....)

Bei den im Moment in der BRD herrschenden Kreisen ist mir das überhaupt kein Rätsel. Sollten linke Kräfte einmal "das Ruder übernehmen" (um im Sprachgebrauch der Schiffahrt zu bleiben) so wird es entweder keine Marine mehr geben oder falls doch die Schiffe nach den standrechtlich erschossenen Matrosen des Kieler Matrosenaufstandes benannt werden.
Karl-Ludwig Büttel
3.360
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 06.04.2017 um 10:09 Uhr
Dann heisst das Schiff "Brüderchen Stalin" und wird in der Leninwerft gebaut.

Aber bevor Linke Kräfte das Ruder übernehmen vertrocknen die Meere.....das kann aber noch ein paar Millionen Jahre dauern
Wilfried Bucher
197
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 10:10 Uhr
Herr Wirth,

Seefahrt IST not!

Zitat Wikipedia:

1913 erschien sein bekanntestes Werk, der hochdeutsche Roman mit plattdeutschem Dialog „Seefahrt ist not!“, in dem das Leben der HOCHSEEFISCHER auf Finkenwerder in heroisierender Weise beschrieben wird.

und weiter unten:

Die spätere Vereinnahmung seiner Werke durch die Nationalsozialisten, bei der u. a. sein Cousin Hinrich Wriede mitwirkte, führte dazu, dass der Autor als Kriegsverherrlicher und Wegbereiter des Nationalsozialismus wahrgenommen wurde. Günter Benjas Biografie des Schriftstellers weist jedoch nach, dass Gorch Fock zwar unbestreitbar ein Nationalist war, aber keineswegs Rassist oder Antisemit.


Herr Wagner,

wenn Sie dann noch weitere Namen für Ihre neue gloreiche sozialistische Marine brauchen werden Sie hier fündig:

Zitat aus dem Artikel "Die Wahrheit über Stalins Massaker" der Frankfurter Rundschau vom 17.06.2013:

Am 5. März 1940 schreibt der Chef des berüchtigten Geheimdienstes NKWD, Lawrentij Berija, an Josef Stalin persönlich. Er fordert die Erschießung Zehntausender polnischer Gefangener, weil diese allesamt Feinde des Sowjetregimes seien.
Noch am selben Tag beschließt das Politbüro, Berijas Vorschlag zu folgen. Die einzelnen Fälle sollten auf der Basis von Listen der regionalen NKWD-Einheiten ausgewählt und die standrechtlichen Erschießungen von einer Troika aus Geheimdienst-Funktionären angeordnet werden - ohne Gerichtsverfahren, ohne weitergehende Untersuchungen, ohne Anhörung der Gefangenen. Der Befehl ist von allen Mitgliedern des Politbüros unterzeichnet - auch von Stalin selbst.
Die Massenerschießungen erfolgen im April und Mai 1940. Mehr als 4400 Gefangene werden in der Nähe von Smolensk, im Wald von Katyn erschossen und in Massengräbern verscharrt. 3.820 Menschen aus dem Gefangenenlager Starogbelsk sterben in der Nähe von Charkow, 6.311 werden in Ostaschkow ermordet, 7.305 in weiteren Lagern und Gefängnissen in der Ukraine und Weißrussland.
Kurt Wirth
1.233
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 11:03 Uhr
Ich weiß nicht, warum Sie, Herr Büttel und Herr Bucher, nun mit Stalin kommen, wenn Herr Wagner von Angehörigen des Matrosenaufstands spricht. Man informiere sich internetmäßig z.B. über Max Reichpietsch und Albin Köbis. Auch wenn noch keine Schiffe der Bundesmarine nach ihnen benannt wurden, andere Formen des Gedenkens erfuhren sie bereits.

Selbstverständlich konnte Kienau kein Nationalsozialist gewesen sein, da er ja 1916 starb. Ihre Ausführungen hierzu, Herr Bucher, stehen zu den meinen nicht im Widerspruch.
Wilfried Bucher
197
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 11:24 Uhr
... bei "den Linken" bietet sich Stalin einfach an, wahlweise aber auch Castro, Pol Pot, Kim Jong-il, Nicolae Ceausescu u.a. und Herrn Wagners zukünftige "linke Kräfte" werden einen weiteren Namen der Liste hinzufügen.

Wenn Kienau/Fock kein Nationalsozialist war, warum sollte dann ein solch beliebter/bekannter norddeutscher Heimatschriftsteller nicht mit einem Schiffsnamen geehrt werden.

Unabhängig davon können doch Widerstandskämpfer mit weiteren Schiffsnamen belohnt werden.
Karl-Ludwig Büttel
3.360
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 06.04.2017 um 11:28 Uhr
Er spricht von Linken Kräften Herr Wirth....und das diese das Ruder übernehmen.....der Matrosenaufstand taucht erst im Nebensatz auf. Hätte er seinen Herrschaftram weggelassen wäre es ein Recht vernüftiger Kommetar gewesen und hätte keine Reaktion hervorgerufen. So war es wieder das ewige lammentieren wie man es von Herrn Wagner kennt.
Kurt Wirth
1.233
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 12:23 Uhr
Wie Sie ja auch selbst ausführten, Herr Bucher, wurde Gorch Fock unter Mitwirkung seines Cousins von den Nationalsozialisten vereinnahmt (bei der Taufe des Schiffes 1958 sprach sein Bruder die Taufrede und dessen Tochter nahm die Taufe vor). Und daß das Schiff 1933 nur auf Grund seiner Beliebtheit als Heimatdichter nach ihm benannt wurde, ist wohl schwer zu glauben. Und der identische Nachbau und Indienststellung 1958 unter demselben Namen, ohne daß eine entsprechende Distanzierung bekannt wäre, macht doch deutlich, daß es auch in diesem Fall, wie auch bei vielen Kasernennamen, die inzwischen zum großen Teil auch reuevoll verschwanden, um die Einbindung der alten politischen Kräfte ging, die den Krieg überdauerten.

Inzwischen scheint die "Gorch Fock" übrigens technisch so marode zu sein, daß eine Abwrackung diskutiert wird. Sie liegt seit einem Jahr auf der Werft. Anfang März berichteten die Medien, daß das Verteidigungsministerium die Charter des rumänischen Schulschiffes "Mircea" in Erwägung zieht, das 1938 (!!!) ebenfalls bei Blohm und Voß in derselben Baureihe gebaut wurde.
Wilfried Bucher
197
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 13:30 Uhr
Möglicherweise haben Sie recht und Strauss suchte nach einem Namen der unverdächtig war, aber auch einen gewissen Bezug zum Nationalsozialismus hatte, nur warum ist das heute wichtig?

Seit über 50 Jahren ist das Schiff nun unterwegs und niemand kam auf die Idee, dass damit der Nationalsozialimus verklärt wird.
Ingrid Wittich
19.359
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 06.04.2017 um 14:05 Uhr
"Ein ewig Rätsel" wollte eigentlich ein ganz anderer Herr sein. Das wissen Sie doch ganz bestimmt, Herr Wirth
Rainer Arnheiter
28
Rainer Arnheiter aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 14:42 Uhr
Allmächtiger... ...diese Schaluppe sah unter vollen Segeln immer ganz eindrucksvoll aus; ansonsten war - und ist - sie überflüssig wie 'n Kropf. Zumal: Unsere oberste Kriegsherrin rekrutiert jetzt "Cyber-Soldaten". Ohne die neckischen Matrosenanzüge von anno dunnemals... *lach* :-)
Kurt Wirth
1.233
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 19:28 Uhr
@Frau Wittich: Ja, König Ludwig II. hat sich gut bezahlen lassen, daß er sich aus dem ganzen Sch... heraushielt und lieber Wagner und Bayreuth gefördert und die Schlösser gebaut hat. Eigentlich ein sehr sympathischer Pazifist.

@Herr Bucher: Es ist nicht ganz egal, wie mit den Namen in solchen Dingen umgegangen wird. Nehmen wir z.B. Carl Diem, der sowohl im Faschismus, wie auch in der jungen Bundesrepublik eine wichtige Persönlichkeit im Sport war. Kein Mensch dachte zu seinen Lebzeiten daran, ihn kritisch zu sehen. Landauf, landab wurden Straßen, Wege, Turnhallen nach ihm benannt. Inzwischen gibt es diese Bezeichnungen mit wenigen Ausnahmen vielleicht, nicht mehr. Es bedarf zum ersten einer gründlichen Erforschung der Tätigkeit und der Stellung im gesellschaftlichen Leben des Betreffenden zur jeweiligen Zeit. Dann einer Diskussion in Kreisen, die solchen Dingen gegenüber aufgeschlossen sind und denen eben nicht alles egal ist. Dies betrifft Straßen und Plätze ebenso, wie Kasernennamen, Schiffsnamen, Ehrenbürger (gerade auch in Gießen aktuell) etc. Und wenn nun ein Schiffsname wie "Gorch Fock" einmal mit sehr fragwürdigem Hintergrund vergeben wurde (1933) und ein anderes Mal in einer vorgeblich ganz neu orientierten Situation, so bedarf das zumindest einer plausiblen Begründung.

(Zum Straßennamen Carl Diem: in Kempten (Allgäu) wurde aus dem Carl-Diem-Weg, benannt nach dem Wendefunktionär, der Karl-Diem-Weg, benannt nach dem ersten SPD-Kreisvorsitzenden nach dem Krieg. Übrigens auf Vorschlag der CSU. Auch eine elegante Lösung).
Wilfried Bucher
197
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 21:16 Uhr
Was Grundsätzliches Herr Wirth,

Je länger der Faschismus zurückliegt umso mehr steigert sich der Furor mit dem heute Ponyhofbewohner, manchmal auch als Gutmenschen bezeichnet, ihren Kampf gegen Tote intensivieren.

Kein Mensch weiß welche Rolle er im dritten Reich gespielt hätte, aber jeder glaubt er wäre selbstverständlich im Widerstand heldenhaft gestorben. Das Milgram- oder Stanford-Prison-Experiment, sowie das reale Verhalten der vielen Stasi- und Gestapospitzel zeigt aber sehr deutlich wie schwer es ist, sich dem Zeitgeist zu widersetzen.

Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein.” Kurt Tucholsky.

Heute fühlen sich die Hypermoralisten berufen, den Dichtern, Geistlichen, Militärs und Politikern vergangener Zeiten ihre Kriegsbegeisterung, ihren Sexismus, ihren Antisemitismus, ihren Rassismus, ihre Sklavenhaltung und mangelnde Toleranz gegen alles und jeden vorzuwerfen.
Wegen fehlender Gendersternchen kommen in Kürze Goethe und Schiller auf den Index. Aktuell ist Luther an der Reihe und seine heute abstoßenden Texte waren zu seiner Zeit gewiss akzeptiert. Man muss keinen der Verfehlenden mögen, sollte im Urteil aber auch immer bedenken, dass wir als soziale Wesen auf die Gruppe angewiesen sind und früher sicherlich in einem heute unvorstellbarem Ausmaß.

Zukünftige Menschen entsetzen sich evtl. über Ihren Fleischverzehr und das Befürworten einer Abtreibung lässt die Nachkommen ob solcher Grausamkeiten vielleicht erschaudern.

Zurück zu Fock, Diem und Anette Kahane. Statt sich an den Toten abzuarbeiten, sollten sie lieber der heute wieder agierenden ehem. Stasimitarbeiterin den Kampf ansagen, aber da sind wir wieder bei Tucholsky.
Kurt Wirth
1.233
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 23:31 Uhr
Das ist nun etwas widersprüchlich, Herr Bucher. Einerseits anerkennen Sie mit Tucholsky, die Dinge kritisch zu betrachten und gegen Fehlentwicklungen anzugehen, andererseits propagieren Sie einen Laisser-faire- und Enthaltsamkeitsstandpunkt. Außer im Fall von Anette Kahane. Da brauche ich mich aber nicht groß einzuklinken, die wird schon genügend bearbeitet von der rechten Flanke und vor allem werden ja für die Aufarbeitung der Stasi-Akten enorme staatliche Mittel zur Verfügung gestellt. Das ist z.B. beim "Arbeitskreis angreifbare Traditionspflege" oder "Initiative gegen falsche Glorie" nicht der Fall.

Ich äußere mich nicht nur kritisch über Tote, sondern auch über Gegenwärtige und vor allem gegenwärtige Zustände. Wenn auch nicht gerade in diesem Beitrag. Zudem ist es durchaus sinnvoll, sich stets von neuem über historische Vorgänge auseinanderzusetzen, mit dem Spartacusaufstand im alten Rom wie dem Matrosenaufstand in Kiel. Und auch mit Luther, Goethe und Schiller.
Wilfried Bucher
197
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 07.04.2017 um 08:24 Uhr
Vielleicht interpretieren wir da Tucholsky unterschiedlich. Ich lese es auch als Erklärung, Rechtfertigung oder Entlastung des Menschen in seiner Abhängigkeit vom jeweiligem Zeitgeist. Wenn „nichts schwerer ist als“ kann man es realistisch auch kaum erwarten.

“Wenige sind imstande, eine von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinung gelassen auszusprechen; die meisten sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu gelangen.”
Albert Einstein

Einen Laisser-faire-Standpunkt oder besser einen nicht Wertenden, leiste ich mir gerne gegen Verstorbene die sich nicht mehr rechtfertigen können und in deren Gedankenwelt/Umwelt ich mich -in Abhängigkeit zur zeitlichen Ferne- nicht hineinversetzen kann.

Heute verlangt der Zeitgeist mit der Vergangenheit gnadenlos abzurechnen. Das erfordert keinerlei Anstrengung, kein Nachdenken und keinen Mut, aber erhöht das eigene Ego und Ansehen in der Schafherde.

Noch einmal Einstein
Um ein angesehenes Mitglied einer Schafherde zu sein, muss man vor allen Dingen ein Schaf sein“.

Kahane kann ihr schmutziges Treiben ungeachtet aller Proteste fortsetzen, dafür sehen wir großartige Erfolge beim Umbenennen von Straßennamen.
Nicole Freeman
7.651
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 07.04.2017 um 10:09 Uhr
ich finde das schiff wunderschön und ein stück unserer geschichte, das es zu erhalten gibt. ob nun als schulschiff oder kreuzfahrer ist mir egal. hauptsache die segel im wind und wasser unterm kiel
Karl-Ludwig Büttel
3.360
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 07.04.2017 um 10:24 Uhr
Eine einfache und ehrliche Antwort zu dem Thema. Ich seh das ganz genauso Frau Freeman.
Das weshalb und warum und wer es wann gebaut oder vom Stapel gelassen hat ist mir so wichtig wie wenn China ein Sack Reis umfällt.
Kurt Wirth
1.233
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 07.04.2017 um 10:55 Uhr
So wie's nun aussieht, wird die Gorch Fock II weder als Schulschiff, noch als Kreuzfahrtschiff weiter unterwegs sein; allenfalls als weiteres Museumsschiff.
Karl-Ludwig Büttel
3.360
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 07.04.2017 um 11:03 Uhr
Mal abwarten der RV sucht Sponsoren in der Vergangenheit ist das ab und an mal gelungen.
Kurt Wirth
1.233
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 07.04.2017 um 11:16 Uhr
Der Schönheit von Seglern kann ich mich auch nicht verschließen. Da ich meine letzten 16 Berufsjahre in Hamburg verbrachte (noch dazu bei einer Versicherung, die sich speziell mit Transport und Schifffahrt befaßte), habe ich jede Menge Dias von folgenden - aktiven Seglern- in den Koffern: Gorch Fock II, Towaritsch, Mir, Khersones, Krusenstern, Amerigo Vespucci, Sedov, Gloria, Staatsrad Lehmkul, Sea Cloud II - vielleicht habe ich auch noch welche vergessen. Mitgefahren bin ich nirgends, das eine oder andere besichtigt.
Martin Wagner
2.175
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 09.04.2017 um 09:22 Uhr
Am 6.4. schrieb Herr Büttel zu einem Kommentar von mir:

(....)

"Dann heisst das Schiff "Brüderchen Stalin" und wird in der Leninwerft gebaut."

(....)

Herr Wirth (auch 6.4.) verwies darauf, dass es bei den erschossenen Aufständigen z.B. um Reichpietsch und Albin sich gehandelt hat. Es wäre besser gewesen, wenn mir beim Abfassen des ersten Kommentars diese Namen wieder eingefallen wären.

Also, wenn wir schon eine Marine brauchen, dann Schiffe nach diesen Revolutionäre benennen.

("Nach Stalin" kam und kommt mir bestimmt nicht in den Sinn.)

https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Reichpietsch

https://de.wikipedia.org/wiki/Albin_K%C3%B6bis
Kurt Wirth
1.233
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 09.04.2017 um 10:22 Uhr
Es sei noch ergänzend darauf hingewiesen, daß die beiden Vorgenannten bereits im Jahr 1917 aktiv waren. Auf dem Höhepunkt der Aktionen ab November 1918 wurden sehr viel mehr Menschen auf den Straßen erschossen, hingerichtet etc. Die Militärangehörigen wurden später in einer Gedenkstätte auf dem Nordfriedhof in Kiel bestattet, die zivilen Opfer (es schlossen sich ja bald Arbeiter den Aufständischen an) in einer auf dem Friedhof Eichhof.
Peter Herold
25.140
Peter Herold aus Gießen schrieb am 10.04.2017 um 09:07 Uhr
So wie es aussieht wird nun doch die Gorch Fock fertiggestellt. Es wurden ja auch bereits etwa 12 Millionen investiert und sie soll dann bis 2030 weiter der Ausbildung seemännischem Nachwuchs zur Verfügung stehen.
Warum wegen der 2 Todesfälle, einer ungeklärt, soviel Aufhebens gemacht wird? Im sogenannten Kampfeinsatz der BW sind in den letzten Jahren wesentlich mehr zu Tode gekommen.
Da müsste der Hebel angesetzt werden.
Wie hieß nach dem Zweiten Weltkrieg so schön? "Nie wieder Krieg." Schon vergessen?
Soviel ich weiß ist die Gorch Fock für einen Kampfeinsatz nicht vorgesehen.
Kurt Wirth
1.233
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 10.04.2017 um 22:08 Uhr
Die beiden Fernsehsendungen waren für mich der Anlaß für meinen Beitrag. Ich bin aber bewußt nicht auf diesen einen (oder die zwei) Todesfälle eingegangen. Nebenbei: beim Untergang des U-Boots Hai im September 1966 nordwestlich von Helgoland gab es 19 Tote. Nach den 15 Toten bei der Durchquerung der Iller bei Kempten anno 1957 der größte Treffer. aber wie gesagt, das war nicht mein Thema.

Ich wollte den geistig-ideologischen Background der Namensgebung für die alte und neue Gorch Fock in Zusammenhang stellen zu den 65 Millionen Toten des zweiten Weltkriegs und den 17 Millionen Toten des ersten Weltkriegs.
Peter Herold
25.140
Peter Herold aus Gießen schrieb am 10.04.2017 um 22:19 Uhr
Für mich wurde der Name des 'Dichters' vom damaligem System einfach missbraucht, weil dem Deutschen Volk bekannt. Im Gegensatz zu den Namensgebern der Schwesterschiffe war 'Gorch Fock' ja keine Nazigröße.
Hallo Lieber Leser
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