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Sind so kleine Hände… - Kinderarmut in Gießen

Gießen | Der diesjährige Weltkindertag, am 20. September hat das Thema wieder in aller Munde gebracht: Kinderarmut. Ein besonders empfindliches Thema, wie sich zeigte, denn Kinder sind die Zukunft.
Jedes sechste Kind in Deutschland gilt als arm und somit ist Kinderarmut nicht nur ein Problem von Entwicklungsländern. Bei uns in Hessen, auch besonders in Gießen sind Kinder von Armut betroffen und wachsen in unwürdigen Lebensverhältnissen auf.

Besonders betroffen hierbei sind Kinder von Alleinerziehenden oder Kinder mit Migrationshintergrund. Laut der neuesten UNICEF-Studie leben bis zu 40 Prozent der Kinder von alleinerziehenden Eltern in sogenannter relativer Armut. Was bedeutet, dass die Wohnverhältnisse meist stark beengt und die Bildungsmöglichkeiten äußerst unzureichend sind. Auch die Möglichkeit, ihre sozialen und kulturellen Angebote zu nutzen haben sie nicht.

In der Stadt und dem Landkreis Gießen leben fast 7000 Kinder in Armut oder an der Grenze zur Armut (Kinder in Bedarfsgemeinschaften, Stand März 2008), die Dunkelziffer wird aber weitaus höher liegen. Dies sind rund 600 Kinder mehr als in den letzten beiden Jahren zuvor, der Deutsche Kinderschutzbund berichtete darüber auf www.giessener-zeitung.de am 15. September.
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„Es gibt Stadtteile, die stärker von Armut betroffen sind als andere, zum Beispiel Nord- und
Weststadt“, sagt Anna Fleth vom Arbeitskreis gegen Kinderarmut in Gießen, und fügt hinzu: „Im Kreis Gießen versorgen sich 1500 Menschen über „die Tafeln“ mit Lebensmitteln. Alleine 600 stehen noch auf Wartelisten.“

Doch nicht nur in Gießen, sondern in nahezu allen Industrienationen ist der Anteil von Kindern, die in relativer Armut aufwachsen, in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. In Deutschland galten in den Neunziger Jahren zwischen 7 und 9 Prozent der Kinder als arm. Im Jahr 2004 waren es bereits 1,7 Millionen Kinder und Jugendliche (13,3%).

Lediglich 208 Euro stehen Kindern monatlich durch Sozialgeld beziehungsweise HartzIV-Bezug zur Verfügung (siehe Tabelle).

Armut erkennen und helfen
Anna Fleth erklärt: „Armut bei Kindern ist auf den ersten Blick genauso schwer zu erkennen, wie bei Erwachsenen. Bei Verwahrlosung des äußeren Erscheinungsbildes kann nicht sofort auf materielle Armut geschlossen werden. Die ausgebildeten Pädagogen in den Kindertagesstätten und den Schulen sollten die betroffenen Familien kennen, in den Schulmensen kann man außerdem beobachten, dass sich die armen Kinder das Essen nicht leisten können.“
Bei sozial benachteiligten Kindern ist, laut Drittem Armutsbericht der Bundesregierung aus diesem Jahr, zu beobachten, dass sie sich häufig mit anderen in Armut lebenden Kindern zu Gruppen zusammenschließen und in Wohnvierteln unter sich bleiben.
Zudem ernähren sie sich ungesünder und einseitiger und bewegen sich nicht ausreichend. Der UNICEF-Studie zufolge, besuchen Kinder aus Migrantenfamilien seltener einen Kindergarten als gleichaltrige Deutsche. Am deutlichsten aber zeigen sich die Armutsfolgen im Schulerfolg und in der schulischen Laufbahn. Die Bildungschance eines Kindes hängt in Deutschland nicht nur von der Qualität der Schulen ab, sondern auch stark davon, wo es lebt und herkommt. Auffallend ist, dass Migrantenkinder in Sonder- und Hauptschulen stärker vertreten sind. Jedes sechste davon verlässt die Schule ohne Abschluss. Doch Gründe für diese Benachteiligung sind, unter vielen weiteren Faktoren, vor allem mangelnde Deutschkenntnisse und eine zu geringe Förderung durch die Eltern.

Gießen reagiert
Der Arbeitskreis gegen Kinderarmut in Gießen wurde im April 2008 gegründet und arbeitet vernetzt mit lokalen Gruppen und Initiativen, die zum Thema arbeiten, wie z.B. Eltern helfen Eltern e.V., dem AWO-Jugendwerk und der Arbeitsloseninitiative Gießen e.V..
Anna Fleth über den Arbeitskreis: „Wir versuchen, einerseits die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren, andererseits den Betroffenen zu helfen.“
Mit wöchentlichen Treffen und einem Aktionstag im Juli in der Giessener Innenstadt, bei dem vor allem auf das Problem der Mangelernährung bei armen Kindern aufmerksam gemacht wurde.
„Die wöchentlichen Treffen unseres Arbeitskreises sollen als Anlaufstelle für die Betroffenen dienen, deshalb richten wir momentan, unter anderem, auch eine Kinderbetreuung während dieser Zeit ein. Darüber hinaus ist eine kostenlose Hausaufgabenbetreuung in Planung, da allerdings die Finanzierung noch nicht vollständig steht, konnten wir dieses Projekt bisher noch nicht umsetzen.“, so Fleth weiter.
Zur Zeit plant der Arbeitskreis öffentliche Diskussionsveranstaltungen mit Experten. Die erste wird voraussichtlich am 12.12. im Café Amélie, im DGB-Haus Gießen stattfinden.

In Wettenberg bekommen Kinder aus von Armut betroffenen Familien in den Tagesstätten der Gemeinde ein kostenloses Mittagessen. Dafür plant die Gemeinde jährlich ein Etat von 10.000 Euro. Dies reicht für die Verpflegung von zwanzig Kindern. Die Kosten für 25 weitere Kinder übernimmt der Jugendhilfeträger.

 
 

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Kommentare zum Beitrag

25
Anna Fleth aus Gießen schrieb am 01.10.2008 um 10:39 Uhr
Der Arbeitskreis gegen Kinderarmut trifft sich immer mittwochs um 18.30 Uhr in den Räumen der Arbeitsloseninitiative Gießen, Walltorstr. 17.
Interessierte sind immer herzlich willkommen.

Wer sich weiter informieren will, kann dies unter www.gegen-kinderarmut.de.vu
109
Thoralf Trundilson aus Gießen schrieb am 01.10.2008 um 14:18 Uhr
Merkwürdigerweise kommt dieser Artikel ohne einen einzigen Verweis auf die Hart 4 - Gesetzgebung aus. Seit der Einführung des ALG 2 hat sich die Kinderarmut in der BRD verdoppelt. Ein 14jähriges Kind wird von offizieller Seite wie ein 60%-Erwachsener behandelt, dabei ist der Kalorienbedarf beim Wachstum der Jugendlichen sogar noch höher als bei Erwachsenen.
Hallo Lieber Leser
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