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Demontage des Gießener Funkturms - fotografischer Abgesang auf den Riesen

von Bernd Zeunam 28.11.2015972 mal gelesen15 Kommentare
Die Farbe blätterte zwar überall ab, aber die Schrauben saßen noch fest.
Die Farbe blätterte zwar überall ab, aber die Schrauben saßen noch fest.
Gießen | Es war zwar nicht so spektakulär wie die Sprengung des AfE-Turms im letzten Jahr in Frankfurt, aber faszinierend war der Abbau des ehemaligen Funkmasts der US-Army in Gießen auch, und man konnte ihn über mehr als eine Woche verteilt verfolgen. Industriekletterer aus Lettland bereiteten die Einzelelemente des Stahlgerüst so vor, dass sie von einem riesigen Kran abgetragen und anschließend von einem Bagger zu Schrott zerschnitten werden konnten.

Dabei konnte man zwar die bis zu sechs Kletterer, die gleichzeitig im Turm arbeiteten, um ihre Aussicht beneiden, nicht aber um ihre Arbeitsbedingungen. Den ganzen Tag von morgens bis zum Nachmittag gegen 16:00 Uhr in unbequemer und angespannter Haltung, bei Kälte, Wind und teilweise Regen und Schnee in dem Stahlgerüst verbringen zu müssen, ist alles andere als angenehm. Dazu kommt, dass alles kiloschwere Werkzeug, das gebraucht wird, sich oben bei ihnen und größtenteils am Mann befinden muss.

Und nicht immer lief alles so reibungslos ab, wie es gewünscht war. Konnten beim ersten Drittel noch jeweils zwei der acht Meter langen einzelnen Elemente zusammen von dem Schwerlastkran
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abgehoben werden, ging das auf einmal nicht mehr, weil die Belastungsgrenze von 14 Tonnen für den 92 m langen Ausleger überschritten wurde. Es musste also erst wieder gesichert werden und dann das obere Element losgeschraubt werden. Weiter unten, als in 40 m Höhe die untere Plattform erreicht war, überschritt auch das Gewicht des Einzelelements die Gewichtsgrenze und der Kranausleger musste erst verkürzt werden, um bei geringerem Hebel die größere Last zu bewältigen.

Da es um fünf bereits dunkel ist, konnte nach 16:00 nicht weiter gearbeitet werden. Dann durfte kein Element mehr ungesichert sein und der Ausleger musste abgelegt werden. Der Abriss zog sich so länger als erwartet hin und die zwei Bodenelemente, für die der Kran aber nicht mehr gebraucht wird, werden erst am Montag vom Bagger nieder gerissen werden. Dann muss noch das Fundament beseitigt werden, ehe man die geplanten Neubauten in Angriff nehmen kann. Trotzdem ist es erstaunlich, mit wie wenig Leuten so ein Abriss heute bewältigt wird. Beim Aufbau dürfte das noch anders gewesen sein.

Den Bildern vom Abriss habe ich noch ein paar vom Anblick des Turmes aus allen vier Himmelsrichtungen angefügt und da bewegte Bilder einen lebendigeren Eindruck der Arbeiten geben können, auch die Links zu ein paar Youtube-Videos.

Videos:
Lösen von Schrauben an Eckpfeiler
http://www.youtube.com/watch?v=9lzPApR1IM8

Positionswechsel
http://www.youtube.com/watch?v=_cqG0rqJC9E

Abheben eines 16t-Turmteilstücks
http://www.youtube.com/watch?v=DIoSTvr0Paw

Zerkleinern von Turmelementen mit dem Bagger
http://www.youtube.com/watch?v=CSOrqssl2Os

Die Farbe blätterte zwar überall ab, aber die Schrauben saßen noch fest.
... und bei gutem.
Die Turmspitze
Kiloweise hhängt die Ausrüstung am Mann und muss mit nach oben geschleppt werden
Bis in die Turmspitze dauert der Aufstieg gut 20 Minuten
Die Turmspitze ist schon abgenommen ...
... und liegt am Boden.
Stundenlang ist höchste Konzentration erforderlich
Bis zu sechs Kletterer arbeiteten gleichzeitig im Turm
1
Da staunt die Taube
Das Doppelelement erwies sich als zu schwer
Fast ein Seiltanz
Nicht jede Schraube lässt sich einfach lösen
Die Halteketten müssen noch angebracht werden
... und wird erledigt.
1
Als letzter Schritt wird jeweils die Leiter durchgeflext
Es kann losgehen.
Die Kletterer schrauben schon am nächst tieferen Element
Gleich am Boden
Das Doppelelement wird abgelegt
Der Turm schrumpft mehr und mehr
Hier ist er nur noch ca. 60m hoch
Am Ende jedes Arbeitstags wird der knapp über 90m lange Ausleger abgelegt
Wie ein Saurier aus Jurassic Parc zerbeißt der Bagger die Stahlrohre ...
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... bis nur noch ein Haufen Schrott zum Verladen übrig bleibt.
Der Schwerlastkran verlädt sich selbst
2
Die letzten zwei Elemente werden mit dem Bagger eingerissen
Ein letzter Blick aus allen vier Himmelsrichtungen: Von Süden
Von Norden, bei gutem Wetter
... und bei schlechtem.
Von Westen
Von Osten
1
Zum Abschluss ein weihnachtlicher Anblick von der Hohen Warte
2

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Kommentare zum Beitrag

Nicole Freeman
11.057
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 29.11.2015 um 08:01 Uhr
die müssen aber schwindelfrei sein. respekt vor diesem beruf. klasse festgehalten
Andrea Mey
11.012
Andrea Mey aus Lollar schrieb am 29.11.2015 um 12:25 Uhr
Sehr schöner Bericht vom Ende eines Giessener Wahrzeichens.
Er wird vielen Giessenern fehlen.
Hat man ihn doch im Dunkeln schon von weitem leuchten gesehen.
Danke für die schönen und beeindruckenden Fotos!
Michael Beltz
7.779
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 29.11.2015 um 15:03 Uhr
Auch das Ausharren des Fotografen und Schreibers ist zu bewundern.
Ingrid Wittich
21.011
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 29.11.2015 um 15:36 Uhr
Gute Dokumentation. Und so konnte ich mit dabei sein. Danke.
Jutta Skroch
13.746
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 29.11.2015 um 18:25 Uhr
Sehr beeindruckende Foto- und Videoserie.
Astrid Patzak-Schmidt
3.432
Astrid Patzak-Schmidt aus Gießen schrieb am 29.11.2015 um 18:36 Uhr
Der Bericht mit den Fotos hat mich auch beeindruckt. Ich habe nur aus der Ferne den Abbau verfolgen können und bin froh, dass das scheußliche Ding weg ist!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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