Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Fahrgastverband PRO BAHN: Zugausfälle bei der Hessischen Landesbahn (HLB) können so nicht hingenommen werden

Ein Dieseltriebwagen der Hess. Landesbahn im Bahnhof Gießen auf Gleis 13 für die Fahrt der Vogelsbergbahn nach Fulda. Auch auf dieser Strecke sind Zugausfälle zu verzeichnen.
Ein Dieseltriebwagen der Hess. Landesbahn im Bahnhof Gießen auf Gleis 13 für die Fahrt der Vogelsbergbahn nach Fulda. Auch auf dieser Strecke sind Zugausfälle zu verzeichnen.
Gießen | Die Situation bei der Hessischen Landesbahn ist besorgniserregend, so Thomas Kraft aus Lahnau, vom PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen und zugleich Hessischer Landesvorsitzender gegenüber dieser Zeitung.

Der Lack ist schon lange ab bei der Hessischen Landesbahn (HLB), die seit ihrer Gründung im Jahre 2005 als das Vorzeigeunternehmen der privaten Bahnen in Deutschland galt, wobei der Ausdruck privat für die wenigsten Konkurrenten der Deutschen Bahn zutrifft, da sich diese meist im Besitz ausländischer Bahngesellschaften oder, wie bei der HLB, im Besitz des Landes Hessen befinden. Bereits seit Anfang 2014 häuften sich die Fälle, bei denen auf dem Streckennetz der HLB einzelne Züge tage- und bis zu wochenweise ausgefallen sind. Doch dabei handelte es sich meist um Einzelfälle.

Bis Weihnachten 2015 war die Welt bei der HLB also noch halbwegs in Ordnung. Danach und insbesondere in den ersten Tagen des Jahres 2016 nahmen die Zugausfälle aber ein Ausmaß an, das auf keinen Fall mehr hingenommen werden kann.

Alleine am 07. und 08. Januar 2016 sind beispielsweise, sofern die Aufstellung auf der Homepage der HLB
Mehr über...
vollständig ist, insgesamt 90 Züge ausgefallen (s. Aufstellung). Als Grund wird etwas fadenscheinig „Störung im Betriebsablauf“ angegeben, eine Begründung, die bei allen Bahnen anscheinend pauschal für jegliche Unzulänglichkeiten in der Organisation des Unternehmens herhalten muss. Angeblich ist es aber der hohe Krankenstand des fahrenden Personals, ein Phänomen, das wir schon lange über die Feiertage kennen, insbesondere dann, wenn wegen viel zu dünner Personaldecke ständig und ohne Rücksichtnahme auf persönliche Belange Überstunden angeordnet werden. Die Situation stellt sich zumindest im Westerwaldnetz für die Reisenden derzeit als völlig unhaltbar dar, da auf den kleineren Stationen keinerlei Information über die tatsächliche Betriebssituation erfolgt. Aber auch auf größeren Stationen sieht es oft genug nicht viel besser aus. Die Zugausfälle werden auf dem Internetauftritt des RMV nur lückenhaft dargestellt. In dem Reisenden-Informations-System der Deutschen Bahn (RIS) fehlt gleich jeglicher Hinweis, da es an einer Schnittstelle zwischen den verschiedenen Computersystemen mangelt.

Löblich ist, dass es der örtlichen Betriebsleitung kurzfristig gelungen ist, zumindest im Westerwald-Netz viele der ausgefallenen Züge durch einen Schienenersatzverkehr mit Bussen (SEV) halbwegs zu kompensieren. Die Deutsche Bahn wollte einmal Global Player werden und ist daran gescheitert. Die Hessische Landesbahn ist von dem unsäglichen Wunsch getrieben, in allen benachbarten Bundesländern präsent zu sein (s. Karte des HLB-Streckennetzes). In Bayern hat sie sich von der Kahlgrundbahn bereits wegen schwerwiegender Differenzen nicht mehr an der Neuausschreibung beteiligt. Es stellt sich zumindest für den Eigener die Frage, ob die Expansionsgelüste mit dem ureigenen Auftrag als Landesbahn noch in Einklang stehen, zumindest jedoch dann, wenn die Schiene irgendwann einmal keinen Gewinn mehr abwirft. Das dürfte spätestens dann der Fall sein, wenn man die Triebfahrzeugführer, um überhaupt noch genügend qualifiziertes Personal in dem leergefegten Markt requirieren zu können, übertariflich bezahlen muss.

Die Geschäftsleitung der HLB hat gegenüber der Hessenschau am 06. Januar 2016 zugesagt, dass der Betrieb mit Ende der Weihnachtsferien wieder normal verlaufen wird. Der Fahrgastverband PRO BAHN Hessen wird die Situation zeitnah und vor Ort verfolgen, so Thomas Kraft. Aber auch sonst gibt die HLB in den letzten Wochen kein Ruhmesblatt ab. Die Beschwerden häufen sich über überproportional oft verschlossene Toiletten, ständige Türstörungen und Triebfahrzeuge mit Ölverlust oder solche, die nur mit einem Motor betrieben werden können. Auch bei der Wartung der Fahrzeuge scheint die HLB inzwischen auf Sparflamme umgeschaltet zu haben. Bleibt zu hoffen, dass hierbei sicherheitsrelevante Bauteile nicht betroffen sind. Mit der Aufgabe der Werkstatt in Limburg dürfte man sich auch keinen Gefallen getan haben. In Zukunft werden die Fahrzeuge mit Standort an der Lahn im weit entfernten Siegen gewartet. Das bedeutet, dass für die Überführungsfahrten zusätzliches Personal benötigt wird und für die Überführungsfahrten Trassengebühren anfallen.

Kaum von der Öffentlichkeit beachtet wurde, dass auch bei dem Standort Hofheim (Ts) bei der HLB Hessenbus GmbH in den Tagen nach Weihnachten mehrere Busdienste (Schichten) auf den Linien 804 und 810 komplett ausgefallen sind.

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Pro Bahn gegen Tiervorstellungen
Ich fand es doch sehr befremdlich diesen Kommentar unter zwei...
PRO BAHN Mittelhessen ist in Sorge wegen der massiv zunehmenden Graffiti auf den Zügen von DB Regio Mitte
Frankfurt am Main ist seit Jahrzehnten neben Berlin ein Hotspot der...
RegioTram für Gießen bietet erhebliche Vorteile für die Vogelsbergbahn, auch im Abschnitt des Vogelsbergkreises
Die jüngste Diskussion um die Zukunft des Öffentlichen...
PRO BAHN Hessen begrüßt Verschärfungen der Maskenpflicht durch Ordnungsgeld sowie die Einführung der RMV-Auslastungsprognose
In der Auswertung sieht sich der PRO BAHN Landesverband Hessen...
Tag der Nachhaltigkeit am 10.09.: Hessen zeigt sich beim Verkehr nicht als vorrangiges nachhaltiges Bundesland
Tag der Nachhaltigkeit am 10.09.2020, ein Termin, mit dem...
Mathias Carl, Geschäftsführer der SWG-Tochter MIT.BUS (links) und Jörg Klein, Verkehrsplaner bei den SWG, beschäftigen sich intensiv mit dem Projekt NV-ProVi.
Nahverkehrsprojekt: Informationen in Echtzeit
Aktuell arbeiten die Stadtwerke Gießen und Brodtmann Consulting mit...
15 Vereinigungen gründen „Bündnis ÖPNV-Wende Mittelhessen", um gemeinsam den großen Nachholbedarf der Region im Sinne der Fahrgäste für die Verkehrswende offensiv einzufordern
Seit vielen Jahren sind die Aktivistinnen und Aktivisten, welche sich...

Kommentare zum Beitrag

Leider gibt es noch keine Kommentare zu diesem Artikel.
Schreiben Sie doch den ersten!

Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) PRO BAHN Landesverband Hessen

Weitere Beiträge aus der Region

Volker Havemann (links, Gruppenleitung Wohnstätte "Grüninger Weg" in Garbenteich) und Dirk Oßwald, Vorstand der Lebenshilfe Gießen, freuen sich über den von der Aktion Mensch mitfinanzierten Sprinter.
Komfortable Mobilität dank Aktion Mensch - Lebenshilfe-Wohnstätte in Garbenteich freut sich über neuen Sprinter
Pohlheim (-). Die Lebenshilfe Gießen freut sich über eine großzügige...
+++Spende für die Lebenshilfe Gießen (Werkstatt Lollar)+++
+++Spende für die Lebenshilfe Gießen (Werkstatt Lollar)+++ Der...
Frau Christine Krüger zeigt in schwierigen Zeiten ein starkes Engagement und unterstützt unter anderem den Lebenshilfe-Reiseveranstalter proMundio mit selbstgenähten Masken.
Nähen für die gute Sache - Christine Krüger ist „heimliche Masken-Heldin“ des Lebenshilfe-Reiseveranstalters proMundio
Pohlheim (-). Christine Krüger ist zur Stelle, wenn Hilfe benötigt...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.