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Warum sind weltweit 60 Millionen Menschen auf der Flucht?

Gießen | Das Kurdistan Solidaritätsbündnis und Gießener Linke luden ein, nach Gründen für die aktuelle Fluchtsituation zu suchen und übten dabei Kritik an „unzureichender Versorgung der Flüchtlinge in Gießen“.

Diese Podiumsdiskussion fand am 26.01.2016 in der Kongresshalle Gießen statt, an der gut 50 Interessierte teilnahmen.

Durch die Veranstaltung führte Stefan Walther, ein Kandidat der Gießener Linken für den Landkreis Gießen und Mitglied des Kurdistan Solidaritätsbündnis Gießen.

Warum sind derzeit 60 Millionen Menschen auf der Flucht, muss Deutschland all diese Flüchtlinge aufnehmen und muss man davor Angst haben?
Um diese Fragen fair und gerecht zu beantworten, muss man über mögliche Lösungen für die weltweiten Flüchtlingsströme debattieren, denn es ist nötig der bürgerlichen Meinungsmache etwas entgegen zu setzen.

Podiumsteilnehmer Henning Mächerle (Kandidat der Gießener Linken und Mitglied des Kurdistan Solidaritätsbündnis Gießen) betrachtete vor allem die historische Entwicklung der derzeitigen Konflikte.
Sein Vortrag zusammengefasst: Er führte die Hauptursachen der Flucht auf die Politik der
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Vereinigten Staaten nach dem Kalten Krieg zurück. Ein Sechstel der Erde waren wieder dem direkten Zugriff ausgeliefert. Die Errungenschaften der Arbeiterbewegung wurden und werden in Frage gestellt. Privatisierungen der Alters-, Gesundheits- und Wasserversorgung werden als ideologische Verbesserung von Dienstleistung verkauft. Die US amerikanischen Denkfabriken überlegten wie der Status der USA als Weltmacht erhalten bleiben und ausgebaut werden kann, dazu braucht man Rohstoffe und billige Arbeitskräfte mit direkter Kontrolle der entsprechenden Länder und Regionen. Russland und China wurden dann als imperialistische Konkurrenz gesehen, denn man benötigte dazu den ungehinderten Zugang. Dazu kam dann die Konkurrenz gegenüber der von Deutschland dominierten Europäischen Union. Diese ganze folgende Entwicklung kommt in den Verträgen (Maastrich 1992, Lissabon 2007) und in der Konstruktion des Euros zum Ausdruck. Der folgende Raubzug des Kapitalismus in Osteuropa auf der einen und die Zerschlagung des „sozialdemokratischen Sozialstaates“ auf der anderen Seite führte nicht nur zu einer Schwächung der Arbeiterklasse, sondern auch zu massiven Ängsten bei den Mittelschichten. Der Erfolge der neofaschistischen und rechtspopulistischen Parteien sind eine direkte Konsequenz. Diese Parteien profitieren jetzt durch die aktuelle Flüchtlingsbewegung. Aber auch die linke Bewegung in Europa nimmt zu und auch in Deutschland wehren sich Menschen in Gewerkschaften und Bündnissen.
Es ist die Politik der imperialistischen Staaten, allen voran die USA, welche die aktuelle Situation auf der Welt miterzeugt hat. Millionen Menschen werden systematisch ihrer Lebensgrundlagen beraubt und existierende Staaten zerschlagen. Oppositionelle Kräfte werden mit Waffen und Militär unterstützt. Die direkte Folge ist die aktuelle Flüchtlingsbewegung.
Das fehlende Bewusstsein in großen Teilen der Bevölkerung ändert aber nichts an der Tatsache, dass es gegen die Fluchtursachen nur ein Mittel gibt: Eine andere Gesellschaft. Egal wie man sie nennt, unverzichtbar dabei muss sein: eine Gesellschaft ohne Privateigentum an Produktionsmittel und eine vergesellschaftete Produktion. Eine Gesellschaft, in der der gemeinsam erwirtschaftete Reichtum allen gehört und nicht einem Prozent der Weltbevölkerung.


Laura Müller berichtete über eine aktuelle mögliche Lösungen für die Flüchtlingsproblematik. Ihr Vortrag zusammengefasst: Sie verwies auf das Beispiel Rojava, die autonom verwalteten Siedlungsgebiete der Kurden in Syrien, in welchem Menschen aus allen ethnischen, religiösen und sozialen Gruppen zusammen leben. Die Menschen verteidigen sich selbst gegen den sogenannten Islamischen Staat. In Rojava funktioniert das Zusammenleben, trotzdem wird das Gebiet von ausländischer Seite her nur unzureichend unterstützt. Stattdessen unterstützt man von deutscher Seite Saudi-Arabien und die Türkei und liefert Waffen. Der Strom werde in dem Gebiet abgeschaltet, Redakteure, Journalisten, Wissenschaftler, die sich öffentlich gegen die türkische Regierung stellen, landen im Gefängnis. Die deutsche Regierung leistet der Türkei Hilfe bei der Verfolgung von kurdischen Aktivisten, kriminalisiert die Strukturen und verurteilt sie als angebliche Terroristen. Deutschland interessiert sich nur für den Einfluss der deutschen Banken und Konzerne in dieser Region zu maximieren statt einen humanitären Korridor für die Menschen in Rojava zu unterstützen. Der Macht- und Einflussbereich soll erweitert werden, um weitere Ressourcen und Handelswegzugänge zu erhalten.
Was können wir tun:
• Alle Waffenlieferungen in diese Region sind sofort einzustellen.
• Bundeswehr darf sich nicht am Syrienkrieg beteiligen
• Solidarität mit dem kurdischen Befreiungskampf in ihrem Ziel einen demokratischen Nahen/Mittleren Osten aufzubauen
• Weg mit dem PKK Verbot
• Den Kriegstreibern zeigen, dass dies nicht in unserem Namen geschieht
• Zusammen mit den hier ankommenden Flüchtlingen um ihre Rechte kämpfen

Leyla Karadeniz, eine Kandidatin der Gießener Linken stellte zuerst fest, dass die wirklich teuren Flüchtlinge nicht die sind, die in Europa und in Gießen ankommen, nichts besitzen, sondern nur das was sie tragen können. Ihr Vortag zusammengefasst: Viele Flüchtlinge kamen mit dem Schlauchboot in Europa an- nicht in einem Privatjet- und manche Flüchtlinge sind kleine Kinder, sie nicht mal mehr Eltern haben. Die wirklich teuren Flüchtlinge sind die Steuerflüchtlinge, die das Land um jährlich bis zu 100 Milliarden Euro prellen. Die Situation in Gießen muss jedenfalls verbessert werden. Die Flüchtlinge leben sehr eng und haben keine Privatsphäre, brauchen Hilfe beim Gang zum Arzt, zu Ämtern, benötigen psychologische Betreuung, die komplett nur durch Ehrenamt gewährleistet werden kann. Es sollten alle die Gelegenheit haben möglichst schnell die deutsche Sprache zu erlernen. Stadt und Land werden mit den Arbeiten und den Kosten alleine gelassen, diese sollte der Bund übernehmen.


Henning Mächerle beendete nach der Diskussion die Veranstaltung mit dem Schlusswort, dass es letzten Endes völlig egal sei, ob ein Mensch ein Syrier, Franzose oder ein Deutscher sei. Es gilt zu schauen, wer mit wem kämpfe oder wer bekämpft wird. Wer profitiert von dem Kampf (Krieg) und wem nutzt er? Es müssen wieder die Klassenbegriffe verwendet werden. Grundlage ist die Arbeitskraft- diese ist die Ware.
Die Eigentumsfrage und die Klassenfrage müssen in den Mittelpunkt gestellt werden. Alle Zeitungen und Medien geben ganz offen bekannt, dass nur ein Prozent mehr als der Rest der Welt hat. 62 Personen besitzen so viel wie die Hälfte aller Menschen. Und das hat mit der aktuellen Fluchtsituation sehr viel zu tun!

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Kommentare zum Beitrag

Christian Momberger
11.217
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 31.01.2016 um 23:24 Uhr
Ein guter Artikel Martina. Die Aussagen und Forderungen der Rednerinnen kann ich nur unterschreiben!
Martin Wagner
2.576
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 01.02.2016 um 07:04 Uhr
Im Artikel steht:

(...) "Henning Mächerle beendete nach der Diskussion die Veranstaltung mit dem Schlusswort, dass es letzten Endes völlig egal sei, ob ein Mensch ein Syrier, Franzose oder ein Deutscher sei. Es gilt zu schauen, wer mit wem kämpfe oder wer bekämpft wird. Wer profitiert von dem Kampf (Krieg) und wem nutzt er? Es müssen wieder die Klassenbegriffe verwendet werden." (...)

Der Mann hat in meinen Augen recht.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 01.02.2016 um 07:54 Uhr
Große Teile finden meine Zustimmung, nur betrachte ich es nicht so sehr durch die politische Brille und die Schlussfolgerungen der Linken sind so ein Wunschtraum und wie heißt es so schön in einem Lied:
"Alle Wünsche kann man nicht erfüllen und nicht alle Wunder werden war"
Ich weiß nur, dass Deutschland all diese Träume und Wunder nicht erfüllen kann.
Kurt Wirth
2.409
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 01.02.2016 um 11:19 Uhr
In gleicher Richtung wie Frau Back: "Wir sind überfordert" wird schon frühzeitig festgestellt, noch bevor es erste Anzeichen dafür gibt. Wenn man von den Silvesterauswüchsen mal absieht: wer in Deutschland mußte bis dato denn schon Einbußen erleiden, etwas abgeben, teilen? Die Angst um Besitzstand treibt zu präventivem Aufschrei. Ich denke da immer an meine frühe Kindheit, wo es selbstverständlich war, daß unsere 4-köpfige Familie die Wohnung mit einer 8-köpfigen soeben aus dem Sudetenland eingetroffenen teilte (4 größere Zimmer und eine Wohnküche plus Toillette).
Martin Wagner
2.576
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 01.02.2016 um 16:51 Uhr
Herr Wirth, ich glaube sie werfen da etwas durcheinander. Im Moment versucht uns der herrschende Block doch weiss zu machen, dass nur mit einer stetig steigenden Bevölkerungszahl in der BRD der errreichte Lebensstandart abgesichert werden kann. Es herrscht gerade nicht die Ehrlichkeit, dass gesagt wird: Aus den und den Gründen müßt ihr Abstriche machen / müßt ihr teilen.

Aber die Menschen - gerade die Staatsfrommen der Mittelschicht - können eben zwei und zwei zusammen zählen und sie fragen: Warum sollen wir für euer jahrzehntelanges Versagen (keine Bekämpfung der Fluchtursachen) "den Kopf hinhalten". Wenn ihr Geld braucht, dann holt es euch von den Kapitalisten. Erst den Karren in den Dreck fahren und dann erwarten, dass andere ihn rausziehen. Das läuft so nicht.
Martin Wagner
2.576
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 01.02.2016 um 17:39 Uhr
Nein Frau Back sie interpretieren mich völlig falsch.

Die Regierung (egal in welchem Farbenspiel) des herrschenden Blockes wie auch der Kapitalismus (egal in welcher Schattierung) muss weg! Je früher um so besser!
Kurt Wirth
2.409
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 01.02.2016 um 18:35 Uhr
Herr Wagner, zu Ihrem Kommentar von 16.51 Uhr:
Ich glaube nicht, daß ein nennenswerter Bevölkerungsteil dem herrschenden Block (wer ist das in diesem Fall: Merkel ("Wir schaffen das")oder Seehofer ("Macht die Grenzen dicht")? ) jahrzehntelanges Versagen erkennt (wer kannte vor zwei Jahren das Wort "Fluchtursachen"?) oder gar an "Kapitalisten" denkt. Ihnen ist schlicht das Hemd näher als der Rock. Was seit Jahrzehnten anhält, ist das kapitalistische Denken, wenn man so will: Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott, Jeder ist sich selbst der Nächste, jeder ist seines Glückes eigener Schmied, die Deutschen sind eben fleißig und tüchtig. Den Begriff "Solidarität" kennt niemand mehr (siehe auch das Zerfleddern der Sozialversicherung).

Zum Kommentar um 17.39 Uhr: Mit manchen Dingen kann man nicht warten, bis der Kapitalismus weg ist. Dazu gehört der Umgang mit den Flüchtlingen zur Zeit.
Bernd Zeun
11.355
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 01.02.2016 um 22:36 Uhr
In der GZ wird mal wieder Weltpolitik gemacht. Die Regierung des herrschenden Blocks muss weg, der herrschende Block muss weg, der Kapitalismus muss weg, Krankheiten sind auch nicht gut (das hab ich jetzt gesagt), schaffen wir alles ab, sobald mal jemand sagt, wie und in welchem Zeitrahmen.

Was können wir tun:
• Alle Waffenlieferungen in diese Region sind sofort einzustellen.
• Bundeswehr darf sich nicht am Syrienkrieg beteiligen
• Solidarität mit dem kurdischen Befreiungskampf in ihrem Ziel einen demokratischen Nahen/Mittleren Osten aufzubauen
• Weg mit dem PKK Verbot
• Den Kriegstreibern zeigen, dass dies nicht in unserem Namen geschieht
• Zusammen mit den hier ankommenden Flüchtlingen um ihre Rechte kämpfen


Wer ist denn "wir"? Die 50 Leute, die zu der Podiumsveranstaltung gekommen sind? Ich z.B. wüsste nicht, wie ich die Waffenlieferungen sofort stoppen könnte und ich glaube auch nicht, dass der Herr Erdogan auf mich hören würde, wenn ich ihm schreibe, er soll die PKK anerkennen. Also muss das die Regierung des herrschenden Blocks machen, aber die schaffe ich ja ab. Ersatz ist sicher da, aber alles gleichzeitig hinzubekommen, kommt mir doch ein bisschen schwierig vor.

Tut mir leid, aber wenn ich solch illusorische Forderungen lese, muss ich immer den Kopf schütteln. Ich bin ja inzwischen im Rentenalter, und ich bin überzeugt, ich werde es nicht mehr erleben, dass sich die globalen Probleme, die ja alle irgendwie zusammenhängen, lösen werden. Information ist sicher wichtig, bloß wird darauf beruhende Veränderung wie bisher eine sehr langwierige Angelegenheit. Und so lange so ein Rummel darum gemacht wird, wer die Australien Open oder eine Handball Europameisterschaft gewinnt, glaube ich nicht, dass es genügend Leute gibt, die sich dafür interessieren, warum die Welt so ist, wie sie ist.

Ich kann nur Herrn Wirth zustimmen, wenn er sagt, dass man nicht warten kann, bis der Kapitalismus weg ist, um den Flüchtlingen jetzt zu helfen. Und die AfD- und Pegida-Anhänger daran zu erinnern, soweit sie noch Hirn im Kopf haben und nicht nur eine braune Masse, dass weit mehr als eine Million DEUTSCHE nach dem Krieg als Flüchtlinge unterwegs waren, denen es nach ein paar Jahren auch durch Hilfe vom AUSLAND wieder gut ging.
Stefan Walther
4.561
Stefan Walther aus Linden schrieb am 03.02.2016 um 10:41 Uhr
Bernd, um mal eines klarzustellen = Leyla Karadeniz - Kandidatin der Gießener Linken - hat mehrere der konkreten Forderungen auf kommunaler Ebene dargestellt...
Wer aber bei einer solchen Veranstaltung ( etliche ähnlichen Charakters werden zur Zeit bundesweit durchgeführt ) nicht über die "große Weltpolitik" diskutieren will, der verliert sich im kommunalpolitischen "Kleinkram", leugnet die Zusammenhänge... und das wird dann auch illusionär, denn richtig, den Flüchtlingen muss hier und jetzt geholfen werden, aber die Fluchtursachen werden nicht auf kommunaler Ebene bekämpft werden können... und die Regierung? Braucht es da nicht den Druck von unten? Was können wir erreichen / durchsetzen ? 50 Leute sind lächerlich ? Wer aber wenn nicht wir sollte diesen Druck erzeugen?
Ein bisschen mehr Vertrauen in die Menschen kann nicht schaden Bernd :-)
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.02.2016 um 10:45 Uhr
Wir also Deutschland können ohne die Solidarität der Europäischen Länder nicht die ganze Welt, d.h. alle die retten, die momentan und sicher auch künftig zu uns kommen.
WIR allein können das einfach nicht. Vielleicht macht das den Menschen Angst.
Deutschland hat es bisher nicht einmal geschafft die eigenen Probleme zu lösen.
Stefan Walther
4.561
Stefan Walther aus Linden schrieb am 03.02.2016 um 11:02 Uhr
Peter, es wäre schön wenn du mal auf die Inhalte und Argumente der hier Kommentierenden eingehst und dazu etwas konkretes sagst.

Ich gebe dir aber auch gern Antwort = welches Problem wird denn nicht gelöst? Was hat das mit mehr oder weniger Flüchtlingen zu tun? Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass es einem einzigen Rentner, Arbeitslosen, Hartz IV Bezieher... besser gehen würde wenn weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen würden. Das ist wieder mal nichts weiter als Spaltungsversuche und die Suche nach einem angeblichen "Sündenbock", jetzt sollen es halt die Flüchtlinge sein... prima, dann kann man schön die Ausbeuter aus der Schusslinie nehmen. Das ist doch so leicht zu durchschauen und doch fallen viele immer wieder darauf herein.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.02.2016 um 11:12 Uhr
Ich habe nur gesagt Deutschland hat es bisher nicht geschafft seine Probleme zu lösen.
Da wirst und kannst du mir nicht widersprechen, und was ist denn all das was die Linken so von sich geben? Ist das nicht auch eine gewisse Art von "Spaltungspolitik" Ich sehe nicht, dass sie, die Linken, bisher was positiv verändern konnten.
Michael Beltz
7.587
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 03.02.2016 um 13:31 Uhr
Wenn bei Diskussionen über Flüchtlinge geredet wird, muss die "Weltpolitik" mit einbezogen werden. Die Frage nach der oder den Ursache(n) kann nicht ausgeklammert werden. Nur so kann ein demokratisches, solidarisches Klima entwickelt werden.
Kurz gesagt, ich stimme Stefan Walther und Nina Back zu. Peter, Dich verstehe ich nicht.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.02.2016 um 16:26 Uhr
Ich verstehe auch nicht alles und jeden, aber trotzdem lasse ich ihm seine Meinung.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.02.2016 um 16:31 Uhr
Jedem seine Freiheit und mir meine Ruhe. Ein Lebensmotto.
Muss ja nicht jeder gutheißen.
Martin Wagner
2.576
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 03.02.2016 um 18:11 Uhr
Stefan Walther aus Linden schrieb am 03.02.2016 um 11:02 Uhr:

(...) "Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass es einem einzigen Rentner, Arbeitslosen, Hartz IV Bezieher... besser gehen würde wenn weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen würden. Das ist wieder mal nichts weiter als Spaltungsversuche und die Suche nach einem angeblichen "Sündenbock", jetzt sollen es halt die Flüchtlinge sein... prima, dann kann man schön die Ausbeuter aus der Schusslinie nehmen. Das ist doch so leicht zu durchschauen und doch fallen viele immer wieder darauf herein." (....)

Das mit dem durchsichtigen Spaltungsversuch - geschenkt Stefan. Aber mit dem ersten Teil des Zitates liegst du falsch. Die angesprochenen Bevölkerungsgruppen wissen doch ganz genau von den Hampelmännern des Kapitals können sie keinerlei Verbesserung ihrer Situation erwarten. Zumindest dann nicht, wenn es ihnen nicht gelingt Druck auf der Straße aufzubauen.

Stefan es geht darum, dass weitere "Einschnitte ins soziale Netz" spätestens in einem halben Jahr sehr wahrscheinlich sind. Ich kenne niemanden der ernsthaft glaubt, dass Schäuble das mit der "schwarzen Null" wirklich hin bekommt. Sicher wird in seinem Ministerium schon an Plänen an drastichen Steuererhöhungen für die arm Gemachten und (unterstrichen) noch weitere "Grausamkeiten" auf dem Buckel dieser Gruppen gearbeitet. Auch wenn diese Leutchen vielleicht das nicht wollen, die Kosten laufen ihnen davon.

Auch wenn Frau Back wieder mit ihrem Spruch von der Endlosschleife kommt: Die Beseitigung des Kapitalismus steht auf der Agenda!

Wenn dies nicht gelingt, dann sehe ich schwarz oder um aus der Bildersprache raus zu kommen "braun".
Bernd Zeun
11.355
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 03.02.2016 um 19:55 Uhr
Sehr schön gesagt, Frau Back, wer Nullen einfärbt ist selbst eine. Dieses dumme Politikergeschwätz nervt nur.

Und auf das Rezept, des Herrn Wagner, den Kapitalismus abzuschaffen, warte ich auch schon, seit ich seine Kommentare hier lese.

@Stefan: Ich habe ja nichts gegen die Veranstaltung gesagt und dass man Zusammenhänge aufzeigt, aber das ist auch das einzige, was auf kommunaler Ebene getan werden kann, neben direkter Hilfe für die Flüchtlinge. Was bringt es denn, Forderungskataloge aufzustellen, die meiner Meinung nach noch nicht mal in sich schlüssig sind. Oder wie vereinbare ich z.B., "keine Waffenlieferungen in die Region" und "Solidarität mit dem kurdischen Befreiungskampf"?
Stefan Walther
4.561
Stefan Walther aus Linden schrieb am 03.02.2016 um 22:54 Uhr
@ Martin: ich verstehe deine Kritik nicht! Es geht allein darum, dass die von mir angesprochenen Gruppen keine "Verwertbarkeit" für das Kapital darstellen, also warum da "investieren"? Das hat wenig mit der Zahl von Flüchtlingen zu tun noch mit einer schwarzen Null, höchstens soviel, dass bei schlechter Wirtschaftslage noch einfacher gespart werden kann. Ob du willst oder nicht Martin, deine Argumentationslinie unterstützt objektiv gesehen die Spalter.

@ Bernd: was es bringt Forderungskataloge aufzustellen hatte ich versucht zu begründen = der Druck kann nur von "unten" erzeugt werden...
Richtig, die Aussage "keine Waffenlieferungen in die Region" und "Solidarität mit dem kurdischen Befreiungskampf" ist ein Widerspruch. Ich persönlich teile diese erste Forderung auch nicht, sie ist auch innerhalb der Linken ( nicht verwechseln mit der "Linkspartei" ) umstritten. "Solidarität mit dem kurdischen Befreiungskampf" bedeutet für mich ( und auch für Teile der Linken ) = Waffen für die syrischen Kurden ( nicht nur wie bereits umgesetzt für die irakischen ) zur Selbstverteidigung gegen den so genannten IS. Was ich jedoch ablehne sind die Bombardierungen in Syrien durch ausländische Truppen, egal ob es nun Russen, Amerikaner oder vielleicht sogar türkische Streitkräfte sind, die lediglich alle ihre eigenen Interessen dort vertreten wollen....
Martin Wagner
2.576
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 04.02.2016 um 09:11 Uhr
Stefan schrieb: (...) " .... dass die von mir angesprochenen Gruppen keine "Verwertbarkeit" für das Kapital darstellen, also warum da "investieren"?" (...)

Stefan das muss ich jetzt einmal sagen (obwohl ich dich als Mensch schätze ...): Das ist Dünnschiss!

Kapierst du nicht, wie der Kapitalist tickt?

Den interessiert doch überhaupt nicht, welchen Status ein ausbeutbarer Mensch hat. Ob der Deutsche, Holländer oder Marokanner ist. Oder ob er Christ, Jude oder Moslem ist. Den interessiert doch nur, ob der Staat so dumm ist diese Mernschen mehr oder weniger gut auszubilden (ohne dass er dafür bezahlen muss), damit er ihn dann um so besser ausbeuten kann. Und natürlich - das wissen doch die schon jetzt arm Gemachten ganz genau - braucht er ein Heer von Arbeitssuchenden, damit er den Preis für die Arbeitskraft runter schrauben kann.

Deswegen ist es doch gerade im Interesse der (überwiegenden Anzahl) der Kapitalisten, dass die Herrschenden im Moment die Politik machen die sie machen.

D.h. genauer der Staat sieht sich im Moment vor der Aufgabe "Geld in die Hand zu nehmen" um die überwiegend jungen Ankommenden "fit für den Arbeitsmarkt zu machen". Das wird aber nicht offen gesagt, sondern als Integration verkauft.

Das mit der "schwarzen Null" spiele ich nicht hoch. Das ist Fakt. Schaue dir nur einmal das Herumgelabbere bei den monatlichen Arbeitslosenzahlen an. Schon heute sieht sich der herrschende Block gezwungen darauf hinzuweisen, dass ab etwa einem halben Jahr die Arbeitslosenzahl drastisch steigen wird, da dann Flüchtlinge sich als arbeitslos melden können.

Ich warte darauf, dass irgendwann der Schäuble kleinlaut daher schwadroniert, so in der Richtung: Die aktuelle Entwicklung war so nicht vorhersehbar. Wir haben durch Umschichtungen im Haushalt versucht dem entgegen zu wirken. Aber es bleibt eine Finanzierungslücke. Deswegen sehe ich mich gezwungen für einen überschaubaren Zwischenzeit .......

Stefan, also jetzt bin ich ein "objektiv gesehen (ein) Spalter"?

Interessanter Ansatz! Ein prokative Frage dazu: Ist es korrekt, dass vor ein paar Tagen die Geschäftsstellen der Gewerkschaften im Giessener Gewerkschaftshaus wegen Überfüllung (Hunderte von Flüchtlinge wollten Mitglied werden ...) für Stunden gesperrt werden mussten?

Ich habe es schon einmal ausgeführt. Nicht immer in die Zukunft schauen, sondern auch einmal realisieren was in ähnlichen Fällen schon abgelaufen ist. Die BRD nimmt ja nicht zum ersten mal Hunderttausende auf.

Die Arbeitsemigranten aus Italien, Spanien, Portugal .... vor 60 oder 50 Jahren sind in großer Anzahl in die Gewerkschaft eingetreten. Dabei waren sie mehrheitlich dem linken Flügel zuzuordnen. Aber wie war das später - so vor 30 bis 20 Jahren - mit den Hunderttausenden "Deutschstämmigen" (anderer Grund der Einwanderung, aber es geht ja um das politsche Engagement)? Mir ist kein einziger Gewerkschaftler bekannt der aus dieser Bevölkerungsgruppe stammt. (Vielleicht dir - du bist ja im Gewerkschaftsapparat "unterwegs".)

Langer Rede kurzer Sinn. Es ist blanke Theorie (oder Dogmatismus) einfach zu sagen, die jetzt Kommenden werden in Zukunft in den "Klassenkampf" einsteigen. Und nur dann, wenn berechtigte Hoffnung darüber besteht, dass die Kommenden zukünftige Kampfgenossen werden, halte ich den Vorwurf der Spalterei für gerechtfertigt.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 04.02.2016 um 11:09 Uhr
Druck, auch von unten, erzeugt doch nur Gegendruck und dann?

Klassenkampf war einmal. Als ich damals 1957 in das Arbeitsleben eintrat, da war es selbstverständlich in die Gewerkschaft, bei mir IGM einzutreten. Aber im Laufe meines Berufslebens habe ich feststellen können, dass immer dann in eine Gewerkschaft eingetreten wurde, wenn es im Betrieb mal nicht so lief, man eventuell sogar gekündigt wurde. Kurz gesagt, die Menschen reagieren nicht mehr solidarisch, sondern suchen die Hilfe dann wenn sie in Nöten sind. Das kann auf Dauer nicht gutgehen.
Martin Wagner
2.576
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 04.02.2016 um 18:18 Uhr
Kurze Antwort an Frau Back.

Nein Frau Back. Ich habe auf die hanebüchene Vorstellungen ("Spalterei") von Stefan W. geantwortet.

Ich bin ja nicht nur Genosse, sondern auch bekennender linker Katholik.
Menschen, welche wegen ihrer politschen Aktivitäten in ihren Heimatländern verfolgt werden müssen natürlich in der BRD politisches Asyl erhalten können.
Stefan Walther
4.561
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.02.2016 um 19:04 Uhr
Wieder mal sehr emotional und sehr viel Text Martin. Okay, ich versuche sachlich zu bleiben ( könnte jetzt auch "Dünnschiss" schreiben ):
- wie tickt der Kapitalist? = was bringt mir Profit und was nicht! Dass ein Druckmittel "Arbeitslosenheer" dazu gehört, das widerspricht diesem Grundsatz doch nicht...
- ob der Staat so dumm ist...? Jetzt sage ich doch: "Dünnschiss" Martin was du da schreibst, es ist der "Staat des Kapitals", so ein bisschen Theorie kann wirklich nicht schaden...
- Vorsicht Martin, wenn man sich auf die Schiene begibt: auwei was passiert erst wenn es keinen Milliarden Überschuss mehr gibt, wenn die Konjunktur wieder schlechter läuft... dann ist das eine Argumentationslinie die objektiv den Spaltern nützt, so ist es nunmal, da kannst du den Kopf schütteln, oder schimpfen, oder dich wundern...
- stimmt Martin, du hast anscheinend keine Ahnung von aktiven Gewerkschaftern, das hat aber wenig mit dem "Gewerkschaftsapparat" zu tun...
- zu leugnen, dass es unter den Flüchtlingen genauso wie bei den so genannten Einheimischen künftige Kolleginnen und Kollegen und somit auch künftige Kampfgenossen geben wird, das ist nicht nur hanebüchen, das ist sogar "Spaltung von - angeblich - links"! Nach dem Motto, dann sollen sie doch besser wegbleiben... ( du wirst auch das abstreiten, aber auch hier: objektiv dient dieser "Dünnschiss" wieder nur den Spaltern )
- noch ein Tipp: wenn man von Theorie ( immer in Verbindung mit Praxis ) keine Ahnung hat ( gibst du ja selbst zu ), dann sollte man Begriffe wie "Dogmatismus" tunlichst vermeiden, das wirkt nur lächerlich...

Peter, in welcher Welt lebst du denn? Klassenkampf ist Geschichte? Komisch nur, dass sich an den Verhältnissen bis heute nichts geändert hat, oder habe ich die Abschaffung des Lohnsystems etwa nicht mitbekommen?
Auch ne seltsame Aussage = "Druck von unten erzeugt auch nur Gegendruck und dann?" Also am besten gar nichts tun, Hauptsache ich finde persönlich noch ein kleines ruhiges Plätzchen für mich ( könnte aber eng werden, diese ruhigen Plätzchen werden immer rarer ) und hoffe, dass "der Kelch an mir vorüber geht"? Was ist daran solidarisch?
Martin Wagner
2.576
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 04.02.2016 um 22:27 Uhr
Stefan ich verstehe das einfach nicht.

Du bist doch kein Parteimensch. Ich kann mich noch gut erinnern. Das war vor cirka 3 Jahren im Linken Bündnis. Da wurdest du von einem anderen Genossen gefragt (was eigentlich im Bündnis keine Frage war ..) ob du in einer Partei seiest. Du verneintest das.

Das hat mir imponiert. Ich kann halt mit Parteileutchen Nichts anfangen.

Aber wenn ich so überlege, wie und in welche Richtung du so argumentierst dann komme ich nicht darum herum dir zu empfehlen dich doch einer Partei anzuschliessen. Ich denke du hast da durchaus schon eine Präferenz.

Dein ganzes Denken ist doch so durch und durch von - wie schreibe ich das jetzt ohne dass du dich angegriffen fühlst? - Vorgestanztem bestimmt.

Ja - da breche ich mir keinen Zacken aus der Krone - ich kann nicht unterscheiden, welchem hervorragenden Denker du Nahestehst *, aber irgend Einem (oder Mehreren) dürfte es schon sein.

Mich interessiert keine ausgefeilte Theorien. Ich will gegen das herrschenden Wirtschaftssystem kämpfen. Dabei schaue ich was in der Vergangenheit falsch gelaufen ist und mache mir Gedanken was in Zukunft besser gemacht werden muss.

Genauso habe ich argumentiert, als ich von den letzten massiven Arbeitskräftezuströmungen in den letzten Jahrzehnten gesprochen habe.

Und was machst du? Du erzählst von irgend etwas was sich in der Zukunft ereignen wird. (Hier: künftige Kollegen werden sich in Gewerkschaften organisieren.) Wie kommst du darauf. (Ich habe behauptet, dass von dem letzten Schub nur marginal wenige in die Gewerkschaften gegangen sind.) Na klar das sagt dir dein theroretischer Ansatz.

So kommen wir auf keinen gemeinsamen Nenner.

Ich denke:

Ich sollte akzeptieren, dass ich mich in dir getäuscht habe und du doch irgendwie ein Parteimensch bist.

Und du solltest zur Kenntnis nehmen, dass es immer undogmatische Linke gegeben hat, dass es welche gibt und es immer welche geben wird.

* Versuch eine sicher unvollständige Liste zu verfassen

A wie Adorno
B wie Bakuniien oder Bebel oder Bloch
C wie Che Guevara
D wie Dimitrow oder Dutschke
E wie Engels
F wie Frankfurter Schule oder Fetscher
G wie Gramsci
H wie Hegel oder Hoxha oder Horkheimer oder Haug
....
K wie Kastro oder Kautsky
L wie Luxemburg oder Liebknecht oder Lenin oder Lukács
M wie Marx oder Mao
N wie Neumann
.....
P wie Pablo oder Pollock
R wie Radek oder Rühle
S wie Stalin oder Sartre
T wie Trotzkie oder Tito
.......
Z wie Zetkin
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 05.02.2016 um 10:21 Uhr
Mit "Kampf" Stefan erreichst du Garnichts. Das Kapital sitzt am längeren Hebel und du wirst, zumindest zur Zeit, niemand finden der dich in deiner Anschauung richtig unterstützt.
Ich sehe zumindest nicht, das ihr viel erreicht habt. Mangelnde Solidarität lässt Erreichtes bröckeln, oder sehe ich das auch falsch? Warum glaubst du bin ich nicht mehr Mitglied der Gewerkschaft seit ich Rentner bin? Weil es mich mein ganzes Leben angekotzt hat mit meinen Beiträgen(immer satzungsgemäß gezahlt) und dem Tun nur die so genannten "Trittbrettfahrer" der Gesellschaft zu versorgen.
Dafür habe ich jetzt in meiner nicht mehr aktiven Lebensphase nichts mehr übrig.
Stefan Walther
4.561
Stefan Walther aus Linden schrieb am 05.02.2016 um 10:29 Uhr
Gut Martin, stimmt, so kommen wir auf keinen gemeinsamen Nenner!
Ich habe mehrere konkrete Punkte angesprochen... und deine einzige Antwort lautet ( sinngemäß ) "Du redest / schreibst wie ein Parteimensch"
Tut mir leid, mit so einer Antwort kann ich nichts anfangen.
Nur ein Beispiel, dann lasse ich es auch dabei bewenden, denn es macht wirklich keinen Sinn = völlig falsch, dass ich nur von der Zukunft gesprochen habe. Ich habe klar gesagt, dass du keine Ahnung von den Gewerkschaftern hast, denn sonst wüsstest du genau, dass sehr oft gerade die "zu uns Gekommenen" an vorderster Front stehen wenn es um gewerkschaftliche und selbständige Kämpfe in den Betrieben geht, da scheinst du ( mittlerweile ? ) sehr weit weg zu sein, anders kann ich mir solche Aussagen von dir nicht erklären. ( aber da gehst du ja wie auf alles andere nicht drauf ein ).

Was deine kunterbunt gemischte Liste von allen möglichen Linken und Pseudo-Linken bedeuten soll, das kapiere ich überhaupt nicht. Also, mit eine Liste von so genannten "undogmatischen Linken" hat das nicht das Geringste zu tun. Da werden Klassiker des Marxismus-Leninismus genannt, daneben kleinbürgerliche selbsternannte intellektuelle Führer der Studentenbewegung, Anarchisten, Idealisten, bis hin zu Arbeiterverrätern wie Trotzki oder Tito, usw. usw.
Oder willst du mir damit nur sagen wen du alles kennst? Ich habe jedenfalls keine Ahnung was du damit ausdrücken willst.

Sei`s drum, es war wieder mal ein Versuch eine konkrete und inhaltliche Debatte zu führen... ich bin ja auch in meinem Alter noch lernfähig, lassen wir es halt, auf Phrasen "ich bin kein Parteimensch, basta, das ist meine Antwort auf alles!" habe ich auch keine große Lust...
Stefan Walther
4.561
Stefan Walther aus Linden schrieb am 05.02.2016 um 10:43 Uhr
Peter, ich hatte dich konkret gefragt "was ist die Alternative - gar nichts tun?"
Ich mache es nur jetzt nochmal, mich nervt das einfach ungemein, genau wie bei Martin = ihr antwortet so gut wie auf nichts was andere inhaltlich kommentieren, an Argumenten vorbringen, ihr stellt fast immer nur Fragen oder Behauptungen auf... und erwartet von den anderen aber Antworten, so kann ein Meinungsaustausch / eine Diskussion nicht funktionieren.

Wieso sitzt das Kapital am längeren Hebel? Ohne die Arbeitskraft der Beschäftigten ist das Kapital nichts - oder wie es Gewerkschafter ausdrücken: Millionen sind stärker als Millionäre.
Trittbrettfahrer haben mich und meine Kolleginnen und Kollegen auch immer gestört. Heißt das nun, dass wir deshalb aus der Gewerkschaft ausgetreten sind? Das ist doch Unsinn, wir brauchen die Gewerkschaften um organisiert gegen das organisierte Kapital unsere Interessen zu verteidigen und zu erkämpfen.... nebenbei, wir hatten immer einen Organisationsgrad von ca. 50%, immerhin, und solidarisch gehandelt haben wir auch fast immer, sei es bei Kundgebungen, Streiks o.ä., da waren auch immer fast alle Unorganisierten mit dabei, das sind konkrete Erfahrungen, nicht nur eigene. Man muss sich halt ein bisschen schlau machen, sei es nun der wochenlange Streik der Erzieherinnen, die zahlreichen Streiks in der Automobilindustrie usw., alles Beweise für gelebte Solidarität.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 05.02.2016 um 10:58 Uhr
Wenn in einem großen Betrieb mit etwa 2 -3 tausend Mitarbeiter gerade mal knapp über hundert organisiert waren, wo blieb da die Solidarität. Bei Streiks wenn überhaupt bei HBV/Verdi mal gestreikt wurde habe ich nahezu keinen Nichtorganisierten gesehen. Wir machen unsere Probleme mit dem Chef selber aus hieß es nur. Ich war in zwei Gewerkschaften, vorher IGM, dann HBV ca. 40 Jahre Mitglied Anfangs Beiträge kassiert und am Ende in München die Kasse der Ortsverwaltung als Revisor geprüft. Also sage nicht ich weiß nicht was ich rede.
Was machen die Abhängig Beschäftigten denn, wenn das Kapital keine Arbeit zur Verfügung stellt?
Nicht gegeneinander, es muss ein konstruktives Miteinander geben. Ich habe nicht alles was die Gewerkschaften so wollten mitgetragen, hatte da oft eine andere Meinung, z.B. sagte ich immer wenn Arbeitszeitverkürzungen anstanden, die letztlich keine Arbeitsplätze brachten sondern nur immer weitere Einsparungen durch den Einsatz von technischen Mitteln. "40 Stunden sind genug", das war mal ein Slogan aus einem Arbeitskampf, denn 40 Stunden in der Woche haben keinen überfordert.
Also Stefan jeder hat so eine Meinung und das ist gut so.
Stefan Walther
4.561
Stefan Walther aus Linden schrieb am 05.02.2016 um 11:14 Uhr
Den Spruch bringst du ja öfter Peter "Jeder hat so eine Meinung und das ist gut so". Warum dann überhaupt eine Diskussion / ein Meinungsaustausch, frage ich mich dann immer. Also jeder bleibt bei seiner Meinung, egal was andere an Argumenten bringen? Nee, das ist nix für mich, da ist mir meine Zeit zu schade...

Doch noch kurz inhaltich = es gibt kein "konstruktives Miteinander", keine gemeinsamen Interessen von Kapital und Arbeit, alles was die eine Seite der anderern "wegnimmt", das geht auf Kosten der anderen Seite...
Übrigens, nicht Arbeitsverkürzung ist Schuld an der Einführung neuer Techniken ( so was habe ich auch noch nie gehört ), Arbeitszeitverkürzung ist ein Mittel dem ungebremsten Abbau von Arbeitsplätzen zumindest etwas entgegen setzen zu können.
Michael Beltz
7.587
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 05.02.2016 um 16:40 Uhr
- Stefan ist parteiisch, in dem Sinne dass er für die Arbeiter Partei nimmt.
- Die Liste der Namen möchte ich ergänzen: Odennis Katastropholos
Peter, "jeder hat so seine Meinung". Merkel hat eine, Olaf Henkel hat eine, Frauke Petry hat eine, Hitler hatte eine.
Entschulige Stefan, Du gibst Dir viel Mühe....ob es was bringt.
Michael Beltz
7.587
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 05.02.2016 um 16:40 Uhr
.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 05.02.2016 um 18:17 Uhr
Lieber Stefan wolltest du mich missverstehen.
Ich sagte die Arbeitszeitverkürzung brachte keine neuen Stellen, sondern die Arbeitgeber fingen es durch den Einsatz von technischen Mitteln auf. Es entstanden also keinen neuen Arbeitsplätze.
Martin Wagner
2.576
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 05.02.2016 um 19:12 Uhr
Ja Stefan - von mir aus kann der kleine Disput zwischen uns abgebrochen werden. Scheint ja auch keinen groß zu interessieren.

Ich weiss nicht warum du mich so schlecht verstehst. Ich glaube (von mir aus auch - bilde mir ein ...), dass ich mich verständlich ausdrücken kann.

Meine Argumentation ist doch wirklich eher simpel als schwierig. Es gibt halt Menschen die halten sich an Theroretiker und handeln nach deren "Anweisungen". Und es gibt halt Mensch die halten von solchen Menschen wenig und versuchen aus ihrem (von mir aus auch begrenzten) Erfahrungshorizont gute Politik zu machen.

Übrigens die Liste im Anhang ist doch als sporatisch aufgestellt gekennzeichnet. Was "rüber kommen sollte" ist, dass das Spektrum linker Theorien wahnsinnig breit ist. Das Sternchen ist genau an der Stelle "..... du Nahestehst .... " eingefügt. D.h. für mich, dass es schon sehr viel verlangt ist / ich nicht erkennen kann, welcher Ausrichtung du persönlich nahe stehst.

Ob auf dieser Liste "wahre"oder "falsche"Theoretiker stehen? So etwas interessiert mich weniger als ob in Finnland ein Rentier erschossen wird (um einmal weg vom umfallenden Reissack in China zu kommen ....).
Stefan Walther
4.561
Stefan Walther aus Linden schrieb am 06.02.2016 um 07:53 Uhr
Peter: es gibt genügend Statistiken / Beweise dafür, dass Arbeitszeitverkürzung das effektivste Mittel gegen Arbeitsplatzabbau ist. Du magst sicher Recht haben wenn es in deinem Betrieb nicht dazu führte, dass "neue" Arbeitsplätze geschaffen wurden, das ist aber kein Widerspruch zu meiner Aussage....
Michael: ob die Mühe was bringt? Keine Ahnung, bei Martin sicher wenig...
Martin: darauf muss man erstmal kommen = das sollen also Theoretiker sein, denen ich "nahestehe"? Solch ein Durcheinander von allen möglichen Theorien ( ich habe einige genannt ), wie kann jemand sowohl der einen als auch der anderen "nahestehen"? Das ist Unfug. Die Theorie beweist sich immer in der Praxis - oder auch nicht, das ist simpel, aber das scheint dich ja nicht zu interessieren.... nur, was feststeht, linke Politik erfolgreich machen, ausschließlich aufgrund "eigener Erfahrungen", das hat noch nie funktioniert und das wird auch nie funktionieren.
Wie immer nicht böse gemeint: mir kommt es gerade so vor als seien die eigentlichen "Dogmatiker" die so genannten "undogmatischen Linken"!?
Also, du beschäftigst dich nicht mit Theorien, nicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, weil du sonst ggf. "auf Anweisung" handeln müsstest? Das ist schon mehr als kurios... oder einfach nur ignorant und "dogmatisch" :-)
Martin Wagner
2.576
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 06.02.2016 um 08:42 Uhr
Versuch einer abschliessenden Bemerkung in Richtung Stefan.

Du machst dein Ding - ich mach mein Ding - wichtig ist doch, dass du und ich den Kapitalismus bekämpfen.
Bernd Zeun
11.355
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 06.02.2016 um 09:10 Uhr
Bloß, das hat mir der Disput Stefan Walther / Martin Wagner wieder gezeigt, sehe ich für den "Kampf" auf absehbare Zeit ziemlich schwarz.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.02.2016 um 10:27 Uhr
Der Betrieb war die HV der Allianz in München. Aber du kannst mir nicht weismachen das die Arbeitszeitverkürzung auf Dauer mehr Arbeitsplätze geschaffen hat. Der Arbeitgeber stellt doch nur ein wenn seine Produktion oder wie man es sonst bezeichnen möchte steigt. Aber er wird gleichzeitig versuchen durch effizienten Einsatz geeigneter Mittel Personal zu sparen.
Aber geht ruhig eurem Traum, dem Kampf gegen den Kapitalismus nach. Mir ist immer noch das Schicksal des ehemaligen "Arbeiter- und Bauernstaates" vor Augen, dessen Einwohner nur durch massive Geldflüsse nach seinem Zusammenbruch gerettet wurden und wo wir immer noch zur Kasse gebeten werden. Ja wir, du und ich wir alle.
Ich glaube nicht dass der Kampf zu gewinnen ist. Ein Miteinander statt ein Gegeneinander so sollte es zu aller Nutzen sein.
Stefan Walther
4.561
Stefan Walther aus Linden schrieb am 06.02.2016 um 19:56 Uhr
Bernd, was Martin Wagner und ich ( oder andere ) für einen Disput führen, das ist nicht von Belang für den "Kampf", der passiert völlig unabhängig von solchen Diskussionen tagtäglich um Forderungen wie "höhere Löhne, kürzere Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich...". Unsere Aufgabe, die Aufgabe der Linken, ist es bei diesen vor allem betrieblichen Kämpfen aktiv zu sein und aufzuzeigen, dass dies zwar wichtige Kämpfe um Reformen sind, dass die endgültige Beseitigung der Ausbeutung nur durch Überwindung des Kapitalismus möglich ist...
Man sollte sich halt ein wenig mit diesen Kämpfen beschäftigen Bernd, vielleicht würdest du dann nicht so schwarz sehen!?

Die IG Metall geht - wenn ich mich richtig entsinne, habe jetzt keine Lust genau nachzulesen - von ca. 1 Million Arbeitsplätzen aus, die durch die Verkürzung der Arbeitszeit auf 35 Stunden erhalten werden konnten. Die Produktionssteigerung pro Beschäftigten würde eine noch wesentlich kürzere Arbeitszeit begründen... aber dies muss wie alles erkämpft werden :-)
Warum der ehemalige "Arbeiter- und Bauernstaat" zusammen gebrochen ist, das ist ein ganz anderes Thema, aber mit Sicherheit nicht weil der Kapitalismus das überlegenere System wäre.
Zu Nutzen aller? Ein frommer Wunsch Peter, mehr nicht...
Bernd Zeun
11.355
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 06.02.2016 um 20:55 Uhr
Stefan, ich will es auch mal kurz machen, da wir vom Ausgangsthema schon wieder ziemlich weg sind. Der Kapitalismus ist eine internationale Angelegenheit, der Kampf dagegen wird auf nationaler Ebene geführt. Kannst du mir einen transnationalen Streik nennen, wo die Arbeitnehmerschaft eines Weltkonzerns über die nationalen Grenzen hinweg die Arbeit niedergelegt hat, um Kollegen in der Niederlassung in einem anderen Land zu helfen? Ich rede nicht von Solidaritätsbekundungen oder Spendenaktionen, die helfen zwar ein bisschen den Arbeitnehmern, schaden aber nicht den Unternehmen (ich vermeide bewusst das Wort Kapitalisten, da es heute größtenteils Aktiengesellschaften sind und Aktien sich jeder kaufen kann, bzw. da jeder irgendwo versichert ist und Versicherungsgesellschaften das Geld zum großen Teil in Aktien anlegen, ist praktisch jeder auch ein bisschen ein Kapitalist). Wenn Amazon bestreikt wird, verschicken sie ihre Päckchen eben von Polen aus. Wenn Nokia, nachdem es in Deutschland Subventionen kassiert hat, nach Rumänien zieht, sagen die rumänischen Arbeitnehmer nicht, wir arbeiten ja gern für euch, aber nur, wenn die deutschen Kollegen nicht ihren Job verlieren. Oder hat jemand von General Motors gestreikt, wenn Opel ein Werk in Deutschland geschlossen hat? Und selbst wenn sie es täten, dann geht das Werk nach China und ich bin gespannt, wie du dort einen Streik organisieren willst. Es gibt natürlich internationale Kontakte (Angry Workers oder Gespräche der deutschen und polnischen Amazon-Mitarbeiter z.B., aber das ist bis jetzt doch Kochen auf Sparflamme) Es wird schon noch einiges passieren müssen, ehe du mich von meinem Pessimismus abbringen wirst.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 07.02.2016 um 00:38 Uhr
Ich warte mal ab bis die Linken in den Parlamenten Deutschlands was zu sagen haben, bzw. was bewegen werden.
Michael Beltz
7.587
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 07.02.2016 um 10:49 Uhr
Gegen den international agierenden und gut organisierten Kapitalismus zu kämpfen ist nicht einfach, da stimme ich zu. Ein gutes Beispiel war vor Jahren der internationale Sreik der Hafenarbeiter. Bernd Kamin hieß der damalige Streikführer in Deutschland. Auf dieser Flanke sind wir sicher schwach, auch wenn es andere (zu wenige) Beispiele gibt.
Heute muss es darauf ankommen, Widersprüche zwischen den Imperialisten und den international agierenden Kapitalisten zu nutzen. Wenn im KLeinen eine Firma günstigere Angebote, gerade im Baubereich, macht als andere und damit den Zuschalg erhält, dann geht das natürlich zu Lasten der Arbeiter. Hochtief ist allerdings wohl der Marktbeherrschende Baukonzern in Deutschland und Teilen der Welt (Ägypten), so dass hier kaum Konkurrenzkämpfe stattfinden. -
Es geht also darum ,dort wo es möglich ist, Widersprüche auszunutzen. Dabei sind wir noch nicht fit; es liegt an uns allen, die Gewerkschaften auf das Niveau von z.B. PAME in Griechenland zu bringen.
Wenn allerdings das Kapital die gewerkschaftlich organisiereten Kämpfe als Gefahr für seine Interessen sieht, kann das wie in Frankreich zum Ausnahmezustand führen. Fluggs ein paar islamistische Attentäter orten, dann kann der Notstand ausgerufen werden.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 07.02.2016 um 14:26 Uhr
Ich glaube nicht, dass der Generalstreik in Griechenland den Menschen hilft. Die Vorgaben wurden vom Kapital gegeben. Wenn nun das Kapital nichts mehr gibt, was dann mit den Griechen?
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 07.02.2016 um 23:00 Uhr
Für Sie die Geldgeber, denn die haben Kapital(Geld) und das braucht Griechenland.
Stefan Walther
4.561
Stefan Walther aus Linden schrieb am 07.02.2016 um 23:05 Uhr
@Bernd: ja mit dem Ausgangsthema ist das oft so eine Sache, hatten wir schon öfter. Ich finde das nicht weiter dramatisch, so lange eine Diskussion nicht künstlich in die Länge gezogen wird. Natürlich muss der Kampf international geführt werden, China ist übrigens das Land mit den meisten Streiks jährlich! Beispiel: bei verschiedenen Automobilkonzernen haben die Kollegen bei Streiks in anderen Ländern auch selbst "die Brocken hingeworfen" = in u.a. Polen, Brasilien, Belgien ( da standen deswegen sogar Fordarbeiter vor Gericht ), USA, Spanien usw. usw.
So einfach funktioniert das auch nicht, dass Unternehmen einfach mal so ihre Produktion verlagern, dann würden ja alle nur noch in den Billigstlohnländern produzieren, da spielen eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle, und gerade in diesen Ländern entwickelt sich die Streikbereitschaft sprunghaft, auch ein enormes Risiko für die Firmen, sei es in Bangladesch ( Textilarbeiterinnen ), in Südafrika ( Bergarbeiter ), in China ( in fast allen Bereichen, vor allem durch Wanderarbeiter ) usw. usw.
Erste Konsequenzen wurden auch bereits gezogen, es gibt mittlerweile die weltweiten Konferenzen der Automobilarbeiter und der Bergarbeiter zur Absprache und Organisierung gemeinschaftlichen, internationalen Handelns. Sicher, alles "ausbaufähig" und noch nicht ausreichend, aber erkennen tun dies die Arbeiter weltweit längst, dass sie nur dann erfolgreich sein können, wenn sie ( genauso wie das internationale Finanzkapital ) international kämpfen...
Noch etwas Bernd: es ist falsch zu sagen, dass nationale Streiks Weltkonzernen nicht schaden würden, jeder Streik schadet den Unternehmen....
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 07.02.2016 um 23:08 Uhr
... und sind die Arbeiter nicht Teile der Unternehmen?
Stefan Walther
4.561
Stefan Walther aus Linden schrieb am 07.02.2016 um 23:20 Uhr
????
Bernd Zeun
11.355
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 08.02.2016 um 00:30 Uhr
@Stefan: Ich habe nicht geschrieben, dass Streiks den Konzernen nicht weh tun, sondern Solidaritätsbekundungen und Spendenaktionen.
Aber zum Wehtun ein Zitat aus einem Buch von 1974: “Das Unternehmen in der Gesellschaft” von Hans Martin Schleyer, Eberhard von Brauchitsch, Hanns Matthöfer u.a. ( Gabler Verlag, 1974, Reihe “Schriften für Führungskräfte”)

Im gleichen zunehmenden Maße, wie multinationale Kapitalgesellschaften ihre internationalen Aktivitäten aufeinander abstimmen und verschiedene nationale Arbeiternehmergruppen und nationale Regierungen gegeneinander auszuspielen versuchen, wird der internationale Sympathiestreik an Bedeutung gewinnen. Die zunehmende internationale Kapitalverflechtung vermindert unvermeidlich die Bedeutung gewerkschaftlicher Aktionen auf nationaler Ebene. Offensichtlich können Lütticher Stahlarbeiter die Streikwaffe kaum noch erfolgreich anwenden, wenn sich die Eigentümer ihrer Stahlwerke über 6 Länder verteilen und wenn diese Eigentümer nur etwa 10% ihrer Investitionen im Lütticher Stahlrevier angelegt hätten. Es wäre dann für diese Großkapitalisten angebracht, eher 6 Monate Produktion und Profit in Lüttich zu verlieren, als … Zugeständnisse zu machen, die sich rasch auf alle Stahlreviere der EWG ausdehnen würden.

Es war den Führungseliten damals vor über 40 Jahren schon klar, dass ihnen nur transnationale Sympathiestreiks gefährlich werden können. Auf gewerkschaftlicher Ebene hat sich seitdem aber, zumindest meiner Meinung nach, denkbar wenig getan. Die ersten Konsequenzen, die du erwähnst, kommen reichlich spät. Allerdings muss man auch sagen, das Tarifrecht ist bisher national ausgelegt und dadurch wird es den Gewerkschaften, was internationale Zusammenarbeit angeht, nicht leichter gemacht. Es wäre also an der Zeit, auch da was zu ändern.
Stefan Walther
4.561
Stefan Walther aus Linden schrieb am 08.02.2016 um 16:37 Uhr
@Bernd: ich weiß, dass du das geschrieben hast, du hast aber auch geschrieben, dass du Beispiele von mir haben willst :-)

Ich gebe dir Recht, dass bisher zu wenig getan wurde ( hatte ich auch schon erwähnt ). Es mussten aber auch erst von den Kolleginnen und Kollegen die Erfahrungen gemacht werden, die Erfahrungen, dass man sich nicht allein auf die Gewerkschaftsführungen verlassen darf, deren Denken und Handeln meist national ausgerichtet ist, die das Standortdenken in die Belegschaften tragen... und somit oft sogar zum Hemmnis werden wenn es um internationale Solidarität geht ( es gibt aber auch Ausnahmen, z.B. bei ver.di ). Folgerichtig nehmen immer mehr Belegschaften ihre - internationalen - Interessen selbst in die Hand und organisieren sich - international - von "unten"....

Vielleicht werden wir uns da einig: wir erkennen beide die Notwendigkeit an, dass international gehandelt werden muss. Wir unterscheiden uns bei der Bewertung der Lage, ob die Sache der - internationalen - Arbeiterschaft von Erfolg gekrönt sein wird oder nicht!?
Bernd Zeun
11.355
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 08.02.2016 um 23:12 Uhr
Ja, Stefan, belassen wir es dabei. Ich bin skeptisch, fände es aber gut, du würdest recht behalten ;-)
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 09.02.2016 um 09:32 Uhr
Lieber Stefan, du beschwerst dich immer, dass man deine Fragen nicht beantwortet.
Ich schrieb am 07.02.2016 um 23:08 Uhr

... und sind die Arbeiter nicht Teile der Unternehmen?

Deine Antwort: ????

Meine Frage war doch berechtigt, oder etwa nicht. In vielen Firmen sind Mitarbeiter beteiligt am Unternehmenserfolg. Sind sie da dann nicht ein Teil des Unternehmens?
Stefan Walther
4.561
Stefan Walther aus Linden schrieb am 09.02.2016 um 18:20 Uhr
Nee Peter, das sehe ich ganz anders: wenn du dir hier in Ruhe alle Kommentare nochmal durchliest, dann wirst du feststellen, dass du einiges an Nachholbedarf hast was die Beantwortung von Fragen betrifft. Darüber hinaus würdest du mir dann auch - wenn du alles gelesen hättest - nicht so eine Frage stellen!
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 10.02.2016 um 14:56 Uhr
Wir haben einfach verschiedene Meinungen. Ist wie im Leben, denn sonst hätten wir nicht diese Vielzahl von Parteien, die alle auch Meinungen und Programme haben.
Welche sind denn nun richtig? Richtig oder falsch ist immer das wie der einzelne dazu steht.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 10.02.2016 um 17:05 Uhr
Ja, aber hat er Ihre Meinung toleriert? Wohl eher nicht.
Ich versuche mich immer in andere Meinungen, soweit mir das möglich ist reinzudenken, und dann ?
Wer sagt mir dann das die andere richtig ist?
Wie Fliegen auf der Kuhscheiße! Viele können sich nicht irren.
Hat der Mainstream immer recht?
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 10.02.2016 um 17:32 Uhr
Das was meiner Meinung nach eine Vielzahl von Menschen tun, wollen was auch immer.
Ich gehe meine eigenen Wege.

Aus Wikipedia: "..... Prinzipiell lässt sich der Begriff auf viele weitere Bereiche, insbesondere Gesellschaft, Politik und Einzelwissenschaften, ausweiten. Viele alternativ-reformistisch gesinnte Menschen und die Neuen Sozialen Bewegungen kritisieren vor allem den „gedanklichen Mainstream“. Abwertend kann es auch als Gegenteil des Individualismus verwendet werden."
Martin Wagner
2.576
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 10.02.2016 um 20:34 Uhr
Ich bin sicher nicht immer der Meinung von Peter H. (und er sicher auch nicht meiner Meinung), aber in einem Punkt "bin ich bei ihm": Ganz, ganz locker auf den Mainstream pfeifen, selber das Hirn anwerfen und "als gestandener Mensch" (wir sind ja keine "jungen Hüpfer mehr" und verfügen über genügend Lebenserfahrung) jenseits irgendwelcher Ideologien oder Dogmen sich ein eigenes Urteil bilden und dieses dann auch gegenüber Anderen offensiv zu vertreten (ohne sich ins Bockshorn jagen zu lassen mit so lächerlichen Argumenten, wie ..... das widerspricht aber dem und jenem "allgemein gültigen" Erkenntnissen ...).

Wir leben in einer Zeit, die viel zu wenig Querdenker hat. Ich erlebe in meinem - sicher schon überdurchschnittlich kritischen - sozialen Umfeld viel zu viele A....kriecher und Nach-dem-Mund-Redner. Oder etwas weniger scharf ausgedrückt. Mir selber sind viel zu viele Zeitgenossen einfach zu faul selber zu denken. Irgendwie ist es schick irgendjemend Anderem "hinterher zu plappern".

Ein Urteil bilden heisst aber natürlich nicht einmal kurz eine "Anfrage an den eigenen Bauch" starten, sondern sich die Mühe machen und verschiedene Argumente zu gewichten. Dazu gehört ab und an sicher auch eine Recherche zu Themen in der du "nicht so drin stehst". Und genau - so schätze ich das ein - macht Peter H.!

Ich hoffe Peter, du lässt dich in deiner Art nicht beeinflussen. So Menschen wie Dich brauchen wir dringend.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 10.02.2016 um 21:38 Uhr
Liebe Frau Back, Sie haben es geschafft. Es ist jetzt einer mehr als 60. Mio. auf der Flucht und ich denke die Allgemeinheit hat nichts dagegen wenn ich diesen Beitrag und die Diskussion verlasse.
Stefan Walther
4.561
Stefan Walther aus Linden schrieb am 11.02.2016 um 08:22 Uhr
Das ist ne klasse Satire Martin, die du da geschrieben hast = das alles soll ausgerechnet auf Peter Herold zutreffen? Ja, Peter ist gerade zu das Musterbeispiel von jemand, der sich umfassend informiert, mit den verschiedendstens Argumenenten auseinandersetzt, immer offen für Kritik ist und selbstkritisch seine Meinung überdenkt... und dann "gut bürgerlich" die Bürgerliste wählt. So viel Sinn für Humor und Ironie hätte ich dir gar nicht zugetraut Martin....
Michael Beltz
7.587
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 11.02.2016 um 16:06 Uhr
Soll der eine mehr auf der Flucht an der Grenze durch Frau von Storch begrüßt werden, Martin? Das sind Gedanken eines verquerten Denkers nicht eines Querdenkers.
Mainstream bedeutet nicht Main-Strom oder mein-Strom.
Martin Wagner
2.576
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 11.02.2016 um 20:00 Uhr
kurz zu Michael B.:

Wusste garnicht, dass du neuerdings zu den Feingeistern gegangen bist.

"Querdenker" ist gleich
oder ist nicht gleich "verquertes Denken"?

Habe mir bei dem Sauwetter gerade einen Apfelwein heiss gemacht. In diesem Zustand bin ich zu so viel Hirnartistik nicht in der Lage. Morgen bekommst du eine qualifizierte Antwort.
Martin Wagner
2.576
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 13.02.2016 um 09:50 Uhr
kurz zu Michael B.

"Querdenker" oder "queres Denken" das soll also die Frage sein?!

Einmal abgesehen, dass das ein nettes Wortspiel ist kann ich da wenig Inhaltliches entdecken.

Michael, die Menschen sind nun einmal verschieden. Mich beschleicht der Eindruck, dass du diese an sich doch wirklich durch und durch banale Erkenntnis nicht zur Kenntnis nimmst.

Ich weis ja nicht, wie du in deiner Jugend geprägt wurdest. (Geht mich im Prinzip ja auch Nichts an ...!) Aber, da muss etwas schief gelaufen sein. Wie sonst kann es sein, dass du Menschen, welche nicht willens sind in vergestanzten Kategorien zu denken nicht so recht ernst nimmst.

Für dich mag es ja in Ordnung sein, dass du dich irgendwann (wahrscheinlich schon als Jugendlicher) mit dem Marxismus beschäftigst, das für gut gefunden hast und dann nach der Legalisisierung der KPD dieser Partei beigetreten bist. Du warst offensichtlich in dem Marxismus- Leninismus "soweit gefestigt", dass du in der Partei Karriere gemacht und jahrzehntelang als Funktionär Aufgaben übernommen hast.

So etwas prägt natürlich den Menschen und ich kann mir vorstellen, dass jedes "nicht in gewissen Kategorien denken" dir ein Graus ist. Aber ich hoffe, du hast dir ein Rest an intellektueller Beweglichkeit erhalten, dass du zumindest anerkennst, dass es neben Menschen die nach dem Dogma / dem -ismus handeln auch Menschen gibt, die anders "ticken".

Das wäre der erste Schritt. Im Zweiten - ich fände das gut - müsste dann so etwas kommen: Diese Menschen sind zwar anders, aber ich anerkenne, dass sie in ihrem Anders sein auch Fortschrittliche oder Linke sein können.
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