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Wiesenhof stoppen - Keine Ausweitung der Schlachtfabrik in Niederlehme! Proteste begleiten Erörterungsverfahren

Gießen | Die Pläne von Wiesenhof, die Kapazitäten seiner Schlachtanlage im brandenburgischen Königs Wusterhausen enorm auszuweiten stoßen weiterhin auf Widerstand. Als Hühner verkleidete Aktive von ROBIN WOOD haben sich heute früh um 9 Uhr an dem Protest des Aktionsbündnisses „Mastanlagen Widerstand“ vor dem Eventcenter in Königs Wusterhausen beteiligt. Dort hat um 10 Uhr der Erörterungstermin im Beteiligungsverfahren zum Ausbau des Schlachtanlage begonnen. Entrollt wurde ein Banner mit der Aufschrift: „Profitgier schadet Mensch, Natur und Tier – Keine Tierfabriken!“ Zahlreiche Einwendungen gegen die Erweiterung liegen vor.

ROBIN WOOD fordert, den Ausbau der Anlage zu versagen. Die Emissionen der riesigen Geflügelfabrik in Königs Wusterhausen belasten die Umwelt und gefährden schon heute die Gesundheit der AnwohnerInnen. Die eingesetzten Futtermittel tragen außerdem zum Schwund der Wälder weltweit bei. Statt weiterer Kapazitätsausweitungen hält ROBIN WOOD eine grundlegende Wende in der Landwirtschaft und eine drastische Reduktion der Tierproduktion für nötig.

Das zur Wiesenhof-Gruppe (PHW) gehörende Unternehmen Märkische
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Gefügelhof-Spezialitäten will seine Anlage im Ortsteil Niederlehme so ausbauen, dass dort – statt bislang 120.000 Hühner – 160.000 und in Stoßzeiten sogar bis zu 240.000 Tiere täglich getötet werden können. Dagegen formierte sich Widerstand vor Ort. Die 2016 gegründete Bürgerinitiative „Königs Wusterhausen stinkt‘s“ geht unter anderem mit Einwendungen im Beteiligungsverfahren gegen die Anlage vor. „Wir unterstützen hier den lokalen Protest gegen die Wiesenhof-Schlachtanlage. Wir brauchen eine Politik, die das Allgemeinwohl, also die Gesundheit der Anwohner und den Umweltschutz, ernst nimmt“, sagt ROBIN WOOD-Aktivist Patrick Müller und fordert: „Schluss mit den Freifahrtscheinen für immer mehr und größere Tierfabriken!“

ROBIN WOOD weist insbesondere auf die starken ökologischen Schäden durch die industrielle Tierproduktion hin. Durch die Tierproduktion entsteht allein in Deutschland die gigantische Menge von 200 Millionen Tonnen Gülle pro Jahr, die auf den Äckern verteilt wird und zu einer starken Überdüngung führt. Weil die überdüngten Böden nicht noch mehr Stickstoff aufnehmen können, wird das Grundwasser mit Nitrat belastet. Zudem entweicht extrem klimaschädliches Lachgas in die Atmosphäre. Zwei Drittel der Bäume in der Bundesrepublik sind laut aktuellem Waldzustandsbericht der Bundesregierung krank. Hauptursache dafür ist die Stickstoff-Überdüngung durch die Landwirtschaft.

Um die Nachfrage der deutschen Tierproduktion nach Futtermitteln wie Soja und Palmöl zu decken, werden auch in den Tropen riesige Flächen wertvoller und artenreicher Waldökosysteme zerstört.

Wiesenhof ist immer wieder in Tierleid-Skandale verwickelt, aktuell werden dem Konzern besonders qualvolle Methoden bei der Elterntierproduktion vorgeworfen.

Obwohl der Fleischkonsum hierzulande leicht zurückgeht, soll das Geschäft vor allem über den Export immer weiter wachsen. Dieser Wachstumskurs geht nicht nur zu Lasten von Millionen Tieren. Lokale Agrarstrukturen werden andernorts zerstört. Und die Arbeitsbedingungen in den großen Anlagen der Mast- und Schlachtkonzerne sind katastrophal, die Umgehung gesetzlicher Bestimmungen wie dem Mindestlohn ist weiterhin an der Tagesordnung.

„Wiesenhof setzt mit Billigfleisch Milliarden Euro um. Doch den Preis zahlt die Allgemeinheit: Hierzulande geht es um kranke Bäume, belastetes Wasser und verpestete Luft, und im globalen Süden werden die Tropenwälder abgeholzt. Immer mehr Menschen sind nicht bereit, diese Ungerechtigkeit hinzunehmen. Wir zeigen hier der Tierproduktionsindustrie das Stopp-Signal!“, sagt Patrick Müller.


Interessante Links:
Bürgerinitiative „Königs Wusterhausen stinkt‘s“: http://www.kw-stinkts.de/
ROBIN WOOD: https://www.robinwood.de/kampagnen/tierproduktion-reduzieren

Kommentare zum Beitrag

2.449
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 30.03.2017 um 12:51 Uhr
Würde es nicht sinnvoll sein, über change.org eine Petition zu starten? Das ist schließlich kein lokales Problem, Wiesenhof gibt es auch bei uns im Supermarkt. Der Name verleitet dazu, sich irgend etwas Kleines, Idyllisches vor zu stellen. Wer sich nicht informiert, fällt darauf herein.
Karl-Ludwig Büttel
3.743
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 30.03.2017 um 16:22 Uhr
Frau Barthel ich denke Wiesenhof dürfte den Menschen seit dem Bundesligaskandal ein Begriff sein. Zumindest den Millionen von Fußballfans. Es ging ja Wochenlang durch die Medien, dass sich starker Wiederstand gegen das Trikotsponsoring durch Wiesenhof bei Werder Bremen formierte. Die Fans wollten die Spiele boykottieren, eine Petition gegen Wiesenhof und Demonstrationen wurden gestartet. Geholfen hat es nichts. Heute ist das Stadion wieder genauso voll wie vorher. Jetzt nach ein paar Jahren hört man gar nichts mehr und aktuell wurde die Zusammenarbeit bis 2018 verlängert.
Stefan Walther
4.536
Stefan Walther aus Linden schrieb am 30.03.2017 um 18:05 Uhr
Sehe ich ähnlich Herr Büttel, auch wenn es noch so gut gemeint ist... allein mit Petitionen wird sich auch hier gar nichts ändern...

Deshalb: gute Aktion von ROBIN WOOD, und sehr gut erkannt und auf den Punkt gebracht = „Profitgier schadet Mensch, Natur und Tier – Keine Tierfabriken!“
2.449
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 31.03.2017 um 09:45 Uhr
Ich finde die Aktion auch gut, aber sie wird nicht ausreichen.
Mich würde interessieren, an wen sich die Petition damals gewendet hat.
Von einem Fußballverein wird man ethisch verantwortungsvolles Handeln ohnehin kaum erwarten können.
Auch die Demonstrationen haben damals offenbar nicht genutzt.
Um gegen die Massentierhaltung etwas bewirken zu können, braucht es sicher einen langen Atem. Auch ein Kaufboykott ihrer Produkte wird wenig bewirken, dann gehen sie eben in den Export, in Länder, die durch Freihandelsverträge gebunden sind und sich gegen Dumpingimporte nicht wehren können.
Noch einmal: Ich finde die Aktion von Robin Wood gut und unterstützenswert, meine aber, dass man sie durch Maßnahmen wie eine Petition unterstützen könnte, und eventuell durch Anzeigen wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz.
Vielleicht gelingt es ja der Bürgerinitiative, den weiteren Ausbau der Anlage
zu verhindern oder zu verzögern.
Das Übel der Massentierhaltung sollte aber weiter bekämpft werden, mit dem Ziel, sie ganz abzuschaffen.
Karl-Ludwig Büttel
3.743
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 31.03.2017 um 10:41 Uhr
Frau Barthel es geht nicht um den Fußballverein und sein wirtschaftlichen Interessen sondern um die Tausende von Fans die erst einen Aufstand machten und es ihnen jetzt anscheinend egal zu sein scheint. Fans sind übrigens ein ziemlich genaues Spiegelbild unserer Gesellschaft. Alle sozialen Schichten und Berufsgruppen vertreten. Es zeigt mir nur wie Gleichgültig die Massen sind.
Es wäre Aufgrund des großen öffentlichen Interesse an der Sportart Fußball durchaus möglich gewesen ein Zeichen zu setzen.
2.449
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 31.03.2017 um 12:12 Uhr
Ja, ich merke Ihre Enttäuschung und kann sie nachvollziehen.
Der Fußballverein konnte mit der Vergesslichkeit der Fans rechnen und sah deshalb gar keinen Grund zum Einlenken.
Ehrlich gesagt, ich glaube, wenn es um Fußball geht, hört bei den meisten Menschen die kritische Vernunft auf .
Vielleicht hat die jetzige Initiative von Menschen , die dauerhaft betroffen sind, mehr Aussicht auf Erfolg-- wenn sie ausdauernd genug sind!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Antje Amstein

von:  Antje Amstein

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