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CDU fordert Abschaffung des Kapitalismus

Gießen | Am 3. Februar 1947 beschloss die CDU ihr Ahlener Programm. Sie formulierte ihren Einsatz für eine neue Ordnung, "Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein."
Gefordert wurde die Verstaatlichung der Bergwerke und Stahlindustrie und die Sozialisierung der Wirtschaftsmonopole.

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Kommentare zum Beitrag

Kurt Wirth
1.200
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 09.02.2017 um 18:34 Uhr
Und Franz-Josef Strauß rief bei einer Versammlung 1949: "Wer noch einmal ein Gewehr in die Hand nehmen will, dem soll die Hand abfallen".
Das immer wieder geringfügig variierte Zitat erschien schriftlich erstmals 1957 im Spiegel und wurde da von Strauß anerkannt. Später soll er die Äußerung stets dementiert haben.

Im Juni 1957 mußte er seinen Polterabend abbrechen und als Verteidigungsminister an die Iller nach Kempten eilen: Hier waren die ersten Toten fürs Vaterland der Bundeswehr zu beklagen: 28 Rekruten wurde befohlen, die Iller zu durchqueren, 15 von ihnen ertranken.

Strauß selbst hat wohl als Oberleutnant der Wehrmacht kein Gewehr dem Zwecke nach benutzt: er war NSFO (Nationalsozialistischer Führungsoffizier) - in der Roten Armee hieß das wohl Politkommissar - an der heimatlichen Kaserne in Altenstadt (zumindest war das seine zuletzt erreichte Funktion).
Martin Wagner
2.164
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 10.02.2017 um 16:52 Uhr
Feiert die "C"DU eigentlich diesen 70ten?

Wenn nicht - warum eigentlich nicht?
Michael Beltz
6.683
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 10.02.2017 um 18:27 Uhr
Das Kapital entschied: wir wollen keinen Sozialismus und keine Verstaatlichung. Also gehorchte die CDU und ersetzte 1949 dieses Programm durch die Düsseldorfer Thesen zur Makrtwirtschaft.
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 11.02.2017 um 09:08 Uhr
Wo ist das Problem Herr Beltz? Die CDU hat alles richtig gemacht. Nicht nur das Kapital, auch neunzig Prozent der Wähler wollten/wollen keinen Sozialismus und keine Verstaatlichung.
Michael Beltz
6.683
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 11.02.2017 um 17:06 Uhr
Herr Bucher, wir können das Ganze auch mal als Ergebnis einer großangelegten Manipulation sehen. Nach dem Krieg wollten die meisten Menschen in Deutschland keine Bundeswehr (. s. auch die Ohne-mich Bewegung) und Entmachtung der Kriegsverbrecher samt ihrem Kapital. Da wurde die Bevölkerung mit Angst vor "den Russen" und dem Sozialismus verängstigt.
Derartige Manipulation funktioniert heute noch. Putin und Assad sind gefährlich, Saddam Hussein war der zweite Hitler usw. Zum Glück für die Herrschenden gibt es nun Trump.
- Untersuchungen verschiedener Institute haben gezeigt, ein Großteil der Deutschen wollen Sozialismus - nur anders als in der DDR.
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 11.02.2017 um 17:44 Uhr
Da haben Sie einige mächtige Themen angepackt. Fangen wir mal mit den beiden Blöcken an, die sich real feindlich gegenüberstanden und in der Hetze in nichts nachstanden. Beide Blöcke mit ihrer atomaren Bedrohung lösten echte Ängste aus und von beiden Seiten hätte mit ein wenig Pech ein dritter Weltkrieg ausgehen können.
Nun war das Leben im Sozialismus für uns deutlich sichtbar und durch Verwandtenkontakte auch erfahrbar und dass was zu sehen war, benötigte keine verstärkende Propaganda um es abzulehnen. Sie bestätigen es ja selber mit dem Satz, dass den Sozialismus nach DDR-Muster niemand wollte und die restlichen Ostblockländer übten auch keine großen Anreize zum Wechsel der Gesellschaftsform aus.
Das ein Großteil der Deutschen dem Sozialismus zugeneigt ist, hätte ich gerne belegt.
Kurt Wirth
1.200
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 11.02.2017 um 18:26 Uhr
Wie Michael Beltz bereits andeutete, käme es hinsichtlich des Beitrags zunächst auf die damaligen Meinungen an, nicht auf heutige. Aus dem persönlichen familiären Umfeld erinnere ich mich, daß zwischen 1945 und 1949 z.B. sehr viele Menschen Mitglied der KPD waren, die sich später äußerst ungern daran erinnerten (später nannte man solche "Wendehälse").

Hinsichtlich der 90%, die nach Herrn Bucher keinen Sozialismus wollen, verweise ich auf folgende Umfragen:

http://yougov.de/news/2016/02/24/der-sozialismus-hat-deutschland-einen-besseren-ruf/

(als der Kapitalismus, ist damit gemeint. 45% sehen ihn positiv, 26% negativ). Weiterhin siehe:

http://welt.de/politik/deutschland/article160311615/Deutsche-fuer-sozialistischen-Staat.html

Danach ziehen in Ostdeutschland 80% und in Westdeutschland 72% den Sozialismus vor.

Es kann natürlich sein, daß die Befragten nicht den Sozialismus der DDR im Auge hatten, sondern einen "besseren", was ja im Herbst 1989 zunächst zur Diskussion stand.Ich habe da jetzt nur die ersten nächstbesten Google-Ergebnisse herangezogen, man findet da sicher einiges mehr.
Kurt Wirth
1.200
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 11.02.2017 um 21:40 Uhr
Im übrigen ist im Ahlener Programm von Sozialismus keine Rede. Es hält den "Staatssozialismus" sogar für schlimmer, als den Kapitalismus. Es fordert die Überführung der Schlüsselindustrien, Monopole und Junker-Bodeneigentums in Gemeineigentum (Kommunen. Länder), ganz im Sinne der hessischen Verfassung, jedoch keine generelle Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Ferner den Ausbau der Mitbestimmungsrechte in den Betrieben.

Insofern deckt es sich über weite Passagen mit dem Aufruf der KPD vom 11.6.1945, wo ebenfalls kein Sozialismus gefordert wird. Da heißt es u.a.:"Wir sind der Auffassung, daß der Weg, Deutschland das Sowjetsystem aufzuzwingen, falsch wäre...Wir sind vielmehr der Auffassung, daß die entscheidenden Interessen des deutschen Volkes in der gegenwärtigen Lage für Deutschland einen anderen Weg vorschreiben, und zwar den Weg der Aufrichtung eines antifaschistischen, demokratischen Regimes, einer parlamentarisch-demokratischen Republik mit allen demokratischen Rechten und Freiheiten für das Volk".

Noch bis 1961 gab die UdSSR in ihrer Deutschlandpolitik der Vereinigung der beiden deutschen Teilstaaten, mit einem anschließenden neutralen Status wie Österreich, den Vorrang vor einem Sozialismus in einem Teil Deutschlands. "Lieber das ganze Deutschland halb, als das halbe Deutschland ganz" war die sowjetische Außenpolitiksdevise entgegen Adenauers "Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb".

Noch 1961 reiste der Volkskammerpräsident Johannes Dieckmann auf Einladung des Liberalen Studentenbunds (entgegen der Weisungen der FDP-Führung) aufsehenerregend nach Marburg, um dort seine Vorstellungen einer deutschen Konföderation darzulegen.
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 12.02.2017 um 08:35 Uhr
Zu beiden Umfragen finde ich keine Rohdaten der jeweiligen Institute und selbst das was ich lese widerspricht Ihrer Aussage:

Zitat: --- Danach ziehen in Ostdeutschland 80% und in Westdeutschland 72% den Sozialismus vor. ---

Emnid sagt: --- Solange für Arbeitsplätze, Solidarität und Sicherheit gesorgt wäre, könnten sich 80 Prozent der Ostdeutschen und 72 Prozent der Westdeutschen ein Dasein in einem sozialistischen Staat VORSTELLEN, ---

Arbeitsplätze, Solidarität und Sicherheit kann fast jede Diktatur bieten und hätte man nach einem gerechten und gütigen Monarchen gefragt, könnten sich evtl. auch viele Leute das Dasein in einer Monarchie vorstellen.
Fakt ist, dass Parteien die einen sozialistischen Staat als Ziel anstreben, aktuell um die 10 % Wähler finden.

Ich hoffe schwer, dass die Befragten nicht den Sozialismus der DDR im Auge hatten. Wahrscheinlich hatten sie nicht einmal irgendein real existierendes Regime im Blick, sondern nur eine diffuse Vorstellung von Friede, Freude, Eierkuchen.

Ihren „besseren“ Sozialismus kann dummerweise niemand zum Vergleich heranziehen. Er ist bisher nur ein fiktives Konstrukt und nach meinem Wissen bez. der menschlichen Natur, bleibt es auch besser dabei.
Stefan Walther
4.029
Stefan Walther aus Linden schrieb am 12.02.2017 um 13:50 Uhr
@ Kurt = danke, dass du klargestellt hast, dass die CDU nie die Abschaffung des Kapitalismus in ihrem Programm forderte, auch nicht im Ahlener Programm! Wer natürlich glaubt, es könnte einen "Staat des ganzen Volkes" geben, der kommt ggf. auch ganz leicht auf diesen Irrweg...

@ Herr Bucher = sicher, wer Assad und Putin nicht für gefährlich hält, den kann man nicht ernst nehmen... und vor allem nicht als Sozialist bezeichnen. Manche tun gerade so als wäre Assad der "beste Freund des syrischen Volkes" und "Putin der Streiter für den Frieden", beides eine Lachnummer, als hätte es nie den Arabischen Frühling oder auch die aggressive imperialistische Politik Russland gegeben... ich unterstelle diese Meinung Michael Beltz nicht, aber wenn er hier von "Meinungsmanipulation" im Zusammenhang mit diesen beiden spricht, dann sollte er nicht nur die beiden Namen erwähnen, sondern auch Klartext reden was von diesen Leute zu halten ist!?
Halten Sie eigentlich die Menschen in Deutschland für blöd Herr Bucher? Oder haben Sie etwa nur eine "diffuse Vorstellung vom Sozialismus"? Bisher dachte ich, der Herr Bucher ist zwar ein Verteidiger des Kapitalismus erster Güte, aber er kennt sich wenigstens etwas in der Geschichte aus... oder wollen Sie wirklich behaupten, dass es nie einen Sozialismus gab, der lange vor der Wiederherstellung des Kapitalismus ( u.a. in der ehemaligen DDR ) in vielen Ländern real existierte? Was Sozialismus mit "Friede, Freude, Eierkuchen" zu tun haben soll, auch das kann wohl niemand nachvollziehen, ausser denen vielleicht, die ( immer noch? ) meinen, Sozialismus sei der Staat aller Menschen, aber das ist ein Widerspruch in sich, denn dann bräuchte es keinen Staat mehr, eine Binsenweisheit für alle, die sich mit der Theorie des Sozialismus auch nur ein ganz wenig beschäftigt haben...
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 12.02.2017 um 16:02 Uhr
@ Herr Walther
Sie müssen schon alles Lesen. Herr Wirth sprach von einem "BESSEREN" Sozialismus als den bisher praktizierten und genau DEN hat noch niemand gesehen.

Die Theorie des Sozialismus mag ja ein intellektuelles Vergnügen für Politologen und Soziologen sein, ich halte sie für irrelevant und reine Zeitverschwendung.

Sie kennen den Scherz?
Fragt ein Biologe den Anderen, was er vom Sozialismus hält. Sagt der: "Wundervolle Theorie, aber die falsche Spezies".
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 12.02.2017 um 16:19 Uhr
2. Teil
Vermutlich wollen Sie mich falsch verstehen. Wenn Emnid Menschen fragt, "Die Staatsform XYZ verspricht ihnen Friede, Freude, Eierkuchen. Könnten sie sich ein Dasein in diesem Staat vorstellen?", kommt sicherlich eine hohe Zustimmungsrate.

Lautet die Frage: "Möchten Sie in einem sozialistischen Staat nach dem Vorbild DDR, Nordkorea oder Venezuela mit Arbeitsplatzgarantie, Solidarität und Sicherheit leben?" leidet die Zustimmung ein wenig.
Kurt Wirth
1.200
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 12.02.2017 um 17:32 Uhr
Herr Bucher, es gehört zu den unverzichtbaren menschlichen Eigenschaften (vielleicht nicht von allen, aber der Spezies als solcher), danach zu streben, die Lage zu verbessern und dabei auch über die bisherigen Grenzen hinauszugehen und noch nicht Dagewesenes ins Auge zu fassen. Mit anderen Worten, Utopien zu realisieren. Sonst hätten wir heute noch nicht den Faustkeil entdeckt, wenn wir es beim Bewährten belassen hätten.
Stefan Walther
4.029
Stefan Walther aus Linden schrieb am 12.02.2017 um 17:44 Uhr
stimmt Herr Bucher "richtig oder auch alles lesen" ist unbedingt erforderderlich = es geht hier keineswegs um ein intellektuelles Vergnügen für Politologen und Soziologen, es geht um jahrzehntelangen erfolgreichen Aufbau des Sozialismus - ganz praktisch - in verschiedenen Ländern... und genau darum geht es auch, was von rechts bis "links" die meisten leugnen oder nicht wahrhaben wollen = es geht darum zu analysieren warum in diesen Ländern keineswegs der Sozialismus gescheitert ist, sondern der Kapitalismus lange vor der so genannten Wende in diesen Ländern wieder restauriert wurde.
Also, dann auch logisch zum 2. Teil = warum sollte Emnid die Menschen fragen ob sie einen Sozialismus nach dem Vorbild z.B. Nordkoreas oder Venezuelas ( oder den letzten Jahrzehnten der DDR ) haben wollen wenn diese Länder rein gar nichts mit einer sozialistischen Gesellschaftsform ( mehr ) gemein haben / hatten, wäre doch Schwachsinn, oder nicht?
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 12.02.2017 um 17:45 Uhr
@ Kurt Wirth
Nun, was wollen Sie mir damit sagen? Die Utopie "Sozialismus" ist doch schon oft gescheitert und einem Fall sind die Leidtragenden wieder beim "Faustkeil" gelandet.

Sicherlich kennen Sie die Computersimulationen von Staaten. Ob hochintelligente oder dumme Spieler, Staaten gingen dann rasant zugrunde wenn die Spieler heftig an den Bedingungen schraubten. Mit einem vorsichtigem Wandel, der auch wieder revidierbar war, fuhr man deutlich besser.
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 12.02.2017 um 17:57 Uhr
Aber Herr Walther,
natürlich wäre diese Frage schwachsinnig, aber die Frage nach einem, für die meisten Menschen, undefinierten Sozialismus mit drei guten Eigenschaften ist genauso schwachsinnig und auf dieser Umfragebasis kommen dann solch absurd hohen Zustimmungsraten zusammen.
Es stellt sich doch immer noch die Frage, warum wählen die 80% nicht einfach die Linken?
Für mich eine Horrorvorstellung, aber als guter Demokrat bliebe mir nur die Verzweiflung.
Einstein hat es schön gesagt:
Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten
Stefan Walther
4.029
Stefan Walther aus Linden schrieb am 12.02.2017 um 20:00 Uhr
Hm, "immer das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse erwarten"?
Wer so handelt, der ist wirklich leicht wahnsinnig oder ein Dogmatiker... die Aufgabe ist "die Erfolge zu würdigen - und aus den Fehlern lernen", mit dieser dialektischen Herangehensweise, denke ich, wäre auch Einstein einverstanden, und zwar nicht nur deshalb weil er dem Sozialismus wesentlich näher stand als dem Kapitalismus! :-))
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 12.02.2017 um 20:34 Uhr
Ein guter Abschluss zum Wochenende. Meine Hoffnung wäre, Sie fänden einen kleinen Staat (z. B. Belgien), der sich freiwillig an Ihrem erneutem Versuch mit Fehlerkorrektur beteiligen möchte.

Sorry, ich wäre hier lieber Zuschauer als Beteiligter.
Martin Wagner
2.164
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 13.02.2017 um 10:10 Uhr
Ganz kurz an alle bisherigen Kolonnenteilnehmer.

Die Beiträge sind mir völlig verkopft. Wen interessiert eigentlich noch, ob das oder das oder vielleicht jener -ismus in der mehr oder weniger weit zurück liegenden Vergangenheit heute noch aktuell ist oder bzw. vielleicht noch aktuell werden dürfte? Das ist doch eine kleine Minderheit in der Masse der Bevölkerung.

Was doch jeden Tag die Bevölkerung bewegt ist, dass der hiesige Kapitalismus immer brutaler wird. Die Reichen werden immer reicher und die Armen müssen sehen wie sie einigermaßen über die Runde kommen.

Der Kapitalismus muss weg! Wie der sich dann entwickelnde Form des Antikapitalismus aussieht, das kann doch heute keiner - und sei er noch so schlau - wissen. Der praktische Gesellschaftswechsel - und das hat gerade die Geschichte in unseren Breitengraden bewiesen - entwickelt eine Eigendynamik, die entzieht sich völlig irgendwelcher Vorhersagen von irgendwelchen Dogmatikern der einen oder anderen Anhänger des .... ismuses.

Natürlich vermute ich als Linker, dass es eine Form des Sozialismus sein wird. Aber warum sich heute Gedanken darüber machen wie das genau dann aussehen wird?

Warum heute das Fell des Bären verteilen, wenn der Bär noch quicklebendig die Masse der Bevölkerung aussaugt?

Erstmal die Kapitalisten vertreiben - dann sehen wir weiter.
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 13.02.2017 um 11:19 Uhr
Herr Wagner, Sie ahnen das ich darauf reflexartig anspringe.

Mit Ihrer These liegen Sie absolut daneben.

--- Was doch jeden Tag die Bevölkerung bewegt ist, dass der hiesige Kapitalismus immer brutaler wird. Die Reichen werden immer reicher und die Armen müssen sehen wie sie einigermaßen über die Runde kommen. –

Wir leben wahrscheinlich in Parallelwelten (Mehrweltentheorie). DIE Bevölkerung gibt es nicht und nur ein kleiner Teil der hiesigen Menschen leidet unter einem Raubtierkapitalismus. Der Großteil unserer Mitbürger weiß nicht wie er sein Geld vor der Inflation retten soll und versucht sich in Immobilien. Der Trend geht zum Dritturlaub und Rentner verbringen bald mehr Zeit auf Kreuzfahrtschiffen als zu Hause. Selbst die Discounter quellen über vor Feinkostwaren und Schuh- und Kleiderschränke platzen aus allen Nähten. Versuchen Sie mal an einem Samstagabend ohne Reservierung essen zu gehen. Die Lokale sind oft proppenvoll und die Straßen sind dicht mit überwiegend hochpreisigen Karossen.

Das Reiche immer reicher werden interessiert mich nicht die Bohne. Das Steueraufkommen ist so gigantisch, dass wir halb Europa retten, die Welt in unsere Sozialsysteme bitten und in Kürze noch den Part von England übernehmen sowie die Verteidigungsausgaben drastisch erhöhen können.
Kurt Wirth
1.200
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 13.02.2017 um 11:33 Uhr
War zwar nicht an mich gerichtet, aber dennoch meine Meinung:
Wenn Sie schreiben "ein kleiner Teil unserer Mitbürger" statt "ein Großteil...", dann würde ich Ihnen zustimmen. Und ohne Reservierung konnte man auch in der DDR am Samstagabend nicht essen gehen:-)
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 13.02.2017 um 11:54 Uhr
Herr Wirth, dann wäre es vom Großteil ja extrem dumm nicht die Linke zu wählen.
Die meisten Menschen haben aber viel zu verlieren und scheuen sich deshalb vor einem, wie Herr Wagner schön sagt, Gesellschaftswechsel mit Eigendynamik. Das fällt dann unter "Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis".

Die Gefahr, das der Esel aufs Eis geht, ist allerdings real.
Stefan Walther
4.029
Stefan Walther aus Linden schrieb am 13.02.2017 um 14:49 Uhr
Nicht ganz reflexartig wie Herr Bucher, aber da muss ich - natürlich - auch anspringen Martin!

Wen das interessiert was in der Vergangenheit war? Das interessiert mehr Menschen als du vielleicht denken magst = hast du noch nie gehört wenn die Leute sagen "ja, das mit dem Sozialismus, das ist schon nicht schlecht, aber so wie es da oder dort war/ist, nee davon will ich nix wissen...". Und diese Auseinandersetzung ist dann auch keineswegs einseitig kopflastig, sie hat ihre ganz praktischen Wurzeln und Erkenntnisse, da können etliche Menschen auch aufgrund eigener Erfahrungen mitreden.

Und ganz grundsätzlich = einfach zu sagen, dies oder jenes muss weg, dann schauen wir mal was danach kommen wird, mit so einer Herangehensweise kann man keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken und auch bei niemanden Vertrauen gewinnen.

Die reinen Pragmatiker haben noch nie etwas in der Praxis verbessern / verändern können. Ja, zum x-ten Mal, ob es dir gefällt oder nicht, ohne eine theoretische Auseinandersetzung - immer in Verbindung mit der Praxis - wird das alles nur zu oberflächlichem und ggf. auch falschem Gerede werden...
( ich schreibe das auch nur deshalb schon wieder weil du schon wieder deine "Theoriefeindlichkeit" hier betonst )
Kurt Wirth
1.200
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 13.02.2017 um 17:49 Uhr
Von meiner heutigen Kreuzfahrt (Stehcafe in der Fußgängerzone) zurück:
Herr Bucher, es ist eben viel zu kurz gedacht, daß alle, die die Linke wählen, einen Sozialismus wollen und alle die den Sozialismus wollen die Linke wählen.
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 13.02.2017 um 18:02 Uhr
Jetzt drehen wir uns im Kreise. Sie gingen von 70-80% Sozialismusanhängern aus, aber diese haben anscheinend keine Motivation durch Wahlen ihrem Paradies näher zu kommen.
Kurt Wirth
1.200
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 13.02.2017 um 18:17 Uhr
Die Umfragen betr. Sozialismus waren keine Wahlumfragen. So lange die größte Fraktion bei Wahlen die Nichtwähler sind und auch bei einem guten Teil der tatsächlich Wählenden kann man aus dem Wahlergebnis schwer auf die gesellschaftlichen Zielvorstellungen der Bevölkerung schließen. Somit haben sie mit dem zweiten Teil Ihres vorstehenden Kommentars Recht.
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 13.02.2017 um 18:31 Uhr
Danke für die unaufgeregte Kommunikation. Das ist ja heutzutage eine Seltenheit und hoch zu schätzen. Ein wenig vermisse ich Herrn Beltz, der das Thema "Mehrheit will Sozialismus" erst in die Welt gebracht hat.
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 13.02.2017 um 18:59 Uhr
Eben bin ich über einen Artikel auf ZON gestolpert und auf Seite 3 findet sich eine ganz treffende Unterscheidung zwischen links und konservativ:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-02/donald-trump-john-wayne-amerikanischer-held

Zitat

"Der grundlegende Unterschied zwischen links und konservativ ist der: Die einen glauben, man könne Gesellschaften nach seinen Idealvorstellungen umgestalten, die anderen meinen, wir hätten keine Wahl, als Tradition und Bräuche et cetera fortzuschreiben. Das ist der grundlegende Unterschied. Konservative haben meist bescheidenere Vorstellungen, was der Staat tun kann, denn ihrer Meinung nach ändern sich unsere Gewohnheiten, Traditionen und Bräuche nicht so leicht. In diesem Sinn tendieren Konservative viel weniger dazu, Änderungen staatlicherseits zu erzwingen, und in diesem Sinn, meine ich, haben sie eine geringere Neigung zum Totalitären."
Stefan Walther
4.029
Stefan Walther aus Linden schrieb am 13.02.2017 um 22:24 Uhr
Ja, die unaufgeregte und dennoch kontroverse Debatte hier ist eine Grundlage Meinungen auszutauschen, darin stimme ich Ihnen zu Herr Bucher.
Auch darin, dass sich ausgerechnet der Beitragseinsteller nicht an der Diskussion beteiligt, finde auch ich etwas merkwürdig.

Inhaltlich liegen wir dagegen ziemlich weit auseinander: Sie haben jetzt ein neues Fass aufgemacht, kein Problem wenn andere Aspekte ausreichend kontrovers diskutiert wurden!
= ob der grundlegende Unterschied zwischen links und konservativ wirklich darin besteht ( siehe Zitat ) bezweifle ich.
Die Konservativen ( um bei Ihren Begriffen zu bleiben ) wollen das Bestehende in Ihrem Interesse ( es geht immer um eigene Interessen ) bewahren, keine grundsätzlichen Veränderungen vor allem was die Machtverhältnisse betrifft. Dass sie dabei auch Zugeständnisse an gewisse Entwicklungen machen ist hierbei zweitrangig... der Staat soll ihre Interessen verteidigen, und da sie die Macht haben tut er das natürlich auch, so ist es in jedem Staat.
Die Linken? = nun, nicht so einfach zu beantworten, denn "die" Linken gibt es nicht, Kurt Wirth hat schon darauf hingewiesen, dass z.B. die Partei Die Linke keineswegs bei ihren Wählern generell als Partei für den Sozialismus angesehen wird, und meiner Ansicht auch als Partei nicht für das Ziel Sozialismus steht ( das sieht man nicht nur daran wie sie sich verhält wenn sie selbst in bürgerlichen Parlamenten mit an der Regierung ist )

Aber, was ist mit den Linken, die sich klar für den Sozialismus aussprechen, darum geht es doch im Zitat!? = es geht dabei weniger um Ideale, oder gar um Moral, es geht um die gesellschaftlichen Verhältnisse, um Klassenkampf, um Eigentumsverhältnisse, um "wer herrscht und wer wird beherrscht"... was heisst "Neigung zum Totalitären"? das verstehe ich nicht, was ist "totalitärer": wenn eine verschwindend kleine Minderheit über die große Mehrheit herrscht oder wenn es umgekehrt ist? Und wieso sollten Linke der Ansicht sein, dass "Änderungen staatlicherseits zu erzwingen sein sollen"? Auch das verstehe ich nicht, es gibt keine Illusionen in den kapitalistischen Staat, und der sozialistische Staat ist der Staat der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten, also der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung...
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 14.02.2017 um 09:23 Uhr
Guten Morgen Herr Walther,

Den Kapitalismus, den Konservatismus und selbst den Liberalismus gibt es genauso wenig wie „die Linken“ und ich spiele hier den Hardcore- Kapitalisten/Demokraten/Konservativen obwohl ich ja per Definition schon mal kein Kapitalist sein kann. Ich herrsche nicht, besitze keine Produktionsmittel und die Eigentumsverhältnisse sind, na ja, für deutsche Verhältnisse durchschnittlich.

Dann zähle ich also zu den ausgebeuteten, beherrschten, zur „Arbeiterklasse“ (passt heute nicht mehr) gehörenden Menschen, der in seiner Einfältigkeit den eigenen Metzger wählt, der mich zur Gewinnmaximierung noch ein wenig Leben lässt.

Jetzt haben wir eine paradoxe Situation. Der hiesige Kapitalismus ermöglichte einen Wohlstand ungeahnten Ausmaßes für die Mehrheit der Bevölkerung. Systembedingt ist dieser ungleich Verteilt und somit gibt es auch Verlierer. Jetzt erzeugt genau dieser Kapitalismus auch noch genug Ressourcen (Lebensmittel, Güter und Dienstleistungen) um den Verlierern ein auskömmliches Leben zu ermöglichen und über Steuern- und Sozialabgaben werden diese Ressourcen verteilt.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, über die Verteilung können wir gerne diskutieren.

Nun kommen wir zu den Anhängern des Sozialismus, deren Gerechtigkeitsempfinden bei der ungleichen Verteilung heftig protestiert und die nach einer Möglichkeit suchen, eine Wirtschaft-/Gesellschaftsform zu schaffen, die alle negativen Eigenschaften des Kapitalismus eliminiert.

Und siehe da, es finden sich einige kluge Denker die eine passende Utopie skizieren und diese ist so überzeugend, dass sich viele Staaten an die praktische Umsetzung machen.

So, jetzt kommen wir zum Kern unseres Disputes. Ich sehe gescheiterte Experimente, die prinzipiell mittel-/langfristig scheitern müssen und Sie sehen durch innere Fehler und äußere Feinde aus dem Ruder gelaufene Umsetzungen einer an sich richtigen Idee.

Dieses nicht Ertragen von Ungleichheit und Ungerechtigkeit führt meiner Meinung nach zu einer rel. Armut für alle und in schlimmen Fällen zum massenhaften Tod wie in China und Kambodscha.

Noch eine Klarstellung: Der Kapitalismus ist per se nicht „GUT“, sowie die Menschen per se nicht „GUT“ sind, aber wenn wir das wissen, können und müssen wir laufend darauf reagieren.

In meiner kleinen, persönlichen Bibel (Farm der Tiere) ist das unvermeidliche Scheitern des Sozialismus perfekt beschrieben. Die Lektüre erdet prompt.

Klügere Leute drücken meine Gedanken besser aus:

http://www.achgut.com/artikel/sozialistische_religiositaet_die_unfehlbaren_wiedergaenger
Martin Wagner
2.164
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 14.02.2017 um 10:32 Uhr
Ich bleibe dabei; diese Diskussion ist für mich zu verkopft.

Nichts dagegen, dass sie geführt wird; vielleicht ergibt sich ja für den Einen oder Anderen ein Denkanstoss.

Aber die Menschen mit denen ich hauptsächlich Kontakt habe interessiert so eine Diskussion "keine Bohne". Menschen die spätestens um den 25. des Monats genau rechnen müssen damit genug zum Essen im Kühlschrank drin ist haben keine Zeit und keinen Bock über Sinn oder Unsinn dieses oder jenes -ismus sich Gedanken zu machen.

Was da interessiert ist die Frage: Wann endlich ist der Kapitalismus beseitigt? Ja genau das ist die Frage, denn heute können immer weniger Menschen "unten" etwas mit Sprüchen "wir müssen das Wirtschaftssystem reformieren" oder so die Augen zu geschmiert werden.

Der sicher in seiner Substanz richtige Hinweis, dass (ich glaube die Dogmatiker nenne das so) die Entwicklung der Produktivkräfte (besser bekannt als allgemeiner Fortschritt) ein geschichtlich nie gekanntes Mass erreicht hat ist ein in diesem Zusammenhang gerne benutzte "Verarsche".
(Entschuldigen sie die etwas derbe Ausdrucksweise).

Was soll das denn heissen? Die Reichen (aller Länder) wissen faktisch nicht, was sie mit dem ihnen "zustehenden" Geld machen sollen und die Armen (nicht gerade in der BRD aber in anderen Weltgegenden) "dürfen" elendig verhungern. Natürlich wird sich auch in der Zukunft in egal welcher Spielart des Antikapitalismus die Warenprodution zu Nutzen der Massen steigern lassen, aber das ist Zukunftsmusik. Wichtig für mich ist heute einzig und allein, ob es gelingt die Reichen zu entmachten damit die Armen genug zum Leben haben (oder den Kapitalismus abzuschaffen).

Ich mag das wohl nicht richtig beurteilen können, ob ich in einer " Parallelwelt" lebe. Der Begriff ist mir zu wenig bekannt. Ich selber halte mich für völlig bodenständig.
Stefan Walther
4.029
Stefan Walther aus Linden schrieb am 14.02.2017 um 11:52 Uhr
Guten Morgen auch an Sie Herr Bucher, und vielen Dank für die sehr ausführliche Antwort.

Wo jetzt beginnen, beim Kern wie Sie es nennen? = gut, dann auch für Sie einen Link ( ich werde auch bei Gelegenheit Ihren Hnweis lesen! )
http://www.mlwerke.de/me/me19/me19_177.htm

Richtig, der Kapitalismus war in seiner geschichtlichen Einordnung zu einer gewissen Zeit "fortschrittlich", auch für die Masse der Menschen ein enormer Gewinn gegenüber dem Feudalismus, das bestreitet niemand. Nur, diese Zeit der "Reformen von oben" ist lange vorbei, die Schere zwischen arm und reich klafft gerade auch in Deutschland immer weiter auseinander... Sie bezeichnen Ihr Einkommen als durchschnittlich - was aber ist mit den Millionen, die noch nicht einmal in die Nähe eines durchschnittlichen Einkommens denken können, die jeden Tag ums Überleben kämpfen müssen ( das ist keinesfalls übertrieben ), Kinder- oder Altersarmut sind keine Propagandasprüche von Linken, es ist die Realität auch in Deutschland... ja, man könnte noch im Zusammenhang über gerechte Verteilung ( die kann es im Kapitalismus gar nicht geben ) lange diskutieren, Schlagworte wären "Reichtum/Vermögen", "Prouktivitätssteigerung pro Beschäftigten" usw. usf.

Wo ich entschieden widerspreche, das ist die Behauptung "Sozialismus sei die Verwaltung der Armut aller", da lohnt sich ein Blick in die Geschichte, vor allem in die der Sowjetunion oder auch Chinas, das Gegenteilt ist der Fall, die Massen erlebten einen vorher nie dagewesen Aufschwung, gerade auch was ihre Lebensverhältnisse betraf ( ich will keinen Link einstellen, aber z.B. die Broschüre "Warum China keine Inflation kennt" ist da u.a. lesenswert... )
Und da kommen wir wieder zum Knackpunkt, den meiner Ansicht auch Martin Wagner total vernachlässigt = man muss unbedingt analysieren und unterscheiden "wo, wann und wie lange gab es tatsächlich den Sozialismus" und "wann, wie und durch wen wurde er zerstört". Der zweite Punkt ist wahrscheinlich noch bedeutender, denn nicht äußere Feinde zerstörten den Sozialismus, sondern er wurde im Innern zerstört, ausnahmslos in allen ehemaligen sozialistischen Ländern...

Von welchem "Massenhaften Tot" reden Sie Herr Bucher? Von den ca. 3 Millionen in der ehemaligen Sowjetunion, die sich nach der Revolution jahrelang gegen bis zu 14 ausländische Staaten und deren Überfälle wehren musste? Oder die Millionen Tote, die die ehemaligen Kapitalisten und Großgrundbesitzer auf dem Gewissen hatten, die den Aufbau des Sozialismus behinderten, Lebensmittel und Tiere sogar verbrannten, Hungersnöte bewusst in Kauf nahmen usw.? Kambodscha ist kein Beispiel für ein echtes sozialistisches Land, in China lief es ähnlich wie in der Sowjetunion, nur dass es in China länger gelungen ist die alte Herrscherklasse, die neue Bürokratenklasse mit dem Parteibuch in der Tasche, klein zu halten...

Der Mensch ist an sich nicht gut = das hört man sehr oft, das halte ich jedoch für grundfalsch, der Mensch ist Abbild der gesellschaftlichen Verhältnisse... Beispiele des Gegenteils gibt es zu Hauf, selbst im Kapitalismus ist für Millionen das Wort Solidarität kein Fremdwort...
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 14.02.2017 um 12:01 Uhr
Auf die schnelle Wikipedia:

Die Große Chinesische Hungersnot wurde durch sozialen Druck, wirtschaftliches Missmanagement und einen radikalen Umbau der Landwirtschaft verursacht. Mao Zedong, Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas, führte drastische Veränderungen im Landbau ein, die Privateigentum untersagte. Verstöße hiergegen führten zur Verfolgung. Der soziale Druck, der den Bürgern hinsichtlich Landwirtschaft und Gewerbe auferlegt wurde, die seitens der Regierung kontrolliert wurde, führte zu staatlicher Instabilität. Den während des Großen Sprungs nach vorn zwischen den Jahren 1958 und 1962 verabschiedeten Gesetzen geschuldet, starben Regierungsstatistiken zufolge ungefähr 36 Millionen Menschen in diesem Zeitraum.[7] Bis in die frühen 1980er Jahre war die Einstellung der chinesischen Regierung, die sich in der Bezeichnung „Dreijährige Naturkatastrophe“ widerspiegelt, dass die Hungersnot überwiegend das Resultat einer Serie von natürlichen Ereignissen war, die durch mehrere Planungsfehler verschlimmert wurden. Forscher außerhalb Chinas vertraten die Auffassung, dass massive institutionelle und politische Veränderungen, die den Großen Sprung nach vorn begleiteten, die Schlüsselfaktoren zur Hungersnot waren, oder mindestens die durch die Natur verursachten Katastrophen verschlimmerten.[8][9] Seit den 1980er Jahren gab es eine größere offizielle Einsicht seitens der Chinesen hinsichtlich der Bedeutung politischer Fehler bei der Verursachung von Katastrophen, indem man zugab, dass 30 % durch die Natur und 70 % durch Missmanagement verursacht wurden.

Während des Großen Sprunges nach vorn wurde Landwirtschaft in Volkskommunen organisiert und der private Anbau verboten. Die Eisen- und Stahlproduktion wurde als Schlüsselindustrie für wirtschaftlichen Fortschritt ausgemacht. Millionen Bauern wurden aus der Landwirtschaft abgezogen, um die Eisen- und Stahlbelegschaft zu verstärken.
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 14.02.2017 um 13:56 Uhr
Herr Walther,
wir können wahrscheinlich noch hunderte gute und schlechte Argumente austauschen, aber der Schlüssel warum wir nie zu einem Einvernehmen kommen, findet sich in Ihrem letzten Absatz.

Zitat:
Der Mensch ist an sich nicht gut = das hört man sehr oft, das halte ich jedoch für grundfalsch, der Mensch ist Abbild der gesellschaftlichen Verhältnisse... Beispiele des Gegenteils gibt es zu Hauf, selbst im Kapitalismus ist für Millionen das Wort Solidarität kein Fremdwort...

Mit dem Scherz der beiden Biologen habe ich es schon mal anklingen lassen, aber nur wer sich ein wenig mit Evolutionspsychologie, Biologie, Sozibiologie befasst, weiß was damit gemeint ist.

Der Mensch ist AUCH Abbild der gesellschaftlichen Verhältnisse, aber auch den Zwängen der Biologie unterworfen und diese schließen Solidarität keineswegs aus (nur der wahre Egoist kooperiert).

Das Thema ist zu komplex für die Kommentarfunktion, aber ein Liste der vielen hundert universellen Eigenschaften aller menschlichen Kulturen ist aufschlussreich. Diese sind unabhängig von Staatsform, Rasse, materiellen Voraussetzungen usw..

http://link.springer.com/content/pdf/bbm%3A978-3-642-12689-5%2F1.pdf

Sie finden Dinge wie:

Ethnozentrismus
Gegenseitigkeit positive und negative (Rache, Vergeltung)
Manipulation von Sozialbeziehungen
Oligarchie
Eigentum
Männer mit größerer Neigung zu tödlicher Gewalt und Diebstahl
Gewalt und Ächtung einiger Formen der Gewalt
Reziproker Tausch von Arbeit, Gütern und Dienstleistungen
Sanktionen für Verbrechen gegen das Kollektiv
Sprache zur Desinformation oder Irreführung verwendet
Überschätzung der Objektivität des Denkens
Wirtschaftliche Ungleichheiten und das Bewusstsein dieser
Arbeitsteilung nach Alter und Geschlecht

Schauen Sie sich mal das kirchliche Sündenregister an und dazu die Häufigkeit mit der die Vergehen gebeichtet wurden und sie haben ein Gefühl für die „Natur“ des Menschen.
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 14.02.2017 um 14:14 Uhr
@ Martin Wagner

Sie machen es sich ja einfach:

Was da interessiert ist die Frage: Wann endlich ist der Kapitalismus beseitigt?

In Venezuela ist er beseitigt und die Menschen hungern.
Und nun?
Martin Wagner
2.164
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 14.02.2017 um 15:57 Uhr
Herr Bucher sicher ist es interessant was in Venezuela politisch "so abgeht".

Aber ich habe mein ganzes Leben in Hessen gelebt (und immer im Kapitalismus). Und so wie es aussieht bleibt das auch so.

(Hessen ist okay - Kapitalismus "leider"!)

Ich fürchte ihnen reicht diese Antwort nicht. Es geht hier in der Onlineausgabe anscheinend immer gleich "um Alles".

Aber Bert Brecht (der dürfte ihnen liegen) schrieb einmal treffend: Erst kommt das Fressen und dann die Moral!
Stefan Walther
4.029
Stefan Walther aus Linden schrieb am 14.02.2017 um 19:57 Uhr
Herr Bucher, Sie haben Recht, wir beide werden uns nicht einig werden, auch wird der eine den anderen nicht überzeugen können, ich denke das war uns beiden schon zu Beginn klar. Das ist auch nicht so entscheidend, wichtiger ist der Austausch und natürlich vor allem die Menschen, die einfach hier nur "mitlesen" :-)

Also mit Wikipedia-Zitaten können Sie hier in der GZ - zum Glück - wenig punkten, das hatten wir schon öfter, Wikipedia ist weder "die Wahrheit" noch unabhängig... egal, dann doch noch ein letzter Link, lohnt sich für alle die sich nicht einseitig informieren wollen:
http://www.amazon.de/dp/3880210403/ref=cm_cr_ryp_prd_ttl_sol_0

Und noch eine kleine Feststellung am Rande = Venezuela ist keineswegs ein sozialistisches Land, wie kommen Sie denn darauf?
Stefan Walther
4.029
Stefan Walther aus Linden schrieb am 14.02.2017 um 20:06 Uhr
Martin, ja es ist schwierig mit dir Diskussionen zu führen, und du gehst kaum auf etwas konkret ein, auch das Brecht Zitat hat mit dieser Debatte hier nichts gemein, gerade Brecht wusste ganz genau, dass es immer auch um "das Große" gehen muss, alles hängt zusammen... und über Moral hat hier meines Erachtens sowieso keiner etwas geschrieben und dementsprechend argumentiert.
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 14.02.2017 um 20:11 Uhr
Interessant, wenn ich an anderer Stelle Wikipedia zitiere, wird dies mit dem Hinweis der Linkslastigkeit und Unterwanderung durch Genderaktivstinnen abgelehnt.
Wilfried Bucher
185
Wilfried Bucher aus Gießen schrieb am 14.02.2017 um 20:23 Uhr
Zu Venezuela:

http://www.deutschlandfunk.de/venezuela-nie-zuvor-eine-krise-dieser-dimension.1184.de.html?dram:article_id=309298

Zitat:
Jácome: Wir bekommen heute tatsächlich die Folgen der Enteignungen ganzer Ländereien zu spüren, die Chávez vor einigen Jahren verordnet hat. Früher gehörte Venezuela zu den Selbstversorgern bei Reis, Kaffee, Zucker und Maismehl, auch beim Fleisch. Wir konnten sogar landwirtschaftliche Produkte exportieren. Viele Haziendas wurden jedoch enteignet - auf dem Weg zum sogenannten Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Heute produzieren sie so gut wie nichts mehr, stattdessen importieren wir das alles.
Stefan Walther
4.029
Stefan Walther aus Linden schrieb am 14.02.2017 um 21:04 Uhr
Den Vorwurf der Linkslastigkeit kenne ich nicht Herr Bucher, ich kenne nur die andere - von mir angeführte - Seite der bisherigen Reaktionen auf Wikipedia Zitate. Zu meiner Schande muss ich aber gestehen, dass ich so ca. 95% der hier veröffentlichten Beiträge gar nicht erst lese, steige nur hin und wieder irgendwo ein...

Gut, dann ein letztes Mal = der so genannte Sozialismus des 21. Jahrhunderts hat nicht das Geringste mit der Herrschaft der Arbeiterklasse ( dies ist die Definition des Sozialismus und nichts anderes! ) in einem Land zu tun. Und natürlich ist auch der Begriff "Arbeiterklasse" weder verstaubt noch unzutreffend... das Industrieproletariat, der Kern der Arbeiterklasse, wächst(!) weltweit, vor allem in den neuen imperialistischen Ländern ( China, Indien, Südkorea, Türkei usw. usf. )
Martin Wagner
2.164
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 15.02.2017 um 09:55 Uhr
Nein Stefan - mit meinem Brecht-Zitat bin ich ganz eng beim Artikel.

Schau bitte einmal in die Geschichtsbücher. in den drei "Westzonen" sind in den Hungerwintern nach dem Krieg hunderte von (zumeist entwurzelten) Menschen in den größeren Städten "schlicht und einfach" verhungert. (Auch ein Grund dafür, dass amerikanische Friedensgrüppchen die Care-Aktion gestartet haben.)

Was zählte war ein Stück Brot auf dem Tisch und nicht irgendwelche Theorie. Von daher ist es doch überhaupt nicht verwunderlich, dass im Ahlener Programm die im Artikel stehenden Sätze drin stehen.

Denn die Menschen wussten noch zu genau, wem sie das ganze Elend zu verdanken haben. Eben den raffgierigen Kapitalisten, welche zur Absicherung ihrer Macht sich mit den Faschisten verbündet hatten.

Noch einmal: die Menschen wollten genug Brot auf ihrem Tisch. Welcher -ismus das gelingen soll interessierte dabei nur die Wenigsten.

Ich gehe davon aus, dass du viel von Lenin hälst. Auch dort gibt es das gleiche Phänomen. Die Oktoberrevolution konnte - verschiedenen Quellen nach - nur deswegen bei der breiten Masse der hungernden und sich nach Kriegsende sehnenden Bauern, Arbeitern und Soldaten Anklang finden, weil Lenin - im Gegensatz zu den Führern der Menschewiken - mit der Parole "Brot und Frieden" arbeitete.

Unabhängig davon gebe ich dir aber recht, dass - hat sich ein System einmal etabliert - es gewaltige Unterschiede macht in welchem System ein Mensch lebt. Aber der Grund für das Engagement zum Sturz des alten (zumeist zutiefst verhassten) Systems erfolgt bei den meisten Menschen nicht aus der Einsicht "die Neuen" werden das für alle Menschen im Machtbereich des jeweils herrschenden Blockes "Besser machen", sondern zur "Hebung" des eigenen Lebensstandarts.

Wenn du so willst handeln diese Menschen nach dem Motto: Etwas Besseres als die Sklaverei werden wir immer finden!
Stefan Walther
4.029
Stefan Walther aus Linden schrieb am 15.02.2017 um 12:02 Uhr
Das ist doch mal konkret Martin, damit kann ich auch was anfangen.
Was du schreibst ist jetzt wenig widersprüchlich zu dem was ich geschrieben habe ( lassen wir das Brecht Zitat mal aussen vor ) =
ja, völlig richtig, Lenin bzw. die Bolschewiki konnten nur deshalb die Revolution führen weil sie klar die Forderungen der hungernden und vom Krieg ausgelaugten Massen der Arbeiter, Bauern und Soldaten formulierten "sofortiger Frieden und Brot!". Wie Lenin immer betonte = Politik ist immer konkret...

nun kommt das "aber" = dies war immer verbunden mit einer klaren Perspektive, die mit den Arbeitern, Bauern und Soldaten immer breit diskutiert wurde, sie "dursteten" nicht nur nach "Brot und Frieden", sondern auch nach Bildung und Wissen ( das kann man leicht belegen ). Ohne diese Auseinandersetzungen, ohne Forderungen wie z.B. "alle Macht den Sowjets", ohne die schonungslose Kritik an allen kleinbürgerlichen Parteien und deren Theorien, - von den Anarchisten, über Menschewiki bis hin zu den Sozialrevolutionären - hätte es keine erfolgreiche Revolution geben können. Theorie und Praxis, das ist eine untrennbare dialektische Einheit, das ist auch kein theoretischer Spruch, das hat die Praxis / die Geschichte mehrfach bewiesen...

Die Massen handelten demnach auch nicht nach dem Motto "etwas besseres als die Sklaverei werden wir immer finden", sie wussten in der großen Mehrheit genau "für" was sie kämpften...
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

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Herzlichst, Ihr(e) Michael Beltz

von:  Michael Beltz

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Michael Beltz
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