Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

Gießen | Heute fand um 17.30 Uhr am Berliner Platz eine Kundgebung zum Gedenken an die Opfer des 2.Weltkrieges und an der 1938 stattgefunden Reichsprogromnacht statt.

H.Mächerle vom AntiFa-Plenum hielt die Rede.

"Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg. Diese Forderung ist ein politisches Vermächtnis von Überlebenden und Widerstandskämpfer*innen gegen den Faschismus. In diesem Zusammenhang ist der 9. November ein Tag von Gedenken und Mahnen. Das Vermächtnis als Grundlage unseres Handelns zu nehmen, bedeutet für uns Stellung zu beziehen und uns einzumischen gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, staatliche Repression gegenüber Flüchtlingen, Aufrüstung und Kriegspolitik und für eine solidarische Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Deshalb wenden wir uns auch gegen eine Historisierung des Faschismus als eine abgeschlossene einmalige unverständliche Epoche.
Die Geschichte hat gelehrt, dass die herrschende Klasse niemals freiwillig abtreten wird. So werden auch die Kapitalisten nicht davor zurückschrecken, ihre Macht mit allen Mitteln zu verteidigen. Faschismus ist daher eine immer noch vorhandene aktuelle Gefahr!

Darum gehen wir heute am 9. November auf die Straße um zu gedenken und zu mahnen.

Am 9. November 1938 wurden in Gießen, wie in vielen anderen Städten und Gemeinden in Deutschland, Synagogen, jüdische Geschäfte und Häuser von den Nazis niedergebrannt. Menschen wurden geschlagen, gejagt und ermordet. Die Bevölkerung sah weg oder klatschte Beifall und beteiligte sich an den Pogromen. Die Reichspogromnacht, die von den Nazis zynisch Reichskristallnacht genannt wurde, war eine von langer Hand vorbereitete Aktion. Sie hatte zwei wesentliche Ziele: die ökonomische Ausplünderung und den Beginn der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung sowie die Einschüchterung von möglicher Opposition. Da entschiedener Widerstand gegen dieses verbrecherische Vorgehen ausblieb, erwies sich die Reichspogromnacht als ein wesentlicher Schritt zur Festigung der Faschistischen Diktatur. Es folgte der 2. Weltkrieg mit über 50 Millionen Toten, der Holocaust als industrielle Massenvernichtung der jüdischen Bevölkerung Europas sowie die Vertreibung und Ermordung aller Menschen, die dem rassistischen und politischen Weltbild der Faschisten nicht entsprachen.

Nach der Befreiung vom Faschismus schienen viele aus der Geschichte gelernt zu
haben und es gab einen breiten Konsens, der sich in der Forderung „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“ ausdrückte. Bis weit in konservative Kreise hinein gab es konkrete Überlegungen und Pläne für die Entwicklung einer nichtkapitalistischen Gesellschaftsordnung.

‚Refugees welcome‘ ist heute eine häufig genutzte Losung. Damit sind Teile der Bevölkerung den Politiker*innen Deutschlands im Denken, Fühlen und Handeln weit voraus. Deutschland ist als Hegemonialmacht der Europäischen Union mit verantwortlich für die Versorgung aller Kriegsparteien mit Waffen, mit verantwortlich für die aggressive Abschottung des Kontinents und mit verantwortlich für die Unterwerfung von Menschen unter ökonomische Zwänge. Die momentane Flüchtlingspolitik steht hierzu nicht im Widerspruch! Flüchtende Menschen werden im Zeichen des demografischen Wandels als ökonomische Humanressource entdeckt. So wird auf der einen Seite eine Willkommenskultur propagiert und auf der anderen Seite das Asylrecht massiv verschärft.

Noch nie seit 1945 gab es so viele Kriege und so viele Menschen auf der Flucht wie im Moment. Deutschland ist – auch wenn wir es hier nicht spüren – kriegsführende Partei. Wir treten ein gegen Krieg und für eine Politik, in der Menschen nur nach Einschätzung ihrer Verwertbarkeit Rechte zugestanden werden.

Im Gedenken an die Opfer kämpfen wir für eine solidarische Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung."

Anschließend sangen die Teilnehmer gemeinsam `Die Moorsoldaten`von Johann Esser, Wolfgang Langhoff (1933)

http://www.diz-emslandlager.de/moorlied.htm

Nach einer Schweigeminute wurden ein Kranz am Gedenkstein niedergelegt und um 18.00 Uhr begann der Mahngang zu den bekannten Stellen in der Gießener Innenstadt.


Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Ehrung von Ria Deeg
Am 13.08.2020 jährte sich der Todestag von Ria Deeg zum 20....
Tea at Five Poster - Absage der Premiere
the Keller Theatre spielt "Tea at Five" im Rathaus Gießen, Achtung: PREMIERE AM 10.09.2020 FÄLLT WEGEN KRANKHEIT AUS
Nach Monaten der Zwangspause durch die Corona-Pandemie steht das...
Ehrenfriedhof Cap Arcona Neustadt/Holstein
Ostsee-Küsten-Radweg - Weg der "Cap Arcona"-Gedenkorte
Im Lauf mehrerer Jahre radelte ich in etlichen Etappen den...
Vergessene Menschen: Ermordete Zwangsarbeiter.
Wer kennt heute noch Germaine Durocher? Germaine Durocher war eine...
Bundesverdienstkreuz
Zu den vergessenen Opfern des deutschen Faschismus gehören die...
Bahnhofstraße 65
Bahnhofstraße 65: Hier wohnte Raimund Henkel...
Das Haus Bahnhofstraße 65 ist gleich in zwei Listen aufgeführt: in...
Pool von ehrenamtlichen Peer BeraterInnen der EUTB Beratungsstelle Gießen hat sich gegründet!
Ende August fand das erste offizielle Treffen der ehrenamtlichen Peer...

Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
10.363
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 09.11.2015 um 21:00 Uhr
Daumen hoch, liebe Martina !
Hermann Menger
2.373
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 09.11.2015 um 21:07 Uhr
Da waren Sie aber schnell mit dem Bericht, Frau Lennartz! Ich war ja erst um 18.00 Uhr bei der Kundgebung des "Bündnisses gegen Antisemitismus und Antizionismus" dabei und bin dann auch bei dem Mahngang mitgegangen. Vielleicht poste ich dazu noch ein paar Smartphone - Bilder in einem separaten Beitrag.
Martina Lennartz
6.348
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 09.11.2015 um 21:12 Uhr
Lieber Herr Menger, erst mal hat es mich gefreut Sie persönlich kennen zu lernen.
Wenn Sie noch ein paar Bilder haben, die es zu veröffentlicht lohnt, dann freue ich mich.

Allerdings hat die oben aufgeführte Rede und der Teil der Veranstaltung nichts mit der später dazu kommenden und dann parallel anwesenden Gruppe zu tun, die sich "Bündnisse gegen Antisemitismus und Antizionismus" nennt.
Christian Momberger
11.303
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 09.11.2015 um 22:42 Uhr
Auch von mir Danke für den schnellen Bericht. Da auch ich leider erst gegen 17.45 Uhr vor Ort sein konnte, habe ich wohl den besten Teil verpasst. :-(
Eine sehr gute Rede von Henning Mächerle.

"Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg. Diese Forderung ist ein politisches Vermächtnis von Überlebenden und Widerstandskämpfer*innen gegen den Faschismus. In diesem Zusammenhang ist der 9. November ein Tag von Gedenken und Mahnen. Das Vermächtnis als Grundlage unseres Handelns zu nehmen, bedeutet für uns Stellung zu beziehen und uns einzumischen gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, staatliche Repression gegenüber Flüchtlingen, Aufrüstung und Kriegspolitik und für eine solidarische Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Deshalb wenden wir uns auch gegen eine Historisierung des Faschismus als eine abgeschlossene einmalige unverständliche Epoche."

Gerade diesen Punkt finde ich in Bezug auf den Mahngang wichtig und ich vermisste durchaus das "politische" - nicht zu verwechseln mit Parteipolitik! - bei dem heutigen Mahngang. Diese war nur noch historisierend und ausschließlich auf die jüdischen Opfer fixiert. Ich kann mich noch gut an einen Mahngang Anfang der 1990er (1991 oder 1992) erinnern, als die Route dahingehend verlängert/verändert wurde, dass es von der Goetheschule nicht direkt zum Abschlussort vor der Kongresshalle ging, sondern ein Abstecher zur Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) im Meisenbornweg gemacht wurde und es dann über Klinikbrücke und Frankfurter Straße zurück zur Kongresshalle ging. Bei diesem Mahngang waren mehrere tausend Teilnehmer dabei, der Zug war sehr lang. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse in Deutschland mit brennenden Flüchtlingsheimen und rassistischen Ausfällen u.a. von AfD-Politikern und einem Ministerpräsident Seehofer (CSU) hätte es gut angestanden, dies mit zum Thema des Mahnganges zu machen und evtl. wieder mal ein Abstecher zur HEAE zu machen.
Michael Beltz
7.779
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 10.11.2015 um 11:02 Uhr
Ich nehme am Mahngang seit Jahrzehnten teil. Alles Wichtige ist hier gesagt, gegen Antisemitismus treten wir alle gemeinsam auf. Nicht akzeptieren kann ich einen Aufruf gegen Antizionismus. Zionisten vertreten imperiale Ansprüche Isaraels. Der Staat Israel - bei allem Verständnis für die Sicherheitsinteressen dieses Staates - behandelt die Palästinenser auf unmenschliche Art und Weise. Israel ist ein rassistischer Staat und missachtet alle Hinweise der UNO und humanitärer Organisationen.
Hermann Menger
2.373
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 10.11.2015 um 11:57 Uhr
Gemeinsam gegen den Antisemitismus, darin sind wir uns einig, lieber Herr Beltz. Ich bin darüber hinaus auch noch gegen den Antizionismus und sehe den Staat Israel nicht als "rassistischen Staat". Dass die Hamas diesem Staat das Existenzrecht verweigert und dass die UNO immer nur den Staat Israel als Agressor verurteilt, sehe ich schon als unerträglichen Antizionismus.
Hermann Menger
2.373
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 11.11.2015 um 12:02 Uhr
Meinen Beitrag mit Bildern vom Mahngang findet man unter http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/107764/gegen-das-vergessen/
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Martina Lennartz

von:  Martina Lennartz

offline
Interessensgebiet: Gießen
Martina Lennartz
6.348
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
"Bleiben Sie zuhause" - ein Hohn für Menschen ohne Zuhause
Der Winter bringt Menschen ohne festen Wohnsitz in Lebensgefahr, ob...
Edersee zeigt die Brücke von Asel

Veröffentlicht in der Gruppe

Bündnis gegen Rechts Gießen

Mitglieder: 30
Aktuellste Beiträge der Gruppe:
(Gebirgs-)Jägerdenkmal, auch Grüntendenkmal genannt, auf dem Grünten im Allgäu
Fragwürdige Heldenverehrung liebt die luftigen Bergeshöh'n
Nicht nur die Immelmann-Stele – inzwischen ohne herabstürzende...
Neuausgabe "Signale aus der Zelle" ab sofort erhältlich
Vor 20 Jahren starb die Gießener Kommunistin und Antifaschistin Ria...
Weitere Gruppen des Beitrags:

Weitere Beiträge aus der Region

Eine Beschäftigte mit einer Behinderung
Beschäftigungspflicht Schwerbehinderter wird bei Arbeitgebern erfragt
Arbeitgeber mit durchschnittlich mindestens 20 Arbeitsplätzen sind...
Kurz vor Mitternacht begann es zu schneien
Nun war es doch noch Winter in Friesoythe geworden, ....
.... wenn auch nur für kurze Zeit. In der Zeit von Samstag Nacht...
vor zwei Tagen
Blick aus dem Homeoffice
Nachstehend Bilder nach der "ersten Welle" Schneetreibens im Allgäu ...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.