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Fair Play

Trainer Patrick Unger hatte in Saarlouis mit seinen Schützlingen zwischenzeitlich einiges zu besprechen. Am Ende ging es gut aus.
Trainer Patrick Unger hatte in Saarlouis mit seinen Schützlingen zwischenzeitlich einiges zu besprechen. Am Ende ging es gut aus.
Gießen | Planet-Photo-DBBL: TV Saarlouis Royals – BC Pharmaserv Marburg 74:78.

Marburgs Erstliga-Basketballerinnen haben mit einen wichtigen Auswärtssieg Platz drei in der Tabelle verteidigt. Dennoch ist zwei Spieltage vor Beginn der Playoffs selbst Rang vier noch nicht sicher. Beim bislang punktgleichen Tabellenvierten sah es bis eine Viertelstunde vor Schluss nach einer klaren Sache aus. Dann wurde es nochmal spannend.

Eines Spitzenspiels würdig war die Stimmung in der Schlussphase in der Stadtgartenhalle. Beide Fan-Lager gaben alles. Einige Offizielle auch, allerdings des Guten ein bisschen zu viel. Der Hallensprecher peitschte das Publikum immer wieder an, auch noch während sich das Geschehen bereits in Korbnähe abspielte. Diese Unart greift in der Liga immer weiter um sich. Die Krone setzte dem Treiben der DJ auf, der die Konzentrationsphasen der gegnerischen Freiwurfschützinnen regelmäßig durch Musikeinspielungen untermalte. Teilweise sogar, bis die Spielerin vom Schiedsrichter den Ball erhielt. Hier ist die Liga gefordert. Entweder wird dieses Betragen allgemein als statthaft erklärt, oder als Unsportlichkeit gebrandmarkt und entsprechend sanktioniert.

Einen Fair-Play-Preis dagegen hat sich das Saarlouiser Kampfgericht verdient. 107 Sekunden waren noch zu spielen. Royals-Guard Angela Tisdale brachte mit einem Dreier zum 74:74 die Halle zum Ausrasten. Mehrfach ertönte die Sirene des Kampfgerichts. Nur die Schiedsrichter hörten sie bei dem hohen Lärmpegel nicht. Marburg warf ein und kam nicht innerhalb der vorgeschriebenen acht Sekunden über die Mittellinie. Momentum Saarlouis.

Doch da war doch was. Auf dem Auswechselstuhl saß eine Marburgerin. Schon lange vor dem Korberfolg. Der hatte die Uhr innerhalb der letzten zwei Spielminuten zum Stehen gebracht. Auf Marburger Intervention hin fragten die Schiedsrichter beim Kampfgericht nach. Das bestätigte, dass die Gäste wechseln wollten und dies nach Tisdales Dreier den Regeln entsprechend auch hätten tun dürfen. Daher die Hupe.

Hätten die Unparteiischen diese gehört, hätten sie pfeifen müssen, den Einwurf unterbinden und den Wechsel zulassen. Erst dann hätte Marburg in Ruhe einwerfen können. Zu dem unmittelbar folgenden Ballverlust hätte es gar nicht können dürfen. Und genau das entschieden die Referees nun. Spielerwechsel und Einwurf Marburg. Momentum Marburg. Respekt an das Kampfgericht, das in dieser entscheidenden Situation seiner Neutralitätspflicht auf vorbildliche Weise nachkam! Zum Nachteil der Heimmannschaft. Aber zur Nachahmung empfohlen.

Im folgenden Angriff traf Svenja Greunke zum 76:74. Nach vergebenen Chancen auf beiden Seiten hatte Marburg Glück, dass bei 15 Sekunden auf der Uhr ein Dreierversuch der Royals knapp scheiterte. So gewinnt der BC das Rückspiel, wie auch das Hinspiel, mit vier Zählern Differenz.

Nach ausgeglichenem Beginn (13:10 für Saarlouis, 6. Minute) beendeten kurioserweise zwei verworfene Marburger Freiwürfe die letzte Führung der Royals: Katie Yohn schnappte sich den Rebound und versenkte einen Dreier. Mit 22:15 lag der BC nach zehn Minuten vorn und profitierte in der Folge (24:22) von vier liegengelassenen Saarlouiser Freiwürfen. Ein 13:0-Lauf sorgte für eine beruhigende Halbzeit-Führung der Gäste, die Finja Schaake kurz nach Wiederbeginn auf 50:30 schraubte.

Der Vizemeister erhöhte nun spürbar den Druck in der Verteidigung. Meist konnten sich die Hessinnen sogar befreien, gingen aber mit ihren Möglichkeiten zu sorglos um. Beim 61:42 (27. Minute) war trotzdessen noch alles im Lot. Es folgte eine respektable Aufholjagd der Gastgeberinnen, die einen Erfolg verdient gehabt hätte. Ebenso aber die ersten 27 Minuten des BC. „Ihr habt glücklich aber verdient gewonnen“, gratulierte ein Saarlouis-Fan Gäste-Trainer Patrick Unger. Oder war es verdient aber glücklich? Egal. Nächste Woche kommt der Deutsche Meister und Tabellenführer nach Marburg, der TSV Wasserburg.


Patrick Unger (Trainer Marburg):
„In der ersten Halbzeit haben wir gut verteidigt und es Saarlouis schwergemacht, zu Punkten zu kommen. So lagen wir zur Halbzeit auf dem Kurs, dem Gegner am Ende nicht mehr als 60 Punkte zu gestatten. Ich hätte ein engeres Spiel erwartet, als es zwischenzeitlich war. Und ich finde es nicht gut, so hoch zu führen. Da neigen wir etwas dazu, uns zu entspannen. Das war vor zwei Wochen in Scheeßel auch so. Wir haben uns auch von der Presse der Royals beeindrucken lassen. Zwar wussten wir um die Stärken von Sabine Niedola und Angela Tisdale, konnten sie aber nicht stoppen. Auch haben wir uns durch eigene Fehler runterziehen lassen. Dann sind wir aber in den wichtigen Szenen ruhiggeblieben, haben wieder als Kollektiv verteidigt und die Rebounds eingesammelt. Kompliment an Svenja Greunke: 26 Punkte und vor allem 17 Rebounds holt man nicht alle Tage. Trotzdem war es eine Team-Leistung. Denn wenn die anderen nicht versuchen, auf diesem hohen Niveau mitzuhalten, können Svenja und Katie Yohn auch nicht ihre Stärken voll ausspielen.“

Kim Winterhoff (Spielerin Marburg):
„Wir waren von Beginn an voll motiviert und fokussiert, wollten einen guten Start und haben gut verteidigt. Dann kam das dritte Viertel. Da haben wir entweder eine Leistungsexplosion oder ein Tief. Saarlouis hat extrem viel Druck aufgebaut, gute Defense gespielt und wir konnten uns nicht schnell genug anpassen. Am Ende haben wir uns aber wieder zusammengerissen. Es war extrem laut in der Halle, in Saarlouis sind ja auf beiden Seiten Zuschauer. Ich find es cool, wenn es laut ist und wenn so viele Fans von uns da sind. Als Saarlouiser immer weiter herankam und das Publikum immer lauter wurde, hab ich versucht, das einfach auszublenden. Und je länger es dauert, um so einfacher ist das, weil man sich dran gewöhnt.“


Fun Facts: Erster Auswärtssieg in Saarlouis seit dem 13.10.2013 und drei Niederlagen. – Zweiter Auswärtssieg in Folge (der dritte der Saison). – Zum ersten Mal in dieser Saison vier Spiele in Folge gewonnen. – Erst die dritte Mannschaft, die in dieser Saison in Saarlouis gewinnt (Wasserburg, Herne). – Finja Schaake (7 Punkte / 1 Dreier) und Katie Yohn (19/5) erzielten die selbe Ausbeute wie im Hinspiel.

Fail Facts: 21 Ballverluste sind die meisten in dieser Saison, die zweitmeisten: 20 im Hinspiel. Dass beide Spiele gewonnen wurden, ist fast schon wieder ein Fun Fact. – Zum dritten Mal in Folge sieben oder mehr Freiwürfe verworfen (zum sechsten Mal in dieser Saison), auch diese drei Partien wurden dennoch gewonnen.


Statistik
Viertel: 15:22, 15:26, 22:13, 22:17.
Saarlouis: Adams 11 Punkte / 1 Dreier (4 Assists), Brodersen 3/1 (5 Ass., 3 Steals), Durrett 18 (5 Rebounds), Eckerle 3, Meynadier 4, Mossong, Niedola 20 (10 Reb., 3 Ass., 4 Blocks), Tisdale 15/3 (3 Ass.), Wimmer (n.e.). Feldwurfquote Prozent 41 Prozent (28/68), Freiwq. 68 (13/19), Reb. 25 (def. 14), Turnovers 7, Ass. 16, St. 8, Blocks 5, Fouls 18.
Marburg: Baker 2 (3 Ass.), Barra (n.e.), Bradley 1, Greunke 26 (17 Reb.), Köppl 10 (5 Reb.), Schaake 7/1 (5 Reb.), Voynova 8, Wilke 5, Winterhoff, Yohn 19/5 (5 Reb.). Feldwq. 47 (30/64), Freiwq. 60 (12/20), Reb. 43 (d. 28), TO 21, Ass. 11, St. 2, Bl. 2, F. 14.
SR: Marco Marzi, Hakan Senkesen. Z: 500.


Spielplan für die Playoffs:

In den ungeraden Spielen hat die nach der Hauptrunde besser platzierte Mannschaft Heimrecht, Ausnahme: Duell um Bronze.

Viertelfinale (Best of Three / zwei Siege nötig):
Spiel 1: 01. oder 02.04. (Sa./So.)
Spiel 2: Fr., 07.04.
Spiel 3: So., 09.04. (falls nötig)

Halbfinale (Best of Three):
Spiel 1: 15./16./17.04. (Sa./So./Mo., Osterwochenende)
Spiel 2: Fr., 21.04.
Spiel 3: So., 23.04. (falls nötig)

Duell um die Bronze-Medaille (Addition):
Hinspiel: Fr., 28.04.
Rückspiel: So., 30.04.

Finale um die Meisterschaft (Best of Five / drei Siege nötig):
Spiel 1: Fr., 28.04.
Spiel 2: So., 30.04.
Spiel 3: Mi., 03.05.
Spiel 4: Fr., 05.05. (falls nötig)
Spiel 5: So., 07.05. (falls nötig)

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von:  Marcus Richter

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Marcus Richter
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