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Die neueste Werbeoffensive der Bundeswehr

Gießen | Die Bundeswehr wird 60 Jahre alt in diesem Jahr und gleichzeitig läuft seit dem seit dem 2. November die neue Werbekampagne „Mach was wirklich zählt“, die für die Bundeswehr als Arbeitgeber wirbt.

Gezielt sollen dabei auf gekonnt „lockere“ Art und Weise mit Sprüchen wie „Krisenherde löst du nicht durch Abwarten und Teetrinken“ oder „Wahre Stärke findest du nicht zwischen zwei Hanteln“ Jugendliche für den Beruf als Soldatin und Soldat gewonnen werden – im ersten Teil der Kampagne mit 30.000 Plakatwänden, 5 Millionen Postkarten und elf Riesen-Postern.

In der zweiten Phase ab Mitte November werden wir dann mit Videos und Plakaten beglückt, die uns über die Berufsbilder „und die vielfältige Welt der Truppe“ informieren.
Für diese Werbemaßnahmen greift die Bundesregierung tief in den Geldbeutel: Im letzten Jahr wurden 29,9 Millionen Euro für die Nachwuchswerbung ausgegeben (zum Vergleich: 2008 waren das noch 3,78 Millionen Euro)!

Daraus könne man schließen, dass die Bundeswehr Nachwuchssorgen hat. Das wäre auch überhaupt kein Wunder, denn z.B. im Wehrdienst bricht knapp ein Drittel aller Freiwilligen in den ersten sechs Monaten ab! (Zahl von 2013)

Nach der Heimkehr haben ein Drittel der Soldatinnen und Soldaten tote oder schwerverletzte Kameraden gesehen, 36% wurden durch Artillerie beschossen oder durch Minen oder Raketen angegriffen und 30% haben Leichen oder Teile von Leichen gesehen. 55% der Frauen bei der Bundeswehr berichten von sexueller Belästigung.

Das Ergebnis: 22% der Einsatzsoldaten leiden unter psychischen Störungen (Studie Bundeswehr 2013). 2015 meldet die Bundeswehr, dass die Zahlen posttraumatischer Belastungsstörungen bei Soldatinnen und Soldaten weiter steigen.

Bundeswehr- ein Traumjob?



Die Plakate sind von der SDAJ

 
 
 
 

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Kommentare zum Beitrag

759
D. Theiß aus Lich schrieb am 15.11.2015 um 19:40 Uhr
Wer Personal möchte, muß die Werbetrommel rühren.
Machen andere doch auch, oder, in jedem Land gibt es eine Armee, warum nicht auch in Deutschland, wenn die Bundeswehr bei Naturkatastrophen hilft wird dies als selbstverständlich angesehen, manche Bürger sehen dies als Pflicht.
Es kann sich nicht jeder um "Reisende" kümmern, obwohl dies auch zum Teil von den Soldaten geleistet wird. Nicht jeder der zur Bundeswehr geht ist ein Verbrecher, manche sehen dieses als Job. Wenn man die Soldaten schon verdammen will, dann bitte Weltweit.
"Dankeschön".
Nicole Obermann
374
Nicole Obermann aus Reiskirchen schrieb am 15.11.2015 um 22:24 Uhr
Im gespräch ist wieder eine totale Abschaffung der Bundeswehr.
22 Länder auf dieser Welt haben laut Wikipedia keine Armee. Stand 2014.
172 Länder jedoch haben eine Armee.
Wir sind in der Industrialisierung eine Weltmacht. Gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt ist Deutschland die größte Volkswirtschaft Europas und viertgrößte der Welt. Im Jahr 2014 war es die drittgrößte Export- und Import­nation.

Am Freitag haben wir es gesehen in Frankreich. Auch Deutschland ist in stetiger Gefahr. Wir brauchen Eine Armee.
Ohne sind wir Schutzlos und ein einfaches Ziel.

Es gab schon immer PRO und CONTRA .
Aber ICH fühle mich sicherer, wenn ich weiß, dass die Bundeswehr für unser Land da ist.
Marcus Link
507
Marcus Link aus Gießen schrieb am 16.11.2015 um 07:01 Uhr
Die Bundeswehr war früher darauf ausgerichtet sich gegen aggressive Staaten bzw. Armeen zur Wehr zu setzen, was dann auf das Feindbild des „Warschauer Paktes“ hinaus lief. Mitte der 80er Jahre bröckelte dieses Feindbild im Rahmen von Glasnost unter Boris Jelzin. Als ich 1987 für 4 Jahre zur Bundeswehr gegangen bin, war dieses Feindbild zwar noch allgegenwärtig, doch im Grunde genommen nur theoretisch. In meiner Bundeswehrzeit ist die Masse der Soldaten in der annähernden Gewissheit gewesen, nicht in den Krieg ziehen zu müssen. Erst mit Beginn des ersten Irak Krieges, wurde vielen Soldaten klar, „hey wir spielen nicht nur Krieg, es könnte ja wirklich an die Front gehen“. Wenige Ausbildungsmissionen wie z.B. Mogadischu mal ausgenommen.

Seit dem gibt es einen ständigen Wandel an Aufgaben und der Struktur. Die Befugnisse der Bundeswehr durch das Grundgesetz, werden auf ein aus meiner Sicht unerträgliches Maß ausgedehnt. Das Resultat ist dass sich auch die deutsche Armee z.B. über 4000 km weit von unseren Grenzen aktiv an einem Krieg beteiligt(e?). Bitte was ist das für ein Wahnsinn? Das ist sicher nicht im Sinne derer die unser Grundgesetz schufen!
Das Problem ist, dass Deutschland quasi eine Geisel der Nato ist. Selbst im Kalten Krieg war dies kein schlüssiges Konzept, hätten wir letztendlich nur als Pufferzone gegen den östlichen Aggressor gedient und wären letztendlich nur Kanonenfutter gewesen. Dafür braucht man keine Nato…

Heute? Soldaten_innen gehen Heute zur Bundeswehr und müssen davon ausgehen in einen Kriegseinsatz zu müssen. Welche Motivation treibt einen dazu? Abenteuerlust? Man bekommt sonst keinen Job? Wer bitte geht zur Bundeswehr und denkt: „Das ist doch ein ganz normaler Job mit ordentlichen Karriere Möglichkeiten.“? Ich stelle einfach mal in den Raum, auch auf die Gefahr hin dass ich mich damit angreifbar mache, dass hohe Intelligenz für einen Soldaten hinderlich sein kann. Ich habe es in meiner Bundeswehrzeit auch erlebt dass es jene Soldaten die sich zu viele Gedanken machten schwer hatten. Insgesamt keine guten Voraussetzungen für einen Arbeitgeber.

Die Bundeswehr muss Werbung machen um nicht ganz aus dem Fokus der Gesellschaft, als Arbeitgeber zu verschwinden. Doch mit was wollen sie werben? Mit einer realistischen Aussicht getötet, verletzt oder traumatisiert zu werden oder mit einer nicht wirklich sinnerfüllten Aufgabe? Also so eine Werbefirma würde ich feuern…

Ich bin der Meinung dass die Nato in ihrer Ausrichtung, als Machtinstrument einer Staatengruppe welches zum durchsetzen von eigenen Interessen missbraucht wird, schlicht und einfach überholt ist. Ohne mich tiefgreifend damit beschäftigt zu haben, hielte ich eine europäische Armee ohne länderspezifische Einzelarmeen für einen richtigen Weg gen mehr Frieden. Ich sehe das Gebilde der Nato mit der derzeitigen Ausrichtung als gefährliches Konstrukt dass den Terror nur weiter schürt.

Wir brauchen neue Antworten auf die Internationalen Probleme! Wäre nur die Hälfte des Geldes, welches die Kriege der Nato kosteten und kosten, in intelligente Maßnahmen geflossen, und die Militärstrategie ausschließlich auf reine Verteidigung ausgelegt und umgesetzt worden, schlügen wir uns jetzt vermutlich nicht mit IS, Taliban und Co. herum.

Fazit: Ich sehe die Bundeswehr und Nato in einer Sinnkrise
Karl-Ludwig Büttel
3.882
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 16.11.2015 um 11:02 Uhr
Frau Obermann so ist es. Auch ich fühle mich besser mit einer Bundeswehr im Land als ohne. Die Strukturen und Aufgaben müssen der Zeit angepasst und verändert werden.
Wie Herr Theiß schreibt, jedes Unternehmen macht Werbung.
Ich bin dankbar für das was unsere Soldaten leisten, dass es Gefährlich ist, keine Frage. Ein Traumjob? Wie wird das definiert?
Das ist ein Thema das natürlich spaltet.

Bei der Bundeswehr kann man hervorragend studieren. Natürlich ist ein gewisse Bildung dafür Erforderlich. Ausbildungen aller Art kann man dort absolvieren. Die Absolventen der Studienabschlüsse und Ausbildungsabschlüsse haben aufgrund der hohen Qualität hervorragende Chancen im Anschluss an ihre Dienstzeit in der freien Wirtschaft eine Traumjob zu finden. Dies unterscheidet sich etwas zu früher, als die Bundeswehr noch einen Querschnitt der Bevölkerung darstellte. Natürlich kommen auch Freiwillige zur Bundeswehr deren Chancen bedingt durch den Schulabschluss im zivilen schwierig wären. Die Laufbahn der Mannschaften benötigt auch Bewerber und die Förderung zu einem qualifizierten Abschluss ist sehr gut.
Kurt Wirth
3.400
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 16.11.2015 um 17:34 Uhr
Ich möchte anknüpfen an Frau Obermann: die Länder ohne Armee (laut wikipedia 25) sind überwiegend kleine Länder, die aber oft vertraglich den Verteidigungsauftrag benachbarten Staaten übertragen haben (z.B. der Vatikan, der sich auch lieber der italienischen Armee anvertraut, als der göttlichen Dreieinigkeit). Darunter z.B. auch Grenada, wo das nicht als freiwillige Entscheidung angesehen werden kann, sondern nach der US-Intervention es gezwungenermassen der Fuchtel der USA unterstellt wurde.

Ein gegenteiliges Beispiel sei die Schweiz, gemessen an der Einwohnerzahl hochmilitarisert und mit Wehrpflicht, aber seit ewigen Zeiten von Kriegen verschont. Hängt aber eher mit der deren Politik zusammen, als den Gewehren in den Schlafzimmerschränken.

Das Entscheidende, ob mit oder ohne Wehrpflicht, scheint mir das politische Umfeld. In Deutschland ist die Wehrpflicht als Forderung von fortschrittlichen, freiheitlichen Kräften dem Beispiel des revolutionären Frankreichs folgend entstanden. Doch schon bald wurde nicht mehr, wie beabsichtigt, die Armee zivilisiert, sondern umgekehrt die Gesellschaft militarisiert (man denke an die Matrosenanzüge der Kinder bis in die 1950-er-Jahre. Ich trug auch noch einen bei der ersten heiligen Kommunion).

Die Aussetzung der Wehrpflicht ist sicher der Effektivierung im Zuge der technischen und wissenschaftlichen Entwicklung geschuldet und weniger einer Absicht, demokratische Einflüsse durch die "Söhne des Volkes" in der Armee zurückzudrängen. Die große Chance Deutschlands für einen Weg ohne Militär (wie bis in die jüngere Zeit Japan seit 1945) wurde gleich nach der Gründung der Bundesrepublik vertan, als Adenauer die Wiederaufrüstung und die Einbindung Westdeutschlands in die EVG bzw. NATO vorantrieb und die SPD nur halbherzig Widerstand leistete.

Ob die Abschaffung der NATO viel bringen würde, weiß ich nicht. Es wurden in jüngerer Zeit problemlos ad-hoc-Bündnisse für Auslandseinsätze gebildet. Jedoch wird unter dem Schutzschild NATO sehr wirksam die Einkreisung und Bedrohung Rußlands weiter vorangetrieben.

Das Töten von Menschen, sei es auch straflos, kann ich nicht als einen Beruf wie jeden anderen ansehen und damit auch nicht die Werbung dafür akzeptieren.(Im übrigen wird ja von der Arbeitsagentur etc. auch nicht für den Beruf des Politikers geworben)
759
D. Theiß aus Lich schrieb am 16.11.2015 um 22:15 Uhr
die Einkreisung und Bedrohung Rußlands

Ich lach mich schlapp
Kurt Wirth
3.400
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 16.11.2015 um 22:52 Uhr
Aber bitte, habe nichts dagegen. Ich befinde mich da in weitgehender Übereinstimmung mit unserem hochverehrten jüngst verstorbenen Altbundeskanzler Helmut Schmidt.
Karl-Ludwig Büttel
3.882
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 17.11.2015 um 10:45 Uhr
Auch der hatte nicht immer Recht Herr Wirth. Auch wenn ich den Altkanzler sehr schätzte.
Kurt Wirth
3.400
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 17.11.2015 um 11:26 Uhr
Ja, das sehe ich auch so, Herr Büttel. Vor allem mit dem NATO-Doppelbeschluss und der Pershing-Stationierung. Ich vertraue mal darauf, dass er im Alter weiser geworden ist. Aber da kann man natürlich ewig darüber streiten.
Karl-Ludwig Büttel
3.882
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 17.11.2015 um 12:20 Uhr
So ist es nur umgekehrt. Das war der Punkt dass er bei mir als Kanzler Respekt fand. Sie haben aber Recht darüber kann man ewig streiten
Michael Beltz
7.779
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 22.11.2015 um 11:03 Uhr
Kollege Link, Deine Ausführungen, die ich erst jetzt in voller Länge gelesen habe, sehe ich als einen sinnvollen Beitrag, der uns weiterhilft. Kleiner Fehler: Gorbatschow hatte den Begriff "Glasnost" populär gemacht, viel von Lenin geschwafelt und dazu beigetragen, dass die KPdSU aufgeweicht wurde. Willy Brand war es vorbehalten, zu erkennen, dass er erstmals einem Generalsekretär der KPdSU gegenüber gesessen habe, der ein Sozialdemokrat sei.
Boris Jelzin habe ich in Hamburg (um 1985) auf einem Parteitag der DKP erlebt, der besoffen, wie er meist war, auf BILD geschimpft hat.
Der Genosse von uns, der als Fahrer für Jelzin abgestellt war, war entsetzt.
Kurt Wirth
3.400
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 22.11.2015 um 12:40 Uhr
Die Tirade, die Jelzin gegen BILD losließ (es war Anfang Mai 1986), stand im Rahmen seiner Ausführungen zu Tschernobyl (ereignete sich gerade eine Woche zuvor). Er bezeichnete alle Berichte zu dem Gau als glatte Lügen und bekam rauschenden Beifall der Parteitagsteilnehmer. Von diesen ging kein einziger auf Tschernobyl ein, außer etwa fünf Redner nach Jelzin Kurt Steinhaus, der vorsichtige Kritik an der Haltung vorbrachte, daß es im Sozialismus per se nur ökologisch einwandfreie Kernenergie gäbe. (Habe ich dem Protokoll des Parteitags entnommen, Vlg. Plambeck & Co, Neuss, Juli 1986). Da wäre wohl besser der Fahrer Delegierter gewesen.
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