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Gefrierender Atem bei Rind und Pferd: Veterinäramt gibt Tipps für eine Weidehaltung im Winter

Werden Pferde über einen längeren Zeitraum bei ungünstigem Wetter ganztägig auf der Weide gehalten, ist ein geeigneter Witterungsschutz unerlässlich. Foto: Katrin Hammer/pixelio.de
Werden Pferde über einen längeren Zeitraum bei ungünstigem Wetter ganztägig auf der Weide gehalten, ist ein geeigneter Witterungsschutz unerlässlich. Foto: Katrin Hammer/pixelio.de
Gießen | Bei einem Spaziergang an kalten Wintertagen kann man es vielleicht beobachten: dampfender Atem, der aus den Nüstern von Pferden oder dem Flotzmaul bei Rindern aufsteigt. Wer sich deswegen Sorgen um die vermeintlich frierenden Tiere macht, liegt nicht immer richtig. Denn eisige Temperaturen, die wir Menschen als unangenehm und frostig kalt empfinden, vertragen Weidetiere wie Rinder, Schafe und Pferde ohne gesundheitlichen Schaden. Allerdings müssen bestimmte Voraussetzungen eingehalten werden. Darauf macht hauptamtlicher Kreisbeigeordneter Dirk Oßwald gemeinsam mit Amtstierärztin Dr. Stefanie Graff vom Veterinäramt aufmerksam.

Die Amtstierärztin sagt: „Gesunde Weitetieren vertragen insbesondere trockenen Frost in der Regel problemlos. Auch Schnee kann diesen Tieren nichts anhaben, wenn die Tierhalter ihnen einen Witterungsschutz anbieten.“ „Auch wenn viele Weidetiere gegen winterliches Wetter unempfindlich sind, so brauchen doch alle Tiere gerade in der kalten Jahreszeit die Fürsorge des Menschen“, ergänzt Dirk Oßwald und appelliert an alle Tierhalter, entsprechende Vorkehrungen zu treffen, falls dies noch nicht geschehen ist.

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Folgende Voraussetzungen müssen bei einer Weidehaltung im Winter unbedingt eingehalten werden: Nur gesunde und gut genährte Tiere dürfen im Winter draußen gehalten werden, denn nur diese können – sofern sie sich langsam an die herrschenden Umweltbedingungen anpassen konnten – die extremen Wetterlagen im Winter unbeschadet überstehen. Äußerst wichtig ist ein geeigneter effektiver Witterungsschutz. Dieser sollte für Rinder und Ziegen aus einem überdachten, möglichst mehrseitig geschlossenen Unterstand bestehen, welcher entweder aus natürlichen Gegebenheiten oder aus künstlich errichteten Einrichtungen bestehen kann.

Werden Pferde über einen längeren Zeitraum bei ungünstigem Wetter ganztägig auf der Weide gehalten, ist auch für diese Tiere ein geeigneter Witterungsschutz unerlässlich. Auch für Schafe empfiehlt sich ein möglichst mehrseitig geschlossener Unterstand. Unbedingt notwendig wird ein solcher Witterungsschutz bei anhaltend extremen klimatischen Bedingungen und während der Lammzeit unter extremen Witterungsbedingungen.

„Entscheidend ist, dass der Witterungsschutz allen Tieren gleichzeitig einen trockenen, gegen Regen, Schnee, Wind und Kälte geschützten Liegeplatz gewährleistet. Dabei muss auch trockene Einstreu vorhanden sein“, erklärt die Dr. Stefanie Graff. Auf der Weide darf es nicht zu Staunässe und Morastbildung kommen. Daher ist ein geeigneter Standort zu wählen und die Besatzdichte darf nicht zu hoch sein.

Damit die Tiere trotz winterlicher Bedingungen auf der Weide gesund bleiben, brauchen sie ausreichend gutes Futter. „Eine Zufütterung ist im Winter unerlässlich. Sie muss bedarfsgerecht erfolgen und das Futter muss eine einwandfreie Qualität aufweisen“, weiß Dr. Stefanie Graff und weist zusätzlich darauf hin, dass die Tiere jederzeit Zugang zu sauberem Trinkwasser haben müssen. Hierbei ist dafür Sorge zu tragen, dass das Wasser nicht einfriert. Wenn sich dies an extrem kalten Tagen schwierig gestaltet, ist es zwingend erforderlich, dass die Tiere mindestens morgens und abends ausreichend getränkt werden.

Der tägliche Kontrollgang auf die Weide sollte für Landwirte ohnehin selbstverständlich ein. Dabei muss das Wohlbefinden der Tiere und auch die Funktionsfähigkeit von Tränken, Zäunen und Unterstand kontrolliert werden. Bei extremen Wetterlagen empfiehlt es sich, mehrmals täglich nach den Tieren zu schauen, um sicher zu gehen, dass es ihnen gut geht und an nichts mangelt.

Dirk Oßwald resümiert: „Wenn diese Voraussetzungen für eine winterliche Weidehaltung erfüllt sind, können gesunde Tiere auch in der kalten Jahreszeit draußen bleiben. Es besteht dann in der Regel kein Grund zu Sorge um das Tierwohl. Können diese Bedingungen hingegen nicht eingehalten werden, müssen die Tiere rechtzeitig in den Stall geholt werden, damit Kälte, Nässe und Wind nicht zu Leiden, Schmerzen oder Schäden führen!“


Wer Fragen zur Tierhaltung hat, kann sich an den Fachdienst für Veterinärwesen und Verbraucherschutz beim Landkreis Gießen wenden, Telefon: 0641 9390-6200, E-Mail-Adresse poststelle.avv@lkgi.de.

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Kommentare zum Beitrag

Ilse Toth
39.186
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 14.12.2015 um 22:08 Uhr
Ein guter Artikel, der besorgten Tierfreunden eine Hilfe ist. Die Tierhalter, die ihre Tiere ganzjährig draußen halten, sollten ihn schriftlicher Form bekommen. Ich selbst bin besorgt, wenn auf den Pferden bei niedrigen Temperaturen Raureif am Körper bleibt. Nach meinem Verständnis ist dann die Körpertemperatur zu niedrig. Begrüßen würde ich es, wenn die Tierhalter eine Telefonnummer sichtbar anbringen würden, damit in einem evtl. Notfall schnell ein Ansprechpartner gefunden wird.
Nicole Freeman
11.061
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 15.12.2015 um 07:43 Uhr
die sache mit der tel nummer ist eine gute idee. es kann immer zu unfällen kommen oder eben ein spaziergang der tiere. so kann man feststellen wem die tiere gehören und direkt den landwirt anrufen.
der normale weg ist über polizei, die wiederum den ortslandwirt anruft, der wiederum den landwirt informiert dem die tiere gehören. ewige warteschleife die kostbare zeit in anspruch nehmen kann. so erfahren beim ausgebüchsten jungbullen der sich das heuchelheimer jam festival einmal anschauen wollte.
zum glück ein friedliches tier das auf seinen bauer gewartet hat.
Jenny Burger
1.777
Jenny Burger aus Buseck schrieb am 15.12.2015 um 21:00 Uhr
Guter Beitrag vom VetAmt, sowas ist wichtig. Nicht nur für die Tierhalter, sondern auch für Menschen, die mit offenen Augen durchs Leben gehen. Eine Tel.Nr. am Weidezaun ist in der Tat recht hilfreich. So konnte ich mal einer Stute helfen, die einen Schwächeanfall hatte und nicht mehr selbst hochkam.
Angelika Petri
1.833
Angelika Petri aus Mücke schrieb am 28.12.2015 um 09:41 Uhr
ein °geeigneter Witterungsschutz ist unerlässlich°schreibt der Landkreis Giessen vor, das Veterinäramt kontrolliert aber nicht auf den Weiden ob das tatsächlich für die Tiere angeboten wird, was auf vielen freien Weiden, aber auch in der Privathaltung auf ausreichend großen Grundstücken leider oft nicht der Fall ist. Da stehen manche Tiere nur mit einem kargen Dach überm Kopf, der Boden voller Schlamm oder schnee, ohne jede Einstreu , oft auch mit kaum Zufütterung - der Boden nass der sowieso durch die fehlenden Seitenwände immer nass bleibt und auch der Halter sagt, "das halten die schon aus, weil sie das gewohnt sind!
die Realität ist eben anders als die Vorschriften es vorschreiben....
dass die Weiden gekennzeichnet werden wem sie gehören und dort eine zugehörige telefonnummer hängt habe ich seit J A H R E N schon bemängelt, dass diese z. B. Beispiel um Buseck herum fehlt!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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