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Studenten verbannen den Nationalist Otto Eger aus Gießen

(v.l.) Michael Breitbach, Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, Dr. Eva-Marie Felschow,  Ralf Stobbe, Susanne Kraus
(v.l.) Michael Breitbach, Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, Dr. Eva-Marie Felschow, Ralf Stobbe, Susanne Kraus
Gießen | Widerstandskämpferin statt Alt-Nazi, diese Devise bestärkte die Umbenennung des Otto Eger Heims. Das nun seit zwei Jahren namenlose Gebäude im Leihgesterner Weg 16 trägt endlich einen neuen Namen. Das Studentenwohnheim und zugleich Mensa wurde nun nach mehrmaligen Forderungen seitens der Gießener Studenten in „Mildred –Harnack-Fish-Haus“ umbenannt. Das im Jahre 1929 erbaute Haus wurde zwanzig Jahre später nach Otto Eger benannt, welcher der erste Vorsitzende der „Gießener Studentenhilfe e.V.“ war. Randi Becker beteiligte sich als studentische Vertretung im Gremium und recherchiert im Fall Otto Eger. Sie erklärt, dass Eger antisemitische und antidemokratische Denkweisen aufwies und folglich ein Sympathisant der Nationalsozialisten war. Zuerst fand man keine Beweise für diese Behauptungen, da es nur sehr wenige Dokumente gab. Durch sein hoch politisches Engagement und jahrzehnter langer Einsatz für soziale Belangen der Studierenden gerieten die Forderungen zur Umbenennung stets ins Vergessen. Durch ein im Jahr 2014 aufgetauchtes Dokument des Gießeners Konzertvereins von 1933, das ganz im NS-Jargon verfasst wurde
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und Eger damit schwerwiegend belastete, beschloss der Verwaltungsrat des Studentenwerks Gießen im Oktober den Namen zu ändern. Schon seit Ende der 1960er Jahre bestehen diese Forderungen, die erst 50 Jahre später gehört und in die Tat umgesetzt wurden. Ein neues Vorbild musste für das Studentenwohnheim gefunden werden. “Jemand, der würdig ist. Jemand, der nicht belastet ist.“, so Fr. Dr. Eva-Marie Felschow, die im Universitätsarchiv zu Mildred-Harnack-Fish recherchierte. Aus einem Wettbewerb an der Universität ging hervor, dass die Studenten sich Mildred-Harnack-Fish als Repräsentantin für das Wohnheim wünschten. Sie war eine Berliner Widerstandskämpferin der „Roten Kapelle“ und fand im Kampf gegen den NS je ein tragisches Ende. Dieser unsagbare Mut gegen das Terrorregime der Nationalsozialisten und für die freie Demokratie zu kämpfen soll mit der Namensgebung des Hauses geehrt werden.
„Die Umbenennung kennzeichnet einen wichtigen Akzent in der Erinnerungskultur der Universität Gießen.“, so die Kanzlerin der Justus-Liebig-Universität Gießen Susanne Kraus bei der Vorstellung der Gedenktafel in der Mensa. Geschäftsführer Ralf Stobbe dankt allen Mitwirkenden, darunter Susanne Kraus, der Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, Michael Breitbach und Dr. Eva-Marie Felschow, die die Durchführung des Projekts ermöglichten.

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Kommentare zum Beitrag

Bernd Zeun
9.853
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 27.10.2016 um 11:48 Uhr
Die Umbenennung hat lange genug gedauert. Dass Otto Eger ein Nazi war, ist weit vor 2014 bekannt gewesen und kann man auch hier in der GZ schon 2012 nachlesen. Da erfährt man auch etwas mehr über Mildred Harnack-Fish. Hoffentlich gibt es auch (oder kommt noch) eine entsprechende Gedenktafel, sonst denkt noch ein Unbedarfter, besonders im Zusammenhang mit Mensa und dem etwas unglücklichen Namenszug mit drei Bindestrichen, dass es sich um ein Fish-Haus handelt. Besser wäre "Mildred Harnack-Fish Haus" gewesen.
Martin Wagner
2.175
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 28.10.2016 um 22:15 Uhr
Leider hat sich die Mitarbeiterin der GZ nicht vollständig genug informieren lassen. Der Sachverhalt ist schlicht und einfach falsch, wenn es heisst (...) "
Schon seit Ende der 1960er Jahre bestehen diese Forderungen, die erst 50 Jahre später gehört und in die Tat umgesetzt wurden."

Das Wort "Forderung" ist hier völlig irreführend. Forderungen wurden natürlich seit langem gestellt, aber entscheident ist immer, ob jemand gefunden werden kann der die Forderungen in den zuständigen Gremien zur Abstimmung bringt. Denn was zählt ist doch einzig und allein, ob es gelingt dem herrschenden Block etwas abzuringen.

(...) Laut Herrn Reimann * (ehemaliger Professor an der Universität) wurde im Jahr 1990 ein Initiativantrag im Konvent (von studentischen Gruppen eingebracht) zur Umbenennung von einer breiten Mehrheit der Professorenschaft "abgebügelt".

Die diversen Gruppe bürgerlicher Professoren (es gab auch andere) haben schon genau "hingehört", aber mit ihrer (satten) Mehrheit bewußt einen stark aus der Nazizeit Belasteten eben "nicht in die Wüste geschickt".

Ich denke Herrn Reimann wird es freuen, dass - auch wenn mit viel zu großer Verspätung - jetzt endlich dieser Spuk vorbei ist. Ich hoffe irgendwann wird es an der Universität einen roten / nicht bürgerlichen Professor geben, der sich traut seine Studenten die Frage nachgehen zu lassen, warum das Ganze bis heute so lange gedauert hat.

* http://www.bruno-w-reimann.de/otto-eger-schwarzbuch-2-aufl/
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von:  Sarah Klinnert -Mitarbeiterin der GZ-Redaktion-

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Sarah Klinnert -Mitarbeiterin der GZ-Redaktion-
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