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Gleibergfest der Ritter von Schlaraffia

Ernennung neuer Landgrafen (vorne)
Ernennung neuer Landgrafen (vorne)
Gießen | Ja die sind´s, die neuen Rittersleut: Gleibergfest der „Schlaraffia zu den Gyssen“

Den Alltag und den Stress abstreifen, sich mit Gleichgesinnten treffen, Freundschaften aufbauen, Humor sowie Kunst pflegen. Und das Ganze offen für Jedermann, ohne Ansehen von Herkunft, Rang oder Status. Das ist der Kern des weltweiten Bundes der Schlaraffen, in Gießen durch die „Schlaraffia zu den Gyssen“ repräsentiert. Einmal im Jahr feiert dieser Verein, der sich ansonsten im Winterhalbjahr wöchentlich einmal trifft, sein weithin bekanntes Ritterfest auf dem Gleiberg. In diesem Jahr konnte auch der 88 Geburtstag gefeiert werden

Giessen / Gleiberg ( - ) Das hätte den historischen Rittern sicherlich gefallen: Der Rittersaal war wieder einmal brechend voll, mit über 100 „Rittern“. Die Männer der seit 88 Jahren bestehenden Gießener Vereinigung der Schlaraffen (Schlaraffia zu den Gyssen) feierten mit ihren Freunden aus ganz Deutschland ihr Jahresfest. Der historische Hintergrund der weltweit aktiven Schlaraffenvereine liegt im 19. Jahrhundert, als man sich in bürgerlich-künstlerischen Kreisen zusammen fand, um ein anarchisch-witziges
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Gegengewicht zu den herrschenden elitären und aristokratischen Hierarchien zu schaffen. Bis heute zählt demgemäß bei den Schlaraffen nicht, was einer im beruflichen oder privaten Leben gilt. Jeder, der sich aktiv für die Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor begeistern kann, ist willkommen. Der Alltag und insbesondere die Politik bleiben außen vor.
Äußere Form der Schlaraffen und ihrer Auftritte sind dem Rittertum nachempfunden. Festlich gewandet ziehen die Gäste durch ein Ehrenspalier in den mit ritterlichen Symbolen geschmückten Saal ein, von Fanfarenklängen empfangen. Die jeweiligen Ritternamen sind ebenso pseudo-pompös wie witzig und vor allem auch selbstironisch angelegt. So erlebte man auf dem Gleiberg z.B. einen würdevollen „Zeremonienmeister“, dessen Rittername „Halalilodri der Kugelblitz“ (Werner Röskens) lautet. Drei Ritter teilten sich die Moderation des Abends: der stets einsatzbereite „Gsell, der tut das“ (Klaus Tuttas), der ebenso scharfzüngige wie flapsig-schlagfertige „Pepp de Flaps“ (Dr. Wolfgang Faust) und der in Zauberkünsten bewanderte „Frappant der Magische“ (Helmut Klein). Der Abend wurde vor allem durch gemeinsame Lieder, Wortbeiträge in Prosa oder in Reimen sowie musikalische Auftritte gestaltet. Es gab eine musikalische Untermalung durch ein Barock-Quartett. Besonders schlaraffisch wurde es, als Ritter „Rolando der rasende Viertakter“ (Roland Schmiedel) den Flügel übernahm. Er interpretierte ein deutsches Volkslied im unverkennbaren, ganz unterschiedlichen Stil berühmter Komponisten. So hörte man das gleiche Liedthema z.B. mal von Bach und mal von Mozart, dann von Johann Strauß und plötzlich von Richard Wagner. Ein ritterlicher Bezug wurde von einem „Bardenduo“ hergestellt. Es erklang das bekannte Lied von den „Alten Rittersleut“; allerdings für den Anlass umgetextet und auf die Gleibergritter als den „neuen Rittersleut“ bezogen. Und so erbebten die Mauern der Burg ein weiteres Mal, als aus den Männerkehlen im Refrain „ja die sind´s, die neuen Rittersleut“ ertönte.
Mitten in dem Trubel des Abends betrat plötzlich der „Ahnherr“ den Saal. Aufgeschreckt aus seiner Gruft und wirkungsvoll verkleidet spielte diese Rolle Ritter „Hägar der Ungenormte“ (Ingo Dienstbach). Er las in wohlgesetzten Versen und pseudo-ernster, polternder Weise den Anwesenden die Leviten.
Geradezu ehrfürchtige Stille herrschte dagegen, als ein Ritter mit einem lebenden Uhu durch den Saal schritt. Dazu muss man wissen, dass die Schlaraffen weltweit den Uhu als ihr besonderes Wappen- und Symboltier verehren.
Zum Ende des Abends bot das Gleibergfest den Rahmen für eine besondere Ehrung. Die Gießener ernannten drei ihrer langjährigen ritterlichen Freunde zu Ehrenrittern ihres „Reyches zu den Gyssen“. So können sich fortan drei Ritter aus den „Reychen“ in Mainz, Bad Orb und Aschaffenburg (mit Namen Castizo, Lehrlauf und Omega) auch mit den blau-gelben Farben der Gießener schmücken. Vorher hatte allerdings der schon erwähnte Ritter „Frappant“, seinem Beinamen „der Magische“ entsprechend, ein ebenso verblüffendes wie nachdenklich stimmendes Zauberkunststück vorgeführt. Man verabschiedete sich voneinander und von der Burg, nicht ohne den festen Vorsatz, auch im nächsten Jahr wieder den Burgberg gemeinsam zum Beben zu bringen.
Wer einen schlaraffischen Abend live erleben will: die Gießener Schlaraffen (www.gyssen.de) treffen sich noch bis Ostern jeden Freitag, abends ab 19.30 in der vereinseigenen „Burg“ am Bantzerweg 6 (Ringalle 74). Gäste sind herzlich willkommen. Bei Interesse bitte an Michael Schwarz Tel 0641-73155 wenden.

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von:  Lichtschreiber Schlaraffia Gyssen

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