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„1984“ von George Orwell im Stadttheater lässt über Überwachung und Information nachdenken

Eine Szene. V.l.: Rupert Jaud, Beatrice Boca, Mirjam Sommer, Rainer Hustedt, Roman Kurtz, Milan Pesl, Jost von Harleßem, Burkhard Wolf; hinten: Lukas Goldbach.
Eine Szene. V.l.: Rupert Jaud, Beatrice Boca, Mirjam Sommer, Rainer Hustedt, Roman Kurtz, Milan Pesl, Jost von Harleßem, Burkhard Wolf; hinten: Lukas Goldbach.
Gießen | „1984“ von George Orwell, in der von Thomas Oliver Niehaus inszenierten Bühnenfassung von Robert Icke und Duncan Macmillan, feierte Premiere am Samstag, 14. November 2015, im vollen Großen Haus des Stadttheaters.
Die Geschichte von Winston Smith spielt in dieser Inszenierung im Jahr 2051. Dabei bleibt man dem ursprünglichen Zahlendreher treu, der in eine mit der Gegenwart eng verbundene Zukunft versetzt, und gleichzeitig wird ein Bezug zum Jahr hergestellt, in dem laut Orwell nur noch die zensierte Sprache „Neusprech“ gesprochen wird. Winston (Lukas Goldbach) lebt in einem vom „Großen Brüder“ überwachten Staat der Zukunft, wo alles durch die Regierung kontrolliert und bestimmt wird. Die Partei schafft die eigene Realität, die akzeptiert werden muss. Sogar die neue Sprache „Neusprech“ wird erfunden, in der nur die von der Partei genehmigten Begriffe enthalten sind. Die Bürger dürfen nicht anders denken als die Partei, Gedankenverbrechen werden bestraft, Erinnerungen werden manipuliert. Gefühle und Sexualität werden ebenfalls verboten. Winston versucht, sich zu widersetzen. Seine Freundin Julia (Mirjam Sommer) hilft ihm. Aber am Ende werden sie vom System besiegt.
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Wer den Roman kennt, kann die Handlung wieder erkennen. Aber auch die Zuschauer, die das Buch noch nicht gelesen haben, können dem Theaterstück folgen, obwohl einige Verweise verloren gehen.
Das Thema der Überwachung und der manipulierten Information ist heutzutage sehr aktuell. Mit Smartphones, sozialen Netzwerken, dem Immer-Online-Sein und dem Teilen von Orten, Gefühlen und Aktivitäten lassen sich die Nutzer fast freiwillig kontrollieren und die Privatsphäre scheint nicht mehr zu existieren. Aber was zeigen wir wirklich übers Internet? Und können wir wirklich daran glauben, was uns gezeigt wird? Können wir den Massenmedien vertrauen? In der Ära von Internet beschäftigen diese Fragen viele Menschen, vor allem wenn eine Antwort und eine Lösung für die dramatischen Ereignisse gesucht wird, die immer wieder unsere Gesellschaft und die ganze Welt erschüttern. Was wissen wir eigentlich? Darüber lässt das Theaterstück nachdenken.
Wie die Technologie im täglichen Leben präsent ist, wird auf die Bühne gebracht. Ton (Rupert Jaud) und Video (Jost von Harleßem) werden im Vordergrund gesteuert und sind Teil des Schauspiels genauso wie die anderen Charaktere. Auf der großen Leinwand im Hintergrund erscheinen Sätze, Gedanken, Fakten und das Gesicht der Schauspieler selber, die live vor dem Publikum projiziert werden.
Die spannende Thematik, diese besonderen Effekte und die immer lobenswerte Interpretation der Schauspieler sind die Pluspunkte einer Darstellung, die sich aber an einigen Stellen zieht. Bei der ununterbrochenen, fast zweistündigen Aufführung wünschte sich der Zuschauer doch eine Pause.
Weitere Vorstellungen von „1984“ werden am 27. November, am 4., 11., 30. Dezember 2015, und nächstes Jahr am 24. Januar und 13. März 2016, jeweils um 19.30 Uhr, im Großen Haus stattfinden.

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von:  Alessandra Riva - Mitarbeiterin der GZ-Redaktion

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