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Refugium für seltene Arten: Veterinär- und Verbraucherschutz-Dezernent Oßwald besucht Fischzucht Wetterfeld

Gießen | „Das ist sehr beeindruckend, was sich hier entwickelt hat.“ Fast zwei Stunden hatte sich der hauptamtliche Kreisbeigeordnete Dirk Oßwald für den Besuch der „Fischzucht Wetterfeld – Fisch- und Forschungszentrum“ Zeit genommen. Das weitläufige Areal mit seinen 13 Teichen, einem Wohngebäude und einem Gerätehaus hatte Dr. Ulrike Lierz vor über drei Jahren mit ihrem Mann und zwei Kindern übernommen – „ein Herzensprojekt“, ergänzt die Geschäftsführerin.

Seitdem dreht sich ihr Leben um Forellen, Karpfen, Zander und Co. und das „natürlich, regional und nachhaltig“, wie Ulrike Lierz bei einem Rundgang erläutert. Mit dabei sind Dr. Bruno Scherm, Leiter des Fachdienstes für Veterinärwesen und Verbraucherschutz, sowie die Lebensmittelkontrolleurin Elke Gröpler.

Dabei fällt optisch zunächst das naturnahe, weil ungemähte Ufer auf. 50.000 Amphibien leben hier zu Hochzeiten. „Im Mai können Sie sich hier nicht mehr unterhalten.“ Derart laut quaken die Frösche. „Das ist ein Refugium für seltene Arten, wir sind eben unheimlich naturlieb.“ Alleine zehn Eisvögel hatten sich in diesem Jahr angesiedelt.

In den Teichen werden Besatz-, Speise- und Biotopfische gezüchtet, mittlerweile sogar mit personeller Unterstützung. Seit diesem Jahr hat Ulrike Lierz einen Fischwirt angestellt. Das entlastet. Die Teiche wurden bis zur Übernahme mehrere Jahre nicht bewirtschaftet.
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Der Start bei Null hatte aber auch einen großen Vorteil. Die Geschäftsführerin konnte alles nach eigenen Vorstellungen umsetzen, wie sie im Gespräch mit Veterinär- und Verbraucherschutz-Dezernent Dirk Oßwald berichtet. Genau das machte anfangs viel Arbeit. Füttern, permanent Wasserqualität überprüfen und alle anstehenden Aufzuchtmaßnahmen gehören seitdem zu ihrem Alltag.

Bis zum August versorgen sich die Fische in den Teichen zwar selbst, denn dann gibt es reichlich Pflanzen und Kleintiere. Danach wird zusätzlich gefüttert, aber nur mit Getreide von Landwirten aus Wetterfeld. Fast 20.000 Forellen sind in dieser Saison aus den Teichen gefischt worden. In drei Teichen schwimmen 6.000 Karpfen. Sie wachsen drei Jahre, bis sie ihre maximal vier Kilo erreicht haben.

Eine weitere Besonderheit sind Goldfische. Bis zu einem halben Meter lang werden die beliebten Zierfische. Die Wetterfelder Variante ist deutlich robuster als die Züchtungen aus Großanlagen unter anderem in Indonesien. „Warum soll man denn Fische tausende Kilometer mit viel Kerosin und hohen Verlusten nach Deutschland importieren, wenn sie hier in unseren Teichen prächtig wachsen?“, fragt Ulrike Lierz. Die Zierfische werden auch über gehobene Zoomärkte vermarktet.

Mittlerweile gibt es auf dem Hof auch einen kleinen Fischladen, der freitags und samstags öffnet sowie einen Gastraum für Gesellschaften, oder auch einen mobilen Räucherofen für Feste. Interessierte Gruppen können außerdem eine Führung buchen. Das jüngste Projekt sind zwei Ferienwohnungen direkt an den Teichen, zum Beispiel für ein Vater-Sohn-Wochenende – mit oder ohne Angeln.

Das Bekenntnis zur Naturnähe hat ihren Preis. Denn auch die zehn Eisvögel, Kormorane und auch Reiher sind begeistert von dem reichhaltigen Angebot, das ihnen da frei Haus gemacht wird. „Das Problem ist die Menge“, berichtet Ulrike Lierz. Sie schätzt, dass dadurch ein Schaden in Höhe von jährlich bis zu 15.000 Euro in den Fischbecken entsteht. Natürlich könnte sie Netze über die Teiche hängen. Dann aber fänden die seltenen Vogelarten etwa wie der Fischadler kein Futter mehr. „Wir führen einen Betrieb im Sinne des Natur- und Artenschutzes, dann ist das eben so.“

 
 
 

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