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Aufs Neue: Tanzen gegen das Tanzverbot!

Gießen | Alle Jahre wieder beschert uns Karfreitag das Tanzverbot und die entsprechenden Diskussionen darüber. Folgende Statements hört man immer wieder: "Wer tanzen will, kann auch arbeiten gehen!", "Gibt es denn nichts Wichtigeres" oder "Einmal im Jahr kann man ja auch mal zu Hause bleiben!"
Uns geht es dabei jedoch nicht um das Tanzen selbst: Unser Augenmerk liegt auf einer richtigen Novellierung des hessischen Feiertagsgesetzes [1] - statt nur der Entfernung der Befristung wie im Jahr 2012.

Die Vorgeschichte

2012 hatten Mitglieder der Piratenpartei, u. a. in Gießen, Frankfurt und Hannover, schon Demonstrationen gegen diese Problematik angemeldet - sie wurden jedoch von den jeweiligen Ordnungsbehörden verboten und dieses Vorgehen wurde von den Gerichten bestätigt.

Die Stadt Gießen hatte damals beschlossen, uns gewähren zu lassen - nach einem Veto des (eigentlich unbeteiligten) Regierungspräsidenten erfolgte jedoch ein erzwungenes Verbot. Die eingereichte Verfassungsbeschwerde (1 BvR 1520/14) gegen die gerichtliche Bestätigung wurde durch das Bundesverfassungsgericht nicht angenommen.

Nun beschloss eben jenes Bundesverfassungsgericht in einem im November 2016 veröffentlichen Beschluss, dass der strenge (christliche) Karfreitagsschutz des bayerischen Feiertagsgesetzes verfassungswidrig sei (1 BvR 458/10) [2] und erklärte das Feiertagsgesetz in Teilen für nichtig. Es stellte fest, dass zwar ein "Verbot von öffentlichen Tanzveranstaltungen", so die gesetzlich genaue Bezeichnung, vom Gesetzgeber erlassen werden darf, jedoch Demonstrationen am Karfreitag, die eine Abschaffung fordern, unter dem Schutz der Versammlungsfreiheit stehen und ein wesentliches Element „demokratischer Offenheit“ sind.

Und heute...

Da dies genau unserer damaligen Argumentationslinie entspricht, werden wir in diesem Jahr wieder eine Demonstration durchführen - diesmal mit dem indirekten Segen des Bundesverfassungsgerichtes. Um aufzuzeigen, dass es uns um die Sache geht und nicht um eine Glaubenskonfrontation, wählen wir allerdings diesmal statt des Kirchenplatzes den Kreuzplatz (Kugelbrunnen).

Wir sind gespannt, wie sich Regierungspräsidium und hessische Gerichte diesmal positionieren und ob sie ihre Fehler aus 2012 wiederholen werden.
Den Prinzipien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung - inklusive den Grundrechten auf Versammlungs- und Religionsfreiheit - folgend, darf es nicht sein, dass sich eine legitime Diskussion über die Ausgestaltung des Feiertagsschutzes nach dem Gusto eines Regierungspräsidenten zu richten hat.

Einen weiteren thematischen Schwerpunkt werden wir auf die, neuerdings von hessischer CDU und Kirchenverbänden geforderte, Erweiterung der Präambel der hessischen Landesverfassung um einen expliziten Gottesbezug setzen. Das im Jahr 2012 erfolgte Verbot unserer Demo wurde unter anderem mit einem ebensolchen Bezug im deutschen Grundgesetz gerechtfertigt.

Wie wir Piraten das sehen

Die Piratenpartei setzt sich für eine strikte Trennung von Staat und Kirche ein: Gerichte sprechen Urteile im Namen des Volkes und nicht im Namen Gottes aus. Glauben ist nach unserer Auffassung Privatsache und genießt dort auch ihren grundrechtlichen Schutz - aber eben nicht exklusiv. Sollte ein expliziter Bezug auf "Gott" in die hessische Landesverfassung aufgenommen werden, bekämen wir die Katze im Sack: Dann wären alle Bürgerinnen und Bürger Hessens - christlich oder nicht - von einer möglichen Rechtsprechung "im Namen des Herrn" betroffen.
Eine solch fragwürdige Bevormundung wird insbesondere auch von konservativen Kreisen in anderen Fällen immer wieder abgelehnt. Man denke hier nur an den 2013 von B'90/Grüne geforderten "Veggie Day", der vehement bekämpft wurde.

Im 21. Jahrhundert muss es selbstverständlich sein, dass Menschen nach ihren individuellen Vorstellungen leben können, solange sie dabei nicht die Freiheit Anderer einschränken. Deshalb fordern wir auch dieses Jahr aufs Neue: Tanzen gegen das Tanzverbot! Karfreitag, Gießen, Bahnhofsvorplatz, 18.30 bis 20 Uhr.

[1] http://www.tanzen-gegen-tanzverbot.de/wp-content/uploads/sites/3/2017/04/120404_Gesetzestext_a4.pdf
[2] https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2016/10/rs20161027_1bvr045810.html

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Kommentare zum Beitrag

Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 04.04.2017 um 19:02 Uhr
Selbst Jesus konnte man nur mit ganz drastischen Maßnahmen vom tanzen abhalten.
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 05.04.2017 um 09:04 Uhr
Die fast unendliche Geschichte.
Elke Jandrasits
539
Elke Jandrasits aus Buseck schrieb am 05.04.2017 um 12:22 Uhr
Konsequenterweise müssten bei einer strikten Trennung von Staat und Kirche alle Feiertage, die christlichen Ursprungs sind, gestrichen werden. Komischerweise setzt sich dafür niemand ein. Auch den arbeitsfreien Sonntag wollte noch niemand abschaffen.

Tanzen ist übrigens auch am Karfreitag nicht verboten; lediglich öffentliche Veranstaltungen sind nicht erlaubt. Ruhezeiten sollte man unabhängig davon einhalten.

Also freut euch, dass arbeitsfrei ist, Kopfhörer auf und abtanzen :-D
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 05.04.2017 um 12:42 Uhr
Es geht dem Verfasser sicher nicht ums Tanzen. Ihn stört es glaube ich eher der Zwang.
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 05.04.2017 um 13:14 Uhr
Die Feiertage sind gesetzliche Feiertage. Es ist eigentlich auch völlig egal ob man sich dabei auf den christlichen oder vorchristlichen Hintergrund bezieht. Der Sonntag gehört übrigens auch zu den kleinen Ideen die durch das Christentum und die Kirche aus älteren Religionen und Bräuchen übernommen wurden.
Von "christlichen Feiertagen" zu sprechen ist demnach Blödsinn.
Man müsste also auch die Feiertage nicht streichen sondern könnte sie einfach umwandeln. Wer diese gemäß dem lithurgischen Kalender nehmen will kan das tun, den anderen Arbeitnehmern könnte man die Wahl offen lassen.
Wieso soll man eigentlich Kopfhörer tragen und auf öffentliche Veranstaltungen verzichten? Es geht nicht ums Tanzen, es geht um dei Tatsache dass sich der Staat hier nicht neutral verhält. Es kann nicht sein dass eine Religion bestimmt wie ein Nichtgläubiger oder Andersgläubiger seinen Tag verlebt. Ich habe mit Jesus nix am Hut soll mich aber für ihn einschränken.
2.114
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 09:44 Uhr
Eine völlige Trennung von Staat und Religion gibt es zum Beispiel in den USA und als einzigem europäischen Staat Frankreich. In keinem dieser Staaten ist die Religion deshalb in irgend einer Weise unterdrückt .
Die meisten europäischen Staaten sind säkular, das heißt, sie ermöglichen eine gewisse Zusammenarbeit von Kirche und Staat. Bei weltanschaulicher Neutralität müssten eigentlich alle Religionen gleiche Rechte haben.
Ich glaube aber, dass in kaum einem westeuropäischen Land die christlichen Kirchen solche Privilegien genießen wie bei uns.
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 10:19 Uhr
.... eine gewisse Zusammenarbeit ... Der Vorteil für die Kirchen, sie brauchen sich um die Beiträge ihrer Mitglieder nicht zu kümmern.
Nur welchen Vorteil hat denn der Staat davon, denn ohne einen Vorteil zu haben, nimmt er doch nicht das Geldeintreiben und Abführen vor.
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 10:59 Uhr
Der Staat hat keinen Vorteil. Er bekommt zwar ein Entgeld für seine "Inkassotätigkeit", im Durchschnitt 3% der Kirchensteuerreinnahmen, im Gegenzug verzichtet er aber auch auf Geld durch die steuerliche Absetzbarkeit der Kirchensteuer.
Warum macht er das? Das haben halt die Nazis so eingeführt und hey da war ja auch nicht alles schlecht ;).
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 11:07 Uhr
Wenn das die NAZIS waren dann sollte es abgeschafft werden.
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 11:09 Uhr
Herr Herold sie sollten mal nach Reichskonkordat googeln. Da stehen noch weitere Schweinereien drin die man mit Hitler ausgeklüngelt hat.
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 11:23 Uhr
Geht es momentan nicht ums Tanzen?
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 11:27 Uhr
Lenken sie doch nicht wieder ab. Nein, es geht nicht ums Tanzen. Es geht um die noch immer nicht saubere Trennung von Kirche und Staat. Aber anhand des Tanzverbotes kann die Problematik einfach auch für den Einsteiger sehr gut verdeutlichen.
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 12:42 Uhr
Dazu gibt es auch Förderungen für Kirchen- und Katholikentage. Auch wenn diese dank einer Protestaktion (www.11tes-gebot.de) jetzt mehr hinterfragt werden.
Und ganz aktuell wurde ein Antrag der Linken abgelehnt mal die Staatsleistungen zu überprüfen um sie in weitern Schritten abzulösen. Das ist ein Verfassungsauftrag der nahezu seit 100 Jahren bereits besteht.
2.114
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 12:57 Uhr
Genau das habe ich kürzlich in einer Rundfunksendung auch gehört.
Mit einer letzten Ablösezahlung sollte diese zweihundertjährige Verpflichtung eigentlich erlöschen.
Warum das nicht geschieht? Die Höhe dieser Zahlung wird auf etwa 20 Milliarden Euro beziffert!
Wie man auf eine solche Zahl kommt, ob die Kirche darauf besteht, oder
ob es sich um eine Art vorauseilenden Gehorsams gegenüber der Kirche handelt, wurde nicht gesagt.
Ich denke, wenn man die tatsächlichen Kosten der Enteignungen den bisher
erfolgten Zahlungen, die ja in letzter Zeit jährlich höher wurden, gegenüberstellt, müsste man eher zu dem Schluss kommen, dass schon längst zu viel bezahlt wurde.
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 13:13 Uhr
Was glaubt die Kirche eigentlich müsste sie heute zurückzahlen? Die haben ja selbst ihren Reichtum zusammengeklaut. Außerdem ist diese ganze Geschichte mit der Enteignung auch ein bisschen dubios. Die betreffenden Gebiete waren weitestgehend nicht Eigentum der Kirche sondern Reichlehen. Und was Einrichtungen der Seelsorge und Wohlfahrt anging wurden diese nicht angerührt.
Etwaig betroffene Bischöfe sollten zwar eine Entschädigung erhalten allerdings nicht ewiglich osndern nur bis zu dem Tode.
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 13:50 Uhr
Das besondere Kirchgeld, auch so eine Sauerei. Genau wie die teilweise horrenden Gebühren beim Kirchenaustritt. In Gießen sind das jetzt 30€. Seinen Austritt erklären kann man beim Stadtbüro. ebenfalls beim stadtbüro könnte man auch seinen Wohnsitz ummelden. Der Verwaltungsaufwand wäre in etwa gleich, aber für die Ummeldung entstehen keine Kosten. Ein Wiedereintritt in die Kirche ist ebenfalls ohne Zahlung einer Gebühr möglich.
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 13:56 Uhr
Wer kassiert die 30 €? Kirche oder Stadt?
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 14:07 Uhr
Wer kassiert die 30 €? Kirche oder Stadt? Nur mal als Randbemerkung. Mich stört es schon seit Jahen diese Praxis des Einzugs der als Kirchensteuer deklarierten Mitgliedsbeiträge der Kirchen. Ich fände es wahrhaftiger und glaubensbezogener denn die Beiträge direkt an die Kirchen entrichtet würden.
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 14:10 Uhr
Warum geht man dann nicht gegen den Gesetzgeber vor? Wenn die Kirche nichts dafür kann.
2.114
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 15:02 Uhr
Stimmt. Aber der Einzug der Kirchensteuer durch den Staat ist eine deutsche Spezialität. Das gibts sonst nirgends Auch hier gilt: Was die Kirchen einmal haben, geben sie nicht mehr her. Freiwilliig tun sies nicht, und der Staat traut sich nicht, etwas von ihnen zu fordern.
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 16:20 Uhr
Wenn die Kirche ehrlich wäre würde sie die Verträge die sie mit Hitler geschlossen hat aufkündigen und neu verhandeln. Aber die Kirche weiß auch dass sie sich dabei wesentlich schelchter stellt. So sieht es aus. Die nehmen was sie haben und halten die Schnauze.
Es wird übrigens teilweise zugegeben dass diese Austrittsgebühren als Hemmnis extra hoch angesetzt werden. Das geht bis zu 60€. Herr Herold, stellen sie sich doch nicht so dumm zu glauben das wäre nicht im Interesse der Kirchen.
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 18:27 Uhr
Ich bin nicht dumm lieber Herr Schmidt. Aber die Ehrlichen sind in Augen mancher Menschen die Dummen. Ich kann mich jedenfalls im Spiegel anschauen.
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 18:31 Uhr
Bla bla bla, so ehrlich scheinen sie nicht zu sein wenn sie jedesmal solche Nebelkerzen abwerfen. Sie glauben doch nicht im Ernst die Kirche würde sich mit Händen und Füßen gegen diesen traumhaften Service der Finanzämter wehren ihnen ihr Geld einzutreiben oder Menschen mit obskuren Gebühren Steine in den Weg aus der Kirche zu legen.
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 19:22 Uhr
Das habe ich nie behauptet. Im übrigen Anfang der 60-iger, hatte ganz neu den Füherschein bekam ein Auto geliehen. Da wurde ich mit dem Tanzverbot konfrontiert. Ich hatte von der Regelung keine Ahnung, wollte mit.meiner Freundin zum Tanzen. Eventuelll hängt mir das noch nach. Heute ist es mir egal. Ich tanze nicht mehr.
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 19:27 Uhr
Herr Herold, sie stellen sich wirklich bewusst dumm, wollen es nicht verstehen oder sind einfach in ihrer ignoranten religiösen Selbstgefälligkeit gefangen. Es geht nicht um das Tanzverbot sondern um die einseitige Interessenwahrung der Kirchen durch den Staat.
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 20:37 Uhr
Dann nennen Sie das Kind beim Namen und bringen Sie das Thema dort vor wo es hingehört. Hier ist es purer Populismus.
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 20:43 Uhr
Was ist daran bitte Populismus? Um daran was zu ändern muss man übrigens erstmal informieren. Wenn sie das Populismus nennen stellen sie sich ein geistiges Armutszeugnis aus.
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 22:39 Uhr
Ich meinte warum immer das Tanzen am Karfreitag rausstellen. Wenn schon informieren dann all die Punkte die Sie hier anführen. Das mit vernünftigem Titel. Dann kann man sich informiert fühlen.
Hier haben gerade mal vier Personen mehr oder weniger ihre Meinungen ausgetauscht, mit teilweise nicht gerade schmeichelhaften Anwürfen. Dies aber nur sehr einseitig.
Sie werden von mir zu diesem Beitrag nichts mehr lesen. Ein frohes Osterfest.
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 06.04.2017 um 22:52 Uhr
Warum man das jedes Jahr mit Karfreitag verbindet? Weil man damit ein gut nachvollziehbares Beispiel hat. Man muss erstmal für das Thema sensibilisieren, dann kann man in die Details gehen.
Und wenn sie die Argumentation einseitig finden, dann bringen sie Gegenargumente. Wenn sie Arguemnte dafür haben warum die Kirche weiterhin Verträge aus dem Nationalsotzialismus erfüllen will, sich mit fadenscheinigen Begründungen jedes Jahr Leistungen erschleicht, sich ihre Glaubensfeste finanzieren lassen will, sich von Nichtgläubigen Ehepartnern aushalten lässt, ihr gesondertes Arbeitsrecht zur Diskriminierung gebraucht, hohe Geistliche durch den Staat finanziert oder von den paar Steuern die sie zahlen müsste einen großen Teil im Grunde hinterzieht dann teilen sie uns das mit.
Oder machen sie es wie immer. Kopf in den Sand und Schwanz einziehen.
2.114
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 07.04.2017 um 09:50 Uhr
Herr Herold, es geht weder um einen Angriff gegen den Glauben noch gegen die Gläubigen.
Es ist eine Demonstration gegen unberechtigte Privilegien der Kirchen.
Eine Demonstration muss wahrgenommen werden, und braucht dafür einen geeigneten Ort und einen geeigneten Zeitpunkt.Der ist in diesem Fall gut gewählt.
Protest gegen die Verhaltensweisen der Kirchen, die ja sogar ein eigenes Tarifsystem für ihre Einrichtungen beanspruchen, obwohl diese zu mindestens 95% vom Staat finanziert werden, gibt es immer wieder. Bis jetzt war er erfolglos. Deshalb gilt es ,mehr Menschen dafür zu sensibilisieren, damit die Politik endlich wagt, etwas daran zu ändern.
Dagmar Simons
135
Dagmar Simons aus Gießen schrieb am 08.04.2017 um 16:16 Uhr
Eine Anmerkung von mir zum Thema Kirchensteuer: Mein Mann ist aus der Kirche ausgetreten, ich selbst habe nur ein sehr geringes Einkommen und bin zwar keine gläubige Christin, habe aber einen guten Draht zu meiner Gemeinde und habe deshalb keine Veranlassung gesehen auszutreten, zumal mein Beitrag ja sehr gering war. Umso wütender war ich, als ich beim nächsten Steuerbescheid gesehen habe, dass wir durch die Zusammenveranlagung doch wieder zur Kirchensteuer aus dem gesamten Einkommen veranlagt wurden und wir eine deftige Nachzahlung hatten. Ich bin dann sofort auch ausgetreten, leider erst nach dem Erhalt des Steuerbescheides, sodass diese Zusammenveranlagung auch für das Folgejahr galt. Mehr Einmischen des Staates zugunsten der Kirche geht ja schon nicht mehr.
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 08.04.2017 um 16:46 Uhr
Frau simons, da haben sie bekanntschaft gemacht mit dem "Besonderen Kirchgeld".
In Berlin macht die Kirche sogar eine Rasterfahndung nach "säumigen" Schäflein. Das geht soweit, dass man selbst Ausländer zur Kirchensteuer ran zieht wenn diese in ihrem Heimatland getauft wurden und nach Berlin ziehen.
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 12.04.2017 um 18:44 Uhr
Heute im GA ein großer Beitrag zu dem Thema und auch ein gutes Pro und Contra. Ja auch ein gutes Contra, zumindest anders als die ich sonst so zu lesen bekam.
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 12.04.2017 um 21:00 Uhr
Und wie war das "gute" Contra?
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 12.04.2017 um 22:16 Uhr
Gut, ich empfehle es zu lesen
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 13.04.2017 um 08:53 Uhr
Welches Pro empfanden sie denn als gut? Das wäre mal interessant.
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 13.04.2017 um 10:01 Uhr
Ich habe nur das auf der Seite zusammen mit dem Contra angesprochen. Der andere Artikel war halt so die allgemeine Meinung dazu. DIe Feststellung des Pfarrers W. ist ja nicht mit Ihrer deckungsgleich.
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 13.04.2017 um 10:11 Uhr
Ich zitiere: "Heute im GA ein großer Beitrag zu dem Thema und auch ein gutes Pro und Contra. Ja auch ein gutes Contra, zumindest anders als die ich sonst so zu lesen bekam."
Also, wie wurde Contra so argumentiert dass sie es noch nicht kannten?
2.114
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 13.04.2017 um 10:28 Uhr
Ich habe es gelesen. Ich denke, die Befürworter des Tanzverbots gehen nicht
wirklich auf die Zusammenhänge ein. Nein, es geht nicht nur ums Tanzen, sondern um den jahrhundertealten Anspruch der christlichen Kirchen auf eine besondere gesellschaftliche Stellung und auf Privilegien, für die Alle bezahlen sollen, auch wenn sie mit dieser Religion gar nichts zu tun haben wollen.
Die katholische Kirche als die älteste und erfolgreichste kriminelle Organisation der Geschichte beansprucht Ehrfurcht vor ihrer Tradition.
Die evangelischen Kirchen, die aus dem Protest gegen den Katholizismus hervorgegangen sind, haben ebenfalls eine Geschichte der Menschenrechtsverletzungen aufzuweisen, einige von ihnen sind bis heute fest im Mittelalter verankert , und auch sie fordern Respekt und Privilegien.
Laut einer Umfrage befürworten 65% der Menschen das Karfreitags-Tanzverbot. Das heißt aber auch, 35% sind dagegen!
Vor einigen Jahren wurden die als eine nicht ernst zu nehmende Minderheit
eingeschätzt. Heute diskutiert man immerhin ernstlich über das Thema.
Jahrhunderte der Gehirnwäsche gehen eben nicht spurlos vorüber!
In der Auseinandersetzung mit den Kirchen braucht es Geduld. Lange, jahrhundertelang hat es gedauert, bis die meisten von ihnen zugegeben
haben, dass die Erde sich um die Sonne dreht.
Und auch in der Auseinandersetzung um die Privilegien der Kirchen und der Religionen überhaupt braucht man einen langen Atem!
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 13.04.2017 um 10:29 Uhr
Es wird sich liebe Frau Barthel so schnell nichts ändern, zumindest nicht so lange ich lebe.
Ich werde mich hier nicht mehr dazu äußern.
Florian Schmidt
4.232
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 13.04.2017 um 10:45 Uhr
Herr Herold wieder, festgenagelt auf einen Punkt wird der Schwanz eingezogen. Was für eine jämmerliche Witzfigur.
2.114
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 13.04.2017 um 12:07 Uhr
Viele, vor Allem ältere Menschen , hängen an ihren Traditionen und es macht ihnen Angst, dass sich daran etwas ändern könnte.
Was das Tanzverbot angeht, so argumentieren dessen Befürworter sehr geschickt damit, dass es ja gar nicht so schwerwiegend sei, und fordern eine Toleranz, zu der sie selbst nicht bereit sind.
Es wäre wahrscheinlich klug, andere Themen in den Vordergrund zu stellen,
wenn man etwas gegen die tradierte Anmaßung der Kirchen tun möchte.
Gerade im Arbeitsrecht gibt es Missstände, die man ganz sicher nicht als nebensächlich abtun kann.
Peter Herold
26.308
Peter Herold aus Gießen schrieb am 14.04.2017 um 16:19 Uhr
"...wählen wir allerdings diesmal statt des Kirchenplatzes den Kreuzplatz (Kugelbrunnen)."

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