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Gemeinsame Flächenplanung für Windkraftanlagen

Dr. Jörg Weise, Andreas Schulz, Peter Gefeller, Mathias Wolf und Moderator Simon Oerding (v.l.).
Dr. Jörg Weise, Andreas Schulz, Peter Gefeller, Mathias Wolf und Moderator Simon Oerding (v.l.).
Gießen | Auf Beschluss der jeweiligen Gemeindevertretungen haben sich die Kommunen Allendorf/Lumda, Buseck, Ebsdorfergrund, Fronhausen, Rabenau, Reiskirchen und Staufenberg zur Aufstellung eines gemeinsamen Flächennutzungsplans zur Windkraftentwicklung im Bereich der Gemeindeflächen entschieden.
Diese Planungen stehen nun kurz vor dem Abschluss und der finale Entwurf des gemeinsamen Flächennutzungsplans liegt aktuell in den Kommunen zur Kommentierung aus.

Aus diesem Anlass luden die Bürgermeister der sieben Kommunen und das Bürgerforum Energieland Hessen gemeinsam alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zu einer zentralen Informations- und Dialogveranstaltung, vergangenen Dienstag, in das Kulturzentrum Buseck ein.

Ziel der Veranstaltung war es, die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinden frühzeitig, transparent und offen über den aktuellen Stand der Flächenplanung sowie die weiteren Schritte bis hin zu einer möglichen Ansiedlung von Windkraftanlagen zu informieren, so Peter Gefeller, Bürgermeister der Stadt Staufenberg.

Nachdem Bürgermeister Erhard Reindl die Bürgerinnen und Bürger sowie alle Bürgermeister und anderen Beteiligten begrüßte, stellte er noch einmal fest, dass es wichtig sei, sich darüber bewusst zu werden, dass Strom nicht einfach aus der Steckdose komme.
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In seiner Kindheit, berichtete er, gab es so etwas wie einen Kühlschrank oder Elektroherd noch gar nicht - gebügelt wurde teilweise sogar noch mit einem heißen Stein.
Heute sehen wir Strom und all seine Vorzüge als selbstverständlich an, denn ohne ihn würden wir "verdammt alt aussehen".
Erhard Reindl sei dankbar für alle, die so tatkräftig hinter der Energiewende stünden, doch ohne die Atomkraft sei viel neue Arbeit nötig und man müsse vor allem bereit sein, mit den Alternativen leben zu können.

Um Interessenskoalitonen zwischen den Beteiligten zu vermeiden, führte Moderator Simon Oerding von der IFOK und für das Bürgerforum Energieland Hessen durch den Abend.

Mathias Wolf vom Planungsbüro Holger und Fischer, klärte bereits einige allgemeine Fragen mit seinem Vortrag "Entwurf der gemeinsamen Flächenplanung - Windenergie".
Er vermittelte den Bürgern sachlich, wie es zu der Entstehung der sogenannten "Konzentrationsgebieten" kam (zuerst werden geeignete Standorte ermittelt und anschließend vertiefend untersucht, bis sie als Konzentrationszonen dargestellt werden können) und wie das weitere Verfahren auszusehen habe. Wird der Feststellungsbeschluss im Dezember gefasst und von den Kommunen abgesegnet, hat das Regierungspräsidium drei Monate Zeit, um den Beschluss endgültig zuzulasen.
Mathias Wolf (links) beantwortet Fragen, angeleitet von Simon Oerding.
Mathias Wolf (links) beantwortet Fragen, angeleitet von Simon Oerding.
Erst danach werden Projektierer und Betreiber bestimmt und die Detailplanung kann beginnen.

Dr. Jörg Weise (Ingenieurbüro Meier & Weise, Gießen) zeigte die "Ergebnisse der naturschutzfachlichen Prüfungen" auf.
Für den Entwurf des Flächennutzungsplans wurden der Kleinvogelzug, der Kranichzug und die Anzahl an Spechten und Eulen innerhalb des Gebietes erfasst. Des Weiteren wurde eine Horstbaumkatierung angelegt und spezielle Funktionsraumanalysen für Rotmilane und Schwarzstörche durchgeführt, um zu gewährleisten, dass eine mögliche Errichtung einer Windkraftanlage in keinster Weise der Natur und ihren Bewohnern schaden würde.
Auch die bestimmten Abstandsverordnungen (z.B.: 1000-1500m Abstand zum Horst eines Rotmilans, 3000m Abstand zum Horst eines Schwarzstorches) wurden strengstens eingehalten, so Dr. Jörg Weise.

Es stünde aber noch einiges an Arbeit an: Neben einer Brutvogelkartierung müsse auch noch kontrolliert werden, welche Vogelarten empfindlich gegenüber Windenergieanlagen seien. Auch sei noch die Population an Fledermäusen durch Detektorbegehungen und Hochboxeneinsätze festzustellen.

Die Veranstaltung stieß auf rege Beteiligung von Seiten des Publikums.
Die Veranstaltung stieß auf rege Beteiligung von Seiten des Publikums.
Nach den zwei informativen Vorträgen begann die Diskussionsrunde, bei der alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit hatten, Fragen zu stellen oder Aussagen kritisch zu hinterfragen.
Vorneweg betonte Bürgermeister Peter Gefeller, dass er sehr zufrieden mit der Planung in Staufenberg sei.

Die erste Frage erwischte Dr. Jörg Weise ohne jenen Sanftmut: Wie es denn mit Gefälligkeitsgutachten aussehe, fragte Moderator Simon Oerding.
Die Leitfäden, die für solche Planungen vorgegeben werden, haben Hand und Fuß, betonte Weise: "Sie müssen schlichtweg beachtet werden, ansonsten werden die Anträge nicht stattgegeben. Wer nicht nach ihnen arbeitet ist sofort weg vom Fenster, dadurch wird gewährleistet, dass die Erhebung Hand und Fuß hat."
Doch eventuelle Fehler könne er aufgrund der stetigen Dynamik der Natur nicht ausschließen, solle aber einer Bürgerin oder einem Bürger etwas derartiges auffallen, sei ein jeder gebeten, sich nicht zurückzuhalten und die Planer sofort darüber zu unterrichten.
Dem Publikum versicherte er aber nochmals, mit größter Mühe und Sorgfalt gearbeitet zu haben.

"Das ist auf kommunaler Ebene leider nicht austragbar. Wenn man gar nichts tut, werden nur mehr Windkraftanlagen gebaut" - so antwortete Andreas Schulz, Bürgermeister Ebsdorfergrund, auf die Problem-Frage zum Infraschall. Auch sei es wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass nicht alle konkurrierenden Informationen ausschließlich die Wahrheit beinhalteten.

Auch äußerten die Bürger ihre "Angst", dass nach einem positiv gelaufenen Verfahren niemand mehr die Anlagen aufhalten würde, solange die Leitfäden stimmen
Die Kommunen seien darum bemüht, nicht einfach nur die Landschaftsbilder "verschandeln" zu lassen, sondern für den Mehrwert für die Bürger, sich an den Windkraftanlagen beteiligen zu können, zu sorgen und eine "Goldgräberstimmung" unter den Projektierern zu vermeiden, so Andreas Schulz.

Gerüchte, dass im zur Nutzung bestimmten Teilgebiet von Staufenberg bis zu 200 Windräder aufgebaut werden sollten, räumte Bürgermeister Peter Gefeller aus dem Weg: "Es werden so wenig Windkraftanlagen wie möglich errichtet. Wo es verhindert werden kann, wird es verhindert werden." Allein durch die unzähligen Abstandsbestimmungen seien auf diesem Teilgebiet kaum mehr als sechs Räder möglich.

Einig waren sich die Bürger darüber, dass es sich bei dem Informationsabend um eine tolle und wichtige Veranstaltung handelte. Dennoch ging ein klarer Appell an die Bürgermeister: In Zukunft solle man viel früher und intensiver damit beginnen, auf Ängste und Unsicherheiten einzugehen, aufzuklären und durchaus mehr zu informieren.

Durch "Meilensteine", die regelmäßig in Zusammenarbeit mit den zukünftigen Projektierern erstellt werden, kontrollieren die Gemeinden, dass es sich beim Bau und bei der Inbetriebnahme nach wie vor um wirschaftliches Arbeiten handelt.

Nachdem sich die Bürger und Bürgerinnen für die Aufmerksamkeit der Anwesenden bedankten, freute sich auch Erhard Reindl über die gelungene, sachliche Diskussionsrunde und versicherte: "Wir befinden uns auf einem Weg, der für alle ein guter Weg ist."

Dr. Jörg Weise, Andreas Schulz, Peter Gefeller, Mathias Wolf und Moderator Simon Oerding (v.l.).
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Die Veranstaltung stieß auf rege Beteiligung von Seiten des Publikums.
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von:  Natalija Köppl - Mitarbeiterin der GZ-Redaktion

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Interessensgebiet: Gießen
Natalija Köppl - Mitarbeiterin der GZ-Redaktion
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