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VHC Hoherodskopf im Kulturzentrum Romrod

Die VHC-Hoherodskopf-Gruppe in Romrod
Die VHC-Hoherodskopf-Gruppe in Romrod
Gießen | Der Vogelsberger Höhenclub, Zweigverein Hoherodskopf, machte sich kürzlich auf nach Romrod, um das unter Denkmalschutz stehende Schloß, das Museum und die Synagoge mit Mikwe zu besichtigen.

Zunächst wurden die VHCer von Herrn Rausch über die Synagoge informiert. Die Juden in Romrod besuchten zunächst die Gottesdienste in Angenrod beziehungsweise in Alsfeld. 1837 kaufte die Jüdische Gemeinde Romrod ein bäuerliches Anwesen und baute es in den folgenden Jahren zu einer Synagoge mit Schulraum, Lehrerwohnung und rituellem Bad (Mikwe) um. In der ehemaligen Scheune wurde der Synagogensaal mit einer Frauenempore im Obergeschoss untergebracht. Das rituelle Bad wurde in einer nordöstlich davon befindlichen Kammer eingerichtet. Der Umbau wurde vom Kreisbaumeister Sonnemann geleitet, der auch die klassizistische Synagogeneinrichtung entworfen hatte. Am 16. September 1843 fand die feierliche Einweihung statt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder so stark zurück, dass seit Mitte der 1930er Jahre kein Gottesdienst mehr abgehalten werden konnte. Die vier letzten Mitglieder der jüdischen Gemeinde verkauften das Gebäude im Oktober 1935 an einen Landwirt, der die ehemalige Synagoge als Scheune und Lager nutzte.

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VHC Hoherodskopf im Kulturzentrum Romrod (1)
1988 kaufte die Stadt Romrod die ehemalige Synagoge und sanierte das Gebäude in den Jahren 2001 bis 2006. Am 16. Juni 2006 wurde die restaurierte Synagoge als Kulturhaus ehemalige Synagoge eröffnet. Sie wird seitdem für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Erhalten und restauriert wurde auch die Innenausstattung der Synagoge mit der Unterkonstruktion des Toraschreines und der Empore. Heute wird der Saal auch als Standesamt genutzt.

Im Nachbarhaus ist die 1853/54 erbaute und im 20. Jahrhundert rundum erneuerte Mikwe zu sehen. Das rituelle Bad wurde vermutlich mit Wasser aus einem nahegelegenen Bach gespeist, da es einen wasserundurchlässigen Zementboden aufweist. Im Flur bewegten die Schulbilder, auf denen auch die jüdischen Kinder abgelichtet sind.
Der Weg führte die VHC-Gruppe auch ins Museum von Romrod. Ein Film informierte über die archäologische Bergung eines Fußbodens von einem Haus im Schloßhof.

Das Museum Romrod, das in einer aufwändig sanierten alten Scheune eingerichtet wurde, gibt Einblick in die Geschichte des Ortes Romrod und des dazugehörigen Schlosses. Auf zwei Stockwerken erfährt der Besucher viel über die Ursprünge des Schlosses als Wasserburg und seine unterschiedlichen späteren Nutzungen. Hauptattraktion der Ausstellung sind die gut erhaltenen Funde der archäologischen Grabungen im Schlosshof, die frei auf Höhe des ersten Obergeschosses hängen und von der dortigen Galerie aus betrachtet werden können.

Das produktionstechnisch sicherlich augenfälligste dieses Museums ist die 30 x 2 m lange Wandabwicklung im Obergeschoß des Schlosses. Sie zeigt umfassend und durch das ganze Stockwerk laufend das mittelalterliche Leben auf dem Schloss. Sie wurde im Tintenstrahlverfahren gedruckt und in die örtlichen Gegebenheiten eingepasst. In diese fortlaufende Wand wurden dann Vitrinen, Bilder und Exponate eingefügt. Großflächige Drucke hinter Glas runden im Erdgeschoß den attraktiven Museumsausbau ab.

Interessant ist auch ein originaler Jagdlappen mit einem Mohrenkopf. Derartige Lappen wurden bei der Jagd von den Treibern verwendet, um das Wild den Edlen vor die Flinte zu treiben. Daher kommt auch der Ausdruck: Durch die Lappen gegangen! Danach ging es noch zum Schloß, das heute als Hotelanlage genutzt wird. Hier konnte der Rittersaal noch besichtigt werden.

Die erste urkundliche Erwähnung Romrods liegt aus dem Jahr 1197 vor. Heinrich von Romrod erbaute gegen Ende des 13. Jahrhunderts die Burg Herzberg und trug sie dem Landgrafen von Hessen zu Lehen an. Die Familie teilte sich in der Folge in zwei Linien, von denen sich die eine nach der neuen Burg von Herzfeld nannte. Die Romroder Linie erlosch um die Mitte des 14. Jahrhunderts im Mannesstamm, worauf die Erbin die Burg an die Landgrafen Heinrich II. und Otto verkaufte. Die Burg wurde mit Burgmannen besetzt und kam schließlich um 1400 in unmittelbaren hessischen Besitz.

Im Zuge der hessischen Erbteilung nach dem Tode Philipps des Großmütigen gelangte Burg Romrod zunächst an Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg. Dieser ließ zwischen 1578 und 1587 einen Großteil der Burggebäude wegen Baufälligkeit abtragen. Durch die Neubauten dieser Zeit erhielt die Burg im Wesentlichen ihr heutiges Aussehen. Nach Ludwigs Tod 1604 fiel die Burg an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Bis 1829 diente sie als Amtssitz. Anschließend wurde das Schloss nochmals, hauptsächlich 1878-85 umgebaut und diente der großherzoglichen Familie als Sommerresidenz. Dafür erhielt der nächstgelegene Bahnhof, Zell-Romrod, ein eigenes Fürstenzimmer für den Empfang der „allerhöchsten Herrschaften“.

In der Vermögensauseinandersetzung zwischen dem Volksstaat Hessen und dem letzten Großherzog von Hessen und bei Rhein, Ernst Ludwig, wurde das Schloss in der ersten Abmachung von 1919 dem ehemaligen Großherzog zugesprochen. In dem zweiten Vertrag von 1930, der aufgrund der Inflation von 1923 geschlossen wurde, fiel das Schloss nur auf Lebenszeit an den ehemaligen Großherzog und damit ein Jahr nach dessen Tod, 1938, an den Volksstaat Hessen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es bis in die 1970er Jahre als Unterkunft für Flüchtlinge verwendet. Anschließend stand es jahrelang leer und drohte zu verfallen, bis es 1997 die Deutsche Stiftung Denkmalschutz erwarb. Heute beherbergt das Schloss die Denkmalakademie und ein Hotel. Zwischen 1996 und 2002 fanden umfangreiche archäologische Ausgrabungen im Burgbereich statt.
Das hochinformative Treffen klang mit einem gemeinsamen gemütlichen Mittagessen in dem Gasthaus Tenne aus.

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von:  Werner Döring

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Werner Döring
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