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Christine Buchholz (MdB) diskutiert über Kriege und Fluchtursachen

Gießen | "DAS ERSTE OPFER DES KRIEGES IST DIE WAHRHEIT" Hiram Johnson

Am 1.3.2016 referierte Christine Bucholz, Mitglied des Bundestages für "Die Linken", zum Thema Kriege, Flüchtlinge und Fluchtursachen.

Knapp 30 Interessierte folgten der Einladung in das Kerkrade Zimmer in der Kongresshalle und nahmen nach einem sehr interessanten Vortrag an einer regen Diskussion teil.

Paralell sprach Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz (SPD) , in der Kongresshalle über die Gefahr von Rechts und die AfD, spricht sich aber gleichzeitig für das Asylpaket II aus und macht damit klar, dass er die Flüchtlinge bekämpft und nicht die Fluchtursachen. Somit hilft er letzen Endes der AfD weitere Stimmen erhalten zu können.

Christine Buchholz beginnt mit ihren persönlichen Erfahrungen an der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge Gießen (HEAE) und einer Erfahrung während einer Zugfahrt aus Wien, in der sie selbst einen jungen 16 jährigen Syrier kennen lernen durfte, der nach dem Überqueren der deutschen Grenze sein Glück kaum fassen konnte, den Rest seiner Familie in Deutschland wieder sehen zu dürfen.


Sie sagte: " Wir haben keine Flüchtlingskrise, sondern eine Krise der sozialen Gerechtigkeit"

Síe sagte auch: "Wenn Gabriel jetzt soziale Investitionen fordert, dann sage ich ein kurzfristiger Sinneswandel kurz vor den Kommunal- und Landtswahlen ist nicht glaubwürdig. Wir wollen nicht nur Worte, sondern Taten. Investitionen in bezahlbaren Wohnraum und Bildung für alle, die es brauchen!!"

Hier der Inhalt des Vortrages:

1. Gibt es eine Flüchtlingskrise?

In den Medien in Deutschland werden Tag für Tag die Flüchtlinge als Problem dargestellt. Effekt: In einer Umfrage zur Landtagswahl in Sachsen –Anhalt liegt die AfD nun bei 17 Prozent. Die Rassisten brauchen selbst kaum den Wahlkampf zu organisieren: die mit rassistischen Untertönen durchsetzte Berichterstattung in den Medien, die Politik der Bundesregierung und der EU erledigt das für sie.

Tatsächlich haben wir in Deutschland keine Flüchtlingskrise. Wirtschaftlich ist es im letzten Jahr eher aufwärts gegangen. Der Staatshaushalt schreibt ein Plus. Die Bevölkerungszahl wird in Deutschland bis 2030 um 5 Millionen sinken. Auch diese Flüchtlingsbewegung kann, wie andere in der jüngeren Geschichte, die soziale und wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland bereichern – wenn der politische Wille da wäre.

Was wir haben, ist an vielen Orten eine Verwaltungskrise, weil das Personal im öffentlichen Dienst knapp ist. In Ballungszentren wie Hamburg, München oder Berlin haben wir darüber hinaus eine zum Teil akute Wohnungskrise. Diese Probleme sind Ausdruck der vergangenen Kürzungen im öffentlichen Dienst und der Privatisierungspolitik auf dem Wohnungsmarkt.

Die Forderungen nach Aushebelung des Mindestlohns für Flüchtlinge durch die Union und Unternehmerverbände zeigt, dass die Herrschenden die Fluchtbewegung von Millionen ausnutzen wollen, um die Arbeiter, Angestellten und Armen gegeneinander auszuspielen. Da dürfen wir nicht mitmachen: Anti-Rassismus nach vorne stellen, soziale Antworten geben.

Auf EU-Ebene gäbe es überhaupt kein Problem, denn eine Staatengemeinschaft von 28 Nationen mit über 300 Millionen Einwohner könnte die Flüchtlinge ohne Probleme aufnehmen und integrieren, wenn sie nur wollte. Sie wollen es nicht. In über einem Jahr ist nichts geschehen, außer dass überall die Grenzzäune hochgezogen wurden. Doch für beim Nato-Einsatz in der Ägäis zur Rückverfrachtung von Flüchtlingen auf das türkische Festland vergingen gerade einmal 72 Stunden zwischen dem Besuch von Kanzlerin Merkel bei Premierminister Davutoglu in Ankara und dem Marschbefehl.



2. Was sind die Fluchtursachen?

Hauptursache für die große Fluchtbewegung nach Europa des letzten Jahres sind Kriege – vor allem jene in Afghanistan, Irak und Syrien. Hinzukommen jene Menschen, die wie schon seit Jahren vor dem Elend und der Perspektivlosigkeit in vielen afrikanischen Ländern fliehen. Wer etwas gegen die Fluchtursachen tun will, der müsste zu allererst etwas gegen diese Kriege und dieses Elend tun.

Doch die deutsche Politik ist aktiv beteiligt gewesen, um diese Probleme zu verschärfen oder erst zu erzeugen. Bestes Beispiel ist die Politik der ausgedehnten Waffenexporte. Deutsche Firmen sind Weltspitze auf einigen der Rüstungsmärkte. Damit das so bleibt, erteilt die Bundesregierung großzügig Rüstungsexportgenehmigungen. Daran hat sich auch unter Sozialdemokrat Gabriel nichts wesentlich verändert.

Beispiele für die Rüstungsexportpraxis sind die Genehmigung einer Lieferung von 16 bewaffneten Patrouillenbooten nach Saudi-Arabien im letzten Jahr. Das zu einer Zeit, da eine saudisch geführte Kriegskoalition den Jemen bombardiert und Häfen blockiert – was die Anlieferung von Hilfsgütern erschwert oder ganz unmöglich macht. Auf unsere Frage, ob die Boote an dieser Blockade mitwirken können, antwortete die Bundesregierung, dazu lägen keinerlei Erkenntnisse vor.

Diese Exporte folgen nicht nur einer ökonomischen Logik. Kanzlerin Merkel hat wiederholt Saudi-Arabien als einen „Stabilitätsanker“ gekennzeichnet. Was das heißt, haben die Menschen in Bahrein und Ägypten erleben müssen. 2012 fuhren saudische Bodentruppen mit Panzern in den Nachbarstaat Bahrain ein, um die Demokratiebewegung niederzuschlagen. Bis heute sind die Truppen dort präsent und stützen ein Regime, das wöchentlich Menschen, darunter viele Journalisten, Gewerkschafter und auch Minderjährige, aus politischen Motiven ohne Gerichtsverfahren einkerkert. Als 2013 infolge eines Militärstreiches General Sisi im Sommer 2013 an die Macht kam, infolgedessen er die Revolution in Blut erstickte, war der saudische König der erste Staatschef, der Sisi dazu gratulierte. Saudi-Arabien zahlte bis heute 8 Milliarden US-Dollar an Ägypten, um das dortige Militärregime zu unterstützen.

Deutschland ist aktiv daran beteiligt, diese Politik der Repression zu stützen – politisch, wirtschaftlich und eben auch durch Rüstungsexporte.



3. Die Bundesregierung instrumentalisiert die Jesiden für Waffenlieferungen

Die Rüstungsexporte sind nur der greifbarste Ausdruck einer Politik, die dazu führt, dass Menschen aus dem Mittleren Osten fliehen. Mittlerweile beteiligt sich Deutschland selbst aktiv an diesem Krieg.

Begonnen hat es damit, dass erst Waffen und dann Militärausbilder an die Peschmerga im Nord-Irak geschickt worden sind. Dies wurde 2014 mit den fürchterlichen Angriffen der IS gegen Jesiden in Sindschar (Irak) begründet. Fakt ist: es waren nicht die Peschmerga, sondern PKK-Verbündete, die als einzige im August 2014 Jesiden aus dem Sindschar-Gebirge gerettet haben. Die kurdische Regionalregierung im Irak hat die Jesiden selbst immer diskriminiert. Als der IS angriff, zogen sich die Polizisten und Soldaten der KRG zurück. Die PKK wird demgegenüber in Deutschland immer noch als „Terrororganisation“ eingestuft. Ihre syrischen Verbündeten, die PYD, dürfen nicht an den Friedensverhandlungen in Genf teilnehmen.

Die deutschen Waffen und Ausbilder haben eine Aufgabe: Sie stützen die Herrschaft Präsident Barsanis. Der regiert mittlerweile ohne Parlament als Autokrat. Der Parlamentspräsident eine kurdischen Oppositionspartei darf die Hauptstadt Erbil nicht einmal betreten. Das Regime ist notorisch korrupt. Der Sold wurde an viele Peschmerga über Monate nicht ausgezahlt, so dass manche ihre deutschen Waffen verkauft haben – manche sind am Ende so bei IS gelandet.



4. Die Bundesregierung instrumentalisiert Terror für eine Beteiligung am Luftkrieg

Nach den Waffen und Ausbildern hat sich Deutschland im letzten Herbst Hals über Kopf an den Luftangriffen der westlichen Allianz gegen Irak und Syrien beteiligt. Sie stellen Aufklärungstornados, Satellitenspionage und Luftbetankung von Bombern. Auch dafür brauchte es eines humanitären Vorwandes. Geliefert wurde er durch die schrecklichen Terrorangriffe in Paris im November, die viele Menschen tief bewegt haben.

Das Entsetzen wurde von der französischen und deutschen Regierung instrumentalisiert, um in der Bevölkerung beider Länder Stimmung für die Beteiligung an einem eskalierenden Krieg im Mittleren Osten zu nutzen. Frankreich wurde indessen nicht von einem anderen Staat angegriffen. Der „Islamische Staat“ (IS) kontrolliert zwar ein Territorium in Syrien und Irak, verfügt aber über keine militärischen Mittel, um Ziele in Europa aus der Luft oder von See anzugreifen.

Fast alle Attentäter waren vielmehr belgische und französische Staatsbürger. Das verdeutlicht: Die Anschläge waren vor allem Ausdruck eines Problems innerhalb der europäischen Gesellschaften, in denen junge Muslime sich ausgegrenzt fühlen. Terroristische Strömungen können nur bekämpft werden, wenn ihm der soziale Nährboden entzogen wird. Ein wichtiger Bündnispartner dabei sind die muslimischen Gemeinden selbst, die den Terror ablehnen und die sich für die Überwindung von Vorurteilen engagieren.



5. Bundesregierung treibt Deutschland in einen Kriegseinsatz hinein, dessen Ende und Kosten nicht absehbar sind

Nur an den Orten, wo am Boden Soldaten um die Rückeroberung von Territorien kämpfen, hat sich in den letzten Monaten das Lagebild in Syrien und Irak verändert. Dies zeigt sich vor allem in den letzten Wochen, da die Truppen des Assad-Regimes mit Unterstützung massiver russischer Luftbombardements im Norden Syriens, aber auch im Süden vormarschieren.

Völlig unklar ist, wer nun für die deutsche und französische Armee am Boden kämpfen soll. Deshalb hatten der französische Außenminister Fabius und Verteidigungsministerin von der Leyen ursprünglich die Truppen Assads als Bündnispartner ins Spiel gebracht. Kaum geäußert, rückte aber das Bundesverteidigungsministerium wieder von der Idee ab.

Diese Episode zeigt, dass die Respektierung von Menschenrechten für die Bundesregierung bei der Auswahl ihrer möglichen Bündnispartner keine Rolle spielt. Das Assad-Regimes hat 2011 eine zivile Massenbewegung mit militärischen Mitteln niedergeschlagen und damit den Bürgerkrieg ausgelöst. Assads Truppen nehmen bis heute keine Rücksicht auf die syrische Zivilbevölkerung. Wer mit Fassbomben Bevölkerungszentren bombardiert, ist kein Bündnispartner im Kampf gegen Terror, sondern übt selbst Terror aus.

Die Bundesregierung stürzt Deutschland in einen Krieg, ohne die Frage nach den Bündnispartnern am Boden geklärt zu haben. Auch ansonsten sind die Konsequenzen unklar. Die Bundesregierung definiert kein konkretes Ziel. Deshalb ist auch weder ein Ende des Einsatzes abzusehen, noch die damit verbundenen Kosten. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands erwartet, der Kampf könne „weit über zehn Jahre andauern“. Bereits im ersten Jahr sollen dafür 134 Millionen Euro und 1200 Soldaten bereitgestellt werden.



6. Luftangriffe treffen unweigerlich Zivilisten

Luftangriffe treffen unweigerlich Zivilisten. Das ist un klar geworden: Denn seit ne8uestem wird auf die russische Intervention mit dm Finger geziegt. Doch diese Angriffe laufen schon seit langem so ab. Und auch die amerikanische, britische du frnazsösische Luftwaffe treffen Zivilisten.

Beispiel: Im Januar warf die amerikanische Luftwaffe Zwei 2000-PPfund Bomben über dem Stadtzentrum von Mosul ab. Diese haben jeweils einen Wirkradius von 800 Metern. Die Zerstörung muss grausam gewesen sein. Doch davon bekommen wir keine Bilder zu sehen, denn in Mosul hat der IS das Sagen, der keine Bilder zulässt.

Wenn die Bundeswehr sich mit Aufklärungstornados oder Militärsatelliten an der Zielauswahl beteiligt, und wenn sie die französischen Bomber in der Luft betankt, dann ist Deutschland Teil des Bombenkrieges in Syrien und Irak. Hauptziel der französischen Luftwaffe war bislang die Stadt Rakka, die überdies seit November auch noch von der russischen Luftwaffe bombardiert wird. Bei diesen Luftangriffen wurden viele zivile Ziele getroffen, unter anderem zwei Brücken und ein Krankenhaus. Le Monde berichtete, am 18. November seien sechs Menschen, die Benzin verkauft hätten, infolge eines Angriffs verbrannt. Am 13. November schlug eine Bombe in einer Gasse ein und tötete 13 Anwohner.

Die Liste derartiger Verbrechen steigt mit jedem Tag, seit Ziele in Syrien und Irak aus der Luft bombardiert werden. In den Medien wird Rakka immer nur als „IS-Hochburg“ bezeichnet. Doch in der Stadt befinden sich nicht nur Kämpfer des IS. Es leben dort auch einige Hunderttausend Zivilisten. Während der IS seine Waffen in Tunneln versteckt und keine militärischen Stellungen als Ziele anbietet, ist die Bevölkerung ohne Schutz. Die Bundeswehr darf sich deshalb an Luftangriffen gegen Rakka und andere Orte in Syrien und Irak nicht beteiligen.



7. Die Heuchelei der Bundesregierung

Von der Leyen hat Russland vorgeworfen, es verfolge in Russland eine zynische Politik. Das ist auf der einen Seite richtig. Ihre eigene Bereitschaft, mit Assad oder Assads Truppen zu kooperieren, und die Bombardierung von bewohnten Zielen zu unterstützen, zeigt: Die deutsche Politik ist nicht weniger zynisch.

Ein weiterer Umstand verdeutlicht die Heuchelei der Bundesregierung wie kein anderer: Ende letzten Jahres war BND-Chef Schindler erneut in Verhandlungen mit dem Regime Assad-Regime. Erklärtes Ziel: Wiedereinzug des deutschen Geheimdienst in das verlassene Gebäude der deutschen Botschaft in Damaskus. Dabei ist das Regime berüchtigt für schwerste Verbrechen an den zahllosen politischen Gefangenen. 2013 hat ein ehemaliger syrischer Folterer Tausender von zu Tode Gefolterten der Weltöffentlichkeit präsentiert. Die Zusammenarbeit mit diesem Regime reiht sich in die üblcihe Praxis ein. So unterhalten deutsche Behörden wie BND und BKA auch eine seit 2015 intensivierte Arbeitsbeziehung zum ägyptischen Regime.



8. Beim Bundeswehreinsatz geht es um globale Interessen

Der von der Bundesregierung beschlossene Bundeswehreinsatz stellt den größten Kampfeinsatz seit dem Ende von ISAF in Afghanistan dar. Das Mandatsgebiet umfasst Syrien, Irak und den Persischen Golf. In dem Gebiet sind bereits mehrere regionale und globale Mächte an einem Krieg beteiligt. Die Beteiligung der Bundeswehr daran stellt einen weiteren qualitativen Sprung auf dem Weg zu einer Armee im weltweiten Einsatz dar.

Verteidigungsministerin von der Leyen eröffnete den Prozess zur Erstellung des neuen Weißbuchs der Bundeswehr im Februar mit den Worten: „Unsere Interessen haben keine unverrückbare Grenze, weder geografisch noch qualitativ.“ Die Bundesregierung will mit dem Einsatz im ölreichen Mittleren Osten beweisen, dass es ihr ernst ist mit dem Anspruch, die globalen wirtschaftlichen Interessen des deutschen Kapitals auch durch militärische Aktivitäten zu unterfüttern.



9. Der Anti-Terror-Krieg hat den Terror nicht zurückgedrängt

Der IS ist eine Terrororganisation. Aber mit Bomben aus der Luft lässt er sich nicht stoppen. Seit dem Herbst 2014 greifen die USA im Bündnis mit anderen Staaten Ziele in Irak und Syrien an. Dabei haben sie im ersten Jahr mehr Bomben abgeworfen, als in den letzten fünf Jahren des Krieges in Afghanistan. Den Terrorismus hat das nicht zurückgedrängt – die Anschläge von Paris im letzen Jahr zeugen davon.

Die UN meint, dass mittlerweile 34 Gruppen weltweit IS die Treue geschworen haben. Ende 2015 gab das US-Außenministerium eine globale Reisewarnung heraus. US-Bürger sollen im Ausland bis auf weiteres größere Menschenansammlungen meiden und darauf achten, wer in ihrer Nähe steht. Diese Warnung gilt für jedes Land der Erde. Fünfzehn Jahre nach Beginn des vermeintlichen „Anti-Terror-Krieges“ in Afghanistan ist nun nach Einschätzung des US-Außenministeriums die ganze Welt unsicher geworden. Dies allein zeigt, dass der Anti-Terror-Krieg, der Hunderttausenden Menschen das Leben gekostet und Millionen vertrieben hat, nicht funktioniert.



10. Internationale Intervention in Syrien kann in einen internationalen Krieg umschlagen

Der Abschuss eines russischen Militärflugzeuges durch die türkische Luftwaffe im November hat verdeutlicht, wie rasch die Intervention in den syrischen Bürgerkrieg durch ausländische Mächte in einen internationalen Krieg umschlagen kann. Der Abschuss war nicht das Ergebnis eines Missverständnisses zwischen zwei Staaten. Er erfolgte im Kontext einer Schlacht um die Vorherrschaft über ein hügeliges Gelände zwischen Latakia und Idlib nahe der türkischen Grenze. Dort stehen sich zwei Bündnisse gegenüber: Auf der einen Seite die syrische Armee und die libanesische Hisbollah, unterstützt von Russland – und auf der anderen eine aufständische turkmenische Miliz und die Nusra-Front, unterstützt von der Türkei. Moskau und Ankara verfolgen entgegengesetzte Interessen in Syrien. Deshalb kann es jederzeit erneut zu einem militärischen Zusammenstoß zwischen den beiden Mächten kommen.

Seit neuestem schießt türkische Artillerie über die Grenze hinweg. Saudi-Arabien hat Bodentruppen angeboten und sich mit Ankara verständigt. Amerikanische Spezialtruppen und Söldner sind bereits in Syrien an der Seite der kurdischen Guerillas aktiv, ebenso wie Tausende libanesische Hisbollah-Kämpfer und iranische Soldaten auf Seiten des Regimes.

Je mehr internationale Mächte beteiligt sind, desto mehr eskaliert der Krieg in Syrien. In diesem Krieg gibt es keine gute Seite. Deutschland muss sich aus ihm heraushalten.



11. Nach dem Konflikt ist vor dem Konflikt

Nicht nur in Syrien, auch im Irak stehen die Zeichen auf Krieg unter vermeintlichen Verbündeten. Beispiel ist die Rückeroberung des Orts Sindschars im Herbst 2015. Daran waren PKK-Einheiten beteiligt, sowie eine neu aufgebaute Jesidenmiliz, die an der Seite der PKK kämpft. Es bombte die US-amerikanische Luftwaffe, auch Peschmerga rückten vor. Nun steigen die Spannungen über die Frage, wer in Zukunft die strategisch wichtige Stadt kontrollieren soll. Die PKK und ihre jesidischen Verbündeten stehen den Peschmerga der kurdischen Regionalregierung bewaffnet gegenüber.

Auch nach der Befreiung anderer Orte wie Ramadi steigen solche Spannungen. Im Dezember kam es zu Vertreibungen von Kurden durch schiitische Milizen aus Bagdad. Die schiitischen Milizen werfen mittlerweile den amerikanischen Truppen vor, sie würden sie bombardieren. Die Bundesregierung hat die Bundeswehr in ein chaotisches Szenario hineingeworfen, die nicht nur die Front zwischen IS und Anti-IS kennt. Sondern, wo ein Konflikt um die Kontrolle von Territorien zwischen vielen Konfliktparteien verläuft.



12. Luftangriffe stärken den IS politisch

Die US-Regierung hat im Herbst 2015, ein Jahr nach Beginn der US-geführten Luftangriffe gegen Irak und Syrien eingeräumt, dass der IS zwar zahlreiche Kämpfer durch die Angriffe verloren hat – ihre Gesamtzahl sei indessen nahezu unverändert geblieben. Mit anderen Worten: Bombardierungen aus der Luft stärken den IS politisch. Denn der IS konnte lange Zeit immer neue Anhänger dazu gewinnen, solange er sich als Verteidiger der sunnitischen Bevölkerung präsentieren kann.

Das hat auch Nicolas Hénin bestätigt, der über ein Jahr Gefangener des Islamischen Staats in Syrien war. Er argumentiert, dass der IS die Bomben des Westens für seine Propaganda braucht.

Der IS kann nur dann nachhaltig geschwächt werden, wenn sich politisch im Irak und Syrien etwas ändert. Ungeachtet der Verheerungen durch Krieg und Unterdrückung gibt es in allen religiösen und nationalen Gemeinschaften in Syrien und Irak politische Kräfte, wie für einen demokratischen Wandel stehen. Jüngstes Beispiel waren die sozialen Proteste in Basra, Bagdad und anderen südirakischen Städten im Sommer, die sich – inmitten des Krieges – gegen die Korruption und Inkompetenz der „eigenen“, schiitisch dominierten Regierung richteten.

DIE LINKE muss auf die Stärkung solcher, konfessionsübergreifender demokratischer Kräfte setzen. Aber auch in Deutschland selbst können wir etwas tun. Hénin schrieb, dass die Bilder von Flüchtlingen aus muslimischen Ländern, die im Westen willkommen geheißen werden, die Unterstützung für den IS auch in Syrien schwächen. Denn das passt einfach nicht in das Weltbild einer Terrororganisation, die vorgibt, allein für die Muslime gegen den Rest der Menschheit zu kämpfen. Anstatt Millionen für einen militärischen Auslandseinsatz auszugeben, sollte die Bundesregierung mehr Mittel für zivile Zwecke bereitstellen, zum Beispiel zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, für mehr Lehrkräfte, oder zur Unterstützung von Hilfsorganisationen und Freiwilligen in den Willkommensinitiativen.


In der folgenden Diskussion fragte ein Teilnehmer, ob Christine eine Erklärung dafür habe, dass die Friedensbewegung so klein und nicht mehr so aktiv sei.

Sie antwortete ganz klar, dass noch in den 80er auch die SPD und die Grünen gegen Kriege auftraten. Seit den Jugoslawienkriegen stimmen auch diese Parteien für jeden Krieg und jede Bombadierung.


Die Linken- so auch die Gießener LINKEN- sind die einzigen, die sich gegen Kriege und Kriegseinsätze aussprechen.
Sie sind die einzigen, die die Fluchtursachen sehen und bekämpfen wollen, statt gegen die Flüchtlinge Stimmung zu machen.


Am 6.3.2016 also wählen gehen und mit der Stimme einen kleinen Beitrag leisten!!!!

Christine Bucholz wünschte den Gießener LINKEN viel Erfolg in der letzten Woche des Wahlkampfes.


(Text und Bilder: Martina Lennartz)

 
 
 

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Kommentare zum Beitrag

Martina Lennartz
3.849
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 01.03.2016 um 23:45 Uhr
http://frankfurt-rhein-main.dgb.de/termine/++co++d5e613c4-daf4-11e5-8790-52540023ef1a

Wer noch die Friedensinitiative vermisst und sich für den Frieden stark machen möchte, kann natürlich hier gerne teilnehmen. Dort trifft man ganz sicher politisch interessierte Menschen, mit denen man sich austauschen kann.

An dieser Veranstaltung nehmen viele verschiedene politische Parteien und Bündnisse und auch kirchliche Vertreter teil, so dass für jeden Interessierten verschiedene Gesprächspartner dabei sein werden.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Martina Lennartz

von:  Martina Lennartz

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Martina Lennartz
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